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Fiebertraum [=Dead Man River / Fevre Dream - de]

Электронная книга - «Fiebertraum [=Dead Man River / Fevre Dream - de]». Краткое содержание книги:

Abner Marsh, Flußschiffer auf dem Mississippi und ein Koloß von einem Mann, steht nach der Flutkatastrophe von 1857 vor dem wirtschaftlichen Ruin. Da bietet ihm der Aristokrat Joshua York die Partnerschaft an, um das schnellste Dampfschiff auf dem Mississippi bauen zu lassen. Für den Kapitän scheint sich ein Traum zu verwirklichen.
Doch während der Jungfernfahrt der Fiebertraum entpuppt sich Joshua York zum Entsetzen Marshs als Vampir, und der Plan, als schnellster Dampfschiffkapitän in die Geschichte einzugehen, tritt in den Hintergrund, denn York fährt den Fluß hinab, um die Letzten seiner kranken alten Rasse zu sammeln und sie vom Erbe ihrer blutgierigen Leidenschaft zu befreien. Zuvor jedoch muß er den mächtigen Blutmeister Damon Julian besiegen, einen Vampir voll animalischem Magnetismus, der den roten Durst seines Nachtvolks durch Mord und Heimtücke zu löschen versucht.
Und mit jedem Flußkilometer sinkt Abner Marshs Schiff tiefer in einen blutigen Alptraum jenseits der Realität.

»Fiebertraum begeistert Stephen King‐Fans ebenso wie Leser von Mark Twain. Ein düster‐romantisches Buch, das mich bis in die Träume und Phantasien verfolgte. Ihm gebührt ein grandioser Erfolg.«
ROGER ZELAZNY
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Ich hörte nicht auf zu lernen, bis heute nicht. Wissen hat für mich Schönheit, und ich genieße alle Arten von Schönheit, und es gab noch so viel über mich und mein Volk zu erfahren. Aber mit meiner großen Entdeckung änderte sich das Ziel meiner Sucher und ich begann nach weiteren Angehörigen meiner Rasse Ausschau zu halten. Anfangs setzte ich dazu Agenten ein und schrieb Briefe. Später, als wieder Frieden herrschte, reiste ich selbst über den Kontinent. So erfuhr ich auch, wie mein Vater umgekommen war. Wichtiger noch, in alten Aufzeichnungen fand ich Hinweise darauf, woher er stammte — oder zumindest woher zu stammen er behauptet hatte. Ich folgte der Spur durch das Rheinland, durch Preußen und Polen. Für die Polen war er ein dunkel in Erinnerung gebliebener, vielgefürchteter Einsiedler, von dem Urgroßeltern nur flüsternd gesprochen hatten. Einige meinten, er wäre ein teutonischer Ritter gewesen. Andere schickten mich noch weiter nach Osten bis hin zum Ural. Es machte keinen Unterschied; die teutonischen Ritter waren seit Jahrhunderten tot, und der Ural war ein riesiges Gebirge, zu weitläufig und unwegsam, als daß es einen Sinn gehabt hätte, wäre ich dort blindlings auf die Suche gegangen.

Zu guter Letzt beschloß ich, ein Wagnis einzugehen. Einen auffälligen Silberring und ein Kreuz um den Hals tragend, die, wie ich hoffte, ausreichen würden, irgendwelches Gerede oder Mißtrauen gar nicht erst aufkommen zu lassen, begann ich mich ganz offen nach Vampiren und Werwölfen und anderen solcher Legenden zu erkundigen. Einige lachten mich aus und verspotteten mich, ein paar bekreuzigten sich und liefen davon, aber die meisten waren nur zu bereit, dem einfältigen Engländer als Gegenleistung für einen Drink oder eine Mahlzeit die Geschichten zu erzählen, die er so gerne hören wollte. Aus ihren Geschichten gewann ich meine Hinweise. Es war nicht einfach. Die Jahre vergingen während meiner Suche. Ich erlernte die polnische und die bulgarische Sprache und etwas Russisch. Ich las Zeitungen in einem Dutzend fremder Sprachen, suchte nach Todesfällen, zu denen es möglicherweise durch Auswirkungen des roten Durstes gekommen war. Zweimal war ich gezwungen, nach England zurückzukehren und mehr von meinem Getränk zusammenzubrauen und mich um meine persönlichen Angelegenheiten zu kümmern.

