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Nie sollst Du vergessen

Электронная книга - «Nie sollst Du vergessen». Краткое содержание книги:

In einer regnerischen Nacht wird Eugenie Davies in London von einem Autofahrer getötet. Ein Unfall ist definitiv auszuschließen: Die Frau wurde frontal angefahren und danach mehrmals absichtlich mit dem Wagen überrollt. Doch was hatte Eugenie Davies so spät am Abend überhaupt in der Stadt zu suchen? Und warum trug sie einen Zettel mit dem Namen genau des Mannes bei sich, der später ihre Leiche findet? Für Inspector Thomas Lynley, in dessen Privatleben sich zur selben Zeit dramatische Veränderungen ankündigen, sind diese Fragen nur der Auftakt zu Ermittlungen, in deren Verlauf er auf einem gefährlich schmalen Grat zwischen persönlicher Loyalität und beruflicher Ehre wandert. Denn schon bald stellen Lynley und Sergeant Barbara Havers betroffen fest, dass ihr Chef Superintendent Webberly, der mehr über Eugenie Davies zu wissen scheint, als er preisgibt, versucht, sie bei der Auswertung von Erkenntnissen zu behindern. Für Lynley und Havers steht ihre berufliche Laufbahn auf dem Spiel, doch sie sind schon viel zu tief in den Fall eingedrungen, um sich noch zurückziehen zu können. Denn die Familie Davies nährt einen tödlichen Kreislauf aus Versagen, Wut und Gewalt, der immer weitere Opfer fordert…
Psychologische Raffinesse, präziser Spannungsaufbau und ein unfehlbarer Sinn für Dramatik charakterisieren die Kriminalromane der Amerikanerin Elizabeth George. Die Autorin, die den Anthony Award, den Agatha Award und den Grand Prix de Litérature Policière gewonnen hat, lebt in Huntington Beach, Kalifornien. Mehr Informationen zur Autorin unter www.ElizabethGeorgeOnline.com
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Jill Foster sah ihn mit so unbewegtem Blick an, dass klar war, dass er genau wusste, wann das Konzert stattgefunden hatte. »War es nicht am dreißigsten Juli?«, sagte sie.

»Ja, das scheint mir richtig zu sein.« Und zu Lynley: »Eugenie hat wenig später angerufen. Ich weiß nicht mehr genau, wann es war. Vielleicht so um den fünfzehnten August. Danach hat sie Verbindung gehalten.«

»Und wann haben Sie das letzte Mal mit ihr gesprochen?«

»Irgendwann letzte Woche? Ich kann es nicht genau sagen. Ich habe es mir nicht aufgeschrieben. Sie rief hier an und hinterließ eine Nachricht. Ich habe sie dann zurückgerufen. Viel konnte ich ihr nicht sagen, das Gespräch war daher kurz. Gideon - und ich wäre sehr dankbar, wenn das unter uns bleiben würde, Inspector - leidet an akutem Lampenfieber. Wir haben bisher behauptet, es handle sich um Erschöpfung, aber das ist ein Euphemismus. Eugenie ließ sich davon nicht täuschen, und ich bezweifle, dass die Öffentlichkeit es noch lange akzeptieren wird.«

»Aber sie hat Ihren Sohn nicht besucht? Hat sie mit ihm Kontakt aufgenommen?«

»Wenn ja, dann hat Gideon mir nichts davon gesagt. Was mich sehr wundern würde. Mein Sohn und ich habe eine sehr enge Beziehung, Inspector.«

Jill Foster senkte den Blick. Lynley hielt es für möglich, dass die enge Beziehung, von der Davies gesprochen hatte, eine einseitige Angelegenheit war. Er sagte: »Ihre geschiedene Frau hatte offenbar die Absicht, einen Bekannten in Hampstead zu besuchen. Sie hatte seine Adresse bei sich. Er heißt J. W. Pitchley, aber Sie kennen ihn vielleicht unter seinem früheren Namen - James Pitchford.«

Davies, der bisher liebevoll die Füße seiner Lebensgefährtin gestreichelt hatte, erstarrte.

»Sie erinnern sich an ihn?«, fragte Lynley.

»Ja, ich erinnere mich an ihn. Aber -« Zu Jill Foster gewandt:

»Willst du dich nicht doch lieber hinlegen, Schatz?«

Ihre Miene war eindeutig: Keinesfalls würde die kleine Jill jetzt brav ins Schlafzimmer abziehen.

»Die Menschen aus jener besonderen Zeit werde ich bestimmt nie vergessen, Inspector«, sagte Davies. »Das würde Ihnen unter den Umständen genauso gehen. James wohnte mehrere Jahre bei uns zur Untermiete, bevor Sonia, unsere Tochter .« Er sprach nicht weiter, sondern drückte mit einer kurzen Geste aus, was er meinte.

»Wissen Sie, ob Ihre geschiedene Frau mit diesem Mann in Verbindung geblieben war? Er wurde bereits danach gefragt und verneinte. Aber hat Ihre geschiedene Frau ihn vielleicht in den Telefongesprächen mit Ihnen mal erwähnt?«

Davies schüttelte den Kopf. »Wir haben nie über etwas anderes als Gideon und seine Gesundheit gesprochen.«

»Dann hat sie also auch nie ihre Familie erwähnt oder von ihrem Leben in Henley gesprochen, von Freunden, die sie dort hatte, Verehrern vielleicht?«

