Die Zwerge
- Автор: Хайц Маркус
- Серия: die zwerge #1
- Год: 2003
- Язык: немецкий
- Год: Ullstein Heyne List GmbH & Co. KG
- ISBN: 3-453-87531-1
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «Die Zwerge». Краткое содержание книги:
Tausend Sonnenzyklen später wehren sich die Menschen verzweifelt gegen die mörderischen Orks. Zwar haben die sechs großen Zauberer das Tote Land mithilfe von Magischen Schranken aufhalten können, aber unter den Herrschern des Geborgenen Landes befindet sich ein Verräter, und schon erobern Albae die Haine der Elben. In diesen unsicheren Zeiten macht sich der Zwerg Tungdil auf Geheiß des mächtigen Magiers Lot-Ionan, seines Ziehvaters, auf einen Botengang - der unversehens zu einem schicksalhaften Abenteuer auf Leben und Tod gerät...
Ich sollte ihn nicht so liegen lassen, sagte er sich, packte die Füße und zerrte den Leichnam unter dem Schrank hervor, als etwas klirrend auf die Holzdielen fiel.
»Nanu?« Er betrachtete den Gegenstand genauer. Es war ein blutbesudelter Dolch, und wenn ihn das Zwielicht nicht zu sehr trog, handelte es sich um die Waffe des Söldners, dem er vor Wochen auf dem Gehöft das Pferd beschlagen hatte.
Tungdil hörte Hufgetrappel. Vorsichtig lugte er aus dem schmalen Fenster, einen derben zwergischen Fluch auf den Lippen. Fünf Gerüstete erreichten soeben den Wohnwagen, also blieb er stehen und presste sich hinter die Tür gegen das Holz. Gegen die erfahrenen Kämpfer würde er zweifellos als Verlierer dastehen, daher musste er sich verbergen, wollte er überleben. Noch fühlte er sich nicht bereit, gegen eine Übermacht zu bestehen, wie es Boїndil und Boëndal spielerisch gelang.
Schwere Schritte näherten sich dem Gefährt, Stiefel betraten die knarrende Leiter, der Wagen wippte, dann schob sich ein Schatten vor das Licht, das durch den Eingang fiel.
Der Zwerg packte den Axtstiel mit beiden Händen.
Der Mann murmelte etwas und ging neben dem Toten in die Hocke. »Es war jemand hier«, rief er. »Der Kurze liegt anders da als vorher. Passt auf, dass mich niemand überrascht.« Er suchte nach seinem Messer. »Und versteckt den Honigtopf mit dem Kopf darin gut«, befahl er. »Ich möchte niemandem erklären, warum wir den hässlichen Schädel eines Unterirdischen darin aufbewahren.«
»Das ist doch einfach. Weil es Gold dafür gibt«, lachte einer seiner Kumpane von draußen rau.
»Das geht niemanden was an«, antwortete der Mörder. »Es ist schon schwierig genug, an die Kerlchen heranzukommen, da brauchen wir keine Nebenbuhler.« Er entdeckte den Dolch. »Da bist du ja.« Gründlich wischte er ihn an den Kleidern des Getöteten ab, verstaute ihn in der Scheide und erhob sich.
Seine Rüstung reflektierte den Sonnenschein, der durch das Seitenfenster hereinleuchtete, und der Strahl traf auf die Schneide von Tungdils Axt, die prompt aufblitzte. »Was...« Der Mörder drehte sich um.
Tungdil musste handeln, solange er durch die Überraschung noch einen Vorteil besaß. Er sprang nach vorn, stieß die Schneide nach unten und fuhr durch das Leder in den Fußknochen des Mannes. In seiner Aufregung schlug er so stark zu, dass die Axt in den Bodenbrettern stecken blieb. Mit aller Kraft zog er sie heraus.
Der Krieger schrie laut auf. Spätestens jetzt wussten seine Begleiter, dass etwas nicht stimmte.
»Das hast du davon.« Der Zwerg riss die Klinge aus dem Holz und flüchtete. Er hüpfte aus dem Wagen und brüllte dabei laut herum, um die Pferde scheu zu machen.
Die erschrockenen Vierbeiner machten einen Satz nach hinten. Die Männer, die gerade absteigen wollten und in nur einem Steigbügel standen, verloren das Gleichgewicht und fielen in den Staub.
Tungdil wartete nicht, sondern rannte nach rechts in den dichten Wald hinein. Die Pferde nützten den Söldnern zwischen den dicht beieinander stehenden Stämmen nichts, und wegen des Gestrüpps würden sie auch zu Fuß nicht gut vorwärts kommen. Seine geringe Größe war hier ausnahmsweise von Vorteil. Unter dem dichten Blätterdach schwand die Helligkeit des Tages zudem schneller als im Freien, doch das machte Tungdil keine Schwierigkeiten.
»Fangt den Zwergenbastard!«, brüllte ihr Anführer. »Das gibt eine fette Prämie!«
Der Zwerg hetzte durch den Forst und blieb gelegentlich stehen, um nach seinen Verfolgern zu lauschen. Sie gaben nicht so leicht auf, wie er am Knacken der Äste und am Fluchen erkannte, aber sie fielen zurück; irgendwann hörte er ihre schweren Schritte nicht mehr, er hatte sie abgehängt.
