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Fiebertraum [=Dead Man River / Fevre Dream - de]

Электронная книга - «Fiebertraum [=Dead Man River / Fevre Dream - de]». Краткое содержание книги:

Abner Marsh, Flußschiffer auf dem Mississippi und ein Koloß von einem Mann, steht nach der Flutkatastrophe von 1857 vor dem wirtschaftlichen Ruin. Da bietet ihm der Aristokrat Joshua York die Partnerschaft an, um das schnellste Dampfschiff auf dem Mississippi bauen zu lassen. Für den Kapitän scheint sich ein Traum zu verwirklichen.
Doch während der Jungfernfahrt der Fiebertraum entpuppt sich Joshua York zum Entsetzen Marshs als Vampir, und der Plan, als schnellster Dampfschiffkapitän in die Geschichte einzugehen, tritt in den Hintergrund, denn York fährt den Fluß hinab, um die Letzten seiner kranken alten Rasse zu sammeln und sie vom Erbe ihrer blutgierigen Leidenschaft zu befreien. Zuvor jedoch muß er den mächtigen Blutmeister Damon Julian besiegen, einen Vampir voll animalischem Magnetismus, der den roten Durst seines Nachtvolks durch Mord und Heimtücke zu löschen versucht.
Und mit jedem Flußkilometer sinkt Abner Marshs Schiff tiefer in einen blutigen Alptraum jenseits der Realität.

»Fiebertraum begeistert Stephen King‐Fans ebenso wie Leser von Mark Twain. Ein düster‐romantisches Buch, das mich bis in die Träume und Phantasien verfolgte. Ihm gebührt ein grandioser Erfolg.«
ROGER ZELAZNY
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Im vorderen Teil des Buches befand sich ein Bild von Lord Byron. Marsh betrachtete es lange. Er sah hübsch aus, dunkel und sinnlich wie ein Kreole; es war leicht zu erkennen, warum die Frauen seine Gunst suchten, auch wenn er angeblich ein Krüppel gewesen sein sollte. Natürlich war er zugleich Adliger. So stand es unter seinem Bild:

GEORGE GORDON, LORD BYRON
1788–1824

Abner Marsh betrachtete Byrons Gesicht eine Zeitlang eingehend und ertappte sich dabei, wie er den Dichter um sein gutes Aussehen beneidete. Schönheit war noch nie etwas gewesen, das er am eigenen Leibe erlebt hatte; wenn er von großartigen, prachtvollen Raddampfern träumte, dann lag es wahrscheinlich daran, daß es ihm selbst so sehr an Schönheit mangelte. Mit seinem Wanst, seinen Warzen und seiner plattgeschlagenen Nase hatte Marsh sich nie den Kopf über Frauen zerbrechen müssen. Als er noch jünger war und mit Flößen oder Flachbooten auf dem Fluß unterwegs war, und auch nachdem er einige Zeit auf den Dampfern gearbeitet hatte, hatte Marsh Orte in Natchez‐under‐the‐Hill und in New Orleans aufgesucht, wo ein Flußmann eine ganze Nacht lang zu einem anständigen Preis seinen Spaß haben konnte. Und später, als die Fevre River Packets aufzublühen begann, waren da ein paar Frauen in Galena und Dubuque und St. Paul gewesen, die ihn geheiratet hätten, wären sie nur darum gebeten worden; gute, standhafte, strenggesichtige Witwen, die den Wert eines gesunden starken Mannes, wie er einer war, mit all seinen Dampfbooten, zu schätzen wußten. Aber sie hatten nach seinem Unglück sehr schnell das Interesse verloren, und außerdem waren sie niemals das gewesen, was er sich gewünscht hatte. Als Abner Marsh sich gestattete, über diese Dinge nachzudenken, was nicht allzu häufig geschah, träumte er von Frauen wie den dunkeläugigen Kreolinnen und den hellbraunen freien Terzeroninnen von New Orleans, schlank und graziös und stolz wie seine Dampfboote.

Marsh schnaubte und blies seine Kerze aus. Er versuchte zu schlafen. Aber seine Träume waren wirr und unheimlich; Worte hallten schwach und angsteinflößend in den düsteren Windungen seines Geistes wider.

… der Morgen kam und ging und kam und brachte doch keinen Tag …

… mit Blut erkauft war jedes Mahl, das jeder einsam mürrisch verschlang.

… und in dem öden Graus Vergaßen ihre Leidenschaft die Menschen.

… mit Blut erkauft ward jedes Mahl … ein erstaunlicher Mann.

Abner Marsh saß kerzengerade im Bett, hellwach, und lauschte dem Schlag seines Herzens. »Verdammt«, murmelte er. Er fand ein Streichholz, zündete seine Nachttischkerze an und öffnete den Gedichtband auf der Seite mit dem Bild Byrons. »Verdammt«, stieß er noch einmal hervor.

Marsh kleidete sich hastig an. Er sehnte sich nach etwas Wildem als Gesellschaft, nach Hairy Mikes Muskeln und schwarzem Eisenknüppel oder nach Jonathon Jeffers und seinem Stockdegen. Aber das war eine Sache zwischen ihm und Joshua allein und er hatte ihm sein Wort gegeben, mit niemandem darüber zu reden.

Er spritzte sich Wasser ins Gesicht, griff nach seinem Hickorystock und ging hinaus aufs Deck und wünschte sich dabei, er hätte einen Prediger an Bord oder gar ein Kreuz. Der Gedichtband befand sich in seiner Tasche. Ein gutes Stück weiter unten am Landungskai war ein anderer Dampfer dabei, Dampf zu machen und zu laden; Marsh konnte hören, wie die Schauerleute einen langsamen, melancholischen Gesang anstimmten, als sie die Fracht über die Planken an Bord schleppten.

