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Nie sollst Du vergessen

Электронная книга - «Nie sollst Du vergessen». Краткое содержание книги:

In einer regnerischen Nacht wird Eugenie Davies in London von einem Autofahrer getötet. Ein Unfall ist definitiv auszuschließen: Die Frau wurde frontal angefahren und danach mehrmals absichtlich mit dem Wagen überrollt. Doch was hatte Eugenie Davies so spät am Abend überhaupt in der Stadt zu suchen? Und warum trug sie einen Zettel mit dem Namen genau des Mannes bei sich, der später ihre Leiche findet? Für Inspector Thomas Lynley, in dessen Privatleben sich zur selben Zeit dramatische Veränderungen ankündigen, sind diese Fragen nur der Auftakt zu Ermittlungen, in deren Verlauf er auf einem gefährlich schmalen Grat zwischen persönlicher Loyalität und beruflicher Ehre wandert. Denn schon bald stellen Lynley und Sergeant Barbara Havers betroffen fest, dass ihr Chef Superintendent Webberly, der mehr über Eugenie Davies zu wissen scheint, als er preisgibt, versucht, sie bei der Auswertung von Erkenntnissen zu behindern. Für Lynley und Havers steht ihre berufliche Laufbahn auf dem Spiel, doch sie sind schon viel zu tief in den Fall eingedrungen, um sich noch zurückziehen zu können. Denn die Familie Davies nährt einen tödlichen Kreislauf aus Versagen, Wut und Gewalt, der immer weitere Opfer fordert…
Psychologische Raffinesse, präziser Spannungsaufbau und ein unfehlbarer Sinn für Dramatik charakterisieren die Kriminalromane der Amerikanerin Elizabeth George. Die Autorin, die den Anthony Award, den Agatha Award und den Grand Prix de Litérature Policière gewonnen hat, lebt in Huntington Beach, Kalifornien. Mehr Informationen zur Autorin unter www.ElizabethGeorgeOnline.com
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»The one and only«, sagte Jill Foster.

Lynley warf ihr einen Blick zu. Sie lächelte, vielleicht um ihren Worten die Schärfe zu nehmen. »Richards ganze Freude und der Mittelpunkt seines Lebens«, fügte sie hinzu. »Es ist verständlich, aber manchmal ein wenig strapaziös.«

»Das kann ich mir vorstellen. Wie lange kennen Sie Mr. Davies schon?«

Sie stemmte sich stöhnend aus dem Sessel - »O nein, so geht das nicht« - und suchte sich einen Platz auf dem Sofa, wo sie die Beine hochlegte und ein Kissen unter ihre Füße schob. »Mein Gott«, sagte sie. »Noch zwei Wochen. Das wird eine Erlösung.« Sie schob sich ein zweites Kissen, so abgewetzt wie die Möbel, in den Rücken. »Wir kennen uns seit drei Jahren.«

»Und er freut sich auf das Kind?«

»Wo doch die meisten Männer seines Alters sich auf Enkelkinder freuen«, meinte Jill. »Aber ja, er freut sich. Trotz seines Alters.«

Lynley lächelte. »Meine Frau ist auch schwanger.«

Jills Gesicht öffnete sich. »Ach, wirklich? Ist es Ihr erstes Kind, Inspector?«

Lynley nickte. »Ich kann mir an Mr. Davies ein Beispiel nehmen. Er scheint sehr besorgt um Sie.«

Sie verdrehte mit einem gutmütigen Lächeln die Augen. »Er ist die reinste Glucke. Vorsicht auf der Treppe, Jill. Fahr lieber nicht mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Setz dich nicht selbst ans Steuer, Jill. Geh nicht ohne Begleitung spazieren. Trink nichts, was Koffein enthält. Nimm immer dein Handy mit. Meide Menschenmengen, Zigarettenrauch - ach, die Liste ist endlos.«

