In den Klauen des Winters
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #9
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «In den Klauen des Winters». Краткое содержание книги:
Perrin zog sich auf Traber. Er hatte so seine Zweifel, ob er nicht selbst ranterfiel. Aber es war Zeit, diesen Ritt zu unternehmen, den er nicht machen wollte. Er hätte für ein Stück Brot getötet. Oder ein Stück Käse. Oder einen hübschen Hasenbraten.
»Aiel kommen!«, rief jemand von der Spitze der Marschkolonne und alles blieb stehen. Weitere Rufe ertönten und gaben die Neuigkeit weiter, als hätte sie noch nicht jeder bereits gehört, und Männer nahmen ihre Bögen vom Rücken. Kutscher stiegen auf ihre Sitze und schauten voraus oder sprangen zu Boden, um neben ihren Wagen in Deckung zu gehen. Perrin fluchte lautlos und trat Traber in die Flanken.
Vorn an der Spitze saßen Dannil und die beiden Männer mit den verfluchten Flaggen noch immer im Sattel, aber etwa dreißig Mann waren abgesessen, hatten die Schutzhüllen von den Bogen gezogen und Pfeile aufgelegt. Die Männer, die für die Abgesessenen die Zügel hielten, drängten sich zusammen, zeigten in die Ferne und versuchten, einen klaren Blick zu erhäschen. Grady und Neald waren ebenfalls da und schauten angestrengt nach vorn, saßen dabei aber ganz ruhig auf ihren Pferden. Alle anderen stanken nach Aufregung. Die Asha'man rochen bloß ... bereit.
Perrin konnte bereits besser erkennen, worauf die anderen zwischen den Bäumen hindurch starrten. Zehn verschleierte Aiel liefen durch den fallenden Schnee auf sie zu, einer von ihnen führte ein weißes Pferd am Zügel. Ein Stück hinter ihnen ritten drei Männer mit Umhängen und hochgeschlagenen Kapuzen. Etwas an der Art und Weise, wie sich die Aiel bewegten, schien merkwürdig zu sein. Und auf dem Sattel des weißen Pferdes war ein Bündel festgeschnallt. Eine Faust ergriff Perrins Herz und drückte zu, bis er erkannte, dass es nicht groß genug war, um eine Leiche sein zu können.
»Nehmt die Bogen runter«, befahl er. »Das ist Alliandres Wallach. Es müssen unsere Leute sein. Seht ihr denn nicht, dass es sich bei den Aiel nur um Töchter handelt?« Nicht eine der Gestalten war groß genug, um ein Aielmann zu sein.
»Ich kann kaum erkennen, dass es überhaupt Aiel sind«, murmelte Dannil und warf ihm einen verstohlenen Blick zu. Sie alle nahmen es als gegeben hin, dass seine Augen gut waren, sie waren sogar stolz darauf —oder waren es zumindest früher gewesen —, aber er versuchte ihnen vorzuenthalten, wie gut sie tatsächlich waren. Aber in diesem Augenblick war ihm das egal.
»Es sind unsere«, sagte er zu Dannil. »Jeder bleibt an seinem Platz.«
Er ritt langsam los, den Rückkehrern entgegen. Die Töchter nahmen die Schleier ab, als er sich ihnen näherte. In einer der tiefen Kapuzen der Berittenen erkannte er Füren Alharras schwarzes Gesicht. Also handelte es sich um die drei Behüter; es war offensichtlich, dass sie gemeinsam zurückkehrten. Ihre Pferde sahen so mitgenommen aus, wie er sich fühlte, der Erschöpfung nahe. Er wollte Traber zum Galopp zwingen, wollte ihren Bericht hören. Er fürchtete ihn. Raben würden sich über die Toten hergemacht haben, und Füchse, und vielleicht Maulwürfe, und wer vermochte beim Licht schon zu sagen, was noch alles. Vielleicht glaubten sie, ihm Leid zu ersparen, wenn sie ihren Fund nicht mitbrachten. Nein! Faile musste am Leben sein. Er versuchte, sich auf diesen Gedanken zu konzentrieren, aber es tat weh, als würde er mit der bloßen Hand eine scharfe Klinge umklammern.
Er stieg vor ihnen vom Pferd, stolperte und musste sich am Sattel festhalten, um nicht zu stürzen. Rings um den Schmerz, den es ihn kostete, an diesem einen Gedanken festzuhalten, war alles wie betäubt. Sie musste am Leben sein! Aus irgendeinem Grund nahmen kleine Details große Ausmaße an. Auf dem aufwendig gearbeiteten Sattel war nicht ein großes Bündel festgeschnallt, sondern mehrere kleine, die wie zusammengesuchte Lumpen aussahen. Die Töchter trugen primitive Schneeschuhe, die sie aus Schlingpflanzen und biegsamen Kiefernästen gemacht hatten, an denen noch die Nadeln hingen. Das musste der Grund dafür sein, warum es so aussah, als würden sie sich merkwürdig bewegen. Vermutlich hatte Jondyn ihnen gezeigt, wie man sie herstellte. Er versuchte sich zu konzentrieren. Sein Herz pochte so stark, als wollte es aus seinem Brustkorb springen.
