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Napoleons letzte Schlacht

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Napoleons letzte Schlacht
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Richemonte spähte höchst aufmerksam nach vorn und hielt, eben als er um einen Busch biegen wollte, sein Pferd plötzlich an.

„Was gibt es?“ fragte Reillac.

„Da, sehen Sie.“

Bei diesen Worten deutete der Kapitän nach vorn. Reillac folgte mit seinen Augen der angegebenen Richtung.

„Hölle und Teufel!“ sagte er. „Das muß die Köhlerhütte sein.“

„Natürlich! Und die beiden, welche da im Moos sitzen?“

„Das ist dieser verfluchte Florian.“

„Und der Soldat neben ihm? Er dreht uns den Rücken zu.“

„Ah, jetzt dreht er sich etwas herum. Richemonte, das ist Ihre Mutter!“

„Wahrhaftig! Wer hätte diesem Weib jemals zugetraut, sich in die Montur eines gemeinen Soldaten zu stecken! Aber wo mögen die beiden anderen sein?“

„Königsau und Margot? Jedenfalls im Innern der Hütte.“

„Das glaube ich nicht“, meinte der Kapitän kopfschüttelnd.

„Warum nicht?“

„Weil ihre Pferde nicht zu sehen sind.“

„Ah, richtig! Sollten sich diese Leute getrennt haben, um die etwaigen Verfolger irrezuführen?“

„Unsinn! Diese beiden werden ein wenig vorausgeritten sein. Sie sind ja Liebesleute!“

„Hole sie der Teufel! Was tun wir?“

„Wir fallen natürlich über sie her, ganz plötzlich, so daß dieser brave Florian sich gar nicht zu verteidigen vermag.“

„Da ist es am besten, wir reiten heimlich um die Hütte herum, steigen ab, schleichen uns näher und überfallen sie von hinten.“

„Richtig! Tun wir das! Vorwärts!“

Sie ritten einen Bogen und gelangten an den Teil des Waldes, welcher an der Rückseite der Hütte lag. Hier stiegen sie ab und schlichen sich leise herbei. Die beiden, denen dieser Überfall galt, ahnten nicht, welche Gefahr ihnen so nahe war. Auch Tiger, der Hund, merkte nichts.

„Wird es nun bald wieder gehen, Madame?“ fragte Florian.

„Ich hoffe es“, antwortete Frau Richemonte. „Ich habe mich ein wenig ausgeruht und denke, daß wir aufbrechen können. Aber werden wir die beiden glücklich wiederfinden?“

„Natürlich.“

„Also an einer Schlucht erwarten sie uns?“

„Ja, ich kenne sie. Darf ich Ihnen in den Sattel helfen?“

„Ich bitte, lieber Florian.“

Sie erhob sich aus dem Moos. Florian wollte dasselbe tun, kam aber nicht dazu, denn ohne daß ein Laut die Nähe der Verfolger angezeigt hätte, wurde er von sechs kräftigen Armen gefaßt und niedergedrückt, nachdem zunächst der Hund durch einen Kolbenschlag unschädlich gemacht worden war, während vier andere Arme sich um Frau Richemonte schlangen.

„So! Endlich haben wir Euch!“ sagte der Kapitän tief aufatmend.

Sie wandte ihm ihr Gesicht zu.

„Albin! Mein Gott, es ist Albin!“ rief sie, auf das heftigste erschrocken.

„Ja“, höhnte er. „Es ist der liebe Albin, und mit ihm kommt der heißgeliebte Bräutigam, um sich seine Braut zu holen!“

„Verdammt! Laßt mich los!“

Bei diesen Worten machte Florian eine gewaltige Kraftanstrengung, um sich zu befreien, aber dies war ihm, dreien gegenüber, unmöglich.

„Bursche, füge dich!“ meinte Reillac. „Sonst geht es dir nicht gut! Du bist ein Lügner und Verräter!“

„Pah! Ich reite spazieren, mit wem ich will!“ meinte der Kutscher.

„Ja, aber der gegenwärtige Spazierritt wird dir schlecht bekommen. Wo ist dieser Monsieur Königsau?“

„Ich weiß es nicht.“

„Und Margot?“

„Jedenfalls bei ihm.“

Florian glaubte, daß es dem Lieutenant doch möglich sein werde, mit der Geliebten den Verfolgern zu entkommen.

„Mensch, antworte besser, sonst bekommst du Hiebe! Wie sind die beiden zu treffen?“

„Ich weiß es nicht. Schlagt immer zu.“

„Dazu ist es später auch noch Zeit. Übrigens irrst du dich, wenn du meinst, daß wir sie nicht finden. Die Schlucht, von welcher ihr vorhin spracht, wird nicht sehr weit entlegen sein.“

„Hier sind sie fortgeritten; man sieht ihre Spuren.“

Während Richemonte diese Worte sprach, deutete er auf die Erde.

