Krieg der Klone [Old Man's War + Questions for a Soldier de]
- Автор: Скальци Джон
- Серия: Krieg der Klone #1
- Год: 2007
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne Verlag
- ISBN: 978-3-641-02950-0
- Переводчик: Bernhard Kempen
- Жанр: Боевая фантастика
Электронная книга - «Krieg der Klone [Old Man's War + Questions for a Soldier de]». Краткое содержание книги:
Ausgezeichnet mit dem JOHN W. CAMPBELL AWARD als bester Roman des Jahres◦– mit »Krieg der Klone«, ein furioses Science-Fiction-Abenteuer in der Tradition Robert A. Heinleins, hat John Scalzi Leser und Kritiker gleichermaßen begeistert.
»Harry«, sagte ich, so gut es mit einem unbeweglichen Unterkiefer ging.
»Der und kein anderer«, sagte er und deutete eine Verbeugung an.
»Entschuldige, dass ich nicht aufstehen kann«, murmelte ich. »Ich habe noch leichte Probleme.«
»›Leichte Probleme‹, sagt er!«, wiederholte Harry und verdrehte die Augen. »Jesus auf dem Schaukelpferd! Von dir hat mehr gefehlt, als noch übrig war, John. Ich weiß, wovon ich rede. Ich habe gesehen, wie sie deinen Kadaver von Coral raufgebracht haben. Als sie sagten, du wärst noch am Leben, ist mir die Kinnlade bis zum Fußboden runtergefallen.«
»Sehr witzig«, sagte ich.
»Tschuldigung«, sagte Harry. »Das sollte keine Anspielung sein. Aber du warst kaum noch wiederzuerkennen, John. Nur noch ein Haufen aus Einzelteilen. Versteh mich nicht falsch, aber ich habe dir gewünscht, dass du stirbst. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass sie es schaffen würden, dich wieder zusammenzuflicken.«
»Freut mich, dich enttäuscht zu haben«, sagte ich.
»Freut mich, von dir enttäuscht worden zu sein«, erwiderte er. Dann betrat jemand anderer den Raum.
»Jesse«, sagte ich.
Jesse ging um das Bett herum und hauchte mir einen Kuss auf die Wange. »Willkommen im Land der Lebenden, John«, sagte sie und trat zurück. »Da wären wir glücklich wieder vereint. Die drei Musketiere.«
»Eher zweieinhalb Musketiere«, sagte ich.
»Sei nicht so pessimistisch«, sagte Jesse. »Dr. Fiorina sagt, dass du bald wieder völlig in Ordnung sein wirst. Dein Unterkiefer müsste morgen komplett nachgewachsen sein, und das Bein wird ein paar Tage später fertig sein. Ratzfatz wirst du wieder rumspringen.«
Ich tastete nach meinem rechten Bein. Es war vollständig vorhanden, beziehungsweise fühlte es sich so an. Ich zog die Bettdecke zurück, um es mir genauer anzusehen, und da war mein Bein. Sozusagen. Knapp unter dem Knie war ein grüner Striemen. Darüber sah mein Bein wie mein Bein aus, darunter wie eine Prothese.
Ich wusste, was los war. Einer Frau aus meinem Trupp war im Kampf ein Bein abgerissen worden, und man hatte ihr auf dieselbe Weise ein neues verschafft. Am Amputationsschnitt setzte man ein nährstoffreiches falsches Glied an und injizierte Nanoboter. Mit der körpereigenen DNS als Richtlinie bauten die Nanoboter dann das falsche Bein um und machten Fleisch und Knochen daraus, die sie mit den noch vorhandenen Muskeln, Nerven, Blutgefäßen und so weiter verbanden. Der Ring aus Nanobotern bewegte sich langsam hinunter, bis das gesamte Bein rekonstruiert war. Danach wanderten sie über den Blutkreislauf in die Gedärme, und man konnte sie ausscheißen.
Keine sehr feine, aber eine praktische Lösung, ohne chirurgische Eingriffe, ohne auf geklonte Teile warten zu müssen, ohne unhandliche künstliche Prothesen, die am Körper befestigt waren. Und es dauerte nur ein paar Wochen, je nach Umfang der Amputation, bis man wieder ein Bein hatte. Genauso hatten sie mir auch einen neuen Unterkiefer verschafft und wahrscheinlich auch die Ferse und die Zehen des linken Fußes, die längst wieder vollzählig vorhanden waren.
»Wie lange bin ich schon hier?«, fragte ich.
