Fiebertraum [=Dead Man River / Fevre Dream - de]
- Автор: Мартин Джордж Рэймонд Ричард
- Год: 1991
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Heyne Verlag
- ISBN: 3-453-05006-1
- Переводчик: Michael Kubiak
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Fiebertraum [=Dead Man River / Fevre Dream - de]». Краткое содержание книги:
Doch während der Jungfernfahrt der Fiebertraum entpuppt sich Joshua York zum Entsetzen Marshs als Vampir, und der Plan, als schnellster Dampfschiffkapitän in die Geschichte einzugehen, tritt in den Hintergrund, denn York fährt den Fluß hinab, um die Letzten seiner kranken alten Rasse zu sammeln und sie vom Erbe ihrer blutgierigen Leidenschaft zu befreien. Zuvor jedoch muß er den mächtigen Blutmeister Damon Julian besiegen, einen Vampir voll animalischem Magnetismus, der den roten Durst seines Nachtvolks durch Mord und Heimtücke zu löschen versucht.
Und mit jedem Flußkilometer sinkt Abner Marshs Schiff tiefer in einen blutigen Alptraum jenseits der Realität.
»Fiebertraum begeistert Stephen King‐Fans ebenso wie Leser von Mark Twain. Ein düster‐romantisches Buch, das mich bis in die Träume und Phantasien verfolgte. Ihm gebührt ein grandioser Erfolg.«
ROGER ZELAZNY
Sie hatte mitziehen sollen, aber Regen und Sturm und ein gebrochenes Wagenrad behinderten ihre Fahrt nach Lissabon, und als sie dort eintraf, waren die anderen bereits unterwegs.
Natürlich ging ich sofort nach Lissabon und sah in allen möglichen Schiffsunterlagen nach, die die Portugiesen aufbewahrt hatten. Nach einiger Zeit fand ich das Gesuchte. Das Schiff war von seiner Fahrt nie zurückgekehrt, wie ich bereits vermutet hatte. Während der langen Zeit auf See hatten sie sicherlich keine andere Wahl gehabt, als sich von der Mannschaft, einer nach dem anderen, zu ernähren. Die Frage war nur, war das Schiff je in der Neuen Welt eingetroffen? Darüber konnte ich keine Aufzeichnung finden. Aber ich fand den Zielhafen: New Orleans. Von dort aus hätte ihnen über den Mississippi der gesamte Kontinent offengestanden.
Der Rest dürfte wohl klar sein. Wir kamen nach. Ich war überzeugt, alle finden zu können. Ich war der Ansicht, daß ich auf einem Dampfschiff den gleichen Luxus würde genießen können, an den ich mich gewöhnt hatte, sowie die Beweglichkeit und die Freiheit, die ich für meine Suche brauchte. Der Fluß war voller Exzentriker. Ein paar mehr würden gar nicht auffallen. Und wenn Geschichten von unserem prächtigen Boot und seinem seltsamen Kapitän, der nur nachts aus seiner Kabine herauskam, am Fluß die Runde machten, um so besser. Die Geschichten konnten so auch an die richtigen Ohren gelangen, und meine Leute würden zu mir kommen, wie Simon es vor vielen Jahren getan hat. Daher stellte ich Nachforschungen an, und wir trafen uns eines Nachts in St. Louis.
Ich glaube, den Rest kennen Sie oder Sie können ihn sich zusammenreimen. Eines will ich aber noch sagen. Als Sie mir in New Albany unseren Raddampfer zeigten, war meine Zufriedenheit nicht gespielt. Die Fiebertraum ist wunderschön, Abner, und das sollte sie auch sein. Zum erstenmal ist etwas Schönes durch uns in diese Welt gekommen. Es ist ein neuer Anfang. Der Name machte mir etwas Angst — Fieber war in meinem Volk ein anderes Wort für den roten Durst. Aber Simon machte mich darauf aufmerksam, daß ein solcher Name wahrscheinlich jeden Angehörigen unserer Rasse anlocken würde, der den Namen hört.
Das wäre meine Geschichte, jedenfalls fast. Die Wahrheit, auf der Sie bestanden haben. Sie waren auf Ihre Art ehrlich zu mir, und ich glaube Ihnen, wenn Sie sagen, daß Sie nicht abergläubisch sind. Wenn meine Träume wahr werden sollen, dann muß irgendwann eine Zeit kommen, in der Tag und Nacht sich über dem Zwielicht der Angst, die zwischen uns liegt, die Hand reichen. Es muß eine Zeit des Wagnisses anbrechen. Das alles soll jetzt bei Ihnen liegen. Meine Träume und Ihre, unser Dampfschiff, die Zukunft meines Volkes und des Ihren, Vampire und Vieh — ich überantworte sie Ihrem Urteil, Abner. Wie wird es ausfallen? Vertrauen oder Furcht? Blut oder edler Wein? Freunde oder Feinde?«
KAPITEL FÜNFZEHN
In der lastenden Stille, die auf Joshuas Geschichte folgte, konnte Abner Marsh seinen eigenen stetigen Atem und das dumpfe Schlagen seines Herzens spüren, das in der Brust die Arbeit verrichtete. Joshua hatte stundenlang erzählt, so schien es, aber in der dunklen Abgeschiedenheit der Kabine gab es keinerlei Hinweis auf das Verstreichen der Zeit. Draußen mochte es längst wieder hell werden. Toby bereitete das Frühstück vor, die Kabinenpassagiere unternahmen ihren Morgenspaziergang auf der Promenade des Batteriedecks, am Anlegeplatz herrschte hektische Betriebsamkeit. Aber in Joshua Yorks Kabine regierte weiterhin tiefe Nacht, tagaus, tagein, ewig.