„Wirklich!“ antwortete Reillac. „Es wird hier nicht sehr schwer sein, ihnen zu folgen.“

„Sie haben auf die Mama und den lieben Florian warten wollen. Wir dürfen uns also Zeit nehmen und können zu Fuß gehen.“

„Das wird das beste sein. Zu Pferd geht es schlecht. Aber vorher wollen wir dafür sorgen, daß diese zwei Vögel uns nicht wieder ausfliegen.“

Florian wurde sehr fest, Frau Richemonte aber leichter gefesselt. Die drei Soldaten erhielten den Befehl, sie zu bewachen, und dann folgten Richemonte und Reillac der Spur Königsaus.

Diese hatte sich in dem lockeren Waldboden tief genug eingedrückt, um leicht genug erkannt zu werden. So gelangten die Verfolger bald zur Stelle, wo die Pferde angebunden waren.

Richemonte erblickte die Tiere zuerst. Er faßte den Gefährten am Arm und hielt ihn zurück.

„Halt!“ sagte er. „Sehen Sie dort die Pferde?“

„Natürlich! Wo aber mögen die Reiter sein?“

„Jedenfalls in der Nähe.“

„Warten wir hier, bis sie kommen?“

„Nein. Ich habe nämlich so meine Gedanken.“

„Welche?“

„Sie haben an der Schlucht warten wollen. Daraus schließe ich, daß sie das Innere derselben haben aufsuchen wollen.“

„Dazu müßte ein Grund vorhanden sein.“

„Allerdings, und zwar muß dieser Grund ein Geheimnis enthalten, denn sie haben die beiden anderen nicht mitgenommen.“

„Es wäre doch merkwürdig, wenn wir hier etwas Wichtiges erführen.“

„Das ist sehr möglich. Schleichen wir uns also einmal am oberen Rand der Schlucht hin; aber leise und vorsichtig.“

Sie taten es und bemerkten gar bald Königsau, vor welchem Margot auf einem Stein saß, und ihr etwas sehr Interessantes zu erzählen schien. Sie hörte sehr aufmerksam zu.

„Dort sitzen sie“, flüsterte Reillac.

„Ja. Er erzählt. Was mag es sein? Wer es doch hören könnte!“

„Man könnte sie ja belauschen.“

„Das ist wahr. Gleich neben ihnen steht ja Gesträuch, welches dicht genug ist, uns zu verbergen.“

„Aber wenn sie uns bemerken?“

„Was ist da weiter? Wir fallen sofort über ihn her. Margot wird sich nicht sehr wehren können.“

„Töten wir ihn?“

„Nur dann, wenn es nicht anders geht. Ist es aber möglich, so soll er leben bleiben, um seiner Strafe und unserer Rache willen.“

Obgleich der eine von ihnen vorher gesagt hatte, daß sie keine Indianer seien, gelang es ihnen doch, ganz unbemerkt hinter das erwähnte Gesträuch zu kommen, wo sie sich niederduckten und so nahe waren, daß sie ein jedes Wort verstehen konnten.

„Das war also dieselbe Kriegskasse, von welcher der Wirt erzählt hatte?“ fragte soeben Margot.

„Ja, jedenfalls.“

„Weiß du, wieviel darinnen ist?“

„Nein; jedenfalls aber zählt es nach Millionen.“

„Wer aber mag noch davon wissen?“

„Einige; niemand aber kennt den Ort, wo sie vergraben liegt. Nur ich allein weiß denselben.“

„Aber wie wirst du das benutzen?“

„Ich werde zunächst abwarten, welche Ereignisse der bevorstehende Krieg mit sich bringt. Dann erst werde ich wissen, was zu tun ist.“

„O bitte, zeige mir den Ort, lieber Hugo! Ich möchte einmal wissen, wie es ist, wenn man auf einem verborgenen Schatze steht.“

„Das sollst du sofort erfahren. Komm.“

Er nahm sie bei der Hand und zog sie nach der Stelle, wo die Kasse vergraben lag.

„Hier, Margot, stehst zu auf einem sehr, sehr großen Reichtum“, sagte er. „Die Geister der beiden Toten werden ihn bewachen, so daß er keinem anderen in die Hände fällt.“

Er drehte sich bei diesen Worten ein wenig nach rechts herum, um nach der Stelle zu deuten, wo der Mörder neben seinem Opfer lag, und dabei fiel sein Auge auf die Sträucher, hinter denen die beiden Lauscher steckten.

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