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Die Zwerge

Электронная книга - «Die Zwerge». Краткое содержание книги:

Tapfer bewachen die Zwerge des fünften Stammes den Steinernen Torweg, um das Geborgene Land, in dem Menschen, Zauberer und Elben in Frieden leben, vor den üblen Geschöpfen des Gottes Tion zu schützen. Doch eines Tages reicht die Kraft der Äxte nicht mehr aus: Orks und Oger stürmen in riesigen Horden das Tor. Das Tote Land drängt voran und bringt Siechtum und Tod über die tapferen Zwerge; wer auf seinem Boden stirbt, kehrt als untoter Sklave des Bösen zurück. Und zu allem gesellen sich die Albae, grausame Wesen voller Macht und Heimtücke. Der Steinerne Torweg fällt und mit ihm der letzte Zwerg aus dem Stamm der Fünften.
Tausend Sonnenzyklen später wehren sich die Menschen verzweifelt gegen die mörderischen Orks. Zwar haben die sechs großen Zauberer das Tote Land mithilfe von Magischen Schranken aufhalten können, aber unter den Herrschern des Geborgenen Landes befindet sich ein Verräter, und schon erobern Albae die Haine der Elben. In diesen unsicheren Zeiten macht sich der Zwerg Tungdil auf Geheiß des mächtigen Magiers Lot-Ionan, seines Ziehvaters, auf einen Botengang - der unversehens zu einem schicksalhaften Abenteuer auf Leben und Tod gerät...
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Einer der Krieger sah die Angreifer heranfliegen und langte an seinen Schwertgriff.

Er hatte seine Waffe zur Hälfte aus der Scheide gezogen, als ihn Boїndils Beil in die linke Hüfte traf; die Wucht des Schlages warf ihn gegen die Wand. Die zweite Schneide schnellte von schräg unten heran, durchschnitt Haut, Sehnen und zerschmetterte das rechte Knie. Brüllend knickte er zusammen.

Das sah Ingrimmsch nicht mehr. Er wusste, welche Wirkung seine beiden Hiebe hatten, und sprang bereits lachend auf den nächsten Gegner zu.

Sein Bruder kümmerte sich um die beiden anderen Mörder. Boëndal rannte mit gesenktem Haupt auf den vorderen seiner Widersacher zu, und der Krähenschnabel blitzte auf.

Dem Söldner gelang es noch, seinen Schild vom Pferd zu reißen und ihn schützend vor sich zu halten, doch er hatte die gewaltige Durchschlagskraft der Zwergenwaffe unterschätzt. Das spitze Ende drang durch den metallbeschlagenen Schutz und trat auf der anderen Seite dort wieder heraus, wo sich der Arm des Mannes befand. Was Holz und Metall besiegte, das störte sich auch nicht an Fleisch und Knochen. Der Söldner schrie auf.

Der Zwerg riss den Haken aus dem Blech, drehte die stumpfe Seite nach vorne und schlug nach dem ungeschützten Knie. Das Gelenk wurde unter dem gewaltigen Druck nach hinten gebogen und brach krachend. Der zweite Gegner war ausgeschaltet.

»Dir zeige ich, was es heißt, Zwerge feige zu ermorden!« Der von Wut besessene Ingrimmsch beharkte seinen Feind mit schnellen, tiefen Schlägen der Beile.

Tungdil sah, dass sich die Söldner alle Mühe gaben, die Hiebe ihrer rasenden Angreifer zu parieren, aber ihre verzweifelten Mienen sprachen Bände. Wo Angst war, folgte die Niederlage meist auf den Fuß, und so kam es.

Boїndil wirbelte die Beile, sodass der Söldner nicht wusste, von wo der Angriff erfolgen würde. In seiner Furcht wandte er sich um und versuchte, zu seinem Pferd zu gelangen.

Er konnte zwar schneller rennen als der Zwerg, war aber nicht flinker als der geworfene Krähenschnabel Boëndals.

Mit einem dumpfen Laut prallte die Waffe gegen seinen Rücken, als er sich in den Sattel schwingen wollte. Das schwere Ende brach seine Rippen und verzögerte seine Flucht. Das genügte Ingrimmsch, den Vorsprung auszugleichen.

»Du bist mir zu groß, Langer«, schnaubte er und durchtrennte dem Mann die Fersensehnen. Während der Kopfgeldjäger stürzte, hieb er ein weiteres Mal zu und tötete ihn mit zwei harten Treffern in die Schlüsselbeine.

Dann stand Boїndil vor dem vierten Söldner, der hinter dem Stroh kauerte. »Nun du!« Die Augen glitzerten voller Wahn, das Blut seiner Gegner haftete an vielen Stellen des Kettenhemdes. »An welchen Gott glaubst du? Palandiell? Samusin?«

Der Mann warf seine Waffe weg und reckte die Arme. »Ich ergebe mich«, rief er hastig.

Der Zwerg bleckte die Zähne. »Das ist mir gleichgültig«, knurrte er und schlug dem Wehrlosen die Beile in den Leib. Ächzend brach der Söldner zusammen. Er starb rasch, aber äußerst qualvoll, wie Tungdil an seinem Wimmern hörte.

Tungdil wandte sich um. Der Anführer, der von Boїndil zu Beginn des Gemetzels kampfunfähig gemacht worden war, lag in einer riesigen Blutlache und verlor zusehends an Lebenskraft. Er eilte zu dem Mann.

