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Schamanenfeuer. Das Geheimnis von Tunguska.

Электронная книга - «Schamanenfeuer. Das Geheimnis von Tunguska.». Краткое содержание книги:

Sommer 2008. Hundert Jahre sind vergangen, seit in Sibirien eine verheerende Explosion stattgefunden hat. Viktoria Vandenberg versucht mit zwei anderen deutschen Forschern dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Hat es sich um den Einschlag eines Meteoriten gehandelt? Leo, ein junger Hirte, erzählt Viktoria von seiner neunzigjährigen Großmutter, deren Vater zu den ersten Wissenschaftlern vor Ort gehörte. Die Alte beschwört Viktoria, ihre Nachforschungen einzustellen: Geister, böse Schamanen seien am Werk. Als sämtliche Stromgeneratoren ausfallen, scheinen die Prophezeiungen in Erfüllung zu gehen, erst recht als eine Serie von geheimnisvollen Todesfällen über die Forschergruppe hereinbricht. Doch Viktoria gibt nicht auf. Sie begreift, dass Leo den Schlüssel zu einer Wahrheit besitzt, die weitaus unglaublicher erscheint als ein Meteoriteneinschlag.
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»Und warum hat man sich all die Mühe gegeben und uns ausgerechnet hierher verschleppt?« Pjotr, der die ganze Unterhaltung mit wirren Blicken verfolgt hatte, hoffte anscheinend endlich eine Antwort zu erhalten, die er verstehen konnte.

Weinberg stieß einen tiefen Seufzer aus und regelte die Gaslampe herunter. »Schlaft jetzt«, sagte er. »Und quält mich nicht weiter. Morgen früh ist noch Zeit genug, um euch in die Machenschaften des Satans und seiner Gehilfen einzuweihen.«

12.

Juni 2008, Tunguska - Totenklage

Am nächsten Morgen fühlte sich Viktoria stark genug, um aufzustehen. Der Oberarzt des Hospitals, Doktor Buckow, ein älterer, korpulenter Mann mit grauem Haar und einem vertrauenswürdigen Lächeln, entfernte die Kanüle aus ihrem Handrücken und versicherte ihr, dass sie keine inneren Verletzungen davongetragen hatte. Die Prellungen an Armen und Beinen würden rasch verheilen. Allerdings habe man bei einer routinemäßigen Blutuntersuchung Rückstände von Drogen in ihrem Körper gefunden.

»Drogen?« Viktorias Blick verriet Erstaunen und Unsicherheit.

Buckow wirkte ein wenig verlegen. »Nehmen Sie vielleicht ab und an Ecstasy, oder haben Sie Erfahrung mit psychedelischen Substanzen?«

Viktoria sah ihn entgeistert an. »Wie soll ich das verstehen?«

»So wie ich es sage«, fuhr er ungerührt fort. »Nehmen Sie Drogen?«

»Nein!« Der Ton des Entsetzens spiegelte sich in Viktorias Miene.

»Dann muss ich eine andere Frage stellen.« Buckow lächelte undurchsichtig. »Hatten Sie in letzter Zeit Kontakt zu Einheimischen?«

Der Chef der örtlichen Krankenstation stand in seinem nicht mehr ganz weißen Kittel vor ihrem Bett und schaute sie an, als wäre er ein Vater, der seine Tochter beim Kiffen erwischt hatte.

»Was meinen Sie mit Einheimischen?«

»Ewenken oder tungusische Ureinwohner. Man erkennt sie am asiatischen Einschlag. Manchmal bereiten ihre Schamanen spezielle Tees und Medikamente zu, die neben einer heilenden auch durchaus eine psychedelische Wirkung entfalten können. Mittlerweile gibt es auch jede Menge Russen und Europäer, die es schick finden, sich ihrer traditionellen Medizin zu bedienen.«

Viktoria hielt dem Blick des Arztes stand und schwieg. Nichts erschien ihr im Augenblick unpassender, als von diesem Fremden zu berichten, der durchaus ewenkischer Abstammung sein konnte und ihr ihrer Erinnerung nach einen Tee eingeflößt hatte. Es reichte vollkommen, dass sie den Fehler begangen hatte, Doktor Parlowa in dieser Angelegenheit ins Vertrauen zu ziehen.

»Nun gut.« Buckow hob eine Braue. »Dann bleiben wir uns also gegenseitig eine Erklärung schuldig. Was mich angeht, so sind Sie gesund und können die Krankenstation verlassen.«

Gegen zwölf Uhr mittags rief Viktoria im Camp an und verkündete ihre Entlassung. Mit einer leichten Verwunderung nahm Doktor Parlowa am anderen Ende via Satellitentelefon zur Kenntnis, dass es offenbar ein Drogenproblem gab, von dem weder Viktoria noch sie selbst etwas geahnt hatten.

