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Schamanenfeuer. Das Geheimnis von Tunguska.

Электронная книга - «Schamanenfeuer. Das Geheimnis von Tunguska.». Краткое содержание книги:

Sommer 2008. Hundert Jahre sind vergangen, seit in Sibirien eine verheerende Explosion stattgefunden hat. Viktoria Vandenberg versucht mit zwei anderen deutschen Forschern dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Hat es sich um den Einschlag eines Meteoriten gehandelt? Leo, ein junger Hirte, erzählt Viktoria von seiner neunzigjährigen Großmutter, deren Vater zu den ersten Wissenschaftlern vor Ort gehörte. Die Alte beschwört Viktoria, ihre Nachforschungen einzustellen: Geister, böse Schamanen seien am Werk. Als sämtliche Stromgeneratoren ausfallen, scheinen die Prophezeiungen in Erfüllung zu gehen, erst recht als eine Serie von geheimnisvollen Todesfällen über die Forschergruppe hereinbricht. Doch Viktoria gibt nicht auf. Sie begreift, dass Leo den Schlüssel zu einer Wahrheit besitzt, die weitaus unglaublicher erscheint als ein Meteoriteneinschlag.
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Einigermaßen zufrieden rubbelte sie ihr Haar trocken und schlüpfte danach in ein olivgrünes Trekking-Outfit. Ein paar Bürstenstriche unter einem uralten Fön mussten reichen, um ihre halblange Mähne zu bändigen.

Ins Krankenzimmer zurückgekehrt, packte Viktoria ihre Tasche zusammen, als sich mit einem Mal die Zimmertür öffnete. Zuerst dachte sie, ihre beiden Kollegen seien zurückgekehrt, doch es war ein Fremder, der eine Art militärischer Uniform trug und dessen grobe Gesichtszüge ihr alles andere als sympathisch erschienen.

»Sind Sie Viktoria Vanderberg?« Der Mann sprach in gebrochenem Deutsch.

Viktoria antwortete ihm auf Russisch - ein wenig unterkühlt und mit spöttischem Blick.

»Darf ich fragen, wer Sie sind und was Sie ohne Aufforderung in meinem Krankenzimmer zu suchen haben?«

»Mein Name ist Andrej Lebenov«, sagte er mit einem unechten Lächeln, das einen blinkenden Goldzahn zum Vorschein brachte.

»Ich gehöre zur Sicherheitsabteilung des Unternehmens GazCom. Die Sonderregion Ewenkien fällt in meine Zuständigkeit.«

Viktoria betrachtete ihn beiläufig. Bullig, mit breiten Schultern und einem Stiernacken, streckte er ihr herausfordernd seine flache, von einer wulstigen Narbe gezeichnete Stirn entgegen. Sein eckiger Brustkasten hob und senkte sich unter der viel zu engen Uniformjacke und drohte bei jedem weiteren Atemzug die silbernen Knöpfe abzusprengen.

»Hat Bashtiri Sie beauftragt, mich aufzusuchen?« Bevor er antworten konnte, beschloss Viktoria, sich aufs Bett zu setzen, weil ihr immer noch ein wenig schwindelig war.

»Sagen wir, er hat unsere Sicherheitsabteilung um Hilfe gebeten, was die Aufklärung des Unfalls betrifft und noch ein paar andere Ungereimtheiten, die damit verbunden sind. Unter anderem Ihre Entführung.«

»Es war keine Entführung«, erwiderte Viktoria. »Irgendjemand hat mich gerettet. Ich würde dem Unbekannten gerne danken, wenn ich wüsste, um wen es sich handelt.«

»Einer unserer Suchtrupps hat Ihren Taucheranzug gefunden«, fuhr Lebenov ungerührt fort, dabei hob er eine seiner buschigen Brauen und schaute sie an, als ob er von ihr eine Erklärung erwartete. »Einen Kilometer nordwestlich vom See, am Ufer des Kimchu.« Er verschränkte die Arme und nahm eine abwartende Haltung ein.

Viktoria entschied sich, ihrerseits Fragen zu stellen. »Und haben Sie auch meinen Badeanzug gefunden? Ich vermisse ihn.«

»Ich dachte, Sie könnten mir etwas dazu sagen«, antwortete Lebe-nov mit einer Miene der Enttäuschung. Er nahm sich einen Stuhl und setzte sich so darauf, dass er seine Hände auf der Rückenlehne abstützen konnte. Dabei folgte sein lauernder Blick jeder ihrer Bewegungen.

