Napoleons letzte Schlacht
- Автор: Май Карл
- Серия: Liebe des Ulanen #2
- Год: 1983
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Napoleons letzte Schlacht». Краткое содержание книги:
Als Richemonte bei der Hütte ankam, erblickte er die drei Toten.
„Hölle und Teufel! Er hat sie erschossen und die Gefangenen befreit!“ rief er. „Wohin aber sind sie? Er hat mich in der Schlucht gesehen. Er wird wieder hin sein, um auch mit mir abzurechnen; aber da soll er sich irren. Meine Kugel trifft ihn, ehe er mich erblickt.“
Er band die mitgebrachten Pferde los und ließ sie, außer dem seinigen, welches er bestieg, frei. Dann ritt er nach der Schlucht zurück. Erst nach längerem Auskundschaften bemerkte er, daß sie verlassen war. Er ritt in sie hinein und betrachtete alles.
„Ja, sie sind hier gewesen“, knirschte er grimmig. „Sie haben den Boden zerstampft; aber ich werde die Kasse dennoch finden. Und da – Donnerwetter! Da liegt der Baron! Sie haben ihn gefunden. Sie wissen, daß ich ihn erstochen habe. Das kann schlimm ausfallen. Schnell ihnen nach! Die beiden Kerls müssen sterben! Mutter und Schwester habe ich nicht zu fürchten!“ – – –
Es war am vierzehnten Juni, nur ganz kurze Zeit nach dem Erzählten, als ein jugendlicher Reiter in höchster Eile von Lüttich nach Namur sprengte. Er hatte Zivilkleider an, aber auf der von preußischem Militär reich belebten Chaussee gab es manchen Offizier, der ihn vertraulich grüßte, wenn er an ihm vorüberflog.
In Namur angekommen, fragte er nach dem Quartier des Feldmarschalls Blücher. Dort angekommen, meldete er sich sofort zur Audienz und wurde sogleich vorgelassen.
Bei dem Marschall befanden sich eben Gneisenau, der Generalmajor von Grolman, welcher Generalquartiermeister war, und der Adjutant Major von Drigalski. Trotz der Anwesenheit dieser hochgestellten Persönlichkeiten ging Blücher dem Eintretenden höchst erfreut entgegen.
„Königsau! Junge!“ rief er. „Bringt dich der Teufel schon wieder zurück? Hast du mich etwa in Lüttich gesucht?“
„Ja, Exzellenz. Ich wußte noch nicht, daß Sie Ihr Hauptquartier nach Namur verlegt haben.“
„Das war notwendig, denn es geht los, mein Sohn, Keile setzt es, fürchterliche Keile! Aber wer sie zunächst bekommt, das weiß man nicht. Weißt du es vielleicht?“
„Auch nicht. Aber wer sie bekommen soll, das wenigstens weiß ich.“
„Ah! Wer denn?“
„Euer Exzellenz.“
„Wie? Wa – wa – was?“ fragte der Alte. „Ich? Ich soll die Keile kriegen? Wer sagt das denn?“
„Der Kaiser selbst.“
„Er selbst? Dann ist er verrückt, total verrückt, was ich übrigens schon längst nicht mehr bezweifelt habe. Aber zu wem hat er es denn gesagt?“
„Zu Ney, Grouchy und Drouet.“
„Ha, das sind lauter hübsche Kerls, die ich wohl noch unter die Fäuste bekommen werde. Bist du etwa verwandt mit einem von ihnen, he?“
„Danke für diese Ehre, Exzellenz!“
„Na, ich dachte beinahe, weil du so genau weißt, was sie mit dem Napoleon gesprochen haben.“
„Ich habe sie belauscht.“
„Wo denn?“
„Auf dem Meierhof Jeannette.“
„Dort? Wohin du dein Mädel geschafft hast? Dort war der Bonaparte?“
„Ja, Exzellenz.“
„Was wollte er denn dort?“
„Hm! Ich glaube, er hatte die Absicht, mich um meine Braut zu bringen.“
„Du flunkerst wohl, he?“
„Nun, Tatsache ist, daß er der Margot eine förmliche Liebeserklärung gemacht hat.“
„Donnerwetter! Der sollte sich doch lieber um ein Paar warme Filzschuhe und um ein seliges Ende bekümmern! Erzähle!“
„Exzellenz, es ist da sehr viel Privates dabei, dessen Bericht eine sehr kostbare Zeit wegnehmen würde. Darf ich nicht lieber vorher über die strategischen Absichten Napoleons berichten, welche sofortige Dispositionen unsererseits notwendig machen?“
