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Die Zwerge

Электронная книга - «Die Zwerge». Краткое содержание книги:

Tapfer bewachen die Zwerge des fünften Stammes den Steinernen Torweg, um das Geborgene Land, in dem Menschen, Zauberer und Elben in Frieden leben, vor den üblen Geschöpfen des Gottes Tion zu schützen. Doch eines Tages reicht die Kraft der Äxte nicht mehr aus: Orks und Oger stürmen in riesigen Horden das Tor. Das Tote Land drängt voran und bringt Siechtum und Tod über die tapferen Zwerge; wer auf seinem Boden stirbt, kehrt als untoter Sklave des Bösen zurück. Und zu allem gesellen sich die Albae, grausame Wesen voller Macht und Heimtücke. Der Steinerne Torweg fällt und mit ihm der letzte Zwerg aus dem Stamm der Fünften.
Tausend Sonnenzyklen später wehren sich die Menschen verzweifelt gegen die mörderischen Orks. Zwar haben die sechs großen Zauberer das Tote Land mithilfe von Magischen Schranken aufhalten können, aber unter den Herrschern des Geborgenen Landes befindet sich ein Verräter, und schon erobern Albae die Haine der Elben. In diesen unsicheren Zeiten macht sich der Zwerg Tungdil auf Geheiß des mächtigen Magiers Lot-Ionan, seines Ziehvaters, auf einen Botengang - der unversehens zu einem schicksalhaften Abenteuer auf Leben und Tod gerät...
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Der Zwerg, der gerade das Wasser aus seinem Zopf wrang, grinste von einem Ohr zum anderen. »Solange ich dabei bin, musst du nichts befürchten. Ich kann seine Ausbrüche so lenken, dass er sich an Unbelebtem austobt. Meistens zumindest.«

Sie beobachteten, wie Karren und Fuhrwerke die nicht weit entfernte Straße entlangrollten. Auf einem Kutschbock saß ein junges, verliebtes Paar, das mehr mit sich als mit den Ochsen beschäftigt war; die Tiere kümmerte es nicht, sie trotteten den Weg entlang.

Der Anblick der Verliebten brachte Lot-Ionans Helfer auf eine alte Ungewisse Frage. Er rang mit sich selbst, ob er die beiden Zwerge darauf ansprechen sollte; weil er ständig Fragen über sein Volk stellte, kam er sich unglaublich töricht vor. Zyklenlang hatte er umgeben von hunderten von Büchern gelebt und wusste die einfachsten Dinge über Zwerge nicht. Von wegen Gelehrter.

Doch alles Zaudern halft nichts, er benötigte Gewissheit. Tungdil vermied es, einen der beiden anzuschauen, und fragte: »Wie sehen Zwerginnen aus?«

Stille. Das Rauschen des Regens, der auf die Blätter ihres Unterstandes prasselte, wurde überlaut. Die Zwillinge ließen ihn schmoren.

»Hübsch«, kam es knapp von Boїndil.

»Sehr hübsch«, steigerte Boëndal die lakonische Beschreibung seines Bruders.

»Aha«, machte Tungdil.

Stille.

Der Schauer verlor an Kraft, das Plätschern verebbte und wurde durch ein beständiges leises Tropfen ersetzt; das Wasser rann von Zweigen und Ästen.

»Haben sie einen Bart?«, unternahm er einen zweiten Anlauf.

Stille.

Tungdil wunderte sich, wie viele Arten von Tropfgeräuschen es gab, wenn man genau hinhörte.

»Bart würde ich es nicht nennen«, begann Ingrimmsch.

»Eher einen Flaum«, umschrieb es sein Bruder. »Sehr anziehend.«

Stille.

Die Sonne bahnte sich einen Spalt durch das Dunkelgrau, und der Sommer kehrte sichtbar ins Geborgene Land zurück. Tungdil nahm Anlauf zu seiner nächsten, etwas heiklen Frage. »Zwerginnen und Zwerge...«

Die Geschwister wandten sich wortlos zu ihm um, Boëndal musterte ihn mitleidig. »Es wird dringend Zeit, dass er sein Volk trifft«, stellte er trocken fest und schaute zur Baumkrone. »Der Regen hat aufgehört. Wir gehen weiter.« Er stand auf, sein Bruder folgte ihm.

»Du hast nicht geantwortet!«

»Wir sind Krieger, keine Gelehrten. Außerdem war das keine Frage.«

»Sind sie auch Kriegerinnen?«

»Die meisten Zwerginnen unseres Stammes jedenfalls nicht«, sagte Boëndal, während sie nebeneinander her gingen. »Sie kümmern sich mehr um das häusliche Leben. Sie treiben die Tiere auf die Weiden der Täler, sie sorgen für gefüllte Vorratskammern und gutes Bier, machen unsere Kleidung.«

»Es kommt nichts Gutes dabei heraus, wenn Mann und Frau nebeneinander stehen und kämpfen«, brummte Ingrimmsch. Er klang, als hätte er schon entsprechende Erfahrungen gesammelt, doch der Unterton warnte Tungdil davor nachzuhaken.

