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Die Meisterin

Электронная книга - «Die Meisterin». Краткое содержание книги:

Wer über magische Fähigkeiten verfügt, hat in Imardin die Macht. Rücksichtslos setzen sich die Mitglieder der Gilde der schwarzen Magier über die Armen und Gewöhnlichen hinweg. Keiner wagt es, sich zu wehren. Nur Sonea, das Bettlermädchen, begehrt auf...
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Sonea ging im Dom auf und ab. Die dicke Tür stand offen, um Luft einzulassen. Dahinter standen zwei Magier, die Sonea beobachteten, wann immer sie allein war.

Aber sie war nicht viel allein gewesen. Vinara, Balkan und Sarrin hatten ihr nacheinander Fragen nach Akkarins Tun gestellt. Sie wollte das Risiko nicht eingehen, irgendetwas preiszugeben, bevor Akkarin dazu bereit war. Daher hatte sie sich geweigert zu antworten. Zu guter Letzt hatten sie aufgegeben.

Jetzt, da sie endlich allein war, stellte sie fest, dass ihr auch das nicht gefiel. Sie fragte sich immer wieder, wo Akkarin sein mochte und ob ihr Schweigen seinen Wünschen entsprach. Es war unmöglich, die genaue Tagesstunde festzustellen, aber sie vermutete, dass die Dämmerung inzwischen dem hellen Tageslicht gewichen war. Sie hatte die ganze Nacht nicht geschlafen, bezweifelte jedoch, dass es ihr gelungen wäre, selbst wenn sie statt des sandigen Fußbodens ein weiches Bett gehabt hätte.

Eine Bewegung jenseits der Tür erregte ihre Aufmerksamkeit. Als sie aufblickte, zog ihr Herz sich schmerzhaft zusammen.

Rothen.

Mit vor Sorge gefurchtem Gesicht betrat er den Dom. Als sie ihn ansah, versuchte er zu lächeln, und ihr wurde beinahe übel, so schuldig fühlte sie sich.

»Sonea«, sagte er, »wie geht es dir?«

Sie schüttelte den Kopf. »Das ist eine törichte Frage, Rothen.«

Er schaute sich in der Kuppel um und nickte. »Ja. Damit hast du wahrscheinlich Recht.« Seufzend wandte er sich wieder Sonea zu. »Sie haben noch nicht entschieden, was sie mit dir machen wollen. Von Lorlen weiß ich, dass sie Bücher über schwarze Magie in deinem Zimmer gefunden haben. Hat Akkarin oder sein Diener diese Bücher dort hineingeschmuggelt?«

Sie seufzte. »Nein. Ich habe darin gelesen.«

»Warum?«

»Um meinen Feind besser zu verstehen.«

Er runzelte die Stirn. »Du weißt, dass es schon ein Verbrechen ist, wenn man nur über schwarze Magie liest.«

»Ja, ich weiß.«

»Trotzdem hast du diese Bücher gelesen?«

Sie sah ihm fest in die Augen. »Es gibt Risiken, die es lohnt einzugehen.«

»In der Hoffnung, dass wir diese Informationen benutzen könnten, um Akkarin zu besiegen?«

Sie senkte den Blick. »Nicht direkt.«

Er hielt inne. »Warum hast du es dann getan, Sonea?«

»Das kann ich Euch nicht sagen. Noch nicht.«

Rothen kam einen Schritt näher. »Warum nicht? Was hat er dir erzählt, um dich zu seiner Komplizin zu machen? Wir haben deine Tante und deinen Onkel gefunden. Sie und ihre Kinder sind in Sicherheit. Dorrien ist gesund und munter. Gibt es noch jemanden, den du beschützt?«

Sie seufzte. Ganz Kyralia.

»Ich kann nicht darüber sprechen, Rothen. Noch nicht. Ich weiß nicht, was Akkarin erzählt hat, aber er will nicht, dass ich irgendetwas offenbare, bevor er so weit ist. Es wird bis nach der Anhörung warten müssen.«

Zorn blitzte in Rothens Augen auf. »Seit wann interessiert es dich, was er will?«

Sie hielt seinem Blick stand. »Seit ich seine Beweggründe kenne. Aber das ist seine Geschichte, nicht meine. Wenn er sie erzählt, werdet Ihr mich verstehen.«

Er musterte sie zweifelnd. »Es fällt mir schwer, das zu glauben. Aber ich werde es versuchen. Gibt es irgendetwas, das ich für dich tun kann?«

Sie schüttelte den Kopf, dann zögerte sie. Rothen wusste, dass Lorlen sich seit über zwei Jahren über Akkarins Verbrechen im Klaren war. Was würde geschehen, wenn er der Gilde das offenbarte? Sie blickte zu ihm auf.

»Ja«, sagte sie leise. »Beschützt Lorlen.«

Savara strich mit der Hand über die Laken und lächelte.

