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Im Anfang war der Mord

Электронная книга - «Im Anfang war der Mord». Краткое содержание книги:

Ein exklusiver Cocktail aus dem Besten, was weibliche Kriminalliteratur zu bieten hat!
Erstmals präsentiert sich hier Bestsellerautorin Elizabeth George,»die Meisterin des englischen Kriminalromans «als Herausgeberin: 26 spannende und raffinierte Kriminalgeschichten von den besten Autorinnen der Welt, wie Dorothy L. Sayers, Ruth Rendell, Sara Paretsky, Minette Walters, Marcia Muller, Nadine Gordimer, Joyce Carol Oates und vielen anderen. Mit einer Einführung von Elizabeth George!
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An etwas kann ich mich noch von Pop erinnern, bevor er wegging. Er hat mir immer Geschichten erzählt. Dazu hat er sich in seinen großen, dunkelbraunen Sessel gesetzt, mich auf den Schoß genommen und gesagt:»Also, hör zu.

Jetzt kommt eine Geschichte über ein böses, kleines Mädchen. «Es war jedes Mal eine andere Geschichte, aber immer ist es um ein Mädchen namens Böse Penny gegangen. Sie war hässlich und gemein und boshaft, und niemand konnte sie leiden. Immer hat sie Ärger gemacht, und am Ende wurde sie immer bestraft. Mal haben die Schweine sie aufgefressen, und mal ertrank sie im Bach.

Einmal wurde sie von der Scheibenegge in kleine Stückchen zerhäckselt, und ein andermal fiel sie in den Getreidespeicher und erstickte im Weizen. Sie ist aber immer wieder zurück gekommen, gemein und fies wie immer, und deshalb hieß sie Böse Penny. Nach der Geschichte brachte Pop mich dann immer in mein Zimmer rauf und ins Bett.

Mir gefielen die Geschichten, obwohl sie mir auch ein bisschen Angst gemacht haben. Ich wusste zwar, dass Schweine keine kleinen Mädchen fressen, um den Schweinestall herum war ich aber ziemlich vorsichtig.

Heute halten wir keine Schweine mehr, aber damals, als wir ein paar hatten, musste ich ihnen immer den Schweinetrank rausbringen.

Na, und dann kam es ganz schlimm, als Ace die Tankstelle an der Kreuzung drunten ausraubte und Junior Mulligan ihn erkannte, der damals gerade zufällig seinen Pickup auftankte und Ace nicht mehr leiden konnte, seitdem die beiden zusammen beim Jagen gewesen waren und Ace behauptet hatte, es wär sein Hirsch gewesen, und Junior in den Dead Man’s Gully gestoßen und ihm das Bein gebrochen hatte. Junior ging also gleich zur Polizei, und die kamen an und zerrten Ace aus dem Red Rooster Café, wo er allen Bier und hart gekochte Eier spendiert hatte.

Es war traurig und einsam zu Hause ohne Ace, der sonst immer für Aufregung gesorgt hatte, und auch still, weil Deucys Gitarre im Pfandhaus war und er deswegen vor lauter Kummer keinen einzigen Ton singen konnte. Earl und Wesley versuchten, in der Umgebung Versicherungen zu verkaufen, aber von den Leuten, die wir kannten, konnte sich keiner eine kaufen, und die Leute, die wir nicht kannten, wollten nicht. Da musste also ich mir was einfallen lassen.

Ich kam auf meine Idee zurück, als Hausmädchen zu gehen wie unsere Mutter, was Pembrook mir ja erzählt hatte. Es machte mir nichts aus, bei jemand anderem im Haushalt zu arbeiten, obwohl Deucy meinte, es wär unwürdig und würde sich nicht schicken für eine Taggert.

Soweit ich sehen konnte, fand Deucy jede Art von Arbeit unwürdig, außer vielleicht die Verandaschaukel ausleiern.

Eines Morgens habe ich mich also von oben bis unten gewaschen, auch die Haare, mir die Fußnägel geschnitten, damit ich Schuhe anziehen konnte, mir dann eins von den Kleidern meiner Mutter aus dem Schrank auf dem Dachboden geholt und mich fertig gemacht für einen Besuch bei Mrs. Carpenter. Das Kleid passte mir recht gut, obwohl es ein bisschen lang war und auch recht eigenartig aussah zu meinen hohen Schnürturnschuhen, aber weil ich nichts anderes hatte, musste es eben gehen.

Ich ging zu Fuß in die Stadt und wedelte mir mit dem Rock von Zeit zu Zeit Luft zu und blies vorn in den Ausschnitt, damit der Schweiß auf den grünen und weißen Tupfen keine Flecken machte. Ich erreichte das Haus der Carpenters, bevor die Sonne halb am Himmel stand, ungefähr zu der Zeit, wo Deucy sich aus dem Bett wälzte und nach Kaffee brüllte. Nun, an diesem Morgen würde er sich eben selber was zum Frühstück suchen müssen. Ich blieb eine Weile so stehen, die Hand am eisernen Tor, und blickte zu dem Haus hinauf. Es war riesig, leuchtete weiß wie eine Hochzeitstorte und hatte bestimmt zwei Dutzend Fenster allein auf der Vorderseite. Es stand ein bisschen nach hinten versetzt, und davor lag ein so grüner Rasen, wie ich ihn noch nie gesehen hatte, der sich bis zu einer Reihe von stacheligen Büschen an der Veranda hinzog.

