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Der Erbe des Radscha

Электронная книга - «Der Erbe des Radscha». Краткое содержание книги:

Indien heißt das neue Ziel der Abenteurer. Hier treten sie in die Dienste der berüchtigten Ostindien-Kompanie und geraten mitten in die politischen Wirren des hart heimgesuchten Landes. Tscham, ein junger Eingeborener, will den unterdrückten Bauern helfen: sein Mordpfeil gilt dem reichen Radscha von Bihar. Doch dann erfährt er am eigenen Leibe, wer die eigentlichen Unterdrücker im Lande sind und daß es gegen sie kein Aufkommen gibt. Zusammen mit seinem Freund, dem Pfeifer, flieht er aus dem brennenden Palast, mit dem die Freiheit Bihars in Schutt und Asche versinkt.
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Nachdem die offiziellen Geschäfte erledigt waren, zog sich Tscham mit seinem Lehrer in dessen Wohnräume zurück. Als sie allein waren, schluchzte er auf.

»Oh, weiser Mann, nun bin ich der Radscha von Bihar, und ich weiß noch gar nicht, was ich mit dieser Würde anfangen soll.«

»Ja, mein Junge, nun ist die Zeit des freien Spiels vorüber. Du wirst alle Kraft daransetzen müssen, um deinem Volk zu dienen; denn nur der Fürst, der sich zum Dienen verpflichtet fühlt, wird vom Volk geliebt.«

»Ich bin so froh, daß ich wenigstens dich habe! Du wirst doch immer bei mir bleiben?« Sadharan neigte lächelnd den Kopf. »Ja, Hoheit. Ich werde dir dienen.«

»Oh, weiser Mann, sage nicht Hoheit zu mir; denn was ich bin, das bin ich nur durch dich!« Sie führten tiefgehende Gespräche, bis die Sonne heraufkam. Dann erhob sich Sadharan und sagte:

»Ich gehe jetzt zu Lord Hawbury, um ihn von dem Vorgefallenen zu unterrichten.« »Ja, tue das und sage auch gleich meinem weißen Freund, daß ich ihn sehen möchte.« »Willst du ihm eine Audienz gewähren?«

»Kann ich denn nicht einfach mit ihm sprechen, allein, so wie mit dir?«

»Nein, Hoheit«, sagte Sadharan, »von heute an werden stets Wachen, Leibdiener und Khans um dich sein. Dennoch werde ich es möglich machen, deinen Freund mit dir allein sprechen zu lassen. Ich bitte ihn, daß er mich begleitet, und nehme ihn mit in meine Räume. Dann kommst du hinzu. Das ist am einfachsten.«

Tscham sah grübelnd auf die gegenüberliegende Wand. Plötzlich sprang er auf. »Ich werde etwas ändern in Bihar«, sagte er leidenschaftlich. »Meine erste Amtshandlung wird es sein, das Hofzeremoniell aufzuheben. Wenn ich schon Radscha bin, dann soll auch jeder Untertan freien Zutritt zu mir haben. Ich bin unter Bauern groß geworden. Im Innersten bin ich ihresgleichen geblieben.«

»Darüber sprechen wir noch, Hoheit«, sagte Sadharan und verließ das Zimmer. —

Kurz nachdem Fox und Machar nach Kalkutta aufgebrochen waren, näherten sich Träger mit einem Palankin dem Bungalow.

Hawbury und Michel saßen auf der Vorderterrasse und tranken Kaffee. Sie hatten nur kurz geschlafen; denn sie hatten keine Ruhe gefunden. Die Geschehnisse der Nacht zitterten noch in ihnen nach.

»Da kommt ein Würdenträger, General«, sagte Michel, »wahrscheinlich erhaltet Ihr jetzt offizielle Nachricht von dem Mord.«

»Meint Ihr, daß es besser wäre, so zu tun, als wüßten wir noch nichts davon?« »Ich glaube, das ist nicht nötig. Die nächtliche Versammlung der aufgebrachten Massen vor dem Haus hier ist dem Hof sicherlich nicht verborgen geblieben. Denn schließlich hat sie ein Offizier der Palastwache beruhigt und nach Hause geschickt.«

Aus dem Palankin stieg der Brahmane Sadharan. Er trat bis an die Stufen heran und verbeugte sich.