Vor der Tür zu Joshuas Kabine hob Abner Marsh seinen Stock, um anzuklopfen, dann zögerte er, da ihm plötzlich Zweifel kamen. Joshua hatte allgemeinen Befehl gegeben, ihn nicht zu stören. Joshua würde sich gehörig über das ärgern, was Marsh ihm zu sagen hatte. Das Ganze war reiner Unsinn, das Gedicht hatte ihm nur ein paar unangenehme Träume beschert, vielleicht hatte er auch etwas gegessen, was ihm nicht bekommen war. Dennoch, dennoch …

Er stand noch immer da, mit gerunzelter Stirn und in Gedanken versunken, den Stock erhoben, als die Kabinentür lautlos aufschwang.

Dahinter war es so dunkel wie im Bauch einer Kuh. Mond und Sterne warfen einen winzigen Lichtschimmer durch den Türrahmen, doch dahinter gähnte eine samtige Schwärze. Ein paar Schritte von der Tür entfernt stand eine schattenhafte Gestalt. Das Mondlicht berührte nackte Füße, und man konnte die undeutlichen Umrisse eines Mannes schwach erahnen. »Kommen Sie herein, Abner«, drang die Stimme aus der Dunkelheit. Joshuas Stimme war ein krächzendes Flüstern.

Abner Marsh setzte sich in Bewegung und trat über die Schwelle.

Der Schatten rührte sich, und plötzlich war die Tür geschlossen. Marsh hörte, wie sie verriegelt wurde. Es war vollkommen dunkel. Er konnte nicht das geringste erkennen. Eine kraftvolle Hand erfaßte seinen Arm und zog ihn mit sich. Dann wurde er nach hinten gestoßen, und er empfand während eines kurzen Augenblicks Angst, bis er unter sich einen Sessel spürte.

Das Rascheln einer Bewegung in der Dunkelheit. Marsh schaute um sich, blind, bemüht, in der Schwärze etwas zu erkennen. »Ich habe nicht geklopft«, hörte er sich sagen.

»Nein«, lautete Joshuas Erwiderung. »Ich habe Sie kommen hören. Und ich habe Sie erwartet, Abner.«

»Er sagte, Sie würden kommen«, erklang eine andere Stimme aus einer anderen Richtung in der Finsternis. Die Stimme einer Frau, weich, bitter. Valerie.

»Sie!« stieß Marsh verblüfft hervor. Das hatte er nicht erwartet. Er war verwirrt, verärgert, unsicher, und Valeries Anwesenheit machte es ihm noch schwieriger. »Was tun Sie denn hier?« wollte Marsh wissen.

»Das gleiche könnte ich Sie fragen«, antwortete ihre weiche Stimme. »Ich bin hier, weil Joshua mich braucht, Captain Marsh. Um ihm zu helfen. Und das ist mehr, als Sie getan haben, trotz all Ihrer Worte. Sie und Ihre Leute, mit all dem Mißtrauen, all diesen frommen …«

»Genug, Valerie«, schnitt Joshua ihr das Wort ab. »Abner, ich weiß nicht, warum Sie heute nacht hergekommen sind, aber ich war sicher, daß Sie früher oder später auftauchen würden. Ich hätte wahrscheinlich besser daran getan, einen Dummkopf zum Partner zu nehmen, einen Mann, der widerspruchslos Befehle ausführt. Sie sind zu Ihrem eigenen Schaden wahrscheinlich zu schlau, und auch zu meinem Schaden. Ich wußte, daß es nur eine Frage der Zeit war, bis Sie das Garn entwirrten, das ich für Sie in Natchez gesponnen habe. Ich habe wohl mitbekommen, wie Sie uns beobachtet haben. Ich weiß auch über Ihre kleinen Prüfungen Bescheid.« Er stieß ein rauhes, gequältes Kichern aus. »Weihwasser, ausgerechnet!«

»Wie … Sie wußten alles?« fragte Marsh.

»Ja.«

»Dieser verfluchte Junge.«

»Seien Sie ihm nicht böse. Er hatte wenig damit zu tun, Abner, obwohl ich bemerkt habe, wie er mich die ganze Zeit während des Essens anstarrte.« Joshuas Lachen klang unecht, furchtbar verkrampft. »Nein, es war das Wasser selbst, das mir den Hinweis gab. Ein paar Tage nach unserem Gespräch taucht plötzlich vor mir auf dem Tisch ein Glas frisches Wasser auf, was hätte ich davon halten sollen? Die ganze Zeit auf dem Fluß bekommen wir Wasser voller Schlamm und Schwebeteilchen. Ich hätte mit dem Dreck, den ich immer auf dem Boden meines Glases zurückgelassen habe, einen Garten anlegen können.« Er gab ein trockenes, höhnisches Schnalzgeräusch von sich. »Oder ich hätte damit meinen Sarg füllen können.«

Auf die letzte Bemerkung ging Abner Marsh nicht ein. »Umrühren und mit dem Wasser runterspülen«, sagte er. »Das macht Sie zu einem Flußmann.« Er hielt inne. »Vielleicht auch nur zu einem richtigen Mann«, fügte er hinzu.

»Aha«, sagte Joshua, »demnach kommen wir allmählich zum Thema.« Er sagte lange Zeit nichts mehr, und die Atmosphäre in der Kabine wurde erstickend, überladen mit Finsternis und Stille. Als Joshua wieder zu reden begann, klang er kalt und ernst. »Haben Sie ein Kreuz mitgebracht, Abner? Oder einen Holzpflock?«

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