Nie sollst Du vergessen
- Автор: Джордж Элизабет
- Серия: Inspector Lynley (de) #11
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Год: Goldmann Verlag
- Переводчик: Mechtild Sandberg-Ciletti
- Жанр: Полицейские детективы
Электронная книга - «Nie sollst Du vergessen». Краткое содержание книги:
Psychologische Raffinesse, präziser Spannungsaufbau und ein unfehlbarer Sinn für Dramatik charakterisieren die Kriminalromane der Amerikanerin Elizabeth George. Die Autorin, die den Anthony Award, den Agatha Award und den Grand Prix de Litérature Policière gewonnen hat, lebt in Huntington Beach, Kalifornien. Mehr Informationen zur Autorin unter www.ElizabethGeorgeOnline.com
»Ich dachte, das hätten wir bereits entschieden.«
»Ja, stimmt schon, aber ich habe noch mal nachgedacht…«
»Und?« Er schien argwöhnisch.
»Na ja, ich denke, meine Wohnung wird sich leichter verkaufen lassen. Sie ist modern, von Grund auf renoviert, das Haus ist elegant und steht in einem guten Wohnviertel. Meiner Ansicht nach würde ich genug dafür bekommen, um die Anzahlung auf ein Haus zu leisten. Das heißt, wir müssten nicht warten, bis wir beide Wohnungen verkauft haben, um uns was Gemeinsames anzuschaffen.«
»Aber wir hatten doch alles schon entschieden«, wandte Richard ein. »Wir haben den Makler bestellt -«
»Na, den können wir doch wieder abbestellen. Wir brauchen nur zu sagen, dass wir es uns anders überlegt haben. Komm, Schatz, seien wir doch mal ehrlich. Deine Wohnung ist museumsreif. Und der Pachtvertrag läuft keine fünfzig Jahre mehr. Das Haus selbst ist nicht schlecht-wenn es den Eigentümern mal einfallen würde, es herzurichten -, aber die Wohnung zu verkaufen, das wird bestimmt Monate dauern. Bei meiner hingegen… Du musst doch einsehen, wie anders alles sein könnte.«
Die Ampel schaltete um, und sie fuhren weiter. Richard sprach erst wieder, als sie in die Kensington Church Street einbogen, dieses Paradies der Antiquitätensammler. »Ja, du hast Recht, es könnte Monate dauern, meine Wohnung zu verkaufen«, sagte er.
»Aber ist das denn ein Problem? Du wirst dir doch in den nächsten sechs Monaten bestimmt keinen Umzug antun wollen!«
»Aber -«
»Jill, das wäre Wahnsinn in deinem Zustand. Es wäre nicht nur eine Tortur, sondern vielleicht auch gefährlich.« An der Karmeliterkirche vorbei, lenkte er den Wagen durch das Gewühl von Taxis und Bussen in Richtung South Kensington und bog nach einiger Zeit in die Cornwall Gardens ein. »Bist du nervös, Schatz? Du sprichst fast nie über die Entbindung. Und ich hatte die ganze Zeit den Kopf voll - erst Gideon und jetzt diese… diese andere Geschichte -, ich konnte mich gar nicht richtig um dich kümmern. Glaub mir, ich weiß das.«
»Richard, ich verstehe doch, dass du dich um Gideon sorgst. Ich wollte wirklich nicht den Eindruck erwecken - «
»Hör zu, Schatz, ich liebe dich, ich freue mich auf unser Kind und auf ein Leben zusammen mit dir. Und wenn du möchtest, dass ich jetzt, so kurz vor dem Termin, mehr bei dir in Shepherd's Bush bin, dann brauchst du es nur zu sagen.«
»Du bist doch sowieso schon jede Nacht da. Mehr kann ich wirklich nicht verlangen.«
Er manövrierte den Wagen rückwärts in eine Parklücke, etwa dreißig Meter von Braemar Mansions entfernt, schaltete den Motor aus und wandte sich ihr zu. »Du kannst alles von mir verlangen, Jill. Und wenn du deine Wohnung gern vor meiner verkaufen möchtest, ist mir das auch recht. Aber wir ziehen auf keinen Fall um, bevor das Kind da ist und du dich von den Strapazen der Entbindung gründlich erholt hast. Ich bin ziemlich sicher, dass deine Mutter mit mir einer Meinung ist.«
Dagegen konnte Jill nichts vorbringen. Sie wusste, ihre Mutter würde überhaupt kein Verständnis aufbringen, wenn es ihr - Jill - einfiele, einen Umzug in Angriff zu nehmen, bevor sie sich nicht mindestens drei Monate von der Entbindung erholt hatte.
»Eine Geburt strengt den Körper an, Kind«, würde sie sagen.
»Verwöhn dich ein bisschen, Jill. Später hast du dazu vielleicht keine Möglichkeit mehr.«
»Also?«, fragte Richard und schaute sie liebevoll lächelnd an.
