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Leben ohne Ende [Earth Abides - de]

Электронная книга - «Leben ohne Ende [Earth Abides - de]». Краткое содержание книги:

»… und die Regierung der Vereinigten Staaten von Amerika wird hiermit ihres Amtes enthoben …«
Dies war die Botschaft, die ein paar Stunden vor dem unabwendbaren Ende die Welt erschütterte.
Die Viruspest raffte neunundneunzig Prozent aller Menschen hinweg. Die wenigen, welche die Weltkatatastrophe und den Zusammenbruch der Zivilisation überlebten, unternahmen den verzweifelten Versuch, zu retten, was zu retten war.
Der vorliegende Roman erschien erstmals 1950 in England. Er wurde vom Science Fiction-Buchclub zum Buch des Jahres erwählt und erhielt kurz darauf den internationalen Fantasy-Preis. Inzwischen wurde der Roman in England viermal neu aufgelegt und in fast alle Weltsprachen übersetzt.
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Um des Experimentes willen versuchte er es auch mit Jazz-Platten. Bei dem lauten Geplärr der Saxophone hörten die Kinder ebenfalls mit ihren Beschäftigungen auf; aber auch diesmal war ihr Interesse nicht von Dauer. Auch der Jazz-hot mit seinen verwickelten Rhythmen war eine komplizierte Angelegenheit; er sprach weniger zu schlichten und primitiven Menschen als zu hochentwickelten und zumindest in dieser Beziehung erfahrenen. Man hätte den Kindern ebensogut zumuten können, Gefallen an Picasso und Joyce zu finden.

Überhaupt, und darin lag für ihn etwas Ermutigendes, bezeigte die jüngere Generation nur sehr wenig Interesse daran, dem Grammophon zuzuhören; sie sangen lieber selber. Er betrachtete das als ein gutes Zeichen: sie wollten lieber teilnehmen als zuhören, lieber Mitwirkende als Zuhörer sein.

Natürlich dachten sie keineswegs an den nächsten Schritt, nämlich von sich aus Weisen und Worte zu erfinden. Ish versuchte gelegentlich, Verse mit Anspielungen auf ihr Leben zu schmieden; aber entweder besaß er nicht die rechte Begabung dafür, oder aber er stieß mit seinen Bemühungen auf unbewußten Widerstand, da sie aus dem Rahmen des Üblichen fielen.

So sangen sie denn einstimmig, unterstützt von den festigenden Klängen und stoßenden Bässen des Akkordeons. Die schlichteren Melodien gefielen ihnen am besten, wie Ish beobachtete. Auf die Worte und ihren Inhalt kam es ihnen nicht groß an. Sie sangen: »Bring mich zurück nach Virginia«, obwohl sie keine Ahnung hatten, was Virginia war oder wer darum bat, wieder dorthin gebracht zu werden. Sie sangen: »Halleluja, ich bin ein Bettler!«, ohne sich darum zu kümmern, was ein Bettler war. Sie sangen mit klagenden Stimmen von Barbara Allen, obwohl keiner von ihnen etwas von unerwiderter Liebe wußte.

Oft in diesen Wochen gedachte Ish der beiden Jungs im Jeep. Und wenn seine Hände an den Knöpfen und Tasten des Akkordeons herumfingerten, mußte er an Bob und Dick denken und erschrak dabei ein wenig. Vielleicht durchfuhren die beiden gerade das Gebirge.

Er spielte mechanisch weiter und sann nach. Ob dort jetzt Rehwild und Antilopen spielten? Oder trieb sich Vieh dort herum? Oder waren die Büffel wiedergekehrt?

Häufiger indessen suchten ihn die Gedanken an die Jungs während der Nacht heim, wenn ein Angsttraum ihn auffahren ließ und er nervös alle Möglichkeiten erwog.

Wie hatte er nur zugeben können, daß sie den Versuch wagten! Er dachte an alle Gefahren durch Wasserfluten und Unwetter. Und der Wagen! Man konnte Jungs dieses Alters keinen Wagen anvertrauen, und wenngleich keinerlei Gefahren durch Verkehr bestanden, so konnten sie auf der Straße zu schnell fahren. Und da gab es viele schlechte Stellen.

Sie würden Begegnungen mit Berglöwen, Bären und bösartigen Bullen haben.

Die eisigen Schauer jedoch durchrannen Ish in solchen Nachtstunden bei dem Gedanken an Menschen! Was für Leuten die Jungs wohl begegneten? Auf was für Menschengruppen würden sie stoßen? Auf Gruppen, die durch merkwürdige Umstände verderbt und entartet waren, ohne daß das Staatsgesetz sie hemmte? Es konnten Gruppen sein, die grundsätzlich jedem Fremden mit Todfeindschaft begegneten. Vielleicht hatten sich primitive religiöse Bräuche weiterentwickelt — Menschenopfer, Menschenfresserei!

