Mathias Sandorf
- Автор: Верн Жюль Габриэль
- Язык: немецкий
- Жанр: Другие приключения
Электронная книга - «Mathias Sandorf». Краткое содержание книги:
Dieser befindet sich in einem Haus, das dem Grafen Ladislaus Zathmar, einem ungarischen Adligen, gehört. Graf Zathmar plant, mit seinen Freunden, dem Professor Stefan Bathory und dem Grafen Mathias Sandorf in Ungarn, ihrer Heimat, einen Volksaufstand anzuzetteln ...
Doctor Antekirtt hörte mit Interesse dem braven Menschen zu, dessen bisheriges Schicksal gewiß hart genug gewesen war, der aber deshalb doch nicht mit diesem haderte. Er durchschaute, daß in ihm ebenso viel Gemüth als Schlauheit steckte und dachte darüber nach, was aus ihm hätte werden können, wenn ihm das Leben von Anfang an reichliche Mittel in die Hand gegeben haben würde.
»Und wohin geht Ihr von hier aus? fragte er weiter.
– Dem Zufalle nach. Doch ist er mitunter ein ganz guter Führer, der Zufall, und im Allgemeinen kennt er die Wege gut. Ich fürchte nur, er hat uns diesmal zu weit von unserer Heimat fortgeführt. Aber schließlich sind wir selbst Schuld daran. Wir hätten ihn erst fragen sollen, wohin er ging.«
Doctor Antekirtt beobachtete sie Beide einen Augenblick. Dann begann er von Neuem:
»Was also kann ich für Euch thun?
– Nichts, Herr Doctor, erwiderte Pointe Pescade, rein nichts!
– Würdet Ihr keine Lust haben, jetzt gleich in die Provence zurückzukehren?«
Die Augen der Akrobaten glänzten.
»Ich könnte Euch vielleicht dorthin fahren.
– Das wäre herrlich!« rief Pointe Pescade.
Dann sich an seinen Gefährten wendend, fragte er diesen:
»Wie denkst Du darüber, Kap Matifu, möchtest Du heimkehren?
– Ja… wenn Du mitkommst, Pointe Pescade.
– Was sollen wir aber dort anfangen? Wovon sollen wir dort leben?«
Kap Matifu rieb sich die Stirn, was er in allen schwierigen Lagen des Lebens zu thun pflegte.
»Wir werden… wir werden… murmelte er.
– Du weißt es nicht… ich eben so wenig… Aber was thut das schließlich! Wir sind in der Heimat. Ist es nicht einzig, Herr Doctor, daß zwei arme Teufel, wie wir, eine Heimat haben, daß zwei so elende Kerls, die nicht einmal Eltern besitzen, irgendwo geboren sind? Das war mir schon immer unerklärlich.
– Ihr könntet Euch also entschließen, bei mir zu bleiben?« fragte Doctor Antekirtt.
Bei diesem unerwartet kommenden Vorschlage sprang Pointe Pescade lebhaft auf, während der Hercules ihn ansah und nicht wußte, ob er sich ebenfalls erheben sollte.
»Bei Ihnen bleiben, Herr Doctor? antwortete endlich Pointe Pescade. Was sollen wir Ihnen nützen? Kraft-und Geschicklichkeits-Touren – Anderes haben wir nie kennen gelernt. Wenn Sie das während Ihrer Reise oder in Ihrem Lande unterhalten kann…
– Hört mir zu, unterbrach ihn Doctor Antekirtt, ich kann muthige, ergebene, geschickte und einsichtige Menschen gebrauchen, die mir bei der Ausführung meines Vorhabens von Nutzen sein können. Ihr habt nichts, was Euch hier fesselt, nichts, was Euch in die Heimat zurückruft. Wollt Ihr zu mir stehen?
– Wenn aber Ihre Pläne ausgeführt sind… wandte Pointe Pescade ein.
– So sollt Ihr mich auch noch nicht verlassen, wenn es Euch bei mir gefällt, antwortete der Doctor. Ihr werdet bei mir an Bord bleiben. Halt!
»Wollt Ihr zu mir stehen?« (Seite 191.)
Ihr könnt meiner Mannschaft Unterricht im Luftsprunge geben. Wenn Ihr es aber vorzieht, in Eure Heimat zurückzukehren, so soll es Euch unbenommen sein, und auch dann würde für Euer künftiges Leben ausreichend gesorgt sein.
– Herr Doctor! rief Pointe Pescade, Sie verstehen Ihren Antrag hoffentlich nicht dahin, daß wir ganz unbeschäftigt bleiben sollen? Zu nichts gut sein, könnte uns nicht passen!
Pointe Pescade bestand darauf, sein Cornet à piston zu retten. (Seite 196.)
– Ich verspreche Euch Arbeit, mit der Ihr zufrieden sein werdet.
– Ihr Anerbieten klingt sehr verführerisch, Herr Doctor!
– Was habt Ihr dagegen einzuwenden?