»Nein, nichts dergleichen. Eugenie und ich haben uns nicht im Guten getrennt. Sie hat mich eines Tages von heute auf morgen verlassen, und fertig. Keine Erklärung, kein Streit, keine Entschuldigung. Gerade war sie noch da gewesen, und im nächsten Moment war sie weg. Vier Jahre später hörte ich von ihren Anwälten. Sie können sich vielleicht vorstellen, dass wir nicht gerade ein Herz und eine Seele waren. Ich war, ehrlich gesagt, nicht sonderlich erfreut, als ich plötzlich wieder von ihr hörte.«

»Ist es möglich, dass sie eine Beziehung zu einem anderen Mann hatte, als sie Sie damals verließ? Jemand, der vor kurzem erneut in ihr Leben getreten ist?«

»Pitches?«

»Ja. Wäre es möglich, dass sie eine Beziehung zu Pitchley unterhielt, als er noch James Pitchford hieß?«

Davies ließ sich das durch den Kopf gehen. »Er war um einiges jünger als Eugenie - fünfzehn Jahre vielleicht. Oder zehn. Aber Eugenie war eine attraktive Frau. Für ausgeschlossen würde ich es nicht halten, dass zwischen den beiden etwas war. Darf ich Ihnen noch etwas Tee nachschenken, Inspector?«

Davies rutschte unter Jill Fosters Beinen hervor und verschwand, nachdem Lynley ihm seine Tasse gereicht hatte, in der Küche. Während draußen das Wasser in den Kessel lief, fragte sich Lynley, warum der Mann diese Pause gerade in diesem Augenblick herbeigeführt hatte und wozu er sie brauchte. Gewiss, zum Schock waren jetzt Überraschung und Bestürzung gekommen, und Davies gehörte einer Generation an, bei der es als schamlos galt, Gefühle zu zeigen. Und Jill Foster achtete genau auf jede seiner Reaktionen, und er hatte vielleicht einen guten Grund, einen Moment des Alleinseins zu suchen, um sich in den Griff zu bekommen. Aber trotzdem…

Als Richard Davies zurückkehrte, brachte er ein Glas Orangensaft mit, das er Jill Foster mit den Worten aufdrängte: »Du kannst die Vitamine gebrauchen, Jill.«

Lynley nahm dankend seine Tasse entgegen und sagte: »Ihre geschiedene Frau hatte in Henley eine engere Beziehung zu einem Mann namens Wiley. Hat sie ihn vielleicht in einem Ihrer Telefongespräche erwähnt?«

»Nein«, antwortete Davies, »im Ernst, Inspector, wir haben uns auf Gideon beschränkt.«

»Major Wiley erzählte uns, Ihre Frau und Ihr Sohn seien einander völlig fremd geworden.«

»Ach ja?« erwiderte Davies. »Hat er Ihnen auch gesagt, wie das kam? Wie ein Blitzschlag aus heiterem Himmel. Seine Mutter verschwand eines Tages und ward nie wieder gesehen. Sie hat ihren Sohn verlassen.«

»Vielleicht war das ihre Sünde«, murmelte Lynley.

»Wie bitte?«

»Sie sagte zu Major Wiley, sie müsse ihm etwas beichten - vielleicht, dass sie ihren Sohn und ihren Mann verlassen hatte. Es kam übrigens nie zu dieser Beichte. Behauptet jedenfalls Major Wiley.«

»Glauben Sie denn, dass Wiley…?«

»Im Moment sammeln wir lediglich Informationen, Mr. Davies. Können Sie dem, was Sie mir berichtet haben, noch irgendetwas hinzufügen? Hat Ihre geschiedene Frau vielleicht en passant eine Bemerkung gemacht, die Ihnen zunächst bedeutungslos erschien, im Licht der vorliegenden Tatsachen jedoch -«

»Cresswell-White!«, sagte Davies, zunächst eher unsicher, dann aber ein zweites Mal mit zunehmender Überzeugung. »Ja, Cresswell-White. Ich hatte einen Brief von ihm bekommen, und Eugenie ganz sicher auch.«

»Und wer ist Cresswell-White?«

»O ja, er hat ihr ganz sicher geschrieben. Wenn Mörder aus der Strafanstalt entlassen werden, unterrichtet man die betroffenen Familien automatisch. So stand es jedenfalls in meinem Schreiben.«

»Mörder?«, wiederholte Lynley. »Haben Sie etwas von der Mörderin Ihrer Tochter gehört, Mr. Davies?«

Statt einer Antwort, stand Richard Davies auf und ging durch einen kurzen Flur in ein anderes Zimmer. Schubladen wurden geöffnet und wieder zugeschoben. Dann kam Davies mit einem Brief zurück, den er Lynley reichte. Der Absender war ein Mitglied der Kronanwaltschaft, ein gewisser Bertram Cresswell-White, der Mr. Richard Davies mitteilte, dass Miss Katja Wolff zum unten angegebenen Datum auf Bewährung aus dem Gefängnis Holloway entlassen werde. Sollte Miss Katja Wolff Mr. Davies in irgendeiner Weise belästigen oder bedrohen oder auch nur versuchen, zu ihm Kontakt aufzunehmen, so solle Mr. Davies unverzüglich Mr. Cresswell-White davon in Kenntnis setzen.

Lynley überflog das Schreiben und vermerkte das Datum: zwölf Wochen vor dem Tag, an dem Eugenie Davies umgekommen war.

»Hat sie versucht, mit Ihnen Verbindung aufzunehmen?«, fragte er Davies.

»Nein. Glauben Sie mir, wenn Sie das getan hätte, ich hätte -«, begann er und ließ es dann sein, sich aufzuplustern wie der junge Mann, der er nicht mehr war. »Könnte Katja Wolff Eugenie aufgespürt haben?«

»Hat Ihre geschiedene Frau nichts von ihr gesagt?«

»Nein.«

»Hätte sie es getan, wenn sie diese Katja Wolff gesprochen hätte?«

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