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Электронная книга - «Mathias Sandorf». Краткое содержание книги:

Die Handlung setzt 1866 in Triest ein. Die mittellosen Gauner Sarcany und Zirone finden auf einem ihrer Spaziergänge durch die Stadt eine Brieftaube, die eine Geheimbotschaft befördert. Sarcany will sehen, ob sie aus der Botschaft Kapital schlagen können. Sie lassen die Taube von einem Kirchturm aus frei und verfolgen sie mit den Augen bis zu ihrem Taubenschlag.
Dieser befindet sich in einem Haus, das dem Grafen Ladislaus Zathmar, einem ungarischen Adligen, gehört. Graf Zathmar plant, mit seinen Freunden, dem Professor Stefan Bathory und dem Grafen Mathias Sandorf in Ungarn, ihrer Heimat, einen Volksaufstand anzuzetteln ...
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»Herr Doctor, beeilte er sich darum zu sagen, von heute an gehören wir Ihnen mit Leib und Seele!

– Und von heute an könnt Ihr Euch bereits häuslich in Eurer Cabine einrichten. Ich werde wahrscheinlich noch einige Tage in Gravosa und Ragusa bleiben; doch ist es gut, wenn Ihr Euch schon jetzt daran gewöhnt, an Bord der »Savarena« zu leben.

– Bis zu dem Augenblicke, in welchem Sie uns in Ihr Land führen werden, setzte Pointe Pescade hinzu.

– Ich besitze kein Heimatland, erwiderte der Doctor, oder vielmehr, ich besitze eines, das ich mir selbst geschaffen habe, ein Land, das mir gehört und, wenn Ihr wollt, auch das Eure werden wird.

– Vorwärts, Kap Matifu! rief Pointe Pescade, wir wollen unser Geschäftshaus liquidiren. Aengstige Dich nicht, wir schulden nichts und wir werden deshalb nicht in Concurs gerathen.«

Die Freunde verabschiedeten sich von Doctor Antekirtt vollkommen befriedigt und bestiegen das Boot, das sie noch erwartete und an die Quais von Gravosa brachte.

In zwei Stunden hatten sie ihr Inventar aufgenommen und einem Collegen das Gerüst, die bemalte Leinwand, die große Pauke und die Trommel abgetreten, die ihr ganzes Hab und Gut bildeten. Das dauerte nicht lange und war nicht schwierig und schwach wurden sie auch nicht von dem Gewichte der wenigen Gulden, die ihnen ihr Ausverkauf einbrachte.

Pointe Pescade bestand indessen darauf, aus dem Schiffbruche seines Akrobatenlebens noch sein Costüm und das cornet à piston zu retten und Kap Matifu seine Posaune und den Anzug eines Ringkämpfers. Sie hätten den Kummer, sich von ihren Instrumenten und diesem Flitterstaate trennen zu müssen, die sie an so viele Triumphe und Erfolge erinnerten, kaum ertragen. Diese Gegenstände wurden auf dem Boden des einzigen Koffers, der ihre Effecten enthielt, ihre Kleider, ihr ganzes Hab und Gut, verborgen.

Gegen Abend begaben sich Pointe Pescade und Kap Matifu an Bord der »Savarena« zurück. Eine große Cabine im vorderen Theil des Schiffes war bereits zu ihrer Verfügung gehalten, eine bequem eingerichtete, mit Allem, »was zum Schreiben gebraucht wurde«, sagte der heitere Pescade.

Die Mannschaft empfing die neuen Genossen, durch welche sie vor einem schrecklichen Schicksale bewahrt worden war, auf das Zuvorkommendste.

Pointe Pescade und Kap Matifu machten sofort nach ihrer Ankunft die Erfahrung, daß die Schiffsküche ein Bedauern über die entschwundenen Küchen provençalischer Arenas nicht aufkommen ließ.

»Siehst Du, Kap Matifu, sagte Pointe Pescade, ein Glas voll Astiwein leerend, wenn man sich gut führt, kommt man zu etwas. Gut führen muß man sich!«

Kap Matifu konnte nur durch ein Nicken mit dem Kopfe sein Einverständniß mit den Worten des Vorredners ausdrücken, denn er hatte gerade den Mund voll mit einem mächtigen Bissen gerösteten Schinkens, der mit zwei gebackenen Eiern in die Tiefen seines Magens verschwand.

»Wie groß würde unsere Einnahme sein, Kap, sagte Pescade, wenn man Dich so essen sehen könnte?« 

Viertes Capitel.

Die Witwe Stephan Bathory’s.

Die Ankunft des Doctors Antekirtt hatte nicht nur in Ragusa, sondern auch in der ganzen dalmatinischen Provinz von sich reden gemacht. Die Zeitungen, nachdem sie das Eintreffen der Yacht im Hafen von Gravosa gemeldet, warfen sich mit Heißhunger auf diese Beute, die eine Reihe lockender Notizen versprach. Der Besitzer der »Savarena« konnte somit den Ehren, aber auch den Nachtheilen, die eine Berühmtheit mit sich bringt, nicht entgehen. Seine Person bildete das Gespräch des Tages. Die Sage bemächtigte sich ihrer. Man wußte nicht, wer er war, woher er kam, wohin er ging. Das mußte die Neugierde des Publicums naturgemäß vergrößern. Wenn man aber nichts weiß, ist das Feld der Vermuthungen ein ungeheures, die Einbildungskraft zieht davon den Nutzen und der, welcher am besten unterrichtet erscheint.

