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Fiebertraum [=Dead Man River / Fevre Dream - de]

Электронная книга - «Fiebertraum [=Dead Man River / Fevre Dream - de]». Краткое содержание книги:

Abner Marsh, Flußschiffer auf dem Mississippi und ein Koloß von einem Mann, steht nach der Flutkatastrophe von 1857 vor dem wirtschaftlichen Ruin. Da bietet ihm der Aristokrat Joshua York die Partnerschaft an, um das schnellste Dampfschiff auf dem Mississippi bauen zu lassen. Für den Kapitän scheint sich ein Traum zu verwirklichen.
Doch während der Jungfernfahrt der Fiebertraum entpuppt sich Joshua York zum Entsetzen Marshs als Vampir, und der Plan, als schnellster Dampfschiffkapitän in die Geschichte einzugehen, tritt in den Hintergrund, denn York fährt den Fluß hinab, um die Letzten seiner kranken alten Rasse zu sammeln und sie vom Erbe ihrer blutgierigen Leidenschaft zu befreien. Zuvor jedoch muß er den mächtigen Blutmeister Damon Julian besiegen, einen Vampir voll animalischem Magnetismus, der den roten Durst seines Nachtvolks durch Mord und Heimtücke zu löschen versucht.
Und mit jedem Flußkilometer sinkt Abner Marshs Schiff tiefer in einen blutigen Alptraum jenseits der Realität.

»Fiebertraum begeistert Stephen King‐Fans ebenso wie Leser von Mark Twain. Ein düster‐romantisches Buch, das mich bis in die Träume und Phantasien verfolgte. Ihm gebührt ein grandioser Erfolg.«
ROGER ZELAZNY
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Monatelang lebte ich in tiefer Verzweifelung. Aus den Büchern wußte ich, was ich sein mußte. Ich hatte diese Worte beim Lesen erfahren und sie mir eingeprägt. Zwanzig Jahre lang hatte ich mich für überlegen gehalten. Nun stellte ich fest, daß ich etwas Unnatürliches war, eine Bestie, ein seelenloses Monstrum. Ich konnte nicht entscheiden, ob ich ein Vampir oder ein Werwolf war, was mich in Verwirrung stürzte. Weder ich noch mein Vater hatten die Fähigkeit gehabt, uns in irgend etwas zu verwandeln, aber der rote Durst überkam mich monatlich mit einer Regelmäßigkeit, die dem Mondzyklus zu entsprechen schien — obwohl der Höhepunkt des Durstes nicht immer genau mit dem Vollmond zusammenfiel. Das war das Charakteristikum des Werwolfs, las ich. Ich informierte mich damals recht umfassend über dieses Thema, las eine Menge und versuchte, mich selbst zu verstehen. Wie der legendäre Werwolf riß ich meinen Opfern oft die Kehle auf und vertilgte eine kleine Menge Fleisch, vor allem dann, wenn der Durst besonders quälend war. Und wenn der Durst nicht in mir wütete, schien ich eine völlig normale Person zu sein, was ebenfalls zu den Erzählungen vom Werwolf paßte. Andererseits machte Silber mir nichts aus und auch nicht der Gelbe Eisenhut, ich veränderte auch nicht meine Gestalt, und mir wuchs kein Fell. Wie der Vampir konnte ich nur nachts unterwegs sein. Und dann kam es mir so vor, als wäre es im Grunde nur das Blut, dem meine Gier galt, und nicht das Fleisch. Aber ich schlief im Bett und nicht im Sarg, und ich hatte ohne Schwierigkeiten bei Hunderten von Gelegenheiten fließendes Wasser überquert. Ich war ganz bestimmt nicht tot, und religiöse Gegenstände übten keine nachteilige Wirkung auf mich aus. Einmal, um ganz sicher zu gehen, nahm ich den Körper eines Opfers mit und war gespannt, ob er als Werwolf oder als Vampir wieder auferstehen würde. Er blieb eine Leiche. Nach einer Weile begann er zu riechen, und ich begrub ihn.