»Wer bezahlte euch euer Handwerk?«, verlangte er zu wissen. »Sag es uns, und wir retten dein Leben.«

»Oder wir schauen zu, wie du dich in deinem Blut wälzt«, drohte Ingrimmsch.

»Bei Palandiell, verbindet mich!«, hielt der Kopfgeldjäger dagegen und presste seine Hände gegen die Hüftwunde. Das Rot quoll so stark zwischen seinen Fingern hervor, dass Tungdil nicht glaubte, sein Leben retten zu können. Lot-Ionan wäre sicher dazu imstande gewesen, doch ein Verband brachte nichts.

»Sag es«, schrie ihn Boїndil aufgebracht an, »oder ich beende, was deine Mutter unter Schmerzen in die Welt setzte!« Doch der Mann starb, ehe er seine Drohung in die Tat umsetzen konnte.

Die Zwillinge drehten sich um und stapften auf den letzten Überlebenden der Mörderbande zu, dem die lange Spitze von Boëndals Waffe Schild und Hand durchbohrte.

Der Söldner presste die Zähne zusammen. Die Schmerzen, die ihm sein zersplittertes Knie bereiteten, stellten seinen Stolz, nicht zu schreien, auf eine übermenschliche Probe.

»Seid gnädig, ich weiß fast nichts«, stammelte er. »Wir haben in Gauragar von der Belohnung gehört, die es für das Haupt eines Unterirdischen gibt. Es war kurz nachdem wir den da«, er zeigte auf Tungdil, »zum ersten Mal trafen.«

»Wer hat es euch gesagt?«, grollte Ingrimmsch, und eines seiner blutigen Beile legte sich an die Kehle des Gerüsteten.

»Der Gildenmeister! Der Gildenmeister!«, stieß er ängstlich hervor. »Er hat uns in diese Region geschickt. Wir sammeln die Köpfe, und einmal pro dreißig Umläufe erscheint ein Bote, um die Gläser abzuholen. Wir erhalten dafür unseren Anteil von der Gilde. Jeder dreißig Münzen pro Schädel.«

»Welcher Gilde?«, setzte Tungdil nach.

»Der Kopfgeldjäger«, erklärte der Krieger und stöhnte laut auf, als die Qual zu groß wurde. »Lasst mich gehen. Ich habe alles gesagt, was ich weiß.«

Tungdil glaubte ihm das, doch er wusste auch, dass die Zwillinge ihn nicht am Leben lassen würden. Die habgierigen Taten verlangten nach Sühne.

»Du gehst nirgends hin.« Boїndils Klinge erledigte ihr Werk schneller, als sie ihn davon abzuhalten vermochten, und der Letzte der Söldner hauchte sein Leben aus.

»Weiter«, befahl Boëndal tonlos. »Nichts wie weg von hier, ehe die Stadtwache nachschauen kommt.«

Sie nahmen ihr Gepäck eilig an sich und verließen Porista, um ihren Weg nach Ionandar fortzusetzen. Zuerst fürchteten sie, dass Gardisten sie verfolgten, aber sie durften unbehelligt ziehen.

Tungdil fühlte ein schlechtes Gewissen in sich. »Es war nicht rechtens. Wir hätten sie der Garde übergeben sollen, samt des Glases«, meinte er unterwegs, während sie durch Pfützen und Schlamm wateten.

Boїndils Augen verengten sich. »Ist das ein Vorwurf, weil ich keinen der Langen mit dem Leben davonkommen ließ?« Er wischte sich die Regentropfen aus dem schwarzen Bart. »Was hätte es an ihrem Schicksal geändert? Man hätte sie verurteilt und hingerichtet.«

»Sie hatten den Tod verdient. Nur...« Tungdil wusste nicht, wie er seine Schuldgefühle begreiflich machen konnte, damit Ingrimmsch ihn verstand.

Boëndal sprang seinem Bruder bei. »Nein, Gelehrter. Es gibt kein ›Nur‹, kein ›Wenn‹ und ›Aber‹. Sie töteten für Geld, sie starben für Geld. Ob wir sie nun umgebracht haben oder die Langen sie hinrichten würden, welchen Unterschied macht das? Auf diese Weise haben wir die getöteten Zwerge gerächt. So war es besser.« Zum Zeichen, dass er von seiner Meinung nicht mehr abrücken würde, warf er sich den Zopf über die Schulter.

Seinen Worten hatte Tungdil nichts entgegenzusetzen. Er war noch zu sehr Gelehrter, um die zwergische Denkweise seiner Begleiter nachvollziehen zu können.

»Lass uns weitergehen. Der Rat der Zwerge wartet auf uns«, sprach Boїndil versöhnlicher. Die Schlacht im Stall hatte seine aufgestaute Wut abgekühlt, und er war wieder umgänglicher.

Das Geborgene Land, Lios Nudin

im Jahr des 6234sten Sonnenzyklus,

Sommer

»Ich kann nicht mehr«, ächzte Rantja leise.

»Ich bitte dich, du musst durchhalten«, raunte ihr Jolosin zu. »Wenn einer von uns den Kreis verlässt, hält die Zeremonie inne. Ich bin es meinem Mentor schuldig - und wir alle zusammen sind es dem Geborgenen Land schuldig.«

Nudins Stimme veränderte sich. Aus dem Krächzen wurde ein hohes Säuseln, das sich nicht mehr wie der Magus anhörte. Im nächsten Augenblick redete er mit dunkler Bassstimme, die in den Bäuchen der Famuli vibrierte. Selbst die Erfahrensten unter ihnen erinnerten sich nicht, jemals so etwas vernommen zu haben.

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