Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
READ-E-BOOK » Прочая древняя литература » Nachts unter der steinernen Bruecke
Nachts unter der steinernen Bruecke - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Nachts unter der steinernen Bruecke

Электронная книга - «Nachts unter der steinernen Bruecke». Краткое содержание книги:

Nachts unter der steinernen Bruecke
1 ... 49 50 51 52 53 54 55 56 57 ... 63
Перейти на страницу:

»Non si puo«, fiel ihm der Philipp Lang zornig in die Rede. Er war im Trientinischen geboren, und wenn er ärgerlich oder erregt war, kamen ihm italienische Worte statt der deutschen auf die Lippen. »Non si puo. Es ist unmöglich. Es kann nicht sein. Ihr kennt den Hof nicht, Ihr wißt nicht, wie solche Dinge bei Seiner Majestät verlaufen. Der Gesandte des Königs von England wartet seit zwei Monaten darauf, Seiner Majestät die Credentiales überreichen zu können, kann aber keine Audienz erlangen, wird vertröstet und hingehalten, schreibt Protest- und Beschwerdebriefe, droht, von Prag abzureisen, und wird nicht vorgelassen. Der Herr Oberst von Guenderode hat ein Handschreiben des Kurfürsten von Brandenburg zu überreichen, hilft nichts, er wird nicht vorgelassen. Den Fürsten Borghese, päpstlichen Internuntius, einen Neffen Seiner Heiligkeit, könnt' Seine Majestät nicht abweisen, ist ihm aber ins Wort gefallen, hat ihm aufgetragen, sich kurz zu fassen, wenig Worte zu machen, denn er, der Kaiser, sei mit Geschäften zur Genüge molestiert. — Und Ihr wollt vor Seine Majestät gelangen? Was begehrt Ihr von Seiner Majestät? Womit wollt Ihr meinem allergnädigsten Herrn im Ohre liegen, welches Geschwätz ihm hinterbringen? Hab' ich Euch jemals Grund zur Klage gegeben? Kennt Ihr mich nicht als einen — wie nennt Ihr's? — als einen Ohew Israel, einen Freund der Juden? Und bin ich zu Euch nicht immer wie ein Bruder gewesen?«

»Ich habe über nichts Klage zu führen, habe auch nichts zu hinterbringen«, sagte der Mordechai Meisl. »Es ist nur mein Bitten, weil Seine Majestät in angeborener Milde und Gnade ...«

»Es ist gut«, erklärte der Philipp Lang. Er sah, daß der Mordechai Meisl auf seinem Willen beharrte, zugleich aber kam es ihm ins Bewußtsein, daß die Sache so gefährlich nicht sei und daß er sich ihrer mit geringer Mühe erwehren konnte. »Meine Freundschaft für Euch«, fuhr er jetzt in einem völlig anderen Ton fort, »ist zu groß, als daß ich Euch einen Wunsch abschlagen könnte, und wäre es noch so schwierig, ihn zu erfüllen. Ihr sollt zufriedengestellt werden. Nur um eines bitte ich Euch, — habt ein wenig Geduld. Wenn es heut oder morgen nicht sein kann, so ist es darum nicht verloren. Ich muß einen bequemen Tag und Ort finden, daß ich mit Seiner Majestät allein und ungestört über die Sache sprechen kann. Denn mein allergnädigster Herr will mit Vorsicht behandelt sein, da darf nichts übereilt, nichts zur unrechten Stunde getan werden. Versteht mich recht, — ein wenig Zeit, zwei Wochen oder drei, das ist alles, was ich verlange.«

Der Mordechai Meisl durchschaute ihn. Etwas im Klang der Stimme, etwas im Ausdruck des Gesichtes ließ ihn erraten, was sich hinter diesen glatten Worten verbarg: Daß ihn der Philipp Lang schon zu den Toten rechnete, daß er ihm nicht mehr als zwei oder drei Wochen Leben gab, und daß er hoffte, der Müh' enthoben zu sein, wenn es ihm nur gelänge, die Sache hinauszuziehen.

»Ich danke Euch. Ich habe verstanden«, sagte der Mordechai Meisl.

In der Niklasgasse hatte der Philipp Lang seine Kutsche stehen, und dorthin begleitete ihn der Mendel mit der Laterne, denn in der Wirrnis der engen und winkeligen Gassen der Judenstadt konnte einer leicht den Weg verlieren.

Als er in das Haus auf dem Dreibrunnenplatz zurückkam, fand er seinen Herrn noch wach.

»Geh, wenn es Tag wird, zu den Fleischbänken«, trug ihm der Mordechai Meisl auf, »und frag die Metzger, wer von ihnen in dieser Woche das ungarische Ochsenfleisch in den Hirschgraben fährt.«

Es gab in der Judenstadt etliche Leute, die konnten, wenn es ihnen beliebte, den Römischen Kaiser alle Tage sehen, so sehr er sich auch vor der Welt verborgenhielt. Das waren die Metzger und ihre Knechte. Denn die Prager Judenmetzger waren verhalten, dem Kaiser für die beiden Löwen, den Adler und die anderen wilden Tiere, die er sich hielt, täglich vierunddreißig Pfund Fleisch von guten ungarischen Ochsen in den Hirschgraben zu bringen, und so durften sie in ihrem Fleischerwagen ungehindert durch das Tor passieren. Und der Kaiser wiederum versäumte es niemals, der Fütterung seiner Tiere beizuwohnen, er achtete darauf, daß jedes seinen Teil erhielt, und den beiden Löwen, die er selbst gezähmt hatte und mit denen er sich durch den Einfluß der Gestirne auf magische Art verbunden fühlte, — ihnen und dem Adler, der einsam und traurig in seinem Käfig saß, reichte er bisweilen mit eigener Hand das Fleisch.

Als eines Metzgers Knecht gekleidet, mit dem Lederschurz, dem Tragriemen über der Schulter und dem kleinen Metzgerbeil im Gürtel, fuhr der Mordechai Meisl mit dem Metzger Schmaje Nossek über die Moldaubrücke und hinauf auf den Hradschin. Um die Mittagsstunde gelangten sie in den Hirschgraben. Innerhalb der Mauern, die ihn umschlossen, vor dem Pförtnerhaus, ließen sie das Pferd und den Wagen stehen. Sie beluden sich mit dem Fleisch, um den Rest des Weges zu Fuß zurückzulegen, denn das Pferd wurde unruhig, wenn der Geruch der wilden Tiere zu ihm drang.

Es war ein frostiger Tag mit klarem Himmel und einem schneidenden Wind, der die verwelkten Blätter vor sich hintrieb. Der Weg, den sie einschlugen, führte erst zwischen Obst- und Gemüsegärten und dann über einen Wiesengrund. Sie gingen durch Buschholz und durchquerten einen schütteren Buchenwald, in dem Rehe ästen und Füchse ihren Bau hatten. Als sie aus dem Wald traten, hatten sie den Seitenflügel der Burg, der an den Tiergarten stieß, vor sich.

Im Schatten uralter Buchen und Ulmen standen die Käfige und die Zwinger. Ein gezähmter Bär, der sich seine Nahrung in der Hofküche erbettelte, trottete in völliger Freiheit über den Weg. In einem kleinen, ebenerdigen Ziegelbau hatten die Tierwärter ihre Behausung. Es waren ihrer drei, aber nur einer zeigte sich. Und während dieser unter dem Brüllen der Löwen und dem Kreischen der Affen das Fleisch prüfte und wog, erklärte der Metzger Nossek dem Meisl, durch welches Tor der Kaiser in den Garten treten werde. Er beschrieb ihn als einen kleinen, in seinen Bewegungen sehr behenden Mann mit gekraustem Barthaar. Um diese Jahreszeit trage er einen kurzen Mantel, der mit Goldborten eingefaßt sei, die er, der Nossek, auf einen halben Gulden die Elle schätze. Aber auch daran sei der Kaiser leicht zu erkennen, daß er beim Gehen die rechte Hand vorgestreckt halte, so, als weise er sich selbst den Weg, — eine schmale blaugeäderte Hand. Er, der Meisl, werde nicht mehr lang zu warten haben, die Tiere seien hungrig, und das Brüllen der Löwen sei bis zu den Fenstern des Kaisers zu vernehmen.

Als das Fleisch gewogen und als festgestellt war, daß es sich in gutem Zustand befand, empfingen sie das Entgelt: Vier neugeprägte böhmische Groschen der Metzger und einen halben sein Knecht.

Die beiden anderen Wärter traten aus dem Haus, um dem Kaiser entgegen zu gehen. Er war noch nicht zu sehen. Der Schmaje Nossek wies auf einen Gärtnerburschen, der sich nicht weit von ihnen an einem Boskett von Rosensträuchen zu schaffen machte, dabei aber unverwandt auf das Burgtor blickte. Der sehe, meinte der Nossek, gar nicht einem Gärtnerjungen gleich, wisse auch die Gartenschere und das Messer nicht recht zu handhaben. Er, der Nossek, wäre nicht verwundert, wenn es sich erweisen würde, daß dieser Junge, wer auch immer er sei, sich mit der Beihilfe eines Gärtners hier eingeschlichen habe, um dem Kaiser zu begegnen.

Die beiden Schildwachen am Tor stießen wie auf Kommando ihre Hellebarden auf die Erde, das Tor öffnete sich und der Kaiser trat in einem kurzen goldbordierten Mantel, die rechte Hand ein wenig vorgestreckt, so wie es der Nossek beschrieben hatte, in den Hirschgraben.

Rudolf der Zweite, der Römische Kaiser, war in der Nacht von Träumen heimgesucht gewesen, in denen ihn sein Bruder Matthias, der österreichische Erzherzog, in eines Ebers Gestalt verfolgt und bedroht hatte. Als er erwachte, kam zu der Schwermut, die immer in seiner Seele war, noch die Angst und die Verzagtheit des Traumes, die er nicht von sich abtun konnte. Der Cervenka, der zweite Kammerdiener, der an diesem Morgen den Dienst versah, wußte, wie er es anzustellen habe, um die Laune des Kaisers um ein weniges zu bessern. Er ließ die spanischen und die italienischen Pferde des Kaisers unter die Fenster seines Schlafgemachs führen. Der Anblick der schönen und stolzen Tiere erfreute den Kaiser. Obwohl er noch im Nachtgewand war, stieß er das Fenster auf, ohne darauf zu achten, daß ein rauher Wind ins Zimmer fuhr. Er beugte sich hinaus und rief bald das eine, bald das andere Tier beim Namen: »Diego! Brusco! Adelante! Carvuccio! Conde!« Und jedes der Tiere, das er rief, hob den Kopf und wieherte hellauf. Doch die Schwermut wich nicht aus dem Herzen des Kaisers.

1 ... 49 50 51 52 53 54 55 56 57 ... 63
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)