Leben ohne Ende [Earth Abides - de]
- Автор: Стюарт Джордж
- Год: 1966
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne Verlag
- Переводчик: Ernst Sander
- Жанр: Пост-апокалипсис
Электронная книга - «Leben ohne Ende [Earth Abides - de]». Краткое содержание книги:
Dies war die Botschaft, die ein paar Stunden vor dem unabwendbaren Ende die Welt erschütterte.
Die Viruspest raffte neunundneunzig Prozent aller Menschen hinweg. Die wenigen, welche die Weltkatatastrophe und den Zusammenbruch der Zivilisation überlebten, unternahmen den verzweifelten Versuch, zu retten, was zu retten war.
Der vorliegende Roman erschien erstmals 1950 in England. Er wurde vom Science Fiction-Buchclub zum Buch des Jahres erwählt und erhielt kurz darauf den internationalen Fantasy-Preis. Inzwischen wurde der Roman in England viermal neu aufgelegt und in fast alle Weltsprachen übersetzt.
Er ließ den Blick auf der Karte nach Süden gleiten, nach Los Angeles, wobei er den altvertrauten roten Linien der Straßen folgte.
»Versucht es zunächst mit Straße Nr. 99«, sagte er. »Wahrscheinlich kommt ihr durch. Wenn sie im Gebirge blockiert sein sollte, fahrt ihr zurück bis Bakersfield, nehmt die Straße Nr. 466 und versucht, über den Tehachapi-Paß zu kommen …«
Er hielt inne; er fühlte, wie ihm etwas die Kehle zusammenschnürte und wie ihm die Augen feucht wurden. Sehnsucht überkam ihn. Es mußte an den Namen liegen! Burbank, Hollywood, Pasadena — das waren einstmals lebendige Städte gewesen. Er hatte sie gekannt. Nun jagten in den verwilderten Parks Kojoten nach Kaninchen. Und dennoch standen alle diese Namen nach wie vor schwarz und klar auf den Karten.
Er schluckte und zwinkerte; denn er sah, daß die beiden Jungs etwas gemerkt hatten.
»In Ordnung!« sagte er munter. »Von Los Angeles aus, oder von Bastow aus, wenn ihr es bei Los Angeles nicht schafft, nehmt ihr die 66, die nach Osten führt. Da bin ich damals auch gefahren. Durch die Wüste hindurch müßte eigentlich alles glatt gehen. Aber verseht euch mit Wasser. Wenn die Brücke über den Colorado-Strom noch steht, desto besser. Wenn nicht, müßt ihr nordwärts abbiegen und die Straße über Boulder Damm versuchen. Der Damm ist sicherlich noch da.«
Er zeigte ihnen auf der Karte, wie sie sich Umgehungswege aussuchen konnten, falls ihre Straßen blockiert waren. Ish glaubte indessen, mit dem Jeep würden sie im allgemeinen durchkommen und höchstens einen umgefallenen Baum durchzusägen oder sich mit Picke und Schaufel Bahn durch einen Erdrutsch zu schaffen brauchen. Schließlich würden selbst im Laufe von einundzwanzig Jahren die großen Staatsstraßen nicht völlig unbenutzbar geworden sein.
»Ihr könntet einige Schwierigkeiten in Arizona haben«, sagte er. »Wenn ihr ins Gebirge kommt. Aber dann …«
»Was ist das: Arry -? Was ist das: Arry-Zone?«
Bob fragte, und die Frage war nicht unberechtigt. Ish war verlegen um die Antwort. Wie konnte man in wenigen Worten auseinandersetzen, was ein »Staat« gewesen war? Noch viel weniger konnte man erklären, was Arizona heute war.
»Ach«, sagte er schließlich, »Arizona — das war einfach der Name für das Gebiet jenseits des Flusses.« Dann kam ihm die Erleuchtung: »Seht mal, hier auf der Karte ist es das Land innerhalb der gelben Linie.«
»Ja«, sagte Bob. »Vermutlich hatten sie einen Zaun rings herum.«
»Das glaube ich nicht so recht.«
»Stimmt. Da, wo der Fluß ist, brauchten sie ja keinen Zaun.«
(»Laß es gut sein«, dachte Ish. »Er meint, Arizona sei eine Art alten, eingezäunten Gutshofes, nur viel größer.«)
Aber er sprach fortan nicht mehr von Staaten und erwähnte nur noch Städte. Was eine Stadt war, das wußten die Jungs — eine Anzahl trümmerbedeckter Straßen und verwitterter, verfallender Gebäude. Natürlich da sie selbst in einer Stadt lebten, konnten sie sich leicht eine andere Stadt und eine andere Gemeinschaft, der ihrigen ähnlich, vorstellen.
Er geleitete sie also auf der Karte durch Denver, Omaha und Chicago, wobei er gern gesehen hätte, was in den großen Städten inzwischen geschehen war. Bis sie dort waren, würde es Frühling sein. Er riet ihnen, die Fahrt nach Washington und New York zu versuchen und die geeignetste Straße zu wählen.
»Die Pennsylvania-Zollstraße ist sicherlich noch immer der beste Weg zum Überqueren des Gebirges. Es ist beinahe unmöglich, daß eine dermaßen große Straße mit vier Fahrbahnen blockiert ist, und eigentlich müßten selbst die Tunnels noch passierbar sein.«
Die Wahl des Rückwegs überließ er ihnen; bis dahin kannten sie sich in den Reisebedingungen besser aus als er. Doch er regte an, sie möchten weit nach Süden ausholen, da der kalten Winter wegen die Menschen sicherlich auf die Golfküste zu abgewandert waren.
