Fiebertraum [=Dead Man River / Fevre Dream - de]
- Автор: Мартин Джордж Рэймонд Ричард
- Год: 1991
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne Verlag
- ISBN: 3-453-05006-1
- Переводчик: Michael Kubiak
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Fiebertraum [=Dead Man River / Fevre Dream - de]». Краткое содержание книги:
Doch während der Jungfernfahrt der Fiebertraum entpuppt sich Joshua York zum Entsetzen Marshs als Vampir, und der Plan, als schnellster Dampfschiffkapitän in die Geschichte einzugehen, tritt in den Hintergrund, denn York fährt den Fluß hinab, um die Letzten seiner kranken alten Rasse zu sammeln und sie vom Erbe ihrer blutgierigen Leidenschaft zu befreien. Zuvor jedoch muß er den mächtigen Blutmeister Damon Julian besiegen, einen Vampir voll animalischem Magnetismus, der den roten Durst seines Nachtvolks durch Mord und Heimtücke zu löschen versucht.
Und mit jedem Flußkilometer sinkt Abner Marshs Schiff tiefer in einen blutigen Alptraum jenseits der Realität.
»Fiebertraum begeistert Stephen King‐Fans ebenso wie Leser von Mark Twain. Ein düster‐romantisches Buch, das mich bis in die Träume und Phantasien verfolgte. Ihm gebührt ein grandioser Erfolg.«
ROGER ZELAZNY
Seine Geschichte war so schlimm wie meine eigene. Er wurde als freier Farbiger in einem Bezirk namens The Swamp geboren, wobei es sich vermutlich um ein berüchtigtes Viertel in New Orleans handelt. Dort bestritt er seinen Lebensunterhalt als Zuhälter, als Taschendieb und schließlich als Halsabschneider. Seine Opfer waren vorwiegend die Frachtbootleute, die in die Stadt herunterkamen. Er hatte schon zwei Männer getötet, ehe er zehn Jahre alt war. Später diente er unter Vincent Gambi, dem blutigsten aller Piraten von Barataria. Er war Aufseher über die Sklaven, die Gambi den spanischen Sklavenhändlern raubte und in New Orleans weiterverkaufte. Er war auch ein Voodoomann. Und er hat uns gedient.
Er erzählte mir von seinem Blutmeister, dem Mann, der ihn zu seinem Knecht machte, der über seinen Voodoozauber lachte und versprach, ihn eine stärkere, dunklere Magie zu lehren. Diene mir, hatte der Blutmeister versprochen, und ich werde dich zu einem der Unseren machen. Deine Wunden werden heilen, dein Auge wird wieder sehen, du wirst Blut trinken und ewig leben, niemals altern. Also hatte der Mulatte ihm gedient. Fast dreißig Jahre lang tat er alles, was ihm aufgetragen wurde. Er lebte für dieses Versprechen. Er tötete auch für dieses Versprechen, wurde gelehrt, warmes Fleisch zu verzehren, Blut zu trinken.
Bis der Meister am Ende Besseres im Sinn hatte. Der Mulatte, mittlerweile alt und gebrechlich, wurde zu einem Hemmnis. Seine Nützlichkeit war erschöpft, daher wurde er entlassen. Es wäre vielleicht ein Akt der Gnade gewesen, ihn zu töten, statt dessen wurde er fortgeschickt, flußaufwärts, wo er für sich selbst sorgen sollte. Ein Leibeigener lehnt sich niemals gegen seinen Blutmeister auf, auch wenn er erfährt, daß das ihm gegebene Versprechen eine Lüge war. So wanderte der alte Mulatte fort, zu Fuß, lebte dabei von Raub und Mord und zog auf diese Weise langsam flußaufwärts. Manchmal verdiente er sich ehrliches Geld als Sklavenfänger oder Tagelöhner, aber die meiste Zeit über hielt er sich verborgen in den Wäldern, ein Einsiedler, der nur nachts lebendig wurde. Wenn keine Gefahr drohte, verspeiste er das Fleisch und trank das Blut seiner Opfer, immer noch in dem Glauben, beides werde dazu beitragen, Jugend und Gesundheit zurückzubringen. Ein Jahr lang habe er in der Umgebung von New Madrid gelebt, erzählte er mir. Er schlug gewöhnlich Holz für den Mann auf dem Holzplatz, der zu alt und schwach war, um diese Arbeit selbst zu tun. Er wußte, wie selten jemand diesen Holzplatz aufsuchte. Daher … Nun, den Rest kennen Sie.
Abner, Ihr Volk kann viel von meinem Volk lernen. Aber nicht die Dinge, die er gelernt hat. Nicht das. Ich hatte Mitleid mit ihm. Er war alt und häßlich und ohne Hoffnung. Doch ich war auch wütend, so wütend wie in Budapest über die reiche Frau, die so gern in Blut badete. In den Legenden Ihrer Rasse ist mein Volk der absolute Ausbund des Bösen. Der Vampir hat keine Seele, keine Würde, keine Hoffnung auf Vergebung, so heißt es dort. Das nehme ich nicht an, Abner. Ich habe unzählige Male getötet, habe viele furchtbare Dinge getan, aber ich bin nicht schlecht. Ich habe es mir nicht ausgesucht, das zu sein, was ich von Anfang an war. Ohne freie Wahl kann es kein Gut oder Böse geben. Mein Volk konnte diese Entscheidung niemals treffen. Der Rote Durst hat uns beherrscht, uns verflucht, uns dessen beraubt, was wir hätten sein können. Aber Ihr Volk, Abner — Ihre Leute haben einen solchen Trieb nicht. Dieses Wesen, dem ich im Wald hinter New Madrid begegnete, es hat diesen Roten Durst niemals verspürt, es hätte alles mögliche werden können, hätte alles mögliche tun können. Statt dessen hat es sich entschieden, das zu werden, was es war. Oh, eines ist klar, die Schuld trägt auch ein Angehöriger meiner Rasse — der Mann, der den Alten belogen hat, der ihm Dinge versprochen hat, die niemals eintreten konnten. Dennoch kann ich den Grund verstehen, sosehr ich ihn auch verabscheue. Ein Verbündeter unter Ihren Leuten kann eine entscheidende Bedeutung haben. Wir alle kennen die Angst, Abner, meine Rasse und Ihre gleichermaßen.