Sicherlich können Sie sich mein Grauen vorstellen. Ich war kein Mensch, aber ich war auch keine dieser legendären Kreaturen. Ich entschied, daß meine Bücher für mich nutzlos waren. Ich war allein auf mich gestellt.

Monat für Monat überkam mich der rote Durst. Jene Nächte waren voll eines schrecklichen Triumphierens, Abner. Indem ich Leben raubte, lebte ich so intensiv wie noch nie zuvor. Aber es kam immer die Zeit nachher, und dann wurde ich von Abscheu über das geschüttelt, was ich geworden war. Ich mordete die Jungen, die Unschuldigen, die Schönen, sie vor allen anderen. Sie schienen eine Art inneres Leuchten zu besitzen, das den Durst in mir entfachte, wie alte und kranke Menschen es nicht schafften. Und bei anderen Gelegenheiten liebte ich genau die Qualitäten, die zu töten ich getrieben wurde.

Verzweifelt versuchte ich mich zu ändern. Mein Wille, der normalerweise so stark war, zerfloß zu nichts, wenn der rote Durst mich überkam. Ich wandte mich voller Hoffnung der Religion zu. Als ich die ersten Vorzeichen des nahenden Fiebers spürte, suchte ich eine Kirche auf und beichtete dem Priester, der auf mein Klopfen öffnete, alles, was ich getan hatte. Er glaubte mir nicht, aber er erklärte sich bereit, mit mir gemeinsam zu beten. Ich trug ein Kreuz um den Hals, kniete vor dem Altar, betete inständig, die Kerzen und Heiligenbilder um mich herum, sicher im Hause Gottes mit einem seiner Geistlichen an meiner Seite. Nach drei Stunden stürzte ich mich auf ihn und tötete ihn dort in der Kirche. Es war eine kleine Sensation, als die Leiche am nächsten Tag gefunden wurde.

Dann versuchte ich es mit Logik. Wenn die Religion keine Antworten lieferte, dann konnte das, was mich trieb, nicht übernatürlichen Ursprungs sein. Ich schlug Tiere anstatt Menschen. Ich stahl Menschenblut aus der Praxis eines Arztes. Ich brach bei Begräbnisunternehmen ein, wenn ich wußte, daß ein soeben Verstorbener in den Räumen aufgebahrt war. All das half, mein Durst wurde etwas gemildert, aber ganz zum Verschwinden ließ er sich damit nicht bringen. Die beste dieser Hilfsmaßnahmen bestand darin, ein lebendiges Tier zu töten und das noch körperwarme Blut zu trinken. Es war das Leben, sehen Sie, das Leben genauso wie das Blut selbst.

Bei alledem achtete ich auch auf meinen Schutz. Ich zog einige Male in England um, damit der Tod und das Verschwinden meiner Opfer sich nicht an einem Ort auffällig häuften. Ich begrub so viele Körper wie möglich. Und schließlich setzte ich bei der Jagd auch mehr und mehr meinen Intellekt ein. Ich brauchte Geld, daher suchte ich mir stets wohlhabende Beute aus. Ich wurde reich und reicher. Geld führt zu mehr Geld, und sobald ich erst einmal einiges zusammen hatte, fiel mir immer mehr — rechtschaffen und sauber — in den Schoß. Mittlerweile beherrschte ich das Englische recht fließend. Ich änderte erneut meinen Namen, putzte mich zum Gentleman heraus, kaufte mir ein einsames Haus im schottischen Moor, wo mein Verhalten nur wenig Aufsehen erregte, und stellte einige verschwiegene Diener ein. Jeden Monat war ich einmal in Geschäften unterwegs und blieb stets die Nacht über fort. Keines meiner Opfer lebte in meiner Nähe. Die Diener ahnten nichts von allem.