Viktoria beschlich das Gefühl, sich in einem Verhör zu befinden. »Ich fürchte, ich kann Ihnen nicht helfen. Ich weiß nur, dass der Mann, der mich offensichtlich gerettet hat, einen festen Platz in meinem Herzen behalten wird.«

»Ich habe da eine Idee, wie wir Ihren Herzensmann in ein lebendiges Wesen verwandeln könnten «, erklärte Lebenov und taxierte ungeniert ihre Figur. »Doktor Parlowa hat mir von ihrer - wenn auch spärlichen - Personenbeschreibung berichtet. Soweit ich es beurteilen kann, müsste es sich um einen Einheimischen handeln, dem Sie Ihr Leben zu verdanken haben. Ihre Beschreibung passt eher auf einen ewenkischen Stammesangehörigen als auf einen Russen. Wenn Sie einverstanden sind, begleiten Sie mich zum Stammesältesten von Vana-vara. Vielleicht kann er uns sagen, um wen es sich handeln könnte.«

Viktoria nickte zögernd. Im Grunde genommen war es eine gute Idee. Weitaus lieber wäre sie allerdings ohne Lebenov zu diesem Stammesältesten gefahren. Doch der Sicherheitschef würde den Mann ohnehin aufsuchen, und wenn sie ihn begleitete, konnte sie einen gewissen Einfluss auf seine Fragen nehmen.

Kolja stand draußen vor der Tür und wartete auf Theisen, der noch einmal zum Laden zurückgegangen war, weil er etwas vergessen hatte. Offenbar kannte der rothaarige Touristenführer Viktorias ungeliebten neuen Beschützer. Er begrüßte Lebenov jedoch eher beiläufig und zündete sich eine Zigarette an.

Es hatte endlich zu regnen aufgehört, doch der Himmel war noch immer grau und spiegelte sich trostlos in den vielen Pfützen auf der Straße.

Viktoria trug ihre wasserdichten Springerstiefel und einen dunkelblauen Windbreaker. Die Kapuze hatte sie tief ins Gesicht gezogen. Le-benov gab ihr zu verstehen, dass sie ihm zu seinem Wagen folgen sollte.

»Es wäre nicht schlecht, wenn Sie auch mitkommen!« Lebenov blickte Kolja mit fordernder Miene an.«Sie kennen sich in der Gegend aus, habe ich gehört.« Der junge Russe zuckte mit den Schultern und warf seine Zigarette auf den Boden, wo sie mit einem Zischen erlosch.

Viktoria verspürte Erleichterung, weil sie Lebenov nicht alleine begleiten musste. Sie warf Kolja einen verschwörerischen Blick zu. Le-benov musste nicht wissen, dass sie den Russen mochte und ihm weit mehr vertraute als dem GazCom-Mann und dessen Leuten. Kolja steckte rasch einen Zettel an den Geländewagen, damit Theisen Bescheid wusste, wenn er zurückkam und auf sie warten würde.

Zuvorkommend und mit einem falschen Lächeln hielt Lebenov Viktoria die Wagentür auf. Auf den Türen und auf der Motorhaube des rustikalen UAZ prangte ein großes G mit einer dreizüngigen Flamme - das Emblem von GazCom.

Kolja rutschte neben ihr auf den Rücksitz und empfahl ihr nachdrücklich, sich anzuschnallen. Die Straßen hier hatten überall riesige Schlaglöcher, da würden auch die Fahrkünste von Lebenovs Chauffeur, einem schmächtigen Kirgisen, nichts helfen. Kolja, der sich tatsächlich auszukennen schien, gab dem uniformierten Fahrer Anweisungen, wo es lang ging.

Dass die Kompetenzen Lebenovs der Macht der örtlichen Polizei gleichzusetzen waren oder diese gar übertrafen, erkannte Viktoria an dessen selbstbewusstem Auftreten und der Art, wie er seinen Fahrer über einen holperigen Weg in das drei Kilometer entfernte Jurtendorf dirigierte und zu höherem Tempo antrieb.

Umgeben von riesigen Tannen waren neun kleinere und größere Hütten aus Lehm, Holz und Fellen von den heimischen Bewohnern wie ein schützendes Fort errichtet worden. Spielende Kinder wichen kreischend zur Seite, und ein paar erschrockene Hühner flogen auf, als der Geländewagen sich einen Weg zur Mitte des Dorfes bahnte. Etliche magere Hunde schlichen umher und näherten sich schnuppernd den Neuankömmlingen. Lebenov verscheuchte sie mit Fußtritten, nachdem er ausgestiegen war. Einige Tiere knurrten angriffslustig, während die Ängstlichen unter ihnen die Ruten zwischen die Hinterläufe einklemmten.

Kolja warf Viktoria einen abwehrenden Blick zu, als sie ihn fragend ansah. Zu gern hätte sie gewusst, was sie von einer solchen Aktion zu halten hatte, doch der junge Russe wollte sich wohl in Lebenovs Gegenwart nicht den Mund verbrennen.

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