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Shades of Grey - Geheimes Verlangen

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Shades of Grey - Geheimes Verlangen
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Wie schafft er es, mich allein mit seiner Stimme zu verführen? Ich bekomme schon jetzt keine Luft mehr – mein Blut strömt heiß durch meine Venen, und meine Nerven vibrieren vor Erregung.

»Ich würde gern etwas probieren«, raunt er.

Ich runzle die Stirn.

Gerade hat er mir eine ganze Wagenladung an Informationen vor die Füße gekippt, die ich erst einmal verarbeiten muss, und jetzt das.

»Wärst du meine Sub, bräuchtest du nicht darüber nachdenken. Es wäre alles ganz einfach.« Seine Stimme ist honigweich und verführerisch. »All die Entscheidungen, die ermüdenden Überlegungen und Grübeleien, die damit verbunden sind. Diese Frage, ob es auch wirklich das Richtige ist. Ob es wirklich jetzt passieren soll. Und hier. Über all das müsstest du dir keine Gedanken mehr machen, weil ich als dein Dom das für dich übernehmen würde. Und ich weiß, dass du mich willst, Anastasia.«

Woher weiß er das?

»Ich weiß das, weil …«

Verdammt, jetzt beantwortet er auch noch meine Frage, obwohl ich sie nicht einmal gestellt habe. Kann er hellsehen, oder was?

»… dein Körper dich verrät. Du presst die Schenkel zusammen, wirst rot, und deine Atmung hat sich verändert.«

Okay, das geht eindeutig zu weit.

»Woher weißt du, was ich mit meinen Schenkeln mache?« , frage ich mit ungläubiger Stimme. Sie sind doch unterm Tisch.

»Ich habe gespürt, wie sich die Tischdecke bewegt hat. Meine Vermutung basiert auf jahrelanger Erfahrung. Und ich habe Recht, stimmt’s?«

Abermals laufe ich rot an und starre auf meine Hände. Genau das ist der Grund, weshalb ich ihm bei dieser Verführungsmasche hoffnungslos unterlegen bin: Er ist der Einzige von uns, der die Regeln kennt und versteht. Ich bin viel zu naiv und unerfahren dafür. Der einzige Mensch, an dem ich mich orientieren kann, ist Kate, und sie lässt sich von Männern nichts gefallen. Alle anderen Bezugspersonen in meinem Leben sind Romanfiguren: Elizabeth Bennet wäre außer sich vor Wut, Jane Eyre hätte viel zu große Angst davor, und Tess würde nachgeben, so wie ich es getan habe.

»Ich habe meinen Fisch noch nicht aufgegessen.«

»Kalter Fisch ist dir also wichtiger als ich?«

Ich hebe abrupt den Kopf und sehe ihn an. Das Verlangen glitzert wie flüssiges Silber in seinen Augen.

»Ich dachte, ich soll meinen Teller leer essen.«

»Im Augenblick, Miss Steele, ist mir scheißegal, ob der Teller voll oder leer ist.«

»Du kämpfst mit unfairen Mitteln, Christian.«

»Ich weiß. Das habe ich schon immer getan.«

Meine innere Göttin runzelt die Stirn. Du kannst das, sagt sie. Du schaffst es, diesen Sexgott mit seinen eigenen Waffen zu schlagen. Ach, tatsächlich? Okay. Was soll ich tun? Meine Unerfahrenheit hängt wie ein Mühlstein um meinen Hals. Ich spieße eine Spargelstange auf, sehe ihn an und kaue auf meiner Lippe. Dann schiebe ich mir die Spargelspitze in den Mund und sauge sie ganz langsam zwischen meine Lippen.

Christians Augen weiten sich; zwar kaum merklich, aber mir entgeht es trotzdem nicht.

»Was tust du da, Anastasia?«

Ich beiße die Spitze ab.

»Ich esse meinen Spargel.«

Christian verlagert sein Gewicht auf dem Stuhl. »Ich glaube eher, Sie spielen mit mir, Miss Steele.«

Ich mache ein unschuldiges Gesicht. »Ich esse nur auf, Mr. Grey.«

Genau in diesem Augenblick klopft der Kellner an die Tür und kommt herein. Er wirft Christian einen kurzen Blick zu, woraufhin dieser die Stirn runzelt, aber nickt. Der Kellner räumt die Teller ab. Doch sein unangekündigtes Auftauchen hat die Magie des Augenblicks jäh zerstört. Und ich nutze diesen kurzen, kostbaren Moment, in dem ich wieder klar denken kann: Ich muss gehen. Es gibt keinen Zweifel daran, wie dieser Abend enden wird, wenn ich bleibe, deshalb muss ich ein klares Zeichen setzen. So sehr sich mein Körper auch nach seiner Berührung sehnen mag – mein Verstand rebelliert nach wie vor. Ich brauche Abstand, um in Ruhe über alles nachzudenken. Bislang habe ich noch keine Entscheidung getroffen, und seine sexuelle Anziehungskraft und seine Überzeugungskunst machen es mir nicht gerade einfacher.