»Was sagst du?«
»Du bist immer so fürchterlich logisch und vernünftig. Wie kann ich da widersprechen? Was du gesagt hast, ist natürlich vollkommen richtig.«
Er neigte sich zu ihr und küsste sie. »Du kannst sogar mit Grazie verlieren. Und wenn ich mich nicht irre« - er wies mit einer Kopfbewegung zu dem Gebäude im edwardianischen Stil, als er um den Wagen herumkam und ihr heraushalf - »ist unser Makler auf die Minute pünktlich. Ein gutes Omen, finde ich.«
Hoffentlich, dachte Jill mit einem Blick auf den hoch gewachsenen blonden Mann, der gerade die Vortreppe zum Haus hinaufging und klingelte, nachdem er kurz das Klingelbrett studiert hatte.
»Ich nehme an, Sie suchen uns«, rief Richard im Näherkommen.
Der Mann drehte sich herum. »Mr. Davies?«
»Richtig.«
»Thomas Lynley. New Scotland Yard.«
Lynley hatte es sich zur Gewohnheit gemacht, die Reaktionen zu beobachten, wenn er sich Leuten vorstellte, die ihn nicht erwartet hatten, und so hielt er es auch jetzt, als der Mann und die Frau einen Moment am Fuß der Treppe vor dem ziemlich heruntergekommenen Haus am westlichen Ende der Cornwall Gardens stehen blieben.
Die Frau machte den Eindruck, als wäre sie normalerweise recht zierlich, im Moment allerdings wirkte sie wegen ihrer weit fortgeschrittenen Schwangerschaft plump und schwerfällig. Ihre Fesseln waren stark angeschwollen und zogen die Aufmerksamkeit auf ihre Füße, die unverhältnismäßig groß waren. Sie bewegte sich leicht schwankend, als hätte sie Mühe, das Gleichgewicht zu halten.
Davies ging ein wenig nach vorn gebeugt, offenbar die Auswirkung eines Leidens, das mit den Jahren schlimmer zu werden drohte. Sein Haar, früher vielleicht blond oder rotblond, es war schwer zu sagen, war zu einem faden Grau ausgeblichen, und er trug es glatt aus der Stirn gestrichen und versuchte nicht zu verbergen, wie dünn es geworden war.
Beide, sowohl Davies als auch die Frau, waren sichtlich erstaunt, als sie hörten, wen sie vor sich hatten, die Frau vielleicht noch etwas mehr als der Mann. Sie sah Davies an und sagte: »Richard? Scotland Yard?«, als brauchte sie entweder seinen Schutz oder verstünde nicht, was die Polizei von ihnen wollte.
Davies sagte: »Handelt es sich -?« unterbrach sich aber sofort, da er vielleicht einsah, dass sich mit der Polizei nicht gut zwischen Tür und Angel verhandeln ließ. »Kommen Sie herein«, sagte er stattdessen. »Wir hatten eigentlich einen Immobilienmakler erwartet. Deshalb sind wir etwas überrascht. Das ist übrigens Mrs. Foster, meine zukünftige Frau.«
Sie schien um die Dreißig zu sein - nicht hübsch, aber mit einem klaren Gesicht und schönem, dunkelbraunem Haar, das sie halblang trug -, und Lynley hatte zunächst geglaubt, sie wäre eine Tochter oder vielleicht eine Nichte Richard Davies'. Er nickte ihr grüßend zu und bemerkte dabei, wie verkrampft ihre Hand Davies' Arm festhielt.
Davies ging ihnen voraus in seine Wohnung im ersten Stock des Hauses. Das Wohnzimmer führte zur Straße, ein etwas düsterer Raum mit einem Fenster, vor dem die Läden geschlossen waren. Davies ging hin, um sie zu öffnen, und sagte dabei zu seiner Lebensgefährtin: »Setz dich, Schatz, und leg die Füße hoch«, und zu Lynley: »Kann ich Ihnen etwas anbieten? Tee? Kaffee? Wir erwarten, wie gesagt, jeden Moment einen Makler. Da bleibt uns leider nicht viel Zeit.«
Lynley versicherte ihnen, dass er sie nicht lange aufhalten würde, und nahm dankend eine Tasse Tee an, um Zeit zu gewinnen, sich in dem überladenen Wohnzimmer genauer umzusehen. Die meisten Möbel stammten aus der Vorkriegszeit, den Wandschmuck bildeten Amateurfotografien, meist Aufnahmen im Freien sowie eine Sammlung Spazierstöcke, die kreisförmig angeordnet über dem Kamin aufgehängt waren wie die Waffensammlungen in alten schottischen Burgen. Überall standen Fotos des berühmten Sohns, Illustrierte und Zeitungen lagen stapelweise herum, ein Arsenal von Souvenirs, die alle an die Karriere des Sohns erinnerten, zierte Tische und Borde.
»Richard hat ein bisschen was von einem Hamster«, bemerkte Jill Foster zu Lynley und ließ sich vorsichtig in einen Sessel sinken, aus dem an zahlreichen durchgewetzten Stellen das Rosshaar spross. »Sie sollten die anderen Zimmer sehen.«
Lynley nahm eine Fotografie des Geigers, die ihn als Kind zeigte, zur Hand. Der Junge stand stramm wie ein kleiner Soldat, das Instrument in der Hand, und blickte zu Yehudi Menuhin auf, der seinerseits, ebenfalls mit der Geige in der Hand, wohlwollend lächelnd zu ihm hinabblickte. »Gideon Davies«, sagte Lynley.