Napoleons letzte Schlacht
- Автор: Май Карл
- Серия: Liebe des Ulanen #2
- Год: 1983
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Napoleons letzte Schlacht». Краткое содержание книги:
„Ja“, antwortete der Gefragte, „schon einige Male.“
„Das ist ein Erdbeben.“
„Nein, wie Donner. Ich bemerke es bereits seit Mittag.“
„Sollte es eine Schlacht sein?“
„Jedenfalls.“
„So werden die Deutschen abermals geschlagen.“
Bei diesen Worten blickte er den Kutscher forschend von der Seite an.
„Warum gerade wieder die Deutschen?“ fragte dieser.
„Ich denke es mir.“
„Das wäre dir wohl sehr lieb?“
„Nein. Du weißt, daß ich kein geborener Franzose bin. Aber weil du gar so heimlich mit mir tust, wird es mir wohl auch erlaubt sein, mit meinen Gesinnungen Verstecken zu spielen.“
„Das bringst du gar nicht fertig. Ich weiß doch, daß du ein braver Kerl bist.“
„Warum also hast du kein Vertrauen zu mir?“
„Kein Vertrauen? Worüber hättest du in dieser Beziehung zu klagen?“
„Ich habe wohl zu klagen. Habe ich nicht bereits seit heute früh bemerkt, daß fremde Gestalten sich da drüben im Wald befinden, welche von Zeit zu Zeit nach meinem Haus blicken!“
„Das habe ich noch nicht bemerkt“, meinte Florian sehr aufrichtig.
„So sage, wer eigentlich jener Herr war, welchen du mit den Damen zu mir brachtest.“
„Hm! Es ist mir zwar von ihm verboten, aber ich weiß, daß ich dir Vertrauen schenken darf. Er ist ein Deutscher.“
„Ein Deutscher? Ah, da hat er viel gewagt?“
„Allerdings. Aber er hat noch mehr gewagt, als du von ihm weißt. Ich werde dir erzählen.“
Und er erzählte. Der Wirt hörte sehr aufmerksam zu. Als Florian geendet hatte, sagte er:
„Das klingt, als hättest du es in einem Buch gelesen, aber ich will es dir glauben. Doch siehe, da kommt einer mit einem Wägelchen gefahren. Gewiß ein Hausierer. Wollen einmal sehen, was er hat.“
Der Mann, welcher sich jetzt langsam dem Haus näherte, hatte rotes fuchsiges Haar und ebensolchen Bart. Er war zwar nicht lumpig, aber beinahe liederlich gekleidet und zog einen vierräderigen Karren nach sich.
Als er das kleine Vorgärtchen erreichte, griff er an die Mütze und grüßte. Die beiden Männer begaben sich zu ihm.
„Womit handelt Ihr?“ fragte der Wirt. „Was habt Ihr zu verkaufen?“
„Nichts“, antwortete er. „Ich kaufe im Gegenteil ein.“
„Was?“
„Knochen, altes Eisen, Zinn und ähnliches. Habt Ihr nichts für mich?“
Florian hörte die Stimme, blickte den Mann scharf an, schlug sodann die Hände zusammen und rief:
„Ist es möglich, Monsieur! Aber wahrhaftig, Sie sind fast gar nicht zu erkennen. Diese Perücke und der Bart verstellen Sie ganz.“
„Wer ist es denn?“ fragte der Wirt.
Da griff Florian schnell zu, nahm dem Mann die Mütze und die Perücke ab und sagte:
„Da sieh einmal selbst!“
Vor den beiden stand – Königsau.
„Verzeihen Sie die Täuschung“, sagte er. „Aber ich nehme an, daß Florian Ihnen wohl bereits gesagt hat, daß ich ein Deutscher bin?“
Ehe der Wirt noch antworten konnte, wurde oben das kleine Giebelfenster geöffnet, und die Stimme Margots ertönte:
„Hugo, mein Hugo! Darf ich hinunter kommen?“
Er blickte mit glücklichem Lächeln empor und antwortete:
„Nein, sondern ich komme zu dir.“
Im Nu war er in das Haus getreten und flog die Treppe empor. Sie öffnete und lag in seinen Armen.
„Ich sah dich kommen!“ sagte sie.
„Und dein Herz klopfte vor Liebe und Seligkeit?“ lächelte er.
„Ah, ich erkannte dich ja nicht. Oh, diese häßlichen roten Haare!“
„Wenn du wüßtest, wer mich soeben auch nicht erkannte.“
„Wer war es?“
Er trat mit ihr in das Stübchen, begrüßte vorerst auch die Mutter und deutete sodann zum Fenster hinaus.