Ich hatte es schon öfter gesehen, wenn Ace mich im Bierlaster mitgenommen hatte und mir erzählte, er musste bloß mal eine Bank ausrauben, dann würden wir in dieser Gegend neben den reichen Leuten wohnen. Ich hatte es mir aber nie richtig aus der Nähe angeschaut, weil ich mir schon dachte, dass er einen Witz machte. Jetzt guckte ich hin, bis ich anfing zu zittern, und überlegte, ob ich gleich direkt an die Haustür marschieren oder hintenherum schleichen sollte. So lang stand ich dort, dass es sich anfühlte, als hätten meine Füße auf dem Gehweg Wurzeln geschlagen, und wenn ich mich bloß hätte losreißen können, wäre ich nach Hause gerannt und hätte mich nicht mehr weggerührt.

Aber als mir einfiel, dass bloß noch ein knappes halbes Pfund Kaffee übrig war und gerade genug Mehl für ein Blech weiche Brötchen, zog ich das eiserne Törchen auf und steuerte auf die große Haustür zu. Es kam mir so vor, als würde ich eine Stunde lang den Fußweg hinaufgehen; meine Füße fühlten sich an wie riesiggroße Floßbretter, und mein Haar hüpfte aus den Zöpfen, die ich so ordentlich geflochten hatte. Aber schließlich gelangte ich auf die Veranda am Haus, hielt den Finger auf die Türglocke und hörte, wie es drinnen ding-dong machte.

Ich wartete. Aber die Tür blieb geschlossen.

Es war eine hübsche Tür, weiß gestrichen wie der Rest des Hauses, und ich guckte mir jedes Paneel und den großen Türknauf aus Messing und den Briefkasten daneben ganz genau an, während ich wartete. Ich überlegte, ob ich vielleicht noch mal klingeln sollte.

Vielleicht war niemand zu Hause. Vielleicht war ich den ganzen Weg umsonst gekommen. Die würden mich wahrscheinlich gar nicht als Hausmädchen haben wollen, auch wenn sie zu Hause waren. Das grün-weiße Kleid hing schlaff um meine Schienbeine herum, und meine Turnschuhe waren voller Straßenstaub. Vielleicht sollte ich einfach nach Hause gehen und abwarten, bis mir eine bessere Idee kam.

Ich wandte mich ab und wollte gerade die Verandatreppe hinuntergehen, als ich hinter mir die Tür aufgehen und es plötzlich scharf wie einen Blauhäher keckem hörte:»Ja?« Ich drehte mich um und sah, wie mich eine groß gewachsene, magere Frau mit einer so steilen Falte zwischen den Augen anstarrte, dass ich trotz der Hitze zittern musste.»Miz Carpenter?«, sagte ich.

«Ja, ich bin Mrs. Carpenter. Und wer bist du? Was willst du? Ich bin sehr beschäftigt.« Mein Hals schnürte sich zusammen, und ich konnte nicht schlucken, und wie ich dann sagte:»Ich bin gekommen, um bei Ihnen das Hausmädchen zu machen«, da dachte ich, sie könnte mich vielleicht nicht hören, weil ich mich selber nicht hören konnte.

«Was?«, fragte sie.»Rede lauter. Was soll das mit dem Hausmädchen?« «Wegen dem bin ich gekommen«, sagte ich.»Wenn Sie mich nehmen.« «Na, sieh mal einer an!«, sagte sie und zeigte alle ihre gelben Zähne.»Du kommst ja wie gerufen! Wo kommst du denn plötzlich her, und wer hat dich geschickt? Ach, ist ja egal. Komm herein und fang gleich an. Du siehst kräftig aus. Ich hoffe bloß, du bist auch guten Willens.« «Ja, Madam«, sagte ich, und flugs zerrte sie mich durchs Haus und in die Küche direkt ans Spülbecken, wo mehr Geschirr stand, als ich im Leben je gesehen hatte, und alles schmutzig.

«Fang einfach gleich an«, sagte sie.»Die Spülmaschine ist da drüben. Ich bin in ein paar Minuten wieder da.« Also, im Warenkatalog von Sears Roebuck hatte ich schon mal Spülmaschinen gesehen, hatte aber noch nie direkt vor einer gestanden. Was die machen sollte, wusste ich. Ich war mir bloß nicht ganz sicher, was ich machen sollte. Und außer meinen eigenen beiden Händen traute ich auch nichts so recht. Also hab ich das Geschirr so sauber wie möglich gemacht, bevor ich es in die Maschine tat, bloß für den Fall, dass wir uns missverstanden hatten.

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