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Napoleons letzte Schlacht

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Napoleons letzte Schlacht
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Er öffnete den Rock des Toten und visierte die Taschen desselben.

Er fand eine reich gespickte Börse und ein Portefeuille, welches voller Banknoten war. Auch die Wechsel und die kaiserliche Bestätigung der Verlobung befanden sich darin.

„Das genügt, um Margot zu seiner Universalerbin zu machen. Sie wird in meine Hand gegeben sein; folglich bin ich der eigentliche Erbe“, murmelte er. „Jetzt mag Königsau kommen und die Steine vergraben. Ich schieße ihn einfach nieder, sobald er im Begriff steht, sein Pferd wieder zu besteigen.“

Während er auf das Erscheinen des Lieutenants wartete, steckte er seinen Raub zu sich. Er hatte das kaum getan, so fuhr er zusammen, denn ein Schuß erscholl.

„Was war das?“ fragte er. „Ein Schuß! Donnerwetter, noch einer – und noch einer. Drei Schüsse! Sie kamen aus der Gegend, wo die Köhlerhütte liegt! Drei Schüsse und drei Wächter bei den Gefangenen! Was ist da vorgegangen? Ich muß es wissen.“

Er kroch eilig aus den Sträuchern hervor und sprang dem Ausgang der Schlucht zu. Dort blieb er einen Augenblick halten.

„Die Pferde fort!“ sagte er. Und sich mit der Faust an den Kopf schlagend, fügte er hinzu: „Beim Teufel, dieser Königsau ist mir wirklich abermals überlegen gewesen. Die Kasse liegt da, aber das von den Steinen war Schwindel, augenblicklich erdacht, um mit guter Manier fortzukommen. Denn jetzt ist es gewiß, daß er mich bemerkt und gesehen hat. Aber noch sind wir nicht fertig, Monsieur Königsau. Noch bin ich da, um eine letztes Wort mit Ihnen zu sprechen.“

Seine beiden Pistolen ziehend und schußfertig haltend, eilte er auf die Köhlerhütte zu, sich jedoch vorsichtig in Deckung der Bäume haltend.

Seine Vermutung war ganz richtig. –

Als Königsau die Hand der Geliebten ergriffen und mit ihr die Pferde erreicht hatte, band er die letzteren los und sagte leise:

„Schnell auf das Pferd, Margot! Schnell, schnell!“

„Warum?“ fragte sie, ganz erstaunt über den plötzlich veränderten Ausdruck seiner Gesichtszüge.

„Das sage ich dir noch.“

Bei diesen Worten hatte er sie auch bereits in den Sattel gehoben. Im nächsten Augenblick saß auch er auf, ergriff den Zügel ihres Pferdes und lenkte nach der Hütte zurück, aber auf einem Umwege.

„Zurück?“ fragte sie. „Warum?“

„Um Mama zu retten“, antwortete er.

„Zu retten? Befindet sie sich denn in Gefahr?“

„Ja, in einer sehr großen. Sie ist gefangen.“

„Mein Gott! Das ist ja unmöglich! Wie könntest du das wissen?“

„Ich weiß es. Weißt du, wen ich gesehen habe, als wir auf der Stelle standen, wo die Kriegskasse liegt?“

„Wen?“ fragte sie voller Angst.

„Deinen Bruder. Er lag in dem Gebüsch. Und hart neben ihm bemerkte ich noch einen anderen. Sie haben unsere Spur gefunden; sie sind uns gefolgt und haben uns belauscht. Sie wissen nun auch das Geheimnis der Kriegskasse. Ganz sicherlich hätten sie mich erschossen und dich gefangen genommen, wenn ich nicht augenblicklich die Fabel von den Diamanten erfunden hätte.“

„Das war erfunden?“

„Ich sagte es nur, um uns zu retten. Sie haben uns erlaubt, uns zu entfernen, weil sie dachten, auch in den Besitz der Steine zu kommen, welche ich eingraben wollte.“

„O ihr Heiligen! Meine Mama! Hugo, mein Hugo, was ist zu tun? Was ist mit ihr geschehen?“

„Wenn die Verfolger sich bereits in der Schlucht befinden, so ist als ganz sicher anzunehmen, daß sie die beiden Zurückgelassenen schon vorher in ihre Gewalt bekommen haben.“

„So sind sie verloren.“

„Noch nicht. Es kommt darauf an, mit wieviel Verfolgern wir es zu tun haben. Ich lasse dich hier zurück und gehe rekognoszieren.“

Sie waren an ein dichtes Tannendickicht gekommen, welches nicht weit von der Köhlerhütte lag. Hier hielt er die Pferde an.

„Nein! Um Gottes willen, verlaß mich nicht“, bat sie.