»Gestattet ihr, daß ich näher trete?«

Hawbury und Michel erhoben sich, gingen ihm entgegen und geleiteten ihn die Stufen hinauf. Der Brahmane nahm Platz und sprach dann von dem Mord am Radscha. Zum Schluß sagte er freundlich zu Michel gewandt:

»Der neue Radscha läßt Euch bitten, zu ihm zu kommen. Er möchte mit Euch sprechen. Würdet Ihr die Liebenswürdigkeit haben, mich gleich zu begleiten?«

Michel sah Hawbury fragend an.

»Wenn mich der General jetzt nicht braucht, gern.«

Hawbury nickte zustimmend.

»Geht nur, Mr. Baum.«

Sadharan erhob sich und verließ die Terrasse.

»Seht nur«, flüsterte Hawbury dem Pfeifer zu, »daß Ihr Tscham vorläufig davon abhalten könnt, mich zu empfangen. Ich brauche erst Weisung aus Kalkutta, damit ich weiß, wie ich mich dem neuen Radscha gegenüber zu verhalten habe. Ich bin überzeugt, daß die Kompanie die Adoption anerkennen wird; aber ich möchte dem nicht vorgreifen.« Michel nickte und folgte dem Brahmanen.

44

Fox und Machar hatten einen schnellen Galopp angeschlagen. Sie sprachen kein Wort miteinander. Durch Fox' Kopf gingen allerlei Pläne. Konnte man nicht vielleicht die Ermordung des Radscha doch noch für die Zwecke der Kompanie ausnutzen? Nun, er würde sehen, wie der Generalgouverneur auf die Nachricht reagierte.

Während des ganzen Tages machten sie nur kleine Pausen, um die Tiere ausruhen zu lassen und selbst etwas zu essen. Am Abend jedoch unterbrachen sie den Ritt, legten sich in ein nahes Gehölz und schliefen bis zum Morgen durch.

Fox hatte keineswegs die Absicht, die vierhundert Kilometer von Bihar nach Kalkutta in einem solchen Gewaltritt hinter sich zu bringen, wie Steve Hawbury das getan hatte. So ritten sie erst am nächsten Morgen weiter.

Als die letzte Nacht vor Erreichung des Ziels herankam, hatte Fox eine niederträchtige Idee. Während Machar in tiefen Schlaf gesunken war, richtete sich Fox plötzlich auf, ergriff seine Pistole beim Lauf und schlug dem Ahnungslosen den Kolben an die Schläfe. Machar machte eine halbe Drehung nach links und fiel in tiefe Bewußtlosigkeit.

In aller Seelenruhe holte Fox einige Lederriemen aus der Satteltasche seines Pferdes und band dem Reisebegleiter die Hände auf dem Rücken zusammen. Damit begnügte er sich aber nicht, sondern umwickelte Machars Oberkörper mit einem langen Seil, so daß er die Arme überhaupt nicht mehr zu bewegen vermochte. Als er den letzten kunstvollen Knoten geschlungen hatte, kam der Inder wieder zu sich. Zuerst war er nur überrascht.

»Wischnu schütze mich«, murmelten seine Lippen; denn er glaubte nichts anderes, als daß die Thags ihn im Schlaf überwältigt hätten.

»Den Teufel wird Wischnu tun«, sagte Fox laut.

Machar schlug die Augen auf. Das Mondlicht war stark genug, um ihn seine Umgebung erkennen zu lassen. Er sah Fox ohne Fesseln neben sich stehen. Der Engländer hatte sich eine Pfeife angesteckt und schmauchte mit sichtlichem Behagen.

»Du bist frei?« fragte Machar noch immer halb benommen.

»Wie du siehst. Ich werde mich doch nicht selber fesseln.«

Des Inders Zähne knirschten.

»Und was willst du jetzt tun, du doppelter, du hundertfacher Verräter?« »Das weiß ich noch nicht genau. Aber sei beruhigt, mir wird schon etwas einfallen. Der Generalgouverneur wird mir einen Orden verleihen, wenn ich ihm erstens melden kann, daß der Radscha gestorben ist und ihm zweitens auch noch seinen Mörder bringe. Sie haben wunderbare Stricke in Kalkutta und einen Galgen aus poliertem Holz. Es wird eine Freude für dich sein, daran zu hängen.«

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