»Hängen Sie es bitte nicht an die große Glocke«, bat Viktoria. »Diese Frage möchte ich selbst klären, wenn wir endlich den ominösen Fremden finden, der mich gerettet hat.«

Statt eines Helikopters, der sie abholen sollte, erschien Sven Theisen mit einem Geländewagen der Firma TAIMURO. Theisen umarmte sie überschwänglich, als sie ihn in ihrem Krankenzimmer in Empfang nahm. Viktoria ließ es zu, dass er sie eine Weile an sich gedrückt hielt. Seine Freude über ihre Rettung beeindruckte sie, obwohl sie sich denken konnte, dass er ein schlechtes Gewissen hatte. Kolja befand sich in seiner Begleitung. Er hatte ihr ein paar undefinierbare Süßigkeiten aus Adnans Laden mitgebracht, die die Flut überstanden hatten.

Bereitwillig erläuterte Theisen die neuesten Entwicklungen im Lager.

»Der See ist ab sofort gesperrt«, erklärte er säuerlich. »Angeblich ist er zu gefährlich. Rodius ist der Ansicht, dass es besser wäre, wenn du von hier aus die Rückreise nach Deutschland antreten würdest. Am Nachmittag wird ein Helikopter in der Stadt zwischenlanden, mit dem du nach Krasnojarsk fliegen kannst. Zudem ist Bashtiris Interesse an einer deutschen Forschungsbeteiligung rapide gesunken, nachdem man diese zwei mysteriösen Leichen geborgen hat.«

»Leichen? Welche Leichen?« Viktoria sah ihre Besucher verständnislos an. »Noch mehr tungusische Selbstschussanlagen?«

Theisen unterrichtete sie über die seltsamen Moorleichen, die nach der Flut an die Oberfläche gespült worden waren.

»Vielleicht ist meine Theorie mit den Aliens doch nicht so verkehrt«, bemerkte er mit einem Zwinkern. »Dumm nur, dass Bashtiri uns den Zugang zu weiteren Untersuchungen verwehrt. Weder Ro-dius noch Olguth durften ein Auge auf die Leichen werfen. Gestern Nachmittag ist ein Helikopter mit einem Anthoprologen aus Irkutsk eingetroffen. Angeblich ein Wissenschaftler von GazCom. Außer Doktor Parlowa, dem Wissenschaftler und Bashtiris Sicherheitsberater darf niemand den Vorratsschuppen betreten.«

»Interessant.« Viktoria schenkte ihrem Kollegen einen spöttischen Blick. »Denkst du ernsthaft, ich würde mich so einfach ausbooten lassen? Bevor ich nicht weiß, was hier läuft und wem ich mein Leben zu verdanken habe, werde ich nirgendwo hinreisen - schon gar nicht nach Deutschland.«

Theisen begrüßte ihre Meinung, und auch Kolja gratulierte Viktoria zu diesem Entschluss. Einzig die Frage, wer ihr Lebensretter gewesen war, schien die beiden nicht sonderlich zu interessieren.

»Was ist mit dieser merkwürdigen Stange, die du unter Wasser entdeckt hast? Hat man mittlerweile herausfinden können, was es war?«

Sven Theisen rang sich ein bitteres Lächeln ab. »Wie denn, wenn niemand mehr abtauchen darf? Am liebsten wäre mir, ich hätte dieses Teil nie entdeckt. Es ist allein meine Schuld, dass wir in diese vertrackte Lage gekommen sind. Vitaly ist gestorben, und dich hätte es auch beinahe erwischt.«

»Red keinen Unsinn. Was sagen Rodius oder Olguth dazu? Haben die beiden eine Ahnung, was es gewesen sein könnte?«

»Still ruht der Cheko - im wahrsten Sinne des Wortes. Wenn Bash-tiri uns nicht mehr am Grund des Sees forschen lässt, werden wir es wohl nie erfahren.«

»Also gut. Dann werden wir andere Wege gehen müssen, um es herauszufinden.« Viktoria lächelte. »Bevor ihr mich zurück zum Camp bringt, muss ich noch duschen.«

Wie selbstverständlich beauftragte sie die beiden Männer, im Supermarkt am Ort, der eher einem Tante-Emma-Laden glich, Kekse und Saft einzukaufen. Als die Männer gegangen waren, legte sie im unbe-heizten Bad der Krankenstation ihren geliehenen Morgenmantel ab und stolzierte auf Zehenspitzen unter die lauwarme Dusche. Ein Luxus, weil es im Camp nur kaltes Wasser gab. Doktor Parlowa hatte ihr am Tag zuvor einiges an Kleidung aus ihrem Rucksack mitgebracht, der die große Flut an einem Wandhaken unbeschadet überstanden hatte.

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