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Die Zwerge

Электронная книга - «Die Zwerge». Краткое содержание книги:

Tapfer bewachen die Zwerge des fünften Stammes den Steinernen Torweg, um das Geborgene Land, in dem Menschen, Zauberer und Elben in Frieden leben, vor den üblen Geschöpfen des Gottes Tion zu schützen. Doch eines Tages reicht die Kraft der Äxte nicht mehr aus: Orks und Oger stürmen in riesigen Horden das Tor. Das Tote Land drängt voran und bringt Siechtum und Tod über die tapferen Zwerge; wer auf seinem Boden stirbt, kehrt als untoter Sklave des Bösen zurück. Und zu allem gesellen sich die Albae, grausame Wesen voller Macht und Heimtücke. Der Steinerne Torweg fällt und mit ihm der letzte Zwerg aus dem Stamm der Fünften.
Tausend Sonnenzyklen später wehren sich die Menschen verzweifelt gegen die mörderischen Orks. Zwar haben die sechs großen Zauberer das Tote Land mithilfe von Magischen Schranken aufhalten können, aber unter den Herrschern des Geborgenen Landes befindet sich ein Verräter, und schon erobern Albae die Haine der Elben. In diesen unsicheren Zeiten macht sich der Zwerg Tungdil auf Geheiß des mächtigen Magiers Lot-Ionan, seines Ziehvaters, auf einen Botengang - der unversehens zu einem schicksalhaften Abenteuer auf Leben und Tod gerät...
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»Jetzt kämpfen wir auf Augenhöhe miteinander.« Der Nachtmahr schnappte nach Boїndil und erhielt dafür die Klinge tief in das Maul getrieben. »Friss das!« Der schwarze Kopf schnellte zurück, womit das Wesen sein Schicksal besiegelte.

Die gekrümmte Spitze von Boëndals Waffe rammte sich genau zwischen den Augen in die Stirn, die Muskeln an den Armen und am Oberkörper schwollen an, die Stiefel stemmten sich gegen den Boden. Nun zeigte er, warum er Pinnhand hieß. Er zog den eingehakten Schädel des Rappen zu sich und gab seinem Bruder die Gelegenheit, das Beil in dessen Nacken zu schlagen.

»Willst du immer noch beißen, Klepper?« Boїndil drosch zu. Die Halswirbel brachen, der Nachmahr erschlaffte.

Boëndal stellte seinen Stiefel auf den Kopf des Wesens und hebelte den langen Dorn aus dem Knochen.

Sein Zwillingsbruder grinste. »Jetzt ist das spitzohrige Reiterlein an der Reihe.« Er deutete hinter Tungdil. »Versteck dich besser und schau zu, wie man kämpft, damit du es lernst.«

Sie kauerten sich in der Nähe des toten Nachtmahrs nieder und warteten. Tungdil wollte ihnen von seinem Erlebnis mit dem Untoten berichten, aber sie winkten ab. Erst mussten sie sich die Albin vom Hals schaffen.

Es dauerte nicht lange, da hörten sie einen lang gezogenen, unmenschlichen Frauenschrei.

Boїndil wackelte fröhlich mit den Augenbrauen, warf den Zopf nach hinten und hielt sich bereit. »Das klang doch wie Musik in meinen Ohren.«

Boëndal lauschte, ehe er unvermittelt aufsprang; sein Bruder folgte ihm, ohne Fragen zu stellen.

Ich sollte sie begleiten, anstatt feige herumzusitzen. Tungdil fühlte sich verpflichtet, ihnen gegen die schreckliche Gegnerin beizustehen, und wenn er nur zur Ablenkung taugte. Er packte seufzend seine Axt und wollte gerade aufstehen, als ihn zwei skelettierte Hände von hinten an den Schultern packten und ihn zu Boden drückten.

»Wer bist du?«, hörte er eine feine weibliche Stimme fragen, während übel riechende, feuchte Knochenfinger in seinem Gesicht herum tasteten. »Du bist klein. Ein Unterirdischer?«

Der Zwerg wurde herumgerollt. Er schaute in das geschändete Gesicht der anmutigen Elbin. Auch sie war zur Wiedergängerin geworden. Die Herrin des Grünhains hatte sich von der Buche losgerissen und irrte blind umher, weil ihr die Albae die Augen nahmen.

»Lass mich, Elbin!«, schrie Tungdil und versuchte, an seine Waffe zu gelangen. Doch sie hielt seine Arme fest, sodass er nur seinen Dolch greifen konnte. Er stach zu; die Klinge klirrte gegen die blanken Rippen und richtete keinerlei Schaden an.

»Was macht ein Zwerg in meinem Hain!?«, herrschte sie ihn an, und ihre knöcherne Hand legte sich um seine Kehle. »Machst du gemeinsame Sache mit den Albae? Ist euer Hass so groß gegen mein Volk geworden, dass ihr euch mit dem Bösen einlasst, um uns zu vernichten?«

Er rang seine Angst nieder und bemerkte den Unterschied in ihrem Tonfall. Sie klang nicht wie Gorén, offenbar verfügte sie über einen Rest eigenen Willens. »Nein, Herrin! Lot-Ionan schickte mich, um Goréns Artefakte zu überbringen...«, würgte er hervor.

Ihre schwarzen Augenhöhlen richteten sich auf ihn. »Was geschieht mit mir?«, raunte sie ängstlich. »Ich spüre, dass ich mich verändere. Ich war tot, doch... meine Seele...« Die Elbin stockte. »Lot-Ionan sandte dich? Der Nestor meines Geliebten?« Ihr unbarmherziger Griff lockerte sich. »Es gibt ein Buch, drüben im Haupthaus, es liegt in der Bibliothek. Gorén wollte es deinem Magus bringen lassen, als uns die Albae angriffen...«

»Ich habe es«, unterbrach er sie.

