Fiebertraum [=Dead Man River / Fevre Dream - de]
- Автор: Мартин Джордж Рэймонд Ричард
- Год: 1991
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne Verlag
- ISBN: 3-453-05006-1
- Переводчик: Michael Kubiak
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Fiebertraum [=Dead Man River / Fevre Dream - de]». Краткое содержание книги:
Doch während der Jungfernfahrt der Fiebertraum entpuppt sich Joshua York zum Entsetzen Marshs als Vampir, und der Plan, als schnellster Dampfschiffkapitän in die Geschichte einzugehen, tritt in den Hintergrund, denn York fährt den Fluß hinab, um die Letzten seiner kranken alten Rasse zu sammeln und sie vom Erbe ihrer blutgierigen Leidenschaft zu befreien. Zuvor jedoch muß er den mächtigen Blutmeister Damon Julian besiegen, einen Vampir voll animalischem Magnetismus, der den roten Durst seines Nachtvolks durch Mord und Heimtücke zu löschen versucht.
Und mit jedem Flußkilometer sinkt Abner Marshs Schiff tiefer in einen blutigen Alptraum jenseits der Realität.
»Fiebertraum begeistert Stephen King‐Fans ebenso wie Leser von Mark Twain. Ein düster‐romantisches Buch, das mich bis in die Träume und Phantasien verfolgte. Ihm gebührt ein grandioser Erfolg.«
ROGER ZELAZNY
Aber damals hatte ich von alledem keine Ahnung. Ich floh aus dem Gefängnis, verließ die Gegend und wanderte nach Paris, wo wegen der chaotischen Lage in jenen Tagen das Überleben recht einfach war. Bei Tag suchte ich Zuflucht in Kellern, je dunkler, desto besser. Bei Nacht kam ich heraus und stahl Lebensmittel. Vorwiegend Fleisch. Für Gemüse oder Obst hatte ich nicht allzuviel übrig. Ich wurde ein gewandter Dieb. Ich war schnell, leise und furchtbar stark. Meine Nägel schienen jeden Tag schärfer und härter zu werden. Ich konnte mich durch Holz hindurchkratzen, wenn ich es wollte. Niemand bemerkte mich oder belästigte mich mit Fragen. Ich sprach ein gutes, kultiviertes Französisch, einigermaßen Englisch und ein paar Brocken einfaches Deutsch. In Paris erlernte ich auch den Jargon der Gosse. Ich suchte nach unseren verschwundenen Dienern, den einzigen anderen Angehörigen meiner Rasse, die ich je kennengelernt hatte, aber ich hatte keinen Hinweis, wo ich sie hätte suchen sollen, und meine Bemühungen führten zu nichts.
So wuchs ich inmitten Ihres Volkes auf. Inmitten des Viehs, des Volkes des Tages. Ich war klug und beobachtete genau. So ähnlich ich denen, die mich umgaben, im Aussehen auch war, so anders war ich im Kern, wie ich schnell erkannte. Und zwar besser, wie man mir erklärt hatte. Stärker, schneller und — ich glaubte es damals schon — auch langlebiger. Das Tageslicht war mein einziger Schwachpunkt. Ich bewahrte mein Geheimnis perfekt.
Das Leben jedoch, das ich in Paris führte, war schlecht, verdorben und langweilig. Ich wollte mehr. Ich begann neben den Lebensmitteln auch Geld zu stehlen. Ich fand jemanden, der mir das Lesen beibrachte, und danach stahl ich Bücher, wann immer es möglich war. Ein‐ oder zweimal wurde ich beinahe erwischt, aber ich konnte immer rechtzeitig verschwinden. Ich konnte mich im Schatten so gut wie unsichtbar machen, konnte blitzschnell Wände hochklettern und mich so leise bewegen wie eine Katze. Wahrscheinlich haben die, die mich gelegentlich verfolgten, geglaubt, ich könnte mich auch in blauen Dunst verwandeln. Manchmal muß es ihnen so erschienen sein.
Als die Napoleonischen Kriege ausbrachen, war ich darauf bedacht, die Armee zu meiden, da ich wußte, daß ich dort gezwungen sein würde, mich dem Tageslicht auszusetzen. Aber ich folgte den Soldaten bei ihren Kriegszügen. Auf diese Art und Weise zog ich durch Europa und sah viel Brandschatzen und Töten. Und wo der Kaiser gewesen war, dort gab es für mich reiche Beute.
1805 in Österreich sah ich meine große Chance. Nachts auf der Straße begegnete ich einem reichen Wiener Kaufmann, der vor den französischen Armeen auf der Flucht war. Er hatte sein gesamtes Geld bei sich, umgewechselt in Gold und Silber, eine phantastisch hohe Summe. Ich folgte ihm zu dem Gasthaus, in dem er die Nacht verbrachte, und als ich sicher war, daß er schlief, brach ich ein, um mein Glück zu machen. Er schlief jedoch nicht. Der Krieg hatte ihn ängstlich gemacht. Er erwartete mich bereits, und er war bewaffnet. Er zog eine Pistole unter der Decke hervor und schoß auf mich.
Schock und Schmerz überwältigten mich. Der Aufprall der Kugel warf mich um. Sie hatte mich im Bauch getroffen, und ich blutete heftig. Aber dann verebbte der Blutstrom plötzlich und der Schmerz ließ nach. Ich stand auf. Ich mußte einen furchtbaren Anblick geboten haben, mit fahlem Gesicht und mit Blut besudelt. Ein seltsames Gefühl machte sich in mir breit, ein Gefühl, das ich noch nie zuvor gespürt hatte. Der Mond schien durch das Fenster, und der Kaufmann brüllte, und bevor ich wußte, was ich tat, hatte ich mich schon auf ihn gestürzt. Ich wollte ihn zum Schweigen bringen, wollte meine Hand auf seinen Mund pressen, aber … irgend etwas ergriff Besitz von mir. Meine Hände berührten ihn, meine Fingernägel — sie sind sehr scharf und hart. Ich schlitzte ihm den Hals auf. Er erstickte in seinem eigenen Blut.
