Shades of Grey - Geheimes Verlangen
- Автор: Джеймс Эрика Леонард
- Серия: Shades of Grey #1
- Год: 2012
- Язык: немецкий
- Жанр: Современная русская и зарубежная проза
Электронная книга - «Shades of Grey - Geheimes Verlangen». Краткое содержание книги:
Mit gerunzelter Stirn nehme ich mein Zeugnis entgegen. »Nein.«
»Dann ignorieren Sie meine Mails also doch?«
»Ich habe nur die Fusionierungsmail gelesen.«
Er sieht mich fragend an. »Später«, raunt er. Ich muss die Bühne verlassen, weil sich hinter mir bereits ein Stau bildet.
Ich kehre zu meinem Platz zurück. E-Mails? Im Plural? Er muss also noch weitere geschickt haben. Mit welchem Inhalt?
Die Verleihungszeremonie zieht sich eine weitere Stunde hin, die mir wie eine Ewigkeit vorkommt. Endlich verlassen der Rektor und die Fakultätsmitglieder, gefolgt von Kate und Christian, die Bühne. Erneut würdigt Christian mich keines Blickes, obwohl ich versuche, ihn mittels Willenskraft dazu zu bewegen. Meine innere Göttin ist alles andere als begeistert.
Als ich darauf warte, dass sich meine Sitzreihe leert, höre ich Kate meinen Namen rufen. Ich drehe mich um und sehe sie hinter der Bühne hervortreten.
»Christian will dich sprechen«, ruft sie.
Meine beiden Sitznachbarinnen wenden sich mir zu und starren mich ungläubig an.
»Ich soll dich holen …«, fügt sie hinzu.
Mist …
»Deine Rede war wirklich toll, Kate.«
»Ja, stimmt.« Sie strahlt. »Kommst du? Er ist ziemlich beharrlich.« Sie verdreht die Augen.
»Das kannst du laut sagen. Ich kann aber nicht lange bleiben. Ray ist hier.« Ich sehe zu ihm auf die Tribüne und halte meine gespreizten Finger hoch – fünf Minuten. Er nickt, also folge ich Kate in den Gang hinter der Bühne, wo Christian sich gerade mit dem Rektor und zwei Lehrern unterhält.
»Entschuldigen Sie bitte, meine Herren«, höre ich ihn sagen, als er mich näher kommen sieht. Er lächelt Kate flüchtig zu.
»Danke«, sagt er, und bevor sie etwas erwidern kann, nimmt er mich beim Ellbogen und führt mich in einen Raum, bei dem es sich allem Anschein nach um die Herrengarderobe handelt. Er wirft einen kurzen Blick hinein, um zu sehen, ob sie leer ist, dann verriegelt er die Tür hinter uns.
Verdammt, was hat er denn jetzt vor?
»Wieso hast du weder auf meine Mail noch auf meine SMS geantwortet?« Er starrt mich finster an.
Ich bin völlig perplex. »Ich habe meine Mails heute noch nicht gecheckt. Und mein Telefon ist ausgeschaltet.« Oh, hat er etwa versucht, mich anzurufen? Ich probiere es mit meiner Ablenkungstaktik, die bei Kate schon so gut funktioniert hat. »Deine Rede war wirklich beeindruckend.«
»Danke.«
»Das erklärt auch deine Probleme mit übrig gebliebenen Lebensmitteln.«
Genervt fährt er sich mit der Hand durchs Haar. »Ich will mich jetzt nicht darüber unterhalten, Anastasia.« Er schließt für einen Moment gequält die Augen. »Ich habe mir Sorgen um dich gemacht.«
»Sorgen? Wieso denn?«
»Weil du in diesem Witz von einem Auto nach Hause gefahren bist.«
»Was? Wanda ist kein Witz. Sie fährt einwandfrei. José checkt sie regelmäßig für mich.«
»José, der Fotograf ?« Christians Augen verengen sich zu Schlitzen. Seine Miene ist eisig.
Mist.
»Ja, der Käfer hat früher mal seiner Mutter gehört.«
»Und davor wahrscheinlich deren Mutter und davor deren Mutter. Dieser Wagen ist eine Schrottkiste und nicht sicher.«
»Ich fahre ihn aber seit über drei Jahren. Es tut mir leid, wenn du dir Sorgen gemacht hast. Wieso hast du nicht auf dem Festnetzanschluss angerufen?« Meine Güte, er reagiert komplett über.
Er holt tief Luft.
»Ich brauche eine Antwort von dir, Anastasia. Diese Warterei treibt mich in den Wahnsinn.«
»Christian, ich … mein Stiefvater wartet unten auf mich.«
»Morgen. Ich will bis morgen eine Antwort von dir haben.«
»Okay. Morgen. Dann bekommst du deine Antwort.«
Er tritt einen Schritt zurück und mustert mich kühl. Seine Schultern entspannen sich. »Bleibst du noch zum Empfang?«
»Ich weiß nicht, ob Ray Lust hat.«
»Ray ist dein Stiefvater. Ich würde ihn gern kennen lernen.«
O nein … wieso?