„Sei ohne Sorge“, beruhigte er sie. „Hier bist du sicher, und ich komme ganz gewiß zurück.“

„Ist es wahr?“

„Ja.“

„Du wirst dich in keine Gefahr begeben, ohne mich vorher zu fragen?“

„Nein.“

„Nun, so gehe, Hugo! Aber denke an mich! Ich wäre dann ohne alle Rettung verloren, wenn du ergriffen würdest.“

Er stieg vom Pferd und schlich sich nach der Hütte hin. Als sein Blick sie zu erreichen vermochte, sah er Frau Richemonte gefesselt an der Erde sitzen; neben ihr lag Florian, an Händen und Füßen gebunden, und daneben standen drei französische Soldaten als Wächter.

„Arme Teufel!“ sagte er. „Aber ich darf sie nicht schonen.“

Er schlich sich glücklich bis an diejenige Wand der Hütte, welche der beschriebenen Gruppe entgegengesetzt lag, und zog seine beiden geladenen Pistolen, deren Hähne er spannte. Er tat dies sehr vorsichtig; aber den kriegsgeübten Ohren der Franzosen entging doch dieses eigentümliche Knacken nicht.

„Wer da?“ fragte der eine, indem er rasch um die Ecke trat.

Er erhielt in demselben Augenblick Königsaus Kugel in den Kopf, und ehe die beiden anderen zu den Waffen greifen konnten, hatte sie das gleiche Schicksal ereilt.

„Herr Lieutenant!“ rief Florian erfreut.

„Oh, mein Sohn!“ stimmte Frau Richemonte bei.

„Gelungen!“ rief Hugo, den Gefangenen die Bande zerschneidend. „Aber, vor allen Dingen, mit wie vielen haben wir es zu tun?“

„Nur mit dem Kapitän und Reillac“, antwortete Florian.

„Dann schnell auf die Pferde, ehe sie kommen.“

Diesem Ruf wurde schleunigst Folge geleistet, und dann ging es der Stelle zu, an welcher sich Margot befand. Sie hatte natürlich die Schüsse vernommen und schwebte in höchster Angst. Ihr Gesicht hellte sich auf, als sie die Nahenden erblickte.

„Wer hat geschossen?“ fragte sie, noch immer nicht beruhigt.

„Ich“, antwortete der Lieutenant.

„Auf wen?“

„Später, später! Jetzt haben wir keine Zeit zu Auseinandersetzungen. Kommt, kommt, mir nach.“

Er ritt voran, und zwar wieder nach der Schlucht zurück. Wäre er nicht den vorigen Bogen geritten, so hätte er auf Richemonte treffen müssen, welcher ja eben jetzt zur Hütte eilte. Als er in die Schlucht einbog, fragte Florian erstaunt:

„Warum hier herein?“

„Nicht fragen, sondern folgen. Wir müssen dieses Gras ein wenig zerstampfen; aber schnell.“

Er lenkte sein Pferd der Stelle zu, an welcher er Richemonte gesehen hatte, und bemerkte eine fürchterliche Blutlache.

„Was ist das?“ fragte er. „Blut? Die beiden können nicht mehr hier sein. Sie haben die Schüsse gehört und sind jedenfalls fortgeeilt, um ihren Untergebenen Hilfe zu bringen. Was ist es?“

Florian war nämlich vom Pferd gesprungen und an das Gesträuch getreten, wo man die Lache bemerkte.

„Herrgott, ein Toter!“ sagte er.

Die beiden Damen wendeten sich schauernd ab. Königsau aber sprang auch vom Pferd und trat hinzu. Sie zogen den Körper aus dem Busch heraus und drehten ihn um.

„Reillac!“ rief Florian, ganz und gar erschreckt.

„Ja, Reillac!“ bestätigte Königsau.

Er bog sich zu dem Toten nieder, um ihn zu untersuchen.

„Er ist noch warm, aber tot. Ein Stich durch den Rücken bis in das Herz. Uhr und Börse, alles ist fort. Kapitän Richemonte ist der Mörder.“

Frau Richemonte stieß einen Schrei des Entsetzens aus.

„Gott, das ist nicht möglich!“ rief sie.

„Er ist es. Es war kein anderer bei dem Baron. Ich kenne den Grund, weshalb er diesen getötet hat. Aber jetzt haben wir keine Zeit. Es kann uns in jedem Augenblicke seine Kugel treffen. Fort von hier. Der Tote mag liegenbleiben!“

Er tummelte sein Pferd noch einige Male, um den Platz, den er als die Stelle des Schatzes bezeichnet hatte, möglichst unkenntlich zu machen, und dann ritten sie gleich an der Böschung der Schlucht empor, um keinen Umweg zu machen. – – –

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