Was ich nicht verstehen kann: warum einer von euch sich sosehr ein Leben in der Finsternis wünscht, warum er sich nach dem Roten Durst sehnt. Doch er wünschte ihn sich, und das mit aller Heftigkeit und Leidenschaft. Er flehte mich an, ihn nicht zu verlassen, wie der andere Blutmeister es getan hatte. Ich konnte ihm nicht geben, was er sich wünschte. Ich wollte es nicht, selbst wenn es möglich gewesen wäre. Ich gab ihm, was ich ihm geben konnte.«
»Sie haben ihm seine verdammte Kehle zerfetzt, nicht wahr?« fragte Abner Marsh in die Dunkelheit.
»Ich habe dich gewarnt«, meinte Valerie. Marsh hatte beinahe vergessen, daß sie da war, weil sie keinen Laut von sich gegeben hatte. »Er begreift nicht. Hör ihn dir an.«
»Ich habe ihn getötet«, gestand Joshua, »mit bloßen Händen. Ja, sein Blut rann mir über die Finger, versickerte in der Erde. Aber es berührte niemals meine Lippen, Abner. Und ich habe ihn ansonsten unversehrt begraben.«
Wieder breitete sich Stille in der Kabine aus, während Abner Marsh sich am Bart zupfte und nachdachte. »Die freie Wahl, sagten Sie«, meinte er schließlich, »das sei der Unterschied zwischen Gut und Böse, sagten Sie. Nun sieht es so aus, als sei ich derjenige, der eine Entscheidung treffen muß.«
»Wir alle treffen unsere Wahl, Abner. Jeden Tag.«
»Das kann schon sein«, sagte Marsh. »Trotzdem bin ich im besonderen auf diese Entscheidung nicht erpicht. Sie sagen, Sie wollen meine Hilfe, Joshua. Sagen wir mal, ich gebe sie Ihnen. In welcher Weise unterscheide ich mich denn dann von diesem verdammten alten Mulatten, den Sie getötet haben? Beantworten Sie mir das!«
»Ich würde Sie niemals zu — so etwas machen«, erwiderte Joshua. »Das habe ich nie versucht. Abner, ich werde noch jahrhundertelang leben, wenn Sie schon lange tot und vergangen sind. Habe ich jemals versucht, Sie damit zu locken?«
»Sie haben mich statt dessen mit einem gottverdammten Dampfschiff in Versuchung geführt«, entgegnete Marsh. »Und ganz gewiß haben Sie mir einen Haufen Lügen erzählt.«
»Sogar in meinen Lügen steckte eine gewisse Art von Wahrheit, Abner. Ich habe Ihnen erzählt, ich suche Vampire, um ihnen das Böse auszutreiben. Erkennen Sie denn nicht die Wahrheit darin, die Notwendigkeit? Ich brauche Ihre Hilfe, Abner, aber als Partner, und nicht so, wie ein Blutmeister einen menschlichen Sklaven braucht.«
Abner Marsh ließ sich das durch den Kopf gehen. »Na schön«, meinte er. »Vielleicht glaube ich Ihnen. Vielleicht sollte ich Ihnen auch trauen. Aber wenn Sie mich als Partner gewinnen wollen, dann müssen auch Sie Vertrauen zu mir haben.«
»Ich habe Ihnen mein Geheimnis offenbart. Reicht das nicht?«
»Zur Hölle, nein«, sagte Abner Marsh. »Schön, Sie haben mir die Wahrheit erzählt, und nun warten Sie auf eine Antwort. Nur wenn ich die falsche Antwort gebe, dann werde ich diese Kabine wohl nicht mehr lebendig verlassen, wie? Dafür wird Ihre Freundin sorgen, wenn Sie es nicht tun.«
»Sehr schlau erkannt, Captain Marsh«, ließ Valerie sich aus der Dunkelheit vernehmen. »Ich hege keinen Groll gegen Sie, aber Joshua darf auf keinen Fall etwas zustoßen.«
Marsh schnaubte. »Sehen Sie, was ich meine? Das hat nichts mit Vertrauen zu tun. Wir sind auf diesem Dampfer keine Partner mehr. Die Dinge sind ziemlich ungleich verteilt. Sie können mich töten, wann immer Sie wollen. So, wie ich das betrachte, macht mich das zu einem Sklaven, und nicht zu einem Partner. Außerdem bin ich allein. Sie haben alle Ihre blutsaufenden Freunde an Bord geholt, damit die Ihnen helfen, falls es Schwierigkeiten gibt. Gott weiß, was Sie im Sinn haben, Sie werden es mir ganz gewiß nicht verraten. Aber ich darf auch mit niemandem reden, wie Sie sagen, Joshua. Zur Hölle, vielleicht sollten Sie mich gleich hier und jetzt töten. Ich glaube nämlich nicht, daß mir eine solche Art von Partnerschaft gefällt.«