»Ich weiß nicht recht, ob das so eine gute Idee ist.« Christian schließt die Tür auf. Seine Lippen sind zu einer schmalen Linie zusammengepresst. »Schämst du dich etwa für mich?«
»Nein!« Nun bin ich diejenige, die genervt ist. »Aber als was soll ich dich meinem Dad denn vorstellen? ›Das hier ist der Mann, der mich entjungfert hat und eine BDSM-Beziehung mit mir führen will‹? Du trägst keine Turnschuhe, vergiss das nicht.«
Christian starrt mich finster an, doch dann lächelt er. Und obwohl ich eigentlich sauer auf ihn bin, muss ich ebenfalls grinsen.
»Nur damit du es weißt – ich bin ein ziemlich guter Läufer. Sag ihm doch einfach, ich sei ein guter Freund, Anastasia.«
Er öffnet die Tür, und wir treten hinaus. Der Rektor, drei Vize-Rektoren, vier Professoren und Kate starren mich an, als ich eilig an ihnen vorbeigehe. O Mann. Ich lasse Christian bei ihnen zurück und mache mich auf die Suche nach Ray.
Sag ihm doch, ich sei ein guter Freund.
Ein Freund mit der einen oder anderen Zusatzfunktion, mault mein Unterbewusstsein. Ich weiß, ich weiß. Ich verdränge den unangenehmen Gedanken. Wie soll ich ihn Ray vorstellen? Inzwischen hat sich der Saal zur Hälfte geleert, und Ray steht immer noch neben seinem Platz auf der Tribüne. Als er mich sieht, winkt er und kommt herunter.
»Hey, Annie. Herzlichen Glückwunsch.« Er legt den Arm um mich.
»Hast du Lust, im Zelt noch etwas zu trinken?«
»Klar. Es ist dein großer Tag. Lass uns gehen.«
»Wir müssen das nicht unbedingt tun, wenn du nicht willst.« Bitte sag Nein…
»Annie, ich habe zweieinhalb Stunden hier herumgesessen und mir endlose Reden angehört. Ein Drink ist jetzt genau das Richtige.«
Ich hake mich bei ihm unter. Wir schließen uns dem Strom der Gäste an und treten in die warme Nachmittagsluft hinaus. Als Erstes kommen wir an einem Stand vorbei, wo ein Fotograf offizielle Abschlussfotos schießt und vor dem sich eine lange Schlange gebildet hat.
»Oh, apropos«, sagt Ray und zieht eine Digitalkamera aus seiner Tasche. »Eins fürs Familienalbum, Annie.« Ich verdrehe die Augen, bleibe jedoch stehen, damit er das Foto machen kann.
»Darf ich jetzt endlich diesen Talar und den Hut ausziehen? Ich komme mir total blöd vor.«
Du siehst auch reichlich blöd aus … Mein Unterbewusstsein ist wieder mal in Topform. Also, willst du jetzt Ray den Typen vorstellen, mit dem du vögelst? Es blickt mich über den Rand seiner Lesebrille hinweg an. Er wäre wahnsinnig stolz auf dich. Gott, manchmal hasse ich es wie die Pest.
Das Zelt ist riesig, und es wimmelt nur so von Leuten – Studenten, Eltern, Lehrer und Freunde, allesamt in angeregtes Geplauder verstrickt. Ray reicht mir ein Glas Sekt – irgendein billiger Fusel –, der nicht gekühlt ist und pappsüß schmeckt. Unwillkürlich muss ich an Christian denken – das wird ihm gar nicht gefallen.
»Ana!« Ich drehe mich um. Ethan Kavanagh reißt mich in eine Umarmung und wirbelt mich im Kreis herum. Zum Glück gelingt es mir, keinen Tropfen von meinem Sekt zu verschütten – immerhin etwas.
»Glückwunsch!« Seine grünen Augen funkeln, als er mich anstrahlt.
»Wow – Ethan. Wie schön, dich zu sehen. Dad, das ist Ethan, Kates Bruder. Ethan, das ist mein Vater, Ray Steele.« Die beiden schütteln einander die Hand, während Ray Ethan einer eingehenden Musterung unterzieht.
»Seit wann bist du denn aus Europa zurück?«, frage ich.
»Schon seit einer Woche, aber ich wollte meine kleine Schwester überraschen«, antwortet er mit Verschwörermiene.
»Wie süß von dir.« Ich grinse.
»Immerhin ist sie Jahrgangsbeste. Das konnte ich mir nicht entgehen lassen.« Er platzt beinahe vor Stolz.