„Siehst du den Mann da auf dem Weg nach Paliseul?“
„Ja.“
„Dieser Mann ist kein anderer als dein Bruder.“
„Der Kapitän?“ fragte sie erschrocken.
„Ja.“
„Hat er dich erkannt?“
„Nein. Er hat wohl geglaubt, mich bereits einmal gesehen zu haben, und darum hat er mir so lange nachgeblickt; aber erkannt hat er mich sicherlich nicht.“
„Das würde auch ein großes, großes Unglück sein, denn er sucht nach uns. Der Wirt erzählte, daß er überall nach zwei Damen und einem Knecht frage. Aber, Lieber, welcher Umstand führt dich wieder zurück?“
„Der Feldmarschall schickt mich in die Berge, um die Kriegskasse in Sicherheit zu bringen. Ich soll ihr nur eine andere Stelle geben, damit der Kapitän sie nicht findet. Ich habe Leute hierher bestellt, welche heute eintreffen werden.“
„Ist es wahr, daß die Preußen eine Schlacht verloren haben?“
„Ja, bei Ligny. Sie wurden fast erdrückt, da Wellington nicht standhalten konnte. Dafür aber werden sie heute eine desto bedeutendere gewinnen. Hast du gehört, daß man sich wieder schlägt?“
„Ja. Wo wird es sein?“
„Im Süden von Brüssel, vielleicht in der Gegend von Waterloo.“
„Aber wenn die Verbündeten doch nicht siegen?“
„Sie siegen; das ist meine Überzeugung.“
„Wie hat der Marschall dich empfangen?“
Auf diese Frage hin kam er in das Erzählen. Dies nahm ihn so sehr in Anspruch, daß er den Savoyarden gar nicht bemerkte, welcher sich dem Haus näherte. Als dieser die beiden Männer bemerkte, grüßte er sehr höflich und fragte:
„Verzeihung! Wohnt ein Monsieur Florian hier?“
„Ja, der bin ich“, antwortete der Kutscher.
Der Fremde betrachtete ihn aufmerksam und sagte dann:
„Ich habe mich bei Ihnen nach jemandem zu erkundigen.“
„Nach wem?“
„Das darf ich nicht sagen.“
„Ah“, nickte der Kutscher, „Sie sind eingeweiht. Sie meinen den Herrn Lieutenant Königsau?“
„Allerdings“, antwortete der andere. „Ist er anwesend?“
„Er ist soeben erst gekommen. Wollen Sie ihn sprechen?“
„Ja.“
„Ich werde ihn holen.“
Er ging und brachte den Lieutenant von den Damen herab. Als dieser den Savoyarden bemerkte, stieß er ein helles Lachen aus und sagte:
„Prächtig, Kunze! In dir sucht niemand einen Preußen. Was hast du mir zu sagen?“
„Daß sie alle da sind, außer einem.“
„Wer ist es?“
„Ich weiß es noch nicht.“
„Die Werkzeuge sind da?“
„Ja.“
„Darf man wissen, um was es sich handelt?“
„Jetzt noch nicht. Kann ich meinen Wagen sicher bei Ihnen einstellen?“
„Das versteht sich.“
„Er enthält außer den Knochen und dem alten Eisen Gewehre und Munition, welche wir brauchen. Hören Sie die Kanonade? Es scheint heiß herzugehen.“
„Gebe Gott nur den Verbündeten Sieg“, sagte Florian.
„Er wird diesen Wunsch erhören, und unser Siegeszug wird ein schnellerer sein als das vorige Mal.“
Die Männer besprachen dieses Thema noch einige Zeit, und dabei merkte Königsau, daß er dem Wirt vollständig vertrauen könne. Später kehrte er zu den Damen zurück, denen es ein Trost war, ihn wieder bei sich zu sehen. Margot hatte sich von ihrer Verwundung völlig erholt. Sie war schön und reizend wie immer und freute sich im stillen innig darüber, daß der Geliebte heute nicht den Schlachtgeschossen ausgesetzt war.
„Was wird Napoleon tun, wenn er siegt?“ fragte sie.
„Er wird sofort Herr des Rheines sein.“
„Und wenn wir siegen?“
„So stehen wir binnen einer Woche vor Paris und diktieren einen Frieden, welcher gewiß nicht wieder gebrochen wird. Und weißt du, was nachher geschieht, meine Margot?“
„Was?“ fragte sie, lieblich errötend.
„Da wirst du deinen Siegeszug nach Berlin antreten.“
Sie legte die Arme um ihn und flüsterte ihm zu: