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Die Zwerge

Электронная книга - «Die Zwerge». Краткое содержание книги:

Tapfer bewachen die Zwerge des fünften Stammes den Steinernen Torweg, um das Geborgene Land, in dem Menschen, Zauberer und Elben in Frieden leben, vor den üblen Geschöpfen des Gottes Tion zu schützen. Doch eines Tages reicht die Kraft der Äxte nicht mehr aus: Orks und Oger stürmen in riesigen Horden das Tor. Das Tote Land drängt voran und bringt Siechtum und Tod über die tapferen Zwerge; wer auf seinem Boden stirbt, kehrt als untoter Sklave des Bösen zurück. Und zu allem gesellen sich die Albae, grausame Wesen voller Macht und Heimtücke. Der Steinerne Torweg fällt und mit ihm der letzte Zwerg aus dem Stamm der Fünften.
Tausend Sonnenzyklen später wehren sich die Menschen verzweifelt gegen die mörderischen Orks. Zwar haben die sechs großen Zauberer das Tote Land mithilfe von Magischen Schranken aufhalten können, aber unter den Herrschern des Geborgenen Landes befindet sich ein Verräter, und schon erobern Albae die Haine der Elben. In diesen unsicheren Zeiten macht sich der Zwerg Tungdil auf Geheiß des mächtigen Magiers Lot-Ionan, seines Ziehvaters, auf einen Botengang - der unversehens zu einem schicksalhaften Abenteuer auf Leben und Tod gerät...
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Die einzigen Laute, die sie sonst noch vernahmen, waren das Knistern und Rascheln des verdorrten Laubs unter ihren Stiefelsohlen. Von den vielen Tieren fehlte jede Spur, kein einziger Vogel wagte es mehr, die Stimme zum Gesang zu erheben.

»Es ist wichtig, dass ich zuerst zu Lot-Ionan reise«, erzählte ihnen Tungdil und gab in knappen Worten die Anweisung der Elbin wieder. »Das Tote Land und die Orks dürften nicht so weit nach Westen vorgedrungen sein. Mein Magus muss es erfahren und die Bücher erhalten. Sie scheinen sehr wichtig zu sein.«

»Ionandar? Das bedeutet einen Umweg von sechshundert Meilen«, meinte Boëndal wenig begeistert. »So kommen wir noch später in das Reich der Zweiten.«

»Es geht nicht anders«, erwiderte Tungdil störrisch. »Oder wir gehen nach Lios Nudin, um beim Rat vorzusprechen.«

Boїndil lachte. »So ist’s recht, zeig uns deinen Sturkopf, wie es einem Zwerg gebührt.«

Sein Bruder lenkte ein. »Na, schön, gehen wir nach Lios Nudin. Der Großkönig hat so lange gelebt, da wird er diese paar Umläufe auch noch überstehen. Vraccas schenkt ihm sicherlich die notwendige Ausdauer.« Er langte nach seinem Wasserschlauch.

»Du hast dich übrigens wacker gehalten, dafür, dass du gar nicht gelernt hast, mit der Axt umzugehen«, lobte ihn Boїndil. »Aber ein Zwerg, das merke dir, wirft seine Waffe niemals, wenn er keine zweite dabei hat. Und dein Kampfstil ist noch steigerungswürdig. Ich werde dich unterweisen, wie man die Axt schwingt, Tungdil, und bald werden die Schweineschnauzen vor dir ebenso viel Angst haben wie vor mir.«

Dagegen hatte er nichts einzuwenden. »Je eher ich damit umgehen kann, desto besser.«

Boëndal stimmte abends, als sie gezwungenermaßen rasten und sich erholen mussten, eine neue Zwergenweise an, die von der alten Feindschaft der Elben und Zwerge handelte. Er verstummte, als er die Blicke Tungdils bemerkte. Ein Lied über Tod und Verderben sorgte nicht dafür, dass seine Laune sich hob.

»Was wisst ihr über meinen Stamm?«, fragte er sie.

»Die Vierten?« Boëndal kratzte sich am Bart und packte ein Stück Käse aus, um ihn wieder über dem Feuer zu rösten. »Sie haben zwölf Clans, die meisten sind kleiner, schmächtiger, ein bisschen verweichlicht. Das kommt davon, dass ihr Handwerk das Edelsteinschleifen ist.« Er musterte Tungdil. »Na, du passt. Sie haben zwar keine Gelehrten in ihren Reihen, aber sie haben ungefähr deine Statur... obwohl, nein, du bist fast schon zu kräftig. Dein Kreuz ist zu breit.« Er dachte über seine Worte nach. »Das sage ich nicht, um dich zu beleidigen. Es ist einfach so«, erklärte er freundlich. »Vraccas hat uns so gemacht, wie wir sind.«

Tungdil gab sich mit der Antwort nicht zufrieden. Sie war so allgemein, dass sie für ihn nichts Neues darstellte. »Ist das alles?«

Die Zwillinge wechselten Blicke.

»Die Zwergenreiche haben zu lange schon nichts mehr voneinander gehört«, antwortete ihm Boëndal ehrlich. »Wir wissen wenig. Warte ab, bis du sie selbst triffst. Aber ich kann dir etwas über die Zweiten berichten. Unsere siebzehn Clans sind die begnadeten Steinmetzen unter den Stämmen. Die Feste Ogertod wird dir den Atem rauben. So etwas hast du noch nie gesehen! Selbst die größte Burg der Langen kann es damit nicht aufnehmen.«

Boëndal geriet immer mehr ins Schwärmen und lobte die Pracht der steinernen Bauten, die viele andere Stämme vor Neid erblassen ließen. Tungdil hing an seinen Lippen und freute sich, die Monumente seines Volkes bald mit eigenen Augen sehen zu dürfen.

