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In den Klauen des Winters

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In den Klauen des Winters
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Neald nickte, bevor er seinen Wallach in Richtung Lager zurücklenkte, dessen Gelände er bereits seiner Erinnerung anvertraut hatte. Nun mussten nur noch ein paar Befehle gegeben werden. Reiter mussten ausgeschickt werden, um die Mayener und Ghealdaner zu finden, die so reisten, wie sie lagerten — voneinander getrennt. Grady glaubte, sich das Gelände vor Ort einprägen zu können, also brauchten nicht alle wieder umkehren und Neald folgen. Und damit blieb nur noch eines zu erledigen.

»Dannil, ich muss Masema finden«, sagte Perrin. »Oder zumindest jemanden, der ihm eine Botschaft überbringt. Ich werde nicht lange fort sein.«

»Wenn Ihr Euch allein unter diesen Abschaum begebt, mein Lord, werdet Ihr Glück brauchen«, erwiderte Dannil. »Ich habe gehört, wie sich einige von ihnen über Euch unterhalten haben. Sie sagten, Ihr seid Schattengezücht, wegen Eurer Augen.« Sein Blick begegnete dem aus Perrins goldenen Augen und schaute wieder weg. »Sie sagten, der Wiedergeborene Drache hätte Euch gezähmt, aber Ihr wäret noch immer Schattengezücht. Ihr solltet ein paar Dutzend Männer mitnehmen, die Euch den Rücken freihalten.«

Perrin zögerte, tätschelte Trabers Hals. Ein paar Dutzend Männer würden nicht ausreichen, falls Masemas Leute ihn tatsächlich für Schattengezücht hielten und entschieden, die Sache selbst in die Hand zu nehmen. Alle Männer von den Zwei Flüssen würden möglicherweise nicht ausreichen. Vielleicht musste er Masema gar nicht Bescheid geben; sollte er es doch allein herausfinden.

Da ertönte von den Bäumen im Westen das Trillern einer Blaumeise, das nur er mit seinem scharfen Gehör wahrnehmen konnte, dem im nächsten Augenblick ein zweites folgte, das jeder hören konnte, und die Entscheidung war ihm abgenommen worden. Davon war er überzeugt, und er fragte sich, ob das damit zu hin hatte, dass er Ta'veren war. Er lenkte Traber herum und wartete.

Die Männer von den Zwei Flüssen, die diesen besonderen Vogelruf aus ihrer Heimat vernahmen, wussten, was das zu bedeuten hatte. Männer kamen, mehr als eine Hand voll, und sie hegten nicht unbedingt friedliche Absichten. Bei Freunden hätte ein Fink getrillert, und wären sie eindeutig feindlich gesinnt, wäre der Alarmruf des Spottvogels erklungen. Diesmal verhielten sie sich geschickter. Soweit es Perrin sehen konnte, stieg entlang der Westseite der Kolonne jeder zweite Mann ab und gab dem daneben befindlichen Reiter die Zügel, bevor er den Bogen bereitmachte.

Die Fremden, die hinter den vereinzelt stehenden Bäumen hervorkamen, formierten sich zu einer Reihe, um den Eindruck zu verstärken, es würde sich bei ihnen um viele handeln. Es waren etwa zweihundert, und zwei Männer ritten ihnen voraus, aber ihr langsamer Vorstoß erschien unheilvoll. Die Hälfte von ihnen hatte Lanzen; sie trugen sie zwar nicht gesenkt, aber doch so, als wären sie bereit, sie sofort unter den Arm zu klemmen. Sie kamen gemächlich heran. Ein paar von ihnen trugen einen Brustpanzer oder einen Helm, selten beides. Doch sie waren besser bewaffnet als die Masse von Masemas Anhängern. Einer der Männer, die vorausritten, war Masema persönlich, sein Fanatikergesicht starrte aus der Kapuze seines Umhangs wie ein tollwütiger Berglöwe aus seiner Höhle. Wie viele dieser Lanzen hatten am gestrigen Morgen wohl noch rote Wimpel getragen?

Masema gebot seinen Männern mit erhobener Hand erst in dem Augenblick Einhalt, als er nur noch wenige Schritte von Perrin entfernt war. Er schob die Kapuze zurück und ließ den Blick über die abgesessenen Männer mit ihren Bogen schweifen. Den Schnee, der auf seinem kahlen Schädel landete, schien er nicht wahrzunehmen. Sein Begleiter, ein größerer Mann mit einem auf den Rücken geschnallten Schwert und einem zweiten, das am Sattelknauf hing, ließ die Kapuze oben, aber Perrin hatte den Eindruck, dass auch sein Kopf kahl geschoren war. Der Mann schaffte es, die Kolonne und Masema mit derselben Intensität zu betrachten. Seine dunklen Augen loderten beinahe so stark wie Masemas. Perrin spielte mit dem Gedanken, ihnen zu sagen, dass ein Langbogen von den Zwei Flüssen auf diese Entfernung einen Pfeil direkt durch einen Brustpanzer und aus dem Rücken des Trägers wieder hinaus schicken würde. Er dachte darüber nach, die Seanchaner zu erwähnen. Diskretion, hatte Berelain ihm geraten. Vielleicht war das unter diesen Umständen sogar eine kluge Sache.

»Ihr wