Der Erbe des Radscha
- Автор: Guben Berndt
- Серия: der pfeifer #3
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Der Erbe des Radscha». Краткое содержание книги:
Machar wandte das Gesicht ab. Dann drehte er sich wieder um. Seine Augen waren voll unergründlichen Hasses auf Fox gerichtet. »Wischnu verfluche dich!« rief er. Fox winkte ab.
»Dein Wischnu hat anderes zu tun. Los, steh jetzt auf! Im Osten graut schon der Tag. Wir müssen weiter.«
Am frühen Nachmittag ritten sie in Kalkutta ein. Neugierige Blicke folgten ihnen.
Fox lenkte die Schritte der Tiere vor das große Ver-waltungs- und Regierungsgebäude. Er wollte keinen Augenblick versäumen, sondern möglichst gleich zur höchsten Stelle vordringen. Er kam zwar nicht bis zu Hastings, wurde aber an einen seiner engsten Mitarbeiter verwiesen. Es war Robert Tennessy, bei dessen Familie Isolde Hawbury lebte.
»Ihr kommt aus Bihar, Mr. Fox?« fragte jener. »Das wird die Tochter von General Hawbury interessieren; sie wohnt nämlich bei mir.« Fox nickte.
»Ja, ich soll ihr Grüße ihres Vaters ausrichten«, log er, frech die Situation ausnutzend. »Dem alten Herrn geht es gut in Bihar.«
»Ich werde Euch einen Vorschlag machen«, sagte Tennessy, »kommt heute abend zum Dinner. Miß Isolde wird sich freuen, Eure Bekanntschaft zu machen.«
»Danke verbindlichst, Sir. Ich werde gern kommen«, erwiderte Fox. Er hatte sowieso vor, nach den Jahren in Bihar so schnell wie möglich wieder Anschluß an die Gesellschaft zu erlangen. Allerdings wäre Lord Hawburyder letzte gewesen, der ihm Grüße an seine Tochter aufgetragen hätte, zumal ja vor ein paar Tagen Steve erst Grüße überbracht hatte. »Well, und was gibt es sonst Neues?«
Fox war sehr gespannt, wie Tennessy auf die große Neuigkeit reagieren würde. »Sie haben einen neuen Radscha in Bihar«, sagte er wie nebenbei.
Seine Annahme war richtig gewesen. Tennessy rückte den Stuhl zurück und erhob sich mit einem Ruck.
»So — so wurde also die verdammte — äh — äh -Adoption vollzogen?« Fox nickte. »Das ließ sich leider nicht verhindern.«
»Ja, zum Teufel, wieso spracht Ihr von einem neuen Radscha? Ihr meintet, der Radscha hat einen Thronfolger — oder was?«
»Den hatte er«, sagte Fox maulfaul.
»Könnt Ihr Euch nicht ein wenig deutlicher ausdrücken, Mr. Fox? — Neuer Radscha — hatte er — Thronfolger -daraus kann kein Mensch klug werden.«
»Well, die Sache war so, die Adoption fand statt, mit allem Pomp und allem Theater, wie das so üblich ist. Aber in der Nacht darauf wurde der alte Radscha von einer dieser fürchterlichen Sikhscheiben am Hals getroffen. Das Ding schnitt dem Alten die Kehle durch.« »So — ähem«, räusperte sich Tennessy, unangenehm berührt von dem schnoddrigen Ton, in dem Fox vom Tod des bedauernswerten Radscha gesprochen hatte.
»Ja, Mr. Tennessy, ich kann Euch mit noch einer Überraschung aufwarten. Unten in der Wachstube habe ich den Mörder des Radscha abgeliefert.«
»Donnerwetter, Ihr seid ja ein toller Kerl! Habt — habt — Ihr das alles ausgeheckt oder der General?«
Fox sah nicht den lauernden Blick des anderen. Er hatte nur die Absicht, mit seinem Mordplan zu prahlen.
»Ich«, sagte er selbstbewußt und dann fügte er noch hinzu, »ich ganz allein.«
»Hm«, machte Tennessy. Jetzt lächelte er wieder. »Hört, Mr. Fox, Ihr habt also tatsächlich den echten Mörder mit Euch gebracht?«
»Ihr könnt Euch darauf verlassen.«
»Nun, Ihr müßt ja wissen, wer er ist.«
Fox strahlte.
»Er ist ein Thag.«
»Wie — wie habt Ihr es fertiggebracht, einen Thag für diesen Plan zu gewinnen?« Fox lächelte maliziös und blieb die Antwort schuldig. Tennessy meinte:
»Ihr gestattet wohl, daß ich mich zurückziehe. Ich möchte gern Sir Hastings gleich Bericht erstatten.« Er geleitete seinen Gast aus dem Zimmer. Draußen auf dem Flur, in der Nähe von Hastings' Arbeitsräumen, sagte er einfach »good bye«. Fox zögerte.
»Wann darf ich zum Dinner kommen?« fragte er.
»Ach, ja, richtig, sagen wir um — zum Teufel, ich habe ja gar nicht daran gedacht, daß wir heute eingeladen sind! Zu dumm — tut mir leid, Mr. Fox, Ihr seid nicht böse — ein andermal.« Damit verschwand er.
Fox stand da wie ein begossener Pudel. Vergebens zermarterte er sich das Gehirn, ob die Zurückziehung der Einladung tatsächlich aus dem angegebenen Grund erfolgte oder nur ein Vorwand war.
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»Ich danke Euch, Tennessy«, sagte der Generalgouverneur. »Die Nachricht ist eine Million Pfund wert. Ich werde dem Hof der Direktoren über Eure Umsicht berichten.« Tennessy sah ihn verblüfft an.
»Es ist doch aber nicht mein Verdienst, daß das in Bihar-« Hastings hob beschwichtigend die Hände.
»Ich weiß, ich weiß, Lord Hawbury ist ein ganz besonders befähigter Mann. Es ist natürlich auch sein Verdienst. Sie sind ja mit ihm befreundet, nicht wahr?«
Tennessy nickte. Aber er sah noch immer nicht, worauf Hastings hinauswollte.
»Ich will ehrlich sein, Sir Warren, ich glaube nicht, daß Hawbury seine Finger da im Spiel hat.
Unter uns, es ist ein schmutziges Geschäft, wenigstens von der Warte eines alten, in Ehren ergrauten Generals Seiner Majestät aus betrachtet.«
»Herrgott«, sagte der Generalgouverneur auf einmal scharf. »Ihr seid doch lange genug bei der Kompanie, um das, was ich meine, auch ohne direkte Erklärung zu verstehen.« »Ach so«, sagte Tennessy, »yes. Sir, natürlich.«
»Ich möchte nämlich diesen unangenehmen Kunden, diesen Stanley Fox loswerden. Er gehört zu jenen, die überall nur auf ihren Vorteil bedacht sind, selbst, wenn sie dabei ihren eigenen Brotgeber betrügen. Ich will Euch reinen Wein einschenken, Mr. Tennessy. Seht hier, die Akten« — er zog ein Bündel aus dem Schubfach seines Schreibtisches — »hieraus geht eindeutig hervor, daß der Radscha von Bihar pro Quartal nur die Hälfte des vereinbarten Tributs gezahlt hat. Es steht aber nichts darüber drin, daß die andere Hälfte in Mr. Fox' eigene Tasche gewandert ist.«
»Oh — das ist freilich ein tolles Stückchen. Ihr werdet also Anzeige gegen ihn erstatten?«
»Ich denke nicht daran. In diesem Fall müßte ich ja den Beweis antreten, daß Fox wirklich fünfzigtausend Rupien vierteljährlich unterschlagen hat. Den Beweis kann ich aber nur erbringen, wenn ich dem Gericht bestätige, daß der Radscha die volle Summe stets richtig abführte — bis auf das letztemal, wo ich sie ihm selbst gestundet habe.«
»Und das wollt Ihr nicht?«