„Natürlich! Rede also! Wird er angreifen?“
„Ja.“
„Wann?“
„Morgen oder spätestens übermorgen.“
„Gut! Je eher die Prügel, desto wärmer sind sie. Aber wen?“
„Sie, Exzellenz.“
„Nicht Wellington?“
„Nein. Ich kenne auch den Grund, weshalb er zunächst Sie angreift.“
„Laß ihn hören, mein Sohn!“
„Er sagte, Euer Exzellenz seien schnell und hitzig. Wellington aber überlege und wäge gern ab. Greife er den letzteren an, so wäre Feldmarschall Blücher schnell mit der Hilfe bei der Hand und – – –“
„Das ist wahr. Wir werden ihn schon kuranzen.“
„Greife er aber Euer Exzellenz an, so würde Wellington wohl so lange zaudern und sinnen, bis die Preußen geschlagen sind.“
„Höre, Junge, der Kerl ist doch noch nicht ganz so sehr verrückt, wie ich dachte. An dem Zeug ist sehr viel Wahres.“
Königsau erzählte nun weiter alles, was er auf Jeannette erlauscht und dann auch später während seines Ritts noch erfahren hatte. Es stellte sich heraus, daß infolge dieser Berichte allerdings schleunige Dispositionen nötig waren, welche den Marschall so in Anspruch nahmen, daß er erst am Abend eine kurze Zeit für Königsau übrig hatte.
Da saßen sie denn beisammen, ein jeder eine brennende Tonpfeife in der Hand, und der Lieutenant erzählte die Erlebnisse der letzten Tage ausführlich. Blücher unterbrach ihn öfters durch einen kräftigen Fluch, eine drastische Bemerkung, oder eine Frage, welche bewies, mit welchem Interesse er diese Erzählung verfolgte. Als Königsau geendet hatte, meinte der Marschalclass="underline"
„Du glaubst also, daß dieser Richemonte euch auch noch weiter verfolgt hat?“
„Ich denke es.“
„So hältst du deine Margot also auch in Gedinne nicht für sicher?“
„Nein, obgleich der brave Florian sie bewacht.“
„Hm! Was du mir da erzählst, ist der reine Roman. Aber er will ernst genommen sein. Wir wissen nicht, was die nächste Zeit bringt, und darum soll ein jeder das Seinige tun. Auch du.“
„Geben Exzellenz mir Gelegenheit dazu.“
„Sogleich, mein Sohn. Weißt du, was jetzt das Notwendigste für dich ist?“
„Ich bitte, es erfahren zu dürfen.“
„Du mußt dir dein Mädel zu erhalten suchen.“
„Exzellenz!“
„Schon gut! Ich weiß, was du sagen willst. Aber indem du so für dein Glück sorgst, kannst du zu gleicher Zeit auch dem Vaterland einen großen Dienst erweisen. Ahnst du, worauf ich ziele?“
„Vielleicht auf die Kriegskasse?“
„Ja. Du denkst, daß Richemonte bestrebt sein wird, sich ihrer so rasch als möglich zu bemächtigen?“
„Ja.“
„Nun, so ist es notwendig, daß wir ihm zuvorkommen. Aber wie? Der Ort liegt in Feindesland.“
„Es wird bald das unserige sein.“
„Ja; aber bis dahin kann der Teufel die Kasse geholt haben. Man müßte sie wenigstens bewachen, bis wir kommen.“
„Das ist entweder zu gefährlich oder zu umständlich oder zu langwierig, Exzellenz.“
„Weißt du einen besseren Plan?“
„Ich meine, daß es genügen würde, die Kasse herauszunehmen und ihr eine neue Stelle anzuweisen. Da kann sie liegen, bis die Preußen kommen, und dieser Richemonte findet sie nicht.“
„Donnerwetter, Junge, das ist wahr! Willst du das übernehmen?“
„Von Herzen gern!“
„Warum aber hast du es nicht bereits getan?“
„Ich hatte die nötigen Kräfte nicht. Auch gehören treue und verschwiegene Leute dazu.“
„Ja; die müßte ich dir mitgeben. Wie viele brauchtest du?“
„Mit zehn Mann glaube ich, es fertig zu bringen.“
„Gut, du sollst sie haben. Suche sie dir selbst aus. Wie du es aber anfängst, das ist ganz und gar deine eigene Sache. Als Extrabelohnung für dich aber werde ich dafür sorgen, daß der schändliche Meuchelmord, welchen dieser Richemonte an seinem Kumpan begangen hat, nicht verschwiegen bleibt!“ –