»Möchtest du noch ein Dessert?«, fragt er, stets der Gentleman, trotzdem spricht das Glühen in seinen Augen Bände.

»Nein, danke. Ich glaube, ich sollte jetzt gehen«, antworte ich, ohne den Blick von meinen Händen zu lösen.

»Gehen?«, wiederholt er mit unverhohlener Verblüffung.

Der Kellner tritt eilig den Rückzug an.

»Ja.« Es ist die richtige Entscheidung. Wenn ich bleibe, hier in diesem Raum, mit ihm, wird er mich ficken. Entschlossen stehe ich auf. »Morgen ist die Abschlussfeier, für die wir beide fit sein müssen.«

Christian erhebt sich reflexartig – ein untrüglicher Beweis für seine tadellosen Manieren. »Ich will nicht, dass du gehst.«

»Bitte … ich muss.«

»Wieso?«

»Weil ich über so viele Dinge nachdenken muss. Und ich brauche etwas Abstand.«

»Ich könnte dich dazu bringen, dass du bleibst«, droht er.

»Ja, das könntest du ohne Weiteres, aber ich will nicht, dass du es tust.«

Er fährt sich mit der Hand durchs Haar und beäugt mich misstrauisch. »Als du zum Interview in meinem Büro aufgetaucht bist, hast du einen völlig verunsicherten, ja geradezu unterwürfigen Eindruck auf mich gemacht. Deshalb dachte ich, du wärst die geborene Sklavin. Aber wenn ich ehrlich sein soll, bin ich nicht sicher, ob auch nur ansatzweise etwas Devotes in deinem herrlichen Körper schlummert, Anastasia.« Er tritt langsam auf mich zu. Seine Stimme ist angespannt.

»Da könntest du Recht haben«, erwidere ich leise. »Ich will aber die Chance haben herauszufinden, ob da nicht doch etwas ist«, raunt er, hebt die Hand und streicht mir übers Gesicht, zeichnet mit dem Daumen meine Unterlippe nach. »Ich kann nichts dafür. So bin ich, Anastasia.«

»Ich weiß.«

Er beugt sich vor, um mich zu küssen, hält jedoch inne und sieht mich einen Moment lang fragend an, als bitte er um Erlaubnis. Ich hebe den Kopf kaum merklich, woraufhin sich unsere Lippen berühren. Er küsst mich, und weil ich nicht weiß, ob ich ihn jemals wieder küssen werde, lasse ich mich einfach mitreißen. Ich vergrabe die Hände in seinem Haar und ziehe ihn an mich, während sich meine Lippen teilen und meine Zunge die seine umschmeichelt. Seine Hand legt sich um meinen Nacken, und er vertieft seinen Kuss. Seine andere Hand wandert an meinem Rückgrat entlang, legt sich in die Kuhle, wo es in mein Hinterteil übergeht, und zieht mich enger an sich.

»Ich kann dich also nicht zum Bleiben überreden?«, stößt er zwischen zwei Küssen hervor.

»Nein.«

»Und die Nacht mit mir zu verbringen.«

»Und dich dabei nicht anfassen dürfen? Nein.«

Er stöhnt. »Du schreckliches Mädchen.« Er löst sich von mir und sieht mich an. »Wieso habe ich das Gefühl, dass du mir gerade Lebewohl sagst?«

»Weil ich jetzt nach Hause fahren werde.«

»Das meine ich nicht damit, das weißt du ganz genau.«

»Christian, ich muss über all das nachdenken. Ich habe keine Ahnung, ob ich die Art von Beziehung mit dir führen kann, die du dir wünschst.«

Er schließt die Augen und legt seine Stirn gegen meine, so dass wir beide Gelegenheit haben, uns ein wenig zu sammeln. Nach einem Moment drückt er mir einen Kuss auf die Stirn, dann lässt er mich los und tritt einen Schritt zurück.

»Wie Sie wünschen, Miss Steele«, sagt er mit ausdrucksloser Miene. »Ich begleite dich in die Lobby.« Er streckt mir die Hand entgegen.

Ich ergreife sie und nehme meine Tasche. Verdammt, das könnte das Ende sein. Niedergeschlagen folge ich ihm die breite Treppe hinunter und in die Lobby. Meine Kopfhaut prickelt. Ich höre das Blut in meinen Ohren rauschen. Wenn ich mich gegen dieses Arrangement entscheide, könnte dies unsere letzte Begegnung gewesen sein. Mein Herz zieht sich schmerzhaft zusammen. Wer hätte gedacht, dass dieser Abend so enden würde, welche Auswirkungen ein kurzer Moment der Klarheit haben könnte …

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