»Schön.«

Cery kicherte. »Ein Dieb muss seinen Gästen das Gefühl geben, willkommen zu sein.«

»Du bist nicht wie die anderen Diebe«, bemerkte sie. »Er steckt hinter alldem, nicht wahr?«

»Wer?«

»Der Hohe Lord.«

Cery stieß einen Laut der Entrüstung aus. »Nicht hinter allem.«

»Nein?«

»Zum Teil ging es auch um Sonea. Faren hat sich damals bereit erklärt, sie vor der Gilde zu verstecken, aber die anderen Diebe haben ihn gezwungen, sie auszuliefern. Manche Leute sind der Meinung, dass Faren seine Seite des Handels nicht eingehalten hat.«

»Und was heißt das?«

»Wenn ich bereit bin, mit Faren zusammenzuarbeiten, werden andere nachziehen. Faren hat mir einige Male aus der Klemme geholfen.«

»Also hatte Akkarin nichts damit zu tun?«

»Nun, ein wenig schon«, gestand Cery. »Wenn er mich nicht gedrängt hätte, hätte ich vielleicht nicht den Mut dazu gehabt. Außerdem hat er mir die richtigen Informationen über jeden der Diebe gegeben. Es ist schwer, jemandem etwas abzuschlagen, der zu viele deiner Geheimnisse kennt.«

Sie machte ein nachdenkliches Gesicht. »Das klingt so, als hätte er das von langer Hand geplant.«

»Genau das habe ich auch gedacht.« Cery zuckte die Achseln. »Als der Mörder die anderen Diebe zunehmend beunruhigt hat, habe ich mich erboten, ihn zu finden. Das hat den Dieben gefallen. Sie wussten nicht, dass ich schon seit Monaten nach ihm gesucht hatte. Jetzt tun sie allerdings so, als sei es eigenartig, dass ich ihn noch nicht gefunden habe – obwohl sie selbst bisher auch noch keinen Schritt weitergekommen sind.«

»Aber du findest die Mörder.«

»Die Diebe glauben, es gebe nur einen einzigen.«

»Ah.«

»Zumindest denke ich, dass sie das geglaubt haben«, fügte er hinzu.

»Und jetzt wissen sie Bescheid, denn zumindest einer davon war eine Frau.«

»Wahrscheinlich.«

Er betrachtete die Möbel im Raum. Sie waren nicht luxuriös, aber von guter Qualität. Es gefiel ihm gar nicht zu denken, dass das alles Akkarins Hilfe zu verdanken war.

»Ich habe versucht, mir auch anderweitig etwas aufzubauen«, sagte er. »Wenn es für die Suche nach Mördern im Auftrag der Magier keine Nachfrage mehr gibt, möchte ich gern im Geschäft bleiben – und am Leben.«

Sie lächelte verschlagen und strich ihm mit dem Finger langsam über die Brust. »Mir ist es auf jeden Fall lieber, wenn du im Geschäft bleibst – und am Leben.«

Er hielt ihre Hand fest und zog sie näher zu sich heran. »Ach ja? Welche Art von Geschäft betreibst du eigentlich?«

»Ich stelle Verbindungen zu potenziellen Verbündeten her«, sagte sie und legte einen Arm um ihn. »Vorzugsweise sehr enge Verbindungen zu einem ganz bestimmten Verbündeten.«

Ihre Küsse waren entschlossen und verlockend. Cerys Herz begann von Neuem zu rasen.

Dann klopfte jemand an die Tür. Er löste sich von Savara und zuckte entschuldigend die Achseln. »Ich muss aufmachen.«

Sie zog einen Schmollmund. »Musst du wirklich?«

Er nickte. »Gol würde nicht klopfen, wenn es nicht um etwas Wichtiges ginge.«

»Ich würde ihm auch nicht raten, uns wegen einer Nichtigkeit zu stören.«

Er stand auf, streifte Hemd und Hose über und schlüpfte aus dem Raum. Gol ging in Cerys Empfangszimmer auf und ab, und seine Miene war weit entfernt von dem törichten Grinsen, das Cery erwartet hatte.

»Die Gilde hat den Hohen Lord verhaftet«, sagte Gol. »Und Sonea.«

Cery starrte seinen zweiten Mann an. »Warum?«

»Gestern Nacht ist ein Magier der Gilde getötet worden. Und mit ihm alle Menschen, die sich in seinem Haus aufgehalten hatten. Die Gilde denkt, der Hohe Lord sei der Täter. Die ganze Stadt weiß darüber Bescheid.«

Cery setzte sich auf den nächstbesten Stuhl. Akkarin verhaftet? Wegen Mordes? Und Sonea ebenfalls? Er hörte, wie die Tür zu seinem Schlafzimmer geöffnet wurde. Savara, die inzwischen voll bekleidet war, spähte hinaus. Als sie seinem Blick begegnete, runzelte sie die Stirn.

»Darfst du es mir erzählen?«

Er lächelte kurz, erheitert von ihrer Frage. »Der Hohe Lord ist verhaftet worden. Die Gilde glaubt, er habe gestern Nacht einen Magier aus ihren Reihen getötet.«

Savaras Augen weiteten sich, und sie trat in den Raum. »Wann?«

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