Die Reporter eilten, in dem Wunsche, ihre Leser befriedigen zu können, so schnell sie konnten nach Gravosa, einige kamen sogar an Bord des Schooners. Sie bekamen die Persönlichkeit, mit der die öffentliche Meinung sich unablässig beschäftigte, nicht zu Gesicht. Die Befehle waren gemessener Natur. Der Doctor empfing Niemand. Auch die Auskünfte, welche Kapitän Narsos allen Fragen der Besucher entgegensetzte, waren unveränderlich dieselben:

»Woher kommt der Herr Doctor?

– Woher es ihm gefällt.

– Und wohin fährt er?

– Wohin es ihm zu fahren beliebt.

– Aber wer ist er?

– Niemand weiß es, vielleicht weiß er selbst nicht einmal mehr als die, welche nach ihm fragen.«

Ein gutes Mittel wäre das zwar gewesen, die Neugier der Leser durch Mittheilung dieser lakonischen Antworten zu befriedigen! Doch das ging nicht gut, es folgte daraus, daß die Einbildungskraft, welcher der kurze Bescheid einen weiten Spielraum einräumte, nicht zögerte, in den kühnsten Vermuthungen umherzuschweifen. Doctor Antekirtt wußte schon im Voraus, was man von ihm wollte. Ihm war es schon recht, Alles das gewesen zu sein, was jene indiscreten Plauderer für gut befanden, ihm anzudichten. Den Einen galt er als ein Piratenchef, den Anderen als König eines mächtigen afrikanischen Staates, der incognito reiste, um sich zu unterrichten. Diese behaupteten, daß er ein verbannter Politiker wäre, Jene, daß eine Revolution ihn aus seinen Staaten getrieben hätte und er nun als Philosoph und Wißbegieriger durch die Welt streife. Die Auswahl stand frei. Was den Doctortitel anbelangte, mit dem er sich schmückte, so waren die Meinungen derer, die ihm denselben zugestanden, getheilt: nach der Ansicht der Einen war er ein großer Arzt, der in hoffnungslosen Fällen noch erfolgreiche Curen machen konnte, nach derjenigen der Anderen war er der König der Charlatans und es würde ihm sehr schwer fallen, Patente oder Diplome aufzuweisen. 

Die Mediciner in Ragusa und Gravosa würden kaum in die Lage gekommen sein, den Doctor wegen ungesetzlicher Ausübung der medicinischen Praxis belangen zu können. Denn derselbe verhielt sich beständig äußerst reservirt, und wenn man ihm die Ehre einer Consultation zu Theil werden lassen wollte, so pflegte er sich stets heimlich zu entfernen.

Der Besitzer der »Savarena« hatte auch kein Gelaß auf dem Festlande für die Zeit seines Aufenthaltes gemiethet. Er stieg nicht einmal in einem der Hotels der Stadt ab. Während der ersten zwei Tage seines Aufenthaltes in Gravosa ging er nicht weiter als bis in die Nähe von Ragusa. Er beschränkte sich darauf, einige Spaziergänge in der Umgebung zu unternehmen und ließ sich zwei-oder dreimal von Pointe Pescade begleiten, dessen natürliche Intelligenz ihm zusagte.

Während er selbst sich von Ragusa fern hielt, ging Pointe Pescade eines Tages für ihn dorthin. Mit dem Vertrauensauftrag beehrt, Erkundigungen für ihn einzuholen, gab der junge anstellige Mann nach der Rückkehr dem Doctor folgende Antworten auf dessen Fragen:

»Jener wohnt also im Stradone?

– Ja, Herr Doctor, in der schönsten Straße der Stadt. Er bewohnt ein Hotel in der Nähe des Platzes, auf welchem den Fremden der alte Dogenpalast gezeigt wird, ein prächtiges Hotel mit Dienerschaft und Wagen. Eine richtige Millionärswirthschaft.

– Und der Andere?

– Der Andere oder vielmehr die Anderen? erwiderte Pointe Pescade. Sie wohnen ebenfalls in diesem Stadttheile, aber ihr Haus steht wie verloren in einer der hügeligen, schmalen, gewundenen Gassen – wahre Treppen – durch welche man zu den bescheidenen Behausungen gelangt.

– Und ihr Haus?

– Ist niedrig, klein und bietet von außen wie von innen einen ärmlichen Anblick; ich denke mir aber, daß es äußerst sauber gehalten wird. Man merkt, daß arme, aber stolze Leute in ihm wohnen.

– Die Dame?

– Ich habe sie nicht gesehen und man erzählt sich, daß sie fast nie die Marinella-Straße verläßt.

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