»Sie dürfen das Buch nicht erhalten!«, schärfte sie ihm ein. »Bringe es nach Ionandar und gib es dem Magus! Er wird verstehen, wenn er den Brief meines Geliebten liest.« Der Druck der Skelettfinger nahm wieder zu. »Schwöre es!«

Tungdil stotterte einen Eid auf Vraccas und seinen Ziehvater. Die skelettierte Elbin schien zufrieden und kroch von ihm weg.

»Schlage mir den Kopf ab«, bat sie leise. »Ich will das Wenige, das ich von meiner Seele noch besitze, nicht an das Tote Land verlieren.« Die Herrin Grünhains breitete ihre Knochenarme aus. »Sieh, was sie aus mir gemacht haben. Soll ich für alle Ewigkeit umherirren und den Befehlen des Bösen folgen?« Die finsteren Löcher in ihrem Antlitz bannten ihn.

»Ich...«

»Alles, was mir lieb und teuer war, nahmen sie mir. Meine Liebe, meine Schönheit, mein Zuhause und meinen Wald.« Sie hob die Linke, streckte den Zeigefinger und schob ihn zögerlich in die leere Augenhöhle. »Ich kann nicht einmal um das Verlorene weinen. Habe Mitleid.«

Tungdil konnte die grenzenlose Traurigkeit in ihrer Stimme und ihren Anblick nicht länger ertragen. Zitternd erhob er sich, stapfte auf sie zu und holte mit seiner Axt Schwung. Als ihr abgetrennter Kopf in die Trümmer des Hauses rollte, zerfiel ihr Skelett. Die Elbin war endgültig tot.

Der Wald ächzte auf. In das hundertfache Knarren und Knacken mischte sich der Kampflärm, der den Zwerg an die Zwillinge erinnerte, die sich immer noch ein erbittertes Gefecht mit der Albin lieferten.

Das Tote Land! Sie wissen es noch nicht! Tungdil raffte sich auf. Wir müssen den Leichen die Köpfe abschlagen, sonst kehren sie als Untote zurück.

Boëndal und Boїndil standen indes einer Widersacherin gegenüber, die gar nicht daran dachte, nach den Regeln der Zwerge zu fechten. Die Albin war flink wie eine Katze, hopste, sprang und tauchte unter ihren Schlägen hinweg; doch es gelang ihr nicht, durch die verstärkte Panzerung der Zwillinge zu dringen.

»He!« Tungdil machte einen großen Ausfallschritt und schleuderte seine Axt nach der Gegnerin. Sie bemerkte das heranfliegende Geschoss und wich behände zur Seite aus.

Plötzlich tauchte Gorén hinter ihr auf und schlug mit seinem Holzbalken nach ihr. Sie hörte zwar das warnende Pfeifen des Windes, konnte einen Zusammenstoß jedoch nicht mehr verhindern.

Der Balken traf sie in den Rücken und katapultierte sie nach vorn, wo ihr Boїndil irrsinnig lachend mit den Beilen entgegenkam, die dünner gepanzerten Oberschenkel anvisierend. »Komm runter zu mir, Schwarzauge!«

Sein Angriff saß. Schwer getroffen schrie die Albin auf, da bekam sie die flache Seite von Boëndals Krähenschnabel in den Bauch. Sie verstummte und schwieg endgültig, als ihr die Beile durch den Hals fuhren.

»Das war nicht notwendig, Zauberer. Wir hätten das Spitzohr schon allein klein gekriegt«, sagte Boїndil beleidigt zu Gorén, der auf ihn zugewankt kam. »Warum lebst du eigentlich noch?«, wunderte er sich im nächsten Atemzug.

»Wir stehen auf dem Toten Land! Es hat ihn nicht sterben lassen. Du musst ihn köpfen, nur so vergeht er endgültig«, rief Tungdil.

»Wenn das so ist«, grummelte der Kämpfer und unterlief den tapsigen Versuch des Untoten, ihn zu schlagen. Ein Beil blitzte auf, und Goréns Kopf rollte zu Boden. Der Zauberer war tot.

»Wenn wir schon gerade dabei sind, sollten wir auch mit dem Rest aufräumen«, empfahl Boëndal und nickte die Straße hinab.

Die verbrannten Überreste der Orks und der Bewohner Grünhains begannen sich auf Geheiß der finsteren Macht zu erheben. Sie unterschied nicht zwischen Angreifer und Opfer, doch die Zwillinge gingen mit großer Umsicht zu Werke. Sie stellten einen Wiedergänger nach dem anderen, um ihn zu köpfen und damit von seinem Schicksal zu erlösen. Tungdil beschränkte sich aufs Zusehen.

»Das war zu einfach«, maulte Boїndil, als sie ihre widerliche Arbeit vollendet hatten. »Aber es reichte aus, um mir die Wut aus dem Leib zu treiben.« Das Flackern in seinen Augen ließ allmählich nach. »Gehen wir.«

Eilig marschierten sie durch das, was einmal Grünhain gewesen war, in Richtung Süden.

Die kahlen, nackten Bäume gewährten ihnen freien Durchgang. Es schien eine letzte Gefälligkeit für diejenigen zu sein, die wenigstens einen der Albae vernichtet hatten, welche Tod und Verderben über die friedliche Siedlung gebracht hatten. Die Stämme und Äste knackten und knarrten, sie neigten sich nach unten, rieben drohend aneinander, mehr taten sie jedoch nicht.

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