Sie unternahmen täglich Übungsfahrten mit dem Jeep, und da sie häufig Reifenpannen hatten, kamen sie durch Aussonderung schließlich zu Reifenmaterial, das auszudauern versprach.
Am vierten Tage fuhren sie dann ab; auf den Rücksitzen des Jeeps standen und lagen eine Reservebatterie, Ersatzreifen und andere Ausrüstungsgegenstände. Die Jungs waren beinahe von Sinnen vor Aufregung über das, was vor ihnen lag; die Mütter waren bei dem Gedanken an eine so lange Trennung den Tränen nahe; Ish selbst war nervös vor Verlangen, mitzufahren.
Die Staatsgrenzen zogen gleich den Zäunen Linien, die hart und unnachgiebig waren. Auch sie waren Menschenwerk, Abstraktionen, die die Wirklichkeit beherrschten. Wo man auf der Landstraße eine Staatsgrenze kreuzte, gewann die Straßendecke ein anderes Aussehen. Sie war glatt in Delaware, aber wenn man nach Maryland hineinfuhr, spürte man, wie der Wagen anders vibrierte und wie die Reifen sogleich anders summten. »Staatsgrenze«, stand zu lesen. »Nebraska. Höchstgeschwindigkeit 90 km.« So änderten sich selbst Recht und Unrecht mit dem harten Ruck des Unlogischen, und man trat fester auf den Gashebel.
An den Staatsgrenzen zeigten die Fahnen andre Farben, obwohl sie im gleichen Winde wehten. Man stoppte an der Zoll- und Einwanderungsstelle und war plötzlich ein Fremder, ein Ausländer. »Sieh mal!« sagte man. »Der Polizist da trägt eine ganz andere Uniform!« Man bekam anderes Geld, und selbst die Briefmarken für Ansichtspostkarten trugen andere Gesichter. »Lieber übertrieben vorsichtig fahren«, sagte man sich. »Es wäre übel, wenn sie einen hier verhafteten.« Wie seltsam war das! Man fuhr über eine Linie, die man nicht einmal sehen konnte, und dann war man plötzlich selber einer der verrückten Leute, die als »Ausländer« bezeichnet wurden!
Staatsgrenzen schwanden noch schneller hin als Zäune. Imaginäre Linien bedurften nicht des Rostes, um auszulöschen. Dann gibt es keine schnellen Verschiebungen und Berichtigungen mehr, und vielleicht ist für die Menschen dann alles leichter. Wie zu Anbeginn werden sie sagen: »Ungefähr da, wo die Eichen lichter stehen und die Kiefern anfangen.« Sie werden sagen: »Dort — genau kann ich es nicht sagen — in den Gebirgsausläufern, wo es trockener wird und die ersten Salbeibüsche auftauchen.«
Nach der Abfahrt der Jungs schienen sie wieder in eine jener ruhigen und glücklichen Perioden zu gelangen, die sie dahin gebracht hatten, eine gewisse Zeit »Das Gute Jahr« zu nennen. Einen Tag wie den andern, Woche für Woche nahm alles den gewohnten Verlauf. Die Regenzeit begann spät — heftige Schauer, nach denen es sich rasch aufklärte, bei schönem blauem Himmel, so daß die fernen Türme der Goldenen-Tor-Brücke klar abgezeichnet und noch immer majestätisch vor dem Westhimmel standen.
Morgens brachte es Ish für gewöhnlich fertig, genügend Männer zusammenzutrommeln, die am Brunnen weiterarbeiteten. Ihr erster Versuch endete bei einer Felsschicht anstatt bei Grundwasser; denn der Hügelhang trug nur eine verhältnismäßig dünne Erdschicht. Aber sie gruben einen zweiten Brunnenschacht und stießen tatsächlich auf gutes Wasser. Der Brunnen wurde mit Brettern ausgekleidet und zugedeckt, und es wurde eine Handpumpe aufgestellt. Inzwischen hatten sich alle an die Latrinen draußen gewöhnt.
Der Fischfang war jetzt ertragreich. Alle wollten fischen gehen, und alles übrige trat in den Hintergrund.
Abends kamen sie häufig zusammen und sangen Lieder, wobei Ish sie auf dem Akkordeon begleitete. Ein paarmal regte er an, man solle mehrstimmig singen. Doch kein einziger zeigte wahres Interesse an diesem etwas schwierigen Unterfangen.
Ish kam zu der Überzeugung, daß sie eine wenig musikalische Gruppe seien. Vor Jahren hatte er Schallplatten mit Symphonien heimgebracht und versucht, sie auf dem Koffergrammophon zu spielen. Natürlich war die Wiedergabe nicht sehr gut; aber man konnte doch wenigstens die Themen verfolgen. Aber nie zeigten die Kinder auch nur eine Spur von Interesse. Bei einigen melodiösen Stellen hörten sie auf zu spielen oder ließen ihre Holzschnitzereien ruhen, blickten auf und schienen ein paar Augenblicke voller Freude zuzuhören. Doch sobald die Musik etwas komplizierter wurde, wandten die Kinder sich wieder ihrer Beschäftigung zu. Nun, was konnte man denn auch von ein paar Durchschnittsmenschen und deren Nachwuchs erwarten? In den Alten Zeiten hätte vielleicht ein einziger Amerikaner unter hundert eine wahre, echte Verehrung für Beethoven empfunden, und diese wenigen gehörten wohl zu den verfeinerten und empfindsamen Menschen, die gleich den hochgezüchteten Hunden am wenigsten Eignung besaßen, den Schock nach dem Großen Unheil zu überstehen.