»Hüte dich davor, ihre Künste zu beleidigen. Sie haben einen ebenso großen Stolz wie wir. Einige von ihnen reihen sich in die Galerie der besten Steinmetze und Schmiede ein. Ihre Hände führen die Meißel und Hämmer mit solcher Genauigkeit, dass ihre Rivalen bei Wettkämpfen aus dem Staunen nicht mehr herauskommen.«

»Ausnahmen«, brummte Boїndil und machte keinen Hehl daraus, dass er nichts davon hielt, wenn Zwerginnen die Aufgaben eines Mannes übernahmen. »Sie sind bessere Herdfeuerwächter. Das ist ihre Bestimmung.«

Tungdil hatte aufmerksam zugehört. »Dann ist es so ähnlich wie bei den Menschen«, fand er. Er wurde immer neugieriger auf die Zwerginnen und freute sich sehr, einer von ihnen näher zu kommen.

Endlich trafen sie in Porista ein. Tungdil bestaunte die Türme und die Kuppeln des Palastes, aber die Zwillinge hatten nur ein müdes Lächeln für die Baukunst der Langen übrig, die der ihres Volkes wohl weit hinterher hinkte.

Tungdils heimliche Hoffnung, Lot-Ionan zu treffen und es sich sparen zu können, die Bücher und die zerstörten Artefakte weiterhin zu schleppen, erfüllte sich nicht. Sie erfuhren, dass die Magi und Magae schon vor Tagen aufgebrochen wären, um in ihre Länder zurückzukehren. Nudin der Wissbegierige empfing niemanden, daher blieb den drei Zwergen nichts anderes übrig, als zum Geduldigen nach Ionandar zurückzukehren.

Als sie an einer Nebengasse vorbeigingen, entdeckte Tungdil ein Pferd, das in einem Stall angebunden stand und ihm seltsam bekannt vorkam.

»Wartet.« Er schlenderte zu der Fuchsstute, denn er glaubte sich zu erinnern, das Tier beschlagen zu haben. Behutsam nahm er den rechten Vorderlauf und betrachtete das Eisen. Es trug seine Handschrift, die Form der Nägel war augenfällig. »Sie sind es«, wisperte er.

»Freunde von dir?«, erkundigte sich Boëndal, den Krähenschnabel locker geschultert. Sein Bruder fuhr sich prüfend über die kahlen Kopfseiten, um zu fühlen, wo noch Stoppeln standen.

»Wohl kaum.« Tungdil trat zu den prall gefüllten Satteltaschen, nahm einen Eimer, stülpte ihn um, stieg hinauf und reckte sich, um an die Lederriemen zu gelangen. Die Abdeckung klappte nach hinten, und der Zwerg tastete blind in der Tasche herum, bis er ein großes Glas fasste. Ruckartig zog er es hervor.

»Erinnert ihr euch an den toten fahrenden Zwerg?« Seine Ahnung trog ihn nicht. Er öffnete das Glas und erblickte den Kopf eines geschorenen Zwerges. Die Kopfgeldjäger hatten ihrem Opfer rücksichtslos die Haare gestutzt, damit der Schädel in den Behälter passte. Der Honig schloss den abgetrennten Kopf luftdicht ab und bewahrte ihn auf diese Weise vor der Zersetzung. Das letzte bisschen Blut waberte als rote Schlieren in der goldklaren Flüssigkeit. »Das sind seine Mörder.«

Kettenhemden klirrten und klingelten, dann standen die Zwillinge neben ihm. Keiner von ihnen sprach; sie starrten voller Entsetzen auf das, was ein Mensch von einem ihres Volkes nahm, um zu Gold zu kommen.

»Bei Vraccas! Ich werde sie in Scheiben schneiden!«, grollte Ingrimmsch. Die Wut schoss hinauf bis in seine Haarspitzen, die Beile flogen ihm von selbst in die Hand. »Lasst...«

Da schwang die Tür auf, die vom Stall ins Haus führte. Tungdil erkannte den Mann sofort wieder, dem Kopfgeldjäger ging es ebenso. Er blieb ruckartig stehen und starrte auf die drei Zwerge. »Verdammt!« Das Kräfteverhältnis erschien ihm nicht ausgewogen genug, deshalb drehte er sich auf dem Absatz um und verschwand im Haus.

»Kämpfe, Feigling! Sogar die Schweineschnauzen taugen mehr als du!« Boїndil befand sich bereits auf dessen Fersen. Aus dem Innern des Gebäudes drang ein kurzer, aber heftiger Kampflärm, der mit dem schrillen Todesschrei des Söldners endete.

Tungdils Warnung erreichte den rasenden Ingrimmsch zu spät. »Er hätte lebend mehr genutzt!« Doch er machte dem Zwerg keinen Vorwurf. Boїndils angestaute Tobsucht blockierte die Vernunft und gab den Verstand erst frei, als er das Blut seines Gegners und den leblosen Körper wahrnahm.

»Warten wir eben«, bemerkte Boëndal trocken, »bis die anderen zurückkommen. Vier fehlen uns noch, wenn ich mich an deine Erzählung erinnere.« Tungdil nickte, und sie versteckten sich im Stall.

Die Söldner erschienen am frühen Abend; ihren Gesichtern nach zu urteilen hatten sie kein Glück gehabt und kehrten ohne Beute zurück.

Ingrimmsch stand schnaubend hinter dem Tor, die Beile in den Händen haltend, und wartete begierig, dass die Krieger eintraten; sein Bruder hatte den Strohhaufen gewählt und lauerte ebenfalls. Tungdil zog es vor, sich im Hintergrund zu halten. Eingespielt, wie Boїndil und Boëndal im Gefecht waren, behinderte er sie mehr, als er ihnen nutzte.

Als die vier im Stall standen und von den Pferden gestiegen waren, nickten sich die Zwillinge zu und stürmten los.

»Lasst einen von den Halunken am Leben!«, erinnerte Tungdil sie und folgte ihnen.

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