Und schließlich fanden sie mich.

Ich befand mich in den Karpaten, in einem primitiven Landgasthaus. Ich hatte einige Fragen gestellt, und die Nachricht von meinen Nachforschungen hatte schnell die Runde gemacht. Müde und niedergeschlagen und die ersten Anzeichen des Durstes spürend, hatte ich mich schon früh, noch lange vor Anbruch der Dämmerung, auf mein Zimmer zurückgezogen. Ich saß vor einem knisternden Feuer, sprach meinem Getränk zu, als ich ein Klappern hörte, von dem ich anfangs annahm, das es durch den Sturm ausgelöst wurde, der die reifbedeckten Fenster in ihren Rahmen erzittern ließ. Ich wandte mich um — im Raum war es bis auf den Schein des Feuers vollkommen dunkel —, und das Fenster wurde von außen geöffnet, und dort, als Silhouette vor dem schwarzen Himmel, vor dem Schnee und den funkelnden Sternen, stand ein Mann auf dem Sims. Er kam so geschmeidig herein wie eine Katze, verursachte kein Geräusch, als er auf den Fußboden heruntersprang, umgeben vom kalten Hauch des Winters; der draußen sein stürmisches Regiment führte. Er war düster, aber seine Augen glühten, Abner, sie glühten. »Sie wollen etwas über Vampire erfahren, Engländer«, flüsterte er in passablem Englisch, während er das Fenster leise hinter sich schloß.

Es war ein beängstigender Augenblick, Abner. Vielleicht war es die Kälte von draußen, die den Raum füllte und mich zittern ließ, aber das glaube ich nicht. Ich betrachtete diesen Fremden, wie so viele Angehörige Ihrer Rasse mich gesehen hatten, ehe ich mich auf sie stürzte und mich an ihrem Blut labte; dunkel und mit glühenden Augen und furchterregend, ein Schatten mit Zähnen, der sich katzenhaft bewegte und sich in einem unheimlichen Flüstern verständigte. Als ich mich anschickte, mich aus meinem Sessel zu erheben, trat er vor ins Licht. Ich sah seine Fingernägel. Es waren Klauen, fünf Zoll lang, die Enden schwarz und messerscharf. Dann sah ich auf und in sein Gesicht. Es war ein Gesicht, das ich in meiner Kindheit gekannt hatte, und während ich es weiterhin anschaute, fiel mir auch der dazugehörige Name ein. »Simon«, sagte ich.

Er hielt inne. Unsere Blicke trafen sich.

Sie haben schon mal in meine Augen geschaut, Abner. Ich glaube, Sie haben die Kraft darin gesehen, und vielleicht auch andere, dunkle Dinge. So ist es bei allen Angehörigen unserer Rasse. Mesmer schrieb einmal vom animalischen Magnetismus, von einer seltsamen Kraft, die sich in allen lebendigen Dingen befindet, in einigen stärker als in anderen. Ich habe diese Kraft auch bei Menschen gesehen. Im Krieg können zwei Offiziere ihre Männer in einer geradezu selbstmörderische Mission schicken. Einer von ihnen wird für seinen Befehl von seinen eigenen Männern getötet. Während der andere, der in der gleichen Situation vielleicht die gleichen Worte benutzt, seine Männer dazu bringen kann, ihm bereitwillig in den sicheren Tod zu folgen. Bonaparte verfügte in hohem Maße über diese Kraft, wie ich annehme. Aber unsere Rasse besitzt diese Kraft am ausgeprägtesten. Sie schwingt in unseren Stimmen mit und ist vor allem in unseren Augen zu erkennen. Wir sind Jäger, und mit unseren Augen können wir unsere natürliche Beute einfangen und ruhig halten, können sie unserem Willen unterwerfen und sie manchmal sogar dazu bewegen, uns bei ihrer eigenen Tötung behilflich zu sein.