Das Geborgene Land, Lios Nudin

im Jahr des 6234sten Sonnenzyklus,

Sommer

Sie liefen Tag um Tag, um in die Hauptstadt zu kommen und vor der Versammlung der Zauberer vorzusprechen.

Zuerst hatte Boїndil darauf bestanden, dass sie aus Gründen der Sicherheit neben dem Weg liefen. Nach vier Tagen im Unterholz hatten sie genug von kratzenden Ästen, Dornenranken, die sich in ihren Kettenhemd verfingen, und störenden Zweigen, die auf unerklärliche Weise stets Tungdils Nase oder seine Augen trafen. Sie kehrten auf die staubige Straße zurück, immer darauf achtend, wer sich ihnen näherte.

Die Geschehnisse hinterließen Spuren an Tungdil, er hatte Albträume, und als er sich unterwegs über einen Bach beugte, um Wasser für seinen Trinkschlauch zu schöpfen, erschien ihm sein Gesicht älter, reifer und die braunen Augen ernster als zu Beginn seiner Wanderschaft. Das erlebte Grauen hatte ihn gezeichnet.

Da er nicht beabsichtigte, Opfer eines Orks zu werden, gab er sich bei den täglichen Kampfübungen mit Boїndil große Mühe und lernte rasch, fast zu rasch, wie ihm sein Lehrer sagte. Boëndal saß daneben, wenn sie Schläge, Paraden und Finten exerzierten, schmauchte ein Pfeifchen und betrachtete ihn sehr genau, sagte aber nichts.

Wo immer das Dreiergespann auf Menschen und Siedlungen traf, da berichtete Tungdil von den Geschehnissen im Grünhain und warnte die Menschen davor, sich nahe an die Grenze zum Toten Land zu begeben.

Untermauert wurden seine Erzählungen von den Wagenzügen der Flüchtlinge, die täglich die Straße entlangrollten und sich auf das Gebiet von Lios Nudin retteten. Die Orks waren auch an weiteren Stellen aufgetaucht, und die Menschen trauten Nudin dem Wissbegierigen eher zu, der vordringenden Macht widerstehen zu können, als König Bruron.

Gegen Nachmittag fiel Tungdil nahe einer Wegbiegung ein paar Schritte zurück; das war das Zeichen, dass er in aller Ruhe seine Notdurft verrichten wollte. Die Zwillinge schlenderten weiter.

Als Tungdil erleichtert auf die Straße zurückkehrte, gelangte er an eine Kreuzung, aber von den Zwergen entdeckte er keine Spur. Ein Schild wies ostwärts nach Porista, daher trabte er in diese Richtung los.

Bald entdeckte er einen hölzernen, bunten Wohnwagen, der schräg neben dem Weg stand. Auf den Wänden prangten aufgemalte Scheren, Messer, Beile und Äxte, die Zugtiere waren ausgespannt, das Gefährt hastig abgestellt worden.

»Ho?« Die Tür am Heck schloss nicht richtig und gewährte einen schmalen Einblick in das finstere Wageninnere. Das erschien ihm dubios. »Seid Ihr wohlauf?«

Vorsichtshalber griff er nach seiner Axt. Womöglich war der Besitzer des Wagens Opfer von Orks geworden, und die Plattnasen hielten sich immer noch in der Nähe auf. Wo stecken Boїndil und Boëndal?

»Hallo?«, rief er nochmals und betrat die schmale, zweistufige Holzleiter, die zum Eingang führte. Er schob die Tür mit dem Axtkopf auf und blickte in eine kleine Werkstatt. Die Schubladen waren herausgezogen, die Türen der Spinde geöffnet, in der hinteren Ecke der Gefährtes sah er zwei Schuhe unter einem Schrank hervorschauen.

Tungdil betrat den Wohnwagen. »Sprecht mit mir. Ich will Euch nichts Böses.« Es roch metallisch, süß. Blut. Er ahnte, dass wer auch immer vor ihm lag, nicht mehr unter den Lebenden weilte. Nun war er sich sicher: Die Götter verfluchten seine Wanderung, anders ließen sich die ständigen furchtbaren Geschehnisse um ihn herum nicht erklären.

Er verstaute seine Waffe im Gürtel, seine Hände berührten die Stiefelsohlen und rüttelten an ihnen. »Seid Ihr verletzt?« Weil keine Reaktion erfolgte, stemmte er den Schrank in die Höhe, um den Eingeklemmten zu befreien. Da bemerkte er, dass es sich um den Körper eines Zwerges handelte, und zwar nur um den Körper. Unbekannte hatten ihm den Kopf abgetrennt, vom Schädel fehlte jede Spur, die Wundränder am Hals schimmerten noch feucht und waren kaum getrocknet. Die Mordtat musste sich vor nicht allzu langer Zeit ereignet haben.

»Was, bei Vraccas, geht hier vor?« In seinem Schrecken glitt ihm der Schrank aus den Händen und fiel auf die Leiche. Tungdil wich zurück und versuchte, seine Gedanken zu ordnen. Er bedauerte den fahrenden Zwerg, der mit seiner rollenden Schmiede das Opfer von brutalen Verbrechern geworden war. Die Gier der Menschen nach Gold und Münzen hatte sein Schicksal besiegelt.

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