Ich stand da, zitternd, und sah zu, wie das dicke schwarze Blut aus ihm herauspulste, sein Körper warf sich auf dem Bett im fahlen Mondlicht hin und her. Er lag im Sterben. Ich hatte schon früher, in Paris und im Krieg, Menschen sterben gesehen. Dies war jedoch anders. Ich hatte ihn getötet. Eine große Leidenschaft schien mich zu erfüllen, und ich verspürte … Begierde. Ich hatte schon oft in den Büchern, die ich stahl, von Begierde gelesen, von Lust und den fleischlichen Gelüsten, denen der Mensch unterliegt. Ich hatte bisher nie etwas davon gespürt. Ich hatte unbekleidete Frauen betrachtet, unbekleidete Männer, Paare, die sich sexuell vereinigten, und nichts davon hatte mich irgendwie angerührt. Ich konnte diesen ganzen Unsinn, von dem ich las, nicht verstehen, die unbeherrschbaren Leidenschaften, diese Lustgefühle, die einen wie Feuer verschlangen. Doch nun kannte ich sie. Das fließende Blut, dieser fette reiche Mann, der durch meine Hand in den Tod geschickt worden war, die Laute, die er von sich gab, das Trommeln seiner Füße auf dem Bett. Das alles schien irgendein wildes Raubtier tief in mir zu wecken. Das Blut benetzte meine Hände. Es war so dunkel, so heiß. Es dampfte, als es aus seiner Kehle quoll. Daher beugte ich mich vor und kostete es. Der Geschmack machte mich wahnsinnig, rasend. Plötzlich vergrub ich das Gesicht in seinem Hals, biß mit den Zähnen zu, zerrte, fetzte, saugte das Blut auf, schluckte. Er hörte auf, sich herumzuwälzen. Ich speiste. Und dann sprang die Tür auf, und da waren Männer mit Messern und Gewehren. Ich blickte auf, erschrocken. Wie muß ich sie damals entsetzt haben. Ehe sie reagieren konnten, war ich durch das Fenster gesprungen und in der Nacht verschwunden. Ich war noch gerade geistesgegenwärtig genug, den Geldgürtel mitzunehmen, als ich mich davonmachte. Damit hatte ich nur einen winzigen Teil des Vermögens dieses Mannes erwischt, aber es war genug.
Ich rannte in dieser Nacht noch lange und weit und verbrachte den nächsten Tag im Keller eines Bauernhauses, das verbrannt und verlassen worden war.
Ich war zwanzig Jahre alt. Im Volk der Nacht noch ein Kind, das aber nun erwachsen wurde. Als ich an jenem Abend in dem Keller erwachte, bedeckt mit getrocknetem Blut und den Geldgürtel umklammernd, erinnerte ich mich an die Worte meines Vaters. Endlich wußte ich, was der rote Durst war. Und nur Blut wird ihn stillen, hatte er gesagt. Ich war gesättigt. Ich fühlte mich stärker und gesünder als je zuvor in meinem Leben. Dennoch war mir schlecht, und ich war entsetzt. Ich war inmitten Ihres Volkes aufgewachsen, wissen Sie, und ich dachte genauso wie Sie. Ich war kein Tier, kein Monstrum. An diesem Ort und zu diesem Zeitpunkt beschloß ich, meine Lebensweise gründlich zu ändern, damit so etwas nie wieder geschah. Ich wusch mich und stahl Kleider, die feinsten, die ich finden konnte. Ich zog in Richtung Westen und entfernte mich vom Zentrum der Kämpfe. Dann nach Norden. Tagsüber nahm ich mir Zimmer in Gasthäusern und mietete mir Kutschen, um bei Nacht von Stadt zu Stadt zu fahren. Schließlich, unter den durch den Krieg entstandenen Schwierigkeiten, fand ich den Weg nach England. Ich nahm einen neuen Namen an und beschloß, das Leben eines Gentleman zu führen. Das Geld dazu hatte ich. Den Rest konnte ich erlernen.
Meine Reisen hatten etwa einen Monat gedauert. In meiner dritten Nacht in London fühlte ich mich seltsam, schlecht. Ich war noch nie in meinem Leben krank gewesen. Die nächste Nacht war noch schlimmer. In der Nacht danach erkannte ich dieses Gefühl schließlich als das, was es in Wirklichkeit war. Der rote Durst hatte mich gepackt. Ich schrie und raste. Ich bestellte mir eine umfangreiche Mahlzeit, ein großes und dickes Stück rotes Fleisch, von dem ich hoffte, daß es meine Gier dämpfen würde. Ich verspeiste es und zwang mich dazu, ganz ruhig zu bleiben. Es war nutzlos. Schon nach einer Stunde war ich draußen auf der Straße. Ich fand eine Gasse, wartete. Eine junge Frau war das erste Wesen, das vorbeikam. Etwas in mir bewunderte ihre Schönheit; dieser Teil meiner Persönlichkeit brannte wie Feuer. Ein anderer Teil hatte ganz einfach Hunger. Ich riß ihr fast den Kopf ab, aber wenigstens war es schnell vorüber. Anschließend weinte ich.