Damals wußte ich davon noch nichts. Alles, was ich erkannte, waren Simons Augen, die Hitze darin, die Wut und das Mißtrauen. Ich konnte spüren, wie in ihm der Durst brannte, und dieser Anblick weckte in mir die tief verschüttete Blutlust wie eine Stimme, die mich rief, bis ich Angst bekam. Ich konnte den Blick nicht abwenden. Er konnte es auch nicht. Wir schauten uns stumm an, umkreisten uns lauernd, die Blick ineinander getaucht. Mein Glas rutschte mir aus der Hand und zerschellte am Fußboden.

Wieviel Zeit verstrich, kann ich nicht sagen. Aber schließlich schaute Simon zu Boden, und es war vorbei. Dann tat er etwas Seltsames und zugleich für mich Erschreckendes. Er kniete vor mir nieder und biß sich die eigene Pulsader auf, so daß das Blut herausströmte, und hielt mir die Hand entgegen, damit ich mich bedienen konnte. »Blutmeister«, flüsterte er dazu auf französisch.

Das fließende Blut, in direkter Reichweite vor mir, ließ mir die Kehle trocken werden. Ich ergriff die Hand, zitternd, und begann mich hinabzubeugen. Und dann besann ich mich. Ich schlug ihn und wich zurück, und die Flasche stand auf dem Tisch vor dem Kamin. Ich schenkte zwei Gläser voll, leerte das eine und hielt ihm das andere hin, das er verständnislos anstarrte. »Trink«, befahl ich ihm, und er gehorchte. Ich war der Blutmeister, und mein Wort war Gesetz. Das war der Anfang, damals, 1826 in den Karpaten. Wie ich wußte, war Simon einer der beiden Gefährten meines Vaters gewesen. Mein Vater war Blutmeister gewesen. Nach seinem Tod hatte Simon, der stärker war als der andere, die Führung übernommen. Er führte mich in der darauffolgenden Nacht dorthin, wo er lebte, eine gemütliche Kammer, tief verschüttet in den Ruinen einer alten Bergfeste. Dort traf ich die anderen; eine Frau, die ich als die andere Hausangestellte aus meiner Kindheit erkannte, und zwei weitere Angehörige meines Volkes, die Sie Smith und Brown nennen. Simon war ihr Meister gewesen. Nun war ich es. Mehr noch, ich brachte ihnen auch die Freiheit vom roten Durst.

So tranken wir und verbrachten viele Nächte gemeinsam, und von ihnen erfuhr ich die Geschichte und die Gewohnheiten des Volkes der Nacht.

Wir sind ein altes Volk, Abner. Lange bevor Ihre Rasse im heißen Süden die ersten Städte erbaute, waren meine Vorfahren in den düsteren Wintern in Nordeuropa unterwegs und jagten. Unsere Überlieferungen besagen, daß wir aus dem Ural stammen oder auch aus den Steppen, und daß wir uns im Laufe der Jahrhunderte nach Westen und Süden ausgebreitet haben. Wir lebten in Polen, lange bevor es die ersten Polen gab, wir durchstreiften die deutschen Wälder vor dem Auftauchen der ersten germanischen Barbaren, wir herrschten schon vor den Tartaren über Rußland, vor Nowgorod dem Großen. Wenn ich sage alt, dann meine ich nicht Hunderte von Jahren, sondern Tausende. Jahrtausende verstrichen in der Kälte und Düsternis. Wir waren Wilde, erzählen die Geschichten, raffinierte nackte Tiere, eins mit der Nacht, schnell und tödlich und völlig frei. Von größerer Langlebigkeit als alle anderen Tierwesen, unmöglich zu töten, die Meister und Herren der Schöpfung. So lauten unsere Geschichten. Alles, was zwei oder vier Beine hatte, lief ängstlich vor uns davon. Bei Tag schliefen wir in Höhlen, als Rudel, Familien. Nachts herrschten wir über die Erde.

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