Die Worte dieses verdammten Gedichts kamen ihm wieder in den Sinn, und Abner Marsh hörte sich sagen: »Der Morgen kam und ging und brachte doch keinen Tag.«
»Finsternis«, sagte Joshua leise.
»Und so haben Sie Ihr ganzes verdammtes Leben zugebracht«, sagte Marsh. »Kein Morgen, niemals. Mein Gott, Joshua, wie haben Sie das ertragen?«
York gab darauf keine Antwort.
»Es ergibt irgendwie keinen Sinn«, sagte Marsh. »Es ist die gottverdammteste Geschichte, der ich je ruhig zugehört habe. Aber ich will verdammt sein, wenn ich Ihnen nicht glaube.«
»Ich hatte es gehofft«, sagte York. »Und was nun, Abner?«
Jetzt kommt der schwierige Teil, dachte Abner Marsh. »Ich weiß nicht«, erwiderte er ehrlich. »Da sind alle die Leute, die Sie getötet haben, wie Sie sagen, und ich habe trotzdem irgendwie Mitleid mit Ihnen. Ich weiß nicht, ob das richtig ist. Vielleicht sollte ich versuchen, Sie zu töten. Vielleicht wäre das die einzige verdammte christliche Sache, die erledigt werden sollte. Vielleicht sollte ich auch versuchen, Ihnen zu helfen.« Er schnaubte, ärgerte sich über diesen inneren Zwiespalt. »Ich denke, Ihnen sollte ich erst einmal noch eine Weile zuhören und abwarten, ehe ich einen Entschluß fasse. Denn Sie haben etwas weggelassen, Joshua. Das haben Sie ganz gewiß getan.«
»Tatsächlich?« meinte York.
»New Madrid«, sagte Abner Marsh beharrlich.
»Das Blut an meinen Händen«, meinte Joshua. »Was soll ich dazu sagen, Abner? Ich habe jemanden in New Madrid getötet. Aber es war nicht so, wie Sie vielleicht vermuten.«
»Dann erzählen Sie, wie es war. Los, reden Sie!«
»Simon hat mir viele Dinge aus der Geschichte unseres Volkes erzählt; von unseren Geheimnissen, unseren Sitten, unserer Art. Eine Sache, die er erwähnte, fand ich überaus beunruhigend. Diese Welt, die Ihr Volk geschaffen hat, ist eine Welt des Tageslichts, und es ist für uns nicht so einfach, darin zu leben. Manchmal, um es uns zu erleichtern, wendet einer von uns sich an einen von euch. Wir können dazu die Kraft einsetzen, die in unseren Augen und in unserer Stimme verborgen ist. Wir können unsere Stärke, unsere Vitalität, die Gewißheit des ewigen Lebens zu Hilfe nehmen. Wir können die Legenden, die Ihr Volk sich über uns erzählt, zu unserem eigenen Vorteil nutzen. Mit Lügen und Angst und Verheißungen können wir uns einen menschlichen Knecht schaffen. Eine solche Kreatur kann sehr nützlich sein. Der Knecht kann uns bei Tag beschützen, kann dorthin gehen, wohin wir nicht gelangen können, und sich ohne Argwohn zu erwecken unter den Menschen aufhalten.
In New Madrid hat es einen Mord gegeben. Auf eben dem Holzplatz, wo wir angelegt haben. Nach allem, was ich darüber in den Zeitungen gelesen habe, hegte ich große Hoffnungen, jemanden von meiner eigenen Rasse zu finden. Statt dessen fand ich — nun, nennen Sie ihn, wie Sie wollen. Einen Sklaven, ein Haustier, einen Helfer. Einen Knecht. Er war ein uralter Mann. Ein Mulatte, kahl, runzlig und häßlich mit einem trüben Auge und einem von einem Brand furchtbar zugerichteten Gesicht. Er bot keinen angenehmen Anblick, und innendrin — innendrin war er verkommen. Verdorben. Als ich auf ihn zukam, sprang er auf und schwang eine Axt gegen mich. Und dann blickte er in meine Augen. Er erkannte mich, Abner. Er wußte sofort, was ich war. Und er sank auf die Knie, heulte und jammerte, huldigte mir, kroch vor mir zu Kreuze wie ein Hund vor einem Menschen und flehte mich an, die Verheißung zu erfüllen, das Versprechen zu halten. ›Das Versprechen‹, sagte er in einem fort, ›das Versprechen, das Versprechen.‹
Schließlich befahl ich ihm zu schweigen, und er tat es. Sofort. Er krümmte sich vor Angst. Ihm war beigebracht worden, den Worten eines Blutmeisters zu gehorchen. Ich forderte ihn auf, mir die Geschichte seines Lebens zu erzählen, in der Hoffnung, daß er mir Hinweise auf mein eigenes Volk liefere.