»In diesem Zimmer bist du seit einem Tag«, sagte Jesse. »Davor hast du etwa eine Woche lang in der Wanne gelegen.«
»Wir haben vier Tage gebraucht, bis wir über Phoenix eingetroffen sind«, sagte Harry. »Während dieser Zeit warst du in Stasis. Wusstest du das?« Ich nickte. »Und es waren ein paar Tage vergangen, bis man dich auf Coral gefunden hat. Also warst du insgesamt für ungefähr zwei Wochen aus dem Verkehr gezogen.«
Ich sah die beiden an. »Es freut mich, euch wiederzusehen. Versteht mich nicht falsch, aber warum seid ihr hier? Warum seid ihr nicht an Bord der Hampton Roads?«
»Die Hampton Roads wurde zerstört, John«, sagte Jesse. »Wir wurden unmittelbar nach dem Skip angegriffen. Unser Shuttle konnte sich im letzten Moment aus dem Hangar flüchten. Dabei wurde das Triebwerk beschädigt. Wir waren die Einzigen. Wir trieben fast anderthalb Tage lang im All, bevor die Sparrowhawk uns aufgelesen hat. Es hätte nicht viel gefehlt, und wir wären erstickt.«
Ich erinnerte mich, gesehen zu haben, wie die Rraey einen gerade eingetroffenen Kreuzer zerschossen hatten. Vielleicht war es die Hampton Roads gewesen. »Was ist aus der Modesto geworden?«, fragte ich. »Wisst ihr etwas darüber?«
Jesse und Harry sahen sich an. »Auch die Modesto wurde vernichtet«, sagte Harry schließlich. »John, alle wurden vernichtet. Es war ein Massaker.«
»Es können nicht alle draufgegangen sein. Du sagst, die Sparrowhawk hätte euch gefunden, genauso wie mich.«
»Die Sparrowhawk kam etwas später, nach der ersten Welle«, sagte Harry. »Sie traf weit vom Planeten entfernt ein. Dadurch konnten die Rraey sie nicht orten, wie auch immer sie das machen. Aber sie haben sich sofort auf das Schiff gestürzt, als es über der Stelle, wo du abgestürzt warst, in den Parkorbit ging. Es war ziemlich knapp.«
»Wie viele haben überlebt?«, fragte ich.
»Du warst der Einzige von der Modesto«, sagte Jesse.
»Es gab doch mehr Shuttles, die entkommen sind«, sagte ich.
»Sie wurden alle abgeschossen«, sagte Jesse. »Die Rraey haben auf alles geballert, was größer als ein Schuhkarton war. Unser Shuttle wurde verschont, weil das Triebwerk bereits tot war. Vermutlich wollten sie keine Raketen verschwenden.«
»Wie viele haben insgesamt überlebt?«, fragte ich. »Es können doch nicht nur die Leute in deinem Shuttle und ich gewesen sein.«
Jesse und Harry schwiegen.
»Erzählt mir keinen Scheiß!«
»Es war ein Hinterhalt, John«, sagte Harry. »Jedes Schiff wurde fast unmittelbar nach dem Skip angegriffen, sobald es über Coral auftauchte. Wir wissen nicht, wie sie es gemacht haben, aber sie haben es gemacht, und bei den anschließenden Aufräumarbeiten haben sie sich um sämtliche Shuttles gekümmert. Deshalb ist die Sparrowhawk ein solches Risiko eingegangen, dich zu finden◦– weil du außer uns der einzige Überlebende bist. Dein Shuttle ist das einzige, das es bis zum Planeten geschafft hat. Sie haben sich am Peilsignal deines Shuttles orientiert. Euer Pilot hat den Sender kurz vor dem Absturz eingeschaltet.«
Ich erinnerte mich an Fiona. Und Alan. »Wie viele Leute haben wir verloren?«
»Insgesamt zweiundsechzig Kampfkreuzer mit voller Besatzung in Regimentsstärke«, sagte Jesse. »Fünfundneunzigtausend Menschen. Ungefähr.«
»Mir wird übel«, sagte ich.
»Das kann man wohl als Paradebeispiel eines gewaltigen Haufens Scheiße bezeichnen«, sagte Harry. »So viel steht fest. Das ist der Grund, warum wir alle noch hier sind. Wir können sonst nirgendwohin.«
»Außerdem werden wir regelmäßig befragt«, sagte Jesse. »Als wüssten wir irgendwas. Wir waren bereits in unserem Shuttle, als wir getroffen wurden.«
»Sie warten schon voller Ungeduld darauf, dass man wieder mit dir reden kann«, sagte Harry zu mir. »Ich vermute, du wirst schon bald Besuch von den Ermittlern der KVA bekommen.«
»Wie sind diese Leute so?«
»Humorlos«, sagte Harry.
»Ich hoffe, Sie verzeihen uns, dass wir nicht zu Scherzen aufgelegt sind, Corporal Perry«, sagte Lieutenant Colonel Newman. »Wenn man sechzig Schiffe und hunderttausend Leute verloren hat, versetzt einen das in sehr ernste Stimmung.«
Ich hatte nur »noch etwas aufgelöst« gesagt, als Newman mich fragte, wie es mir ging. Ich hatte gedacht, dass eine leicht ironische Beschreibung meines Zustandes vielleicht nicht unangebracht wäre. Offenbar hatte ich mich geirrt.