Am Ende hatte ich eine Idee, von der ich glaubte, daß sie die Lösung meiner Probleme lieferte. Eine meiner Dienerinnen, ein hübsches junges Mädchen, war mir immer vertrauter geworden. Sie schien mich gern zu haben, und nicht einfach nur als ihren Arbeitgeber. Ich erwiderte ihre Zuneigung. Sie war ehrlich, freundlich und recht intelligent, wenn auch etwas ungebildet. Ich begann sie als meine Freundin zu betrachten und sah in ihr einen Ausweg. Oft hatte ich über die Möglichkeit nachgedacht, mich selbst in Ketten zu legen oder mich sonstwie einzusperren, bis der rote Durst vergangen war, aber ich hatte nie einen richtigen Plan entwickeln können, der wirklich funktioniert hätte. Wenn ich den Schlüssel irgendwo in Reichweite plazierte, dann würde ich ihn auch benutzen, wenn der rote Durst mich wirklich ergriffen hatte. Wenn ich ihn wegwarf, wie hätte ich mich dann wieder aus den Ketten befreien können? Nein, ich brauchte die Hilfe einer anderen Person, aber ich hatte immer noch die Warnung meines Vaters im Ohr gehabt, niemandem von Ihrer Rasse mein Geheimnis anzuvertrauen.

Nun beschloß ich, ein Wagnis einzugehen. Ich entließ meine anderen Bediensteten und schickte sie fort und stellte niemand Neues ein. Ich ließ einen Raum in meinem Haus bauen. Ein kleines fensterloses Zimmer mit dicken Steinwänden und einer Eisentür so dick wie in der Zelle, die ich mit meinem Vater geteilt hatte. Sie konnte von außen mit drei mächtigen Eisenriegeln versperrt werden. Ich würde nicht herauskommen können. Als der Raum fertiggestellt war, rief ich meine hübsche kleine Zofe herein und gab ihr Anweisungen. Ich vertraute ihr noch nicht genug, um ihr die volle Wahrheit zu offenbaren. Ich hatte Angst davor, Abner, daß sie, wenn sie tatsächlich wußte, wer ich in Wirklichkeit war, mich denunzieren oder sofort weglaufen würde, und damit wäre die so greifbare Lösung meines Problems ebenfalls zerronnen, zusammen mit meinem Haus und meinem Besitz und dem Leben, das ich mir aufgebaut hatte. So erzählte ich ihr, daß ich jeden Monat einen kurzen Anfall von Raserei hätte, ein Zustand, wie man ihn auch nach Epilepsieanfällen gelegentlich beobachten könnte. Während dieser Anfälle würde ich mich in meinen Spezialraum zurückziehen, und sie müsse mich dort einriegeln und mich ganze drei Tage dort festhalten. Ich würde Lebensmittel und Wasser mitnehmen, außerdem ein paar lebende Hühner, um den Durst wenigstens etwas zu mildern.

Sie war schockiert, besorgt und sehr verwirrt, aber am Ende erklärte sie sich bereit zu tun, um was ich sie bat. Ich glaube, sie liebte mich auf ihre Art und war bereit, so gut wie alles für mich zu tun. So betrat ich den Raum, und sie verriegelte die Tür hinter mir.

Und der Durst stellte sich ein. Es war beängstigend. Obwohl keine Fenster vorhanden waren, fühlte ich das Kommen und Gehen des Tages. Ich schlief bei Tag — wie immer —, aber die Nächte waren ein einziger Horror. Gleich in der ersten Nacht tötete ich alle Hühner und sättigte mich an ihnen. Ich verlangte, herausgelassen zu werden, und meine treue Zofe verweigerte es mir. Ich beschimpfte sie. Dann schrie ich nur noch und stieß unzusammenhängende Laute wie ein Tier aus. Ich warf mich gegen die Wände, trommelte gegen die Tür, bis meine Fäuste blutig waren, dann hockte ich mich hin, um gierig mein eigenes Blut aufzusaugen. Ich versuchte auch, mich durch das weiche Gestein hindurchzukratzen. Aber ich konnte nicht heraus.

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