Keuchend lehnte sich Tungdil an einen Baumstamm und rang nach Luft. Ausdauer war gut und schön, aber mit Gepäck auf dem Rücken um sein Leben zu rennen stellte eine gewaltige Anstrengung dar. Hastig kontrollierte er alles; der Sack mit den Artefakten, in dem es seit dem Schlag des Orks merkwürdig klirrte und klapperte, baumelte da, wo er hingehörte.
Tungdil nahm einen Schluck Wasser, während er horchte. Sie jagen mein Volk wegen einer Belohnung! Er konnte das Gehörte nicht fassen, es übertraf alles, was ihm bislang unterwegs zugestoßen war. Gold auf Zwergenköpfe auszusetzen stand nicht mit den Gesetzen des Geborgenen Landes im Einklang, und er mochte sich beim besten Willen nicht vorstellen, was man mit seinem Schädel anstellen wollte.
Nach kurzer Rast hetzte er weiter in gerader Linie durch den Wald, um auf den nächsten Weg zu gelangen. Seine Überraschung war groß, als Boїndil und Boëndal ihm entgegenkamen.
»Da ist er ja!«, begrüßte ihn Boїndil. »Du hast dich wohl verlaufen.«
»Nein, ihr habt euch verlaufen. Ihr wart nicht auf dem Weg nach Porista«, keuchte er.
Boëndal betrachtete ihn genauer. »Was ist los, Gelehrter? Gab es Ärger?«
»Hoffentlich nicht, weil ich ihn dann nämlich verpasst hätte«, grummelte sein Bruder. »Oder wollte ein Eichhörnchen an deine...«
»Es waren Kopfgeldjäger«, unterbrach Tungdil ihn. »Sie jagen Zwerge und schneiden ihnen die Köpfe ab, weil ihnen jemand dafür Geld bezahlt.«
»Was?!«, brüllte Boїndil und rollte mit den Augen; sein stattlicher Bart bebte. »Wohin sind sie?«
»Ich habe keine Ahnung, und um ehrlich zu sein, war ich sehr froh, dass sie nicht mehr hinter mir her waren«, gestand er.
Sie suchten sich eine kleine Lichtung abseits der Straße, um zu beratschlagen.
»Haben sie gesagt, wer ihnen Gold bezahlt?«, erkundigte sich Boëndal.
»Nein. Sie sind mir schon einmal begegnet, aber damals unternahmen sie nichts. Es waren wohl zu viele Menschen auf dem Gehöft.« Ich bin um Haaresbreite dem Tod entronnen.
»Mh... Es könnte eine neue List der Dritten sein, die anderen Stämme auf diese Weise jagen und vernichten zu lassen. Oder sie wollen erreichen, dass wir mit den Langen ähnlich verfeindet sind wie mit den Elben und das Ganze in einen Krieg mündet.« Boëndal schaute in die Runde. »Auf jeden Fall gibt es eine Menge zu bereden, wenn wir das zweite Zwergenreich erreichen.«
Tungdil breitete seine Decke über sich aus und verbrachte die Nacht unter dem Blätterdach der Eiche. Aufs Feuer verzichteten sie, denn Flammenschein sah man in der Dunkelheit meilenweit, und selbst das Knacken eines dünnen Astes tönte in der nächtlichen Stille laut. Er verschränkte die Arme hinter dem Kopf, fühlte einen Käfer in seinem dichten Haar und zog ihn heraus. »Es ist merkwürdig«, sinnierte er laut, »dass dieses Kopfgeld ungefähr zur gleichen Zeit ausgesetzt wurde, als ihr mich suchtet.«
Boїndil, der es sich gemütlich machte und den langen, schwarzen Zopf zu einem Kopfkissen rollte, runzelte die Stirn. »Du meinst, es ist keine List Lorimbur? Jemand hätte es auf uns abgesehen?«
Sein Bruder schüttelte den Kopf. »Nein, du bist auf der falschen Fährte. Unser Gelehrter meint, dass man es in erster Linie auf ihn abgesehen hat, richtig?«
»Es ist abenteuerlich, ich weiß«, räumte Tungdil seufzend ein. »Aber ihr hattet erwähnt, dass es noch einen Anwärter auf den Thron gibt.«
Boëndal verstand seine Andeutung. »Niemals«, lehnte er strikt ab. »Ein ehrenwerter Zwerg spinnt keine Intrigen. König Gandogar Silberbart ist weit von dem entfernt, was du ihm unterstellen möchtest.«
»Du verteidigst ihn, als käme er aus unserem Stamm«, murmelte sein Bruder ein wenig vorwurfsvoll.
»Ich verteidige ihn, weil er ein Zwerg ist. Ein aufrichtiger Zwerg mit falschen Ansichten«, beharrte der Zwilling entschieden. »Außerdem hat der Rat erst nach unserer Abreise etwas von dir erfahren.« Er dachte nach. »Nein«, wiederholte er fest. »Das Kopfgeld ist eine Heimtücke Lorimburs. Und das ist schon schlimm genug. Alles andere wäre noch viel schlimmer. Wenn wir uns gegenseitig verrieten, bräche alles zusammen. Deshalb darf es nicht so sein.«