»Er sorgt sich um Sie.«

»Ja, und es ist auch wirklich rührend, wenn ich ihn nicht gerade am liebsten in den nächsten Schrank einsperren würde.«

»Konnten Sie sich einmal mit seiner geschiedenen Frau unterhalten? Über die Schwangerschaft?«

»Mit Eugenie? Nein. Wir sind uns nie begegnet. Alte und neue Ehefrauen oder, in meinem Fall, Ehefrau in spe… Manchmal ist es klüger, sie auseinander zu halten, denke ich.«

Mit einem Plastiktablett, auf dem Tasse, Milchkännchen und Zuckerdose standen, kehrte Richard Davies ins Zimmer zurück.

»Du wolltest doch keinen Tee, Schatz, nicht wahr?«, sagte er zu Jill.

Sie verneinte, und nachdem Richard das Tablett auf einem Tischchen in der Nähe von Lynleys Sessel abgestellt hatte, setzte er sich neben sie und hob ihre Füße auf seinen Schoß.

»Wie können wir Ihnen helfen, Inspector?«, fragte er.

Lynley nahm ein Notizbuch aus seiner Jackentasche. Er fand die Frage interessant. Er fand Davies' Verhalten insgesamt interessant. Er konnte sich nicht erinnern, wann er das letzte Mal mit so freundlicher Bewirtung für einen unerwarteten Überfall belohnt worden war. Die meisten Leute reagierten auf einen unangemeldeten Besuch der Polizei mit Argwohn, Unruhe und Angst, auch wenn sie es vielleicht zu verbergen suchten.

Als hätte er mit Lynleys Verwunderung gerechnet, fügte Davies hinzu: »Ich nehme an, Sie sind Eugenies wegen gekommen. Ich war Ihren Kollegen in Hampstead keine große Hilfe, als man mich bat, mir - äh - den Leichnam anzusehen. Ich hatte Eugenie seit Jahren nicht mehr gesehen, und die Verletzungen . « Er hob die Hände in einer Geste der Hoffnungslosigkeit.

»Ja«, bestätigte Lynley, »ich bin wegen Ihrer geschiedenen Frau hier.«

Woraufhin Davies seine künftige Frau ansah und sagte: »Möchtest du dich lieber ein bisschen hinlegen, Jill? Ich sag dir Bescheid, wenn der Immobilienmakler kommt.«

»Nein, nein, es geht mir gut«, antwortete sie ablehnend. »Es ist doch unser gemeinsames Leben, Richard.«

Er drückte ihr Bein und sagte dann zu Lynley: »Die Tote ist also wirklich Eugenie. Irgendwie hatte ich gehofft, es hätte vielleicht eine andere Person ihre Ausweispapiere bei sich getragen.«

»Nein, es war Mrs. Davies«, entgegnete Lynley. »Es tut mir Leid.«

Davies nickte. Er versuchte nicht, Trauer vorzutäuschen. »Wissen Sie«, sagte er, »ich habe sie vor beinahe zwanzig Jahren das letzte Mal gesehen. Ich finde es traurig, dass sie durch einen so schlimmen Unfall ums Leben kommen musste, aber der Moment meines Verlusts - unsere Scheidung - liegt lange zurück. Ich hatte jahrelang Zeit, mich von diesem Verlust zu erholen, wenn Sie verstehen, was ich meine.«

Lynley verstand. Endlose Trauer hätte auf eine abgöttische Liebe wie die der seligen Königin Viktoria zu ihrem Albert oder auf eine ungesunde Fixierung hingedeutet, was ungefähr auf das Gleiche hinauslief. Doch Davies' Vorstellung, seine Frau sei durch einen Unfall ums Leben gekommen, bedurfte der Korrektur.