– Eines vielleicht. Sie sehen hier uns Beide vor sich, Kap Matifu und mich. Wir stammen aus demselben Lande und würden ganz gewiß auch aus einer Familie sein, wenn wir eine solche hätten. Wir sind Herzensbrüder. Kap Matifu könnte nicht ohne Pointe Pescade leben und Pointe Pescade nicht ohne ihn. Denken Sie an die siamesischen Zwillinge. Man hat sie nie trennen gekonnt, weil eine Trennung ihnen das Leben gekostet hätte. Wir sind, um es kurz zu sagen, ebenfalls Siamesen. Wir haben uns sehr lieb, Herr Doctor!«
Und Pointe Pescade streckte Kap Matifu die Hand hin, der sie an seine Brust zog und sie dort wie ein Kind herzte.
»Es ist hier gar keine Rede von Eurer Trennung, meine Freunde; ich habe vollständig begriffen, daß Ihr Euch nie trennen könntet.
– Dann könnte ja die Sache gemacht werden, Herr Doctor, wenn…
– Wenn?
– Kap Matifu seine Einwilligung gibt.
– Sage ja, Pointe Pescade, und Du hast für uns Beide ja gesagt.
– Gut, die Angelegenheit ist also in Ordnung, antwortete der Doctor, und Ihr werdet Eure Zustimmung nicht zu bereuen haben. Von heute ab sollt Ihr nicht mehr arbeiten.
– Oho! Herr Doctor, sehen Sie sich vor! rief Pointe Pescade. Sie übernehmen vielleicht eine größere Last als Sie denken!
– Und wieso?
– Weil wir Ihnen theuer zu stehen kommen werden, Kap Matifu namentlich. Ein starker Esser ist mein Kap und Sie werden doch nicht wollen, daß er in Ihren Diensten seine Kräfte zusetzt?
– Ich behaupte, daß er sie verdoppeln wird.
– Dann sind Sie ruinirt, Herr Doctor!
– Man ruinirt mich nicht, Pointe Pescade.
– Indessen, zweimal, vielleicht dreimal essen am Tage…
– Fünf-, sechs-, siebenmal, wenn er Lust hat, antwortete Doctor Antekirtt lachend. Ich halte für Jedermann offenen Tisch.
– He! Kap! rief Pointe Pescade ganz entzückt. Du wirst also nach Deinem Belieben essen können.
– Und Ihr auch, Pointe Pescade.
– O, ich, ich bin nur ein Vogel. Doch darf ich fragen, Herr Doctor, ob wir oft in See gehen?
– Sehr oft. Ich habe jetzt in allen vier Ecken des Mittelmeeres zu thun. Meine Kundschaft ist so ziemlich über alle Ufer hin vertheilt. Ich halte darauf, die ärztliche Praxis in internationaler Weise auszuüben. Wenn ein Kranker in Tanger oder auf den Balearen nach mir ruft, während ich in Suez bin, muß ich da nicht zu ihm fahren? Wie ein Arzt in einer größeren Stadt von einem Stadttheil in den andern eilt, so fahre ich von Gibraltar nach dem griechischen Archipel, von der Adria nach dem Golf von Lyon, von dem Ionischen Meere nach dem Golf von Gabes. Ich besitze noch andere, zehnmal schnellere Fahrzeuge, als dieser Schooner ist und Ihr sollt mich am häufigsten begleiten.
– Das ist schön, Herr Doctor, antwortete Pointe Pescade sich die Hände reibend.
– Ihr fürchtet das Meer nicht? fragte der Doctor.
– Wir? Das Meer fürchten? Wir, die Kinder der Provence? Als Jungens schon sind wir im Boote den Fluß hinabgetrieben. Nein! Wir fürchten das Meer nicht und auch nicht die Seekrankheit, wir, die wir gewöhnlich mit dem Kopfe nach unten und den Füßen in der Luft herumspazieren. Wenn Herren und Damen, ehe sie auf See gehen, nur zwei Monate lang dieses Exercitium durchmachen, so werden sie es nicht mehr nöthig haben, während der Ueberfahrt zu jammern und zu stöhnen. Herein, herein! meine Damen und Herren, schließen Sie sich der Gesellschaft an!«
Und der fröhliche Pescade schlug den altgewohnten Ton an, als befände er sich wieder auf dem Schaugerüste seiner Bude.
»Bravo, Pointe Pescade! sagte der Doctor. Wir werden Beide mit einander wunderbar gut auskommen und ich empfehle Euch namentlich, nichts von Eurer guten Laune einzubüßen. Lacht, mein Junge, lacht und singt, so viel Ihr wollt. Die Zukunft birgt vielleicht noch viel Trauriges, daß Eure Heiterkeit unterwegs nicht zu verachten sein wird.«
Doctor Antekirtt war bei diesen Worten wieder ernst geworden. Pescade, der ihn beobachtete, fühlte, daß dieser Mann in früheren Zeiten einen großen Schmerz erfahren haben mußte, den auch er vielleicht noch eines Tages kennen lernen würde.