Ihre eigene Gruppe hier am Hügelhang mochte vielleicht ungelenk, langweilig und unschöpferisch sein; aber sie hatte doch wenigstens Menschenwürde und Schicklichkeit bewahrt. Wer und was bürgte dafür, daß bei anderen Gruppen das gleiche der Fall war?

Doch im Morgenlicht verloren all diese Schreckgespenster ihre Kraft. Dann malte er sich aus, wie die beiden Jungs sich freuten, wie neue Schauplätze ihnen Anregungen boten, vielleicht gar neue Menschen. Selbst wenn sie mit dem Wagen eine ernstliche Panne erlitten und keinen anderen in Gang zu bringen vermochten, konnten sie ja doch auf der gleichen Straße zurückwandern, die sie gefahren waren. Nahrungsmangel würde nirgendwo herrschen. Etwa fünfundzwanzig Kilometer den Tag, mindestens hundertfünfzig die Woche — auch wenn sie über tausend Kilometer zurückzulegen hatten, müßten sie vor Herbstbeginn wieder daheim sein. Wenn sie aber einen Wagen hatten, mußten sie schon sehr viel früher wiederkommen. Beim Gedanken an die Heimkehr der beiden konnte er kaum seine Erregung meistern. Was würden sie an Neuigkeiten mit nach Haus bringen?

So glitten die Wochen hin, und die Regenzeit ging vorüber. Das Gras auf den Hügeln büßte sein frisches Grün ein; dann trug es Samen und wurde braun. Morgens schwebten die niedrig dahinziehenden Sommerwolken so dicht über den Brückentürmen, daß sie manchmal bis zu ihnen hinaufzureichen schienen.

5

Je mehr Zeit hinging, desto weniger beschäftigten Ishs wache Gedanken und Träume sich mit den Jungs. Daß ihr Abschied schon so lange zurücklag, schien zu beweisen, daß sie bei ihrer Reise weit vorangekommen waren. Es war schwerlich an der Zeit, jetzt schon auf ihre Rückkehr von einer Reise durch den ganzen Kontinent zu warten, und es war ganz bestimmt nicht an der Zeit, sich trüben Gedanken über ihre noch nicht erfolgte Rückkehr hinzugeben. Ish beschäftigten andere Gedanken und andere Sorgen.

Er hatte den Schulunterricht wieder eingeführt; er hatte sich wieder auf das besonnen, was er für seine wesentlichste Aufgabe hielt: nämlich die Jungs Lesen und Schreiben zu lehren, ihnen ein bißchen Rechnen beizubringen und auf diese Weise im »Stamme« einige der Grundfertigkeiten der Zivilisation zu bewahren. Aber die undankbaren Jungs rekelten sich auf ihren Stühlen; sie schauten immerfort zu den Fenstern hinaus, und Ish wußte nur zu gut, daß sie weit lieber im Freien gewesen, am Hügelhang entlanggelaufen wären, Bullen-Schlupf gespielt und gefischt hätten. Er versuchte sie auf mannigfache Weise zu ködern; er bediente sich der Technik, die, wie er sich erinnerte, in den Alten Zeiten »progressive Pädagogik« genannt worden war.

Das Holzschnitzen! Zu Ishs Verwunderung war das Holzschnitzen zum hauptsächlichen Mittel künstlerischen Ausdrucks geworden. Sicherlich war das ein Erbteil vom alten George her. Vielleicht hatte George, beschränkt wie er war, seine Liebe zu Holzarbeiten auf die Kinder übertragen. Ish selbst hatte kein Interesse daran und keine Begabung dafür.

Im Grunde war die Ursache ja auch gleichgültig. Konnte er, Ish, als Lehrer sich dieser Lieblingsbeschäftigung bedienen, um ein geistiges Interesse zu wecken?

So fing er denn an, sie Geometrie zu lehren, indem er ihnen zeigte, wie man mit Zirkel und Lineal Zeichnungen auf der Holzoberfläche entwerfen kann.

Die Sache fand Anklang, und bald redeten alle begeistert von Kreisen und Winkeln und Sechsecken; jeder hatte eine geometrische Zeichnung entworfen und schnitzte eifrig an ihr herum. Ish selbst bekam Interesse. Er spürte das Aufregende dieser Arbeit, als der weiche Kiefernholzblock, der fast ein Vierteljahrhundert alt war, sich unter seinem Messer abschälte.

Doch noch ehe die ersten geometrischen Zeichnungen fertig waren, verloren die Kinder das Interesse. Mit dem Messer an einer Stahlschiene entlangzufahren, und dann eine gerade Linie zu bekommen, das war leicht und uninteressant. Dem Umriß eines Kreises zu folgen, das war ziemlich schwierig, doch es war mechanisch und langweilig. Und wenn die Zeichnungen dann fertig waren, so sahen sie, wie selbst Ish zugeben mußte, wie schlechte Nachahmungen von Maschinenarbeit aus den Alten Zeiten aus.

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