Sulin nahm Speere und den Rundschild in eine Hand und nahm eines der kleinen Kleiderbündel vom Sattel, bevor sie vor ihn hintrat. Die rosafarbene Narbe auf ihrer lederhäutigen Wange verzog sich, als sie lächelte. »Gute Neuigkeiten, Perrin Aybara«, sagte sie leise und reichte ihm den dunkelblauen Stoff. »Eure Frau lebt.« Alharra wechselte einen Blick mit Seonids anderem Behüter Teryl Wynter, der die Stirn runzelte. Rovair Kirklin, Masuris Mann, starrte mit steinerner Miene geradeaus. Es war so offensichtlich wie Wynters gekräuselter Schnurrbart, dass sie keineswegs davon überzeugt waren, dass es sich um gute Neuigkeiten handelte. »Die anderen sind weitergegangen, um zu sehen, was sie noch herausfinden können«, fuhr sie fort. »Obwohl wir bereits genug merkwürdige Dinge entdeckt haben.«
Perrin faltete das Bündel in seinen Händen auseinander. Es handelte sich um Failes Gewand, das an der Vorderseite und entlang der Ärmel aufgeschlitzt worden war. Er nahm einen tiefen Atemzug und sog Failes Duft in sich ein, den schwachen Hauch ihrer nach Blumen duftenden Seife, eine Spur ihres süßen Parfüms, aber vor allem den Duft, der sie als Ganzes ausmachte. Und kein Anzeichen von Blut. Die restlichen Töchter versammelten sich um ihn, in der Hauptsache ältere Frauen mit harten Gesichtern — wenn auch nicht so hart wie Sulins. Die Behüter stiegen ab; ihnen war nicht anzumerken, dass sie die ganze Nacht im Sattel gesessen hatten, aber sie blieben hinter den Töchtern stehen.
»Alle Männer wurden getötet«, sagte die drahtige Frau, »aber den gefundenen Kleidern nach zu urteilen hat man Alliandre Kigarin, Maighdin Dorlain, Lacile Aldorwin, Arrela Shiego und zwei andere zu Gai'schain gemacht.« Die anderen beiden mussten Bain und Chiad sein; man hätte sie beschämt, wenn man in einem Atemzug ihre Namen genannt und erwähnt hätte, dass sie nun Gefangene waren. Er hatte etwas über die Aiel gelernt. »Das verstößt gegen die Sitten, aber es beschützt sie.« Wynter runzelte zweifelnd die Stirn, dann versuchte er es zu verbergen, indem er seine Kapuze zurechtzupfte.
Die sauberen Schnitte hatten Ähnlichkeit mit denen, die man machte, wenn man ein Tier häutete. Plötzlich traf Perrin die Erkenntnis wie ein Blitz. Jemand hatte Faile die Kleider vom Leib geschnitten! Seine Stimme zitterte. »Sie haben nur die Frauen mitgenommen?«
Eine pausbäckige junge Tochter namens Briain schüttelte den Kopf. »Ich glaube, man wollte drei Männer auch zu Gai'schain machen, aber sie kämpften zu erbittert und wurden mit Speeren oder Messern getötet. Der Rest starb durch Pfeile.«
»Das ist so nicht richtig, Perrin Aybara«, beeilte sich Elienda zu sagen, sie klang schockiert. Sie war eine große Frau mit breiten Schultern, die es schaffte, beinahe mütterlich auszusehen, aber er hatte zugesehen, wie sie einen Mann mit der Faust niederschlug. »Einen Gai'schain zu verletzen ist so, als würde man ein Kind verletzen oder einen Schmied. Es war falsch, Feuchtländer gefangen zu nehmen, aber ich kann nicht glauben, dass sie die Traditionen so weit brechen werden. Ich bin sicher, man wird sie nicht einmal bestrafen, wenn sie unterwürfig genug sind, bis man sie zurückholt. Es gibt andere, die ihnen zeigen werden, wie man das macht.« Andere; damit waren wieder Bain und Chiad gemeint.
»In welche Richtung sind sie gezogen?«, fragte Perrin. Konnte Faile unterwürfig sein? Er konnte es sich nicht vorstellen. Aber sollte sie es ruhig versuchen, bis er sie gefunden hatte.
»Ziemlich genau nach Süden«, erwiderte Sulin. »Nachdem der Schnee ihre Spuren verbarg, entdeckte Jondyn Barran andere Spuren, denen die anderen folgen. Ich glaube ihm. Er sieht so viel wie Elyas Machera. Es gibt viel zu sehen.« Sie schob ihre Speere hinter den Bogenköcher auf ihrem Rücken und hängte den Rundschild an den Griff ihres schweren Gürtelmessers. Ihre Finger blitzten in der Fingersprache auf und Elienda löste ein zweites, größeres Bündel vom Sattel und gab es ihr. »Dort sind viele Menschen unterwegs, Perrin Aybara, und seltsame Dinge geschehen. Ich glaube, Ihr müsst Euch das hier zuerst ansehen.« Sulin entfaltete ein weiteres Gewand, es war grün. Er glaubte, es an Alliandre gesehen zu haben. »Die haben wir an der Stelle gefunden, an der Eure Frau geraubt wurde.« In dem Stoff waren vierzig oder fünfzig Aiel-Pfeile eingewickelt. Die Schäfte wiesen dunkle Flecken auf und er roch getrocknetes Blut.