»Es war leider kein Unfall, Mr. Davies«, sagte Lynley. »Ihre geschiedene Frau wurde ermordet.«

Jill Foster richtete sich auf. »Aber wurde sie nicht… ? Richard, du hast doch gesagt…«

Richard Davies sah Lynley unverwandt an. Seine Pupillen weiteten sich. »Mir sagte man, es sei ein Unfall mit Fahrerflucht gewesen.«

Lynley erklärte. Ohne gerichtsmedizinische Befunde könne man in so einem Fall meist nur sehr wenig sagen. Eine erste Untersuchung der Toten - und des Orts, wo sie aufgefunden worden war - habe zwangsläufig zu dem Schluss geführt, dass sie von einem Autofahrer überfahren worden war, der dann geflüchtet war. Eine genauere Untersuchung habe jedoch ergeben, dass das Opfer mehr als einmal überrollt worden und dann an den Straßenrand geschleift worden war. Was man an Reifenspuren auf der Kleidung und am Körper der Toten gesichert habe, weise eindeutig darauf hin, dass nur ein Fahrzeug im Spiel gewesen war. Somit stehe fest, dass der flüchtige Fahrer ein Mörder und der Tod Eugenie Davies' kein Unfall, sondern Mord war.

»Das ist ja furchtbar!« Jill bot Richard Davies ihre Hand, aber er nahm sie nicht. Er schien sich wie betäubt in eine finstere Innenwelt zu verkriechen, wo keiner ihn erreichen konnte.

»Aber man hat mir mit keinem Wort angedeutet…«, sagte er, den Blick starr ins Leere gerichtet. »O Gott, kann es denn noch schlimmer werden?« Dann sah er Lynley an. »Ich muss es meinem Sohn sagen. Sie werden doch gestatten, dass ich es ihm sage? Es geht ihm seit einigen Monaten nicht besonders gut. Er kann nicht spielen. Dieses Unglück könnte ihn . Bitte gestatten Sie mir, es ihm selbst zu sagen, damit er es nicht von anderer Seite erfahren muss. Aus den Zeitungen, womöglich! Man wird es doch nicht der Presse mitteilen, bevor Gideon informiert wurde?«

»Das ist Sache der Pressestelle«, erwiderte Lynley. »Aber im Allgemeinen hält man dort derartige Informationen zurück, bis die Familie unterrichtet ist. Dabei können Sie uns helfen. Gibt es außer Gideon Angehörige?«

»Eugenies Brüder, aber ich habe keine Ahnung, wo die sich aufhalten. Ihre Eltern haben vor zwanzig Jahren noch gelebt, aber sie können inzwischen längst gestorben sein. Frank und Lesley Staines. Frank war anglikanischer Geistlicher - da könnten Sie vielleicht bei der Kirche nachfragen.«

»Und die Brüder?«

»Einer jünger, einer älter als sie. Douglas und Ian. Auch von ihnen weiß ich nichts. Als ich Eugenie kennen lernte, hatte sie ihre Eltern und ihre Brüder schon jahrelang nicht mehr gesehen und sie hat sie auch in der Zeit unserer Ehe nicht einmal getroffen.«

»Wir werden versuchen, sie ausfindig zu machen.« Lynley griff zu seiner Tasse, in der schlaff und braun der durchweichte Teebeutel hing. Er nahm ihn heraus und gab ein paar Tropfen Milch in die Tasse, bevor er trank. Dann sagte er: »Und Sie, Mr. Davies? Wann haben Sie Ihre geschiedene Frau das letzte Mal gesehen?«

»Bei unserer Scheidung. Das ist vielleicht… hm, sechs Jahre?… her. Wir mussten die Scheidungspapiere unterschreiben, und da sind wir uns noch einmal begegnet.«

»Und danach nicht mehr?«

»Nein. Ich habe allerdings in jüngster Zeit verschiedentlich mit ihr telefoniert.«

Lynley stellte seine Tasse ab. »Wann war das?«

»Sie hat regelmäßig angerufen, um sich nach Gideons Befinden zu erkundigen. Sie hatte erfahren, dass es ihm nicht gut ging. Das muss so -« Er wandte sich Jill Foster zu. »Wann war dieses katastrophale Konzert, Schatz?«

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