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Электронная книга - «Mathias Sandorf». Краткое содержание книги:

Die Handlung setzt 1866 in Triest ein. Die mittellosen Gauner Sarcany und Zirone finden auf einem ihrer Spaziergänge durch die Stadt eine Brieftaube, die eine Geheimbotschaft befördert. Sarcany will sehen, ob sie aus der Botschaft Kapital schlagen können. Sie lassen die Taube von einem Kirchturm aus frei und verfolgen sie mit den Augen bis zu ihrem Taubenschlag.
Dieser befindet sich in einem Haus, das dem Grafen Ladislaus Zathmar, einem ungarischen Adligen, gehört. Graf Zathmar plant, mit seinen Freunden, dem Professor Stefan Bathory und dem Grafen Mathias Sandorf in Ungarn, ihrer Heimat, einen Volksaufstand anzuzetteln ...
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– Dieser Fischer – ein edelmüthiger Mann – traf alle Vorbereitungen, um sie auf die italienische Küste hinüber zu bringen. Ein Spanier, Namens Carpena jedoch, der ihren Schlupfwinkel aufgespürt hatte, verrieth sie aus Rachsucht gegen den Fischer der Polizei von Rovigno. Sie versuchten zum zweiten Male zu entkommen. Allein Stephan Bathory fiel verwundet in die Hände der Verfolger. Mathias Sandorf, der bis in das Meer hineingejagt wurde, fiel unter einem Hagel von Kugeln und das Meer hat nicht einmal seinen Leichnam herausgegeben.

– Zwei Tage später wurden Stephan Bathory und Ladislaus Zathmar in der Festung Pisino erschossen. Der Fischer Andrea Ferrato wurde, weil er die Flüchtlinge bei sich aufgenommen hatte, zu lebenslänglicher Sträflingsarbeit verurtheilt und nach Stein gebracht.«

Frau Bathory hatte den Kopf gesenkt. Sie hatte mit beklommenem Herzen der Erzählung des Doctors zugehört, ohne ihn zu unterbrechen.

»Sie kennen diese Einzelheiten, gnädige Frau? fragte dieser.

– Ja, mein Herr, aus den Zeitungen, wie Sie wahrscheinlich ebenfalls?

– Ja, gnädige Frau, ich kenne sie natürlich auch aus den Zeitungen, erwiderte der Doctor, doch was die Zeitungen ihren Lesern nicht mittheilen konnten, weil die ganze Affaire sich mit der größten Heimlichkeit abspielte, weiß ich allein, dank einer Indiscretion eines Festungsaufsehers, und Sie sehen mich bereit, es Ihnen mitzutheilen.

– Sprechen Sie, Herr Doctor, drängte Frau Bathory.

– Graf Mathias Sandorf und Stephan Bathory wurden in dem Hause des Fischers Ferrato gefunden und ergriffen, weil sie von dem Spanier Carpena verrathen wurden. In Triest waren sie drei Wochen früher verhaftet worden aus demselben Grunde, sie wurden durch Verräther der österreichischen Polizei angezeigt.

– Durch Verräther? rief Frau Bathory.

– Ja, gnädige Frau, und die Beweise des Verrathes gingen aus den Verhandlungen vor dem Kriegsgerichte deutlich genug hervor. Erstens hatten diese Menschen ein an den Grafen Sandorf gerichtetes chiffrirtes Billet vom Halse einer Brieftaube gestohlen und eine

Die unendliche Treppe der Marinella-Straße. (S. 204.)

Abschrift von diesem genommen. Zweitens setzten sie sich im Hause des Grafen Zathmar in den Besitz eines Abdrucks des Gitters, das zum Verständniß dieser chiffrirten Depeschen nothwendig war. Nachdem sie mit Hilfe dieses Gitters Kenntniß von dem Inhalte des Billets genommen, überlieferten sie Beides dem Gouverneur von Triest. Zweifellos bildete ein Theil der confiscirten Güter des Grafen Sandorf den Lohn für diesen Verrath.

– Kennt man diese Schurken? fragte Frau Bathory mit vor Aufregung zitternder Stimme.

– Nein, gnädige Frau, antwortete der Doctor. Vielleicht haben die drei Verurtheilten sie gekannt und sie würden vielleicht ihre Namen genannt haben, wenn sie noch einmal ihre Familie vor ihrem Tode bei sich hätten sehen können.«

Man wird sich erinnern, daß weder Frau Bathory, welche mit ihrem Sohne nicht mehr in Triest weilte, noch Borik, der noch im Gefängnisse saß, den Verurtheilten in ihren letzten Augenblicken zur Seite gestanden hatten.

»Und wird man die Namen nie erfahren können? fragte Frau Bathory.

– Fast stets pflegen Verräther schließlich sich selbst zu verrathen, gnädige Frau, erwiderte der Doctor. Ich muß nun noch etwas meiner Erzählung hinzufügen. Sie sind Witwe geblieben und besaßen einen achtjährigen Knaben, doch kein Vermögen. Borik, der Diener des Grafen Zathmar, wollte nach dem Tode seines Herrn Sie nicht verlassen; doch auch er war arm und konnte Ihnen nur mit seiner Ergebenheit zu Hilfe kommen.

»Ich bitte, Herr Doctor, nehmen Sie das Geld zurück.« (S. 211.)

– Sie verließen Triest und bezogen dieses bescheidene Heim hier in Ragusa. Sie haben gearbeitet und mit Ihrer Hände Arbeit das Nothwendigste, was man zum körperlichen und auch zum geistigen Leben braucht, verdient. Ihr Herzenswunsch war es, daß Ihr Sohn dieselben Bahnen der Wissenschaft einschlagen konnte, welche den Vater berühmt gemacht hatten. Wie viele unaufhörliche Kämpfe mußten Sie bestehen, wie viel Elend muthig ertragen! Ich verneige mich mit Hochachtung vor der edlen Dame, die so viel Willensstärke gezeigt, vor der Mutter, deren Aufopferung den Sohn zum Manne gemacht hat.«

Der Doctor hatte sich bei diesen Worten erhoben und durch seine gewöhnlich gezeigte Kälte drang es wie ein Hauch warmen Empfindens.

Frau Bathory erwiderte nichts. Sie wußte nicht, ob der Doctor seine Rede schon beendet hatte oder ob er sie noch fortzusetzen gedachte; sie erwog, wie sie ihm die Mittheilungen persönlicher Natur machen sollte, um deren willen sie um eine Unterredung mit ihm ersucht hatte.

Der Doctor, der ihre Gedanken zu errathen schien, fuhr fort:

»Aber über eine gewisse Grenze, gnädige Frau, reicht die menschliche Kraft nicht hinaus, und auch Sie, bereits krank und hinfällig durch so viele schwere Prüfungen, wären am Ende unterlegen, wenn nicht ein Unbekannter, nein, ein Freund des Professors Bathory Ihnen zu Hilfe gekommen wäre. Ich würde Ihnen nie davon gesprochen haben, wenn Ihr alter Diener mich nicht über das Verlangen aufgeklärt hätte, dem zu Folge Sie mich sprechen wollten.

– Allerdings, Herr Doctor, erwiderte Frau Bathory. Bin ich dem Herrn Doctor Antekirtt nicht Dank schuldig?

– Und warum, gnädige Frau? weil vor fünf oder sechs Jahren zum Gedächtniß der Freundschaft, welche den Grafen Sandorf und seine Gefährten verband und zur Unterstützung Ihres Werkes, dieser Doctor Antekirtt Ihnen eine Summe von hunderttausend Gulden zukommen ließ? War er nicht überglücklich, Ihnen dieses Geld zur Verfügung stellen zu können? Nein, gnädige Frau, ich habe Ihnen zu danken, daß Sie die Summe von mir annahmen, daß ich der Witwe und dem Sohne Stephan Bathory’s zu Hilfe kommen durfte.«

Die Witwe verneigte sich und sagte:

»Welchem Beweggrunde auch immer Ihre Großmuth entsprungen sein mag, ich muß Ihnen meine Erkenntlichkeit bezeugen. Das war auch der Grund, weshalb ich Ihnen einen Besuch abstatten wollte. Der zweite aber…

– Was für einer ist das?

– War, Ihnen dieses Geld zurückzuerstatten…

– Mir, gnädige Frau? rief der Doctor betroffen, Sie haben die Summe nicht von mir angenommen?

– Ich habe nicht geglaubt, das Recht zu haben, über dieselbe verfügen zu können. Herr Doctor. Ich kannte keinen Doctor Antekirtt. Ich hatte nicht einmal bis dahin seinen Namen vernommen. Dieses Geld konnte ein Almosen derer sein, die mein Gatte bekämpft hatte und deren Mitleid mir hassenswerth erschien. Deshalb habe ich nicht gewagt, es anzugreifen, nicht einmal zu dem Zwecke, für den der Doctor Antekirtt es bestimmt hatte.

– Das Geld also…

– Ist unberührt.

– Und Ihr Sohn?

– Mein Sohn soll Alles nur sich selbst zu verdanken haben…

– Und seiner Mutter,« ergänzte der Doctor; so viel Seelengröße und Charakterstärke mußten seine Bewunderung wachrufen und seine Achtung vor der Matrone erhöhen.

Inzwischen war Frau Bathory aufgestanden und hatte aus einem verschlossenen Schranke ein Packet Banknoten geholt, welches sie dem Doctor hinhielt.

»Ich bitte, Herr Doctor, sagte sie zu ihm, nehmen Sie das Geld zurück, denn es gehört Ihnen und empfangen Sie dieselben herzlichen Danksagungen einer Mutter, als wenn das Geld zur Erziehung ihres Sohnes benützt worden wäre.

– Das Geld gehört mir nicht mehr, gnädige Frau, antwortete der Doctor mit abweisender Geberde.

– Ich wiederhole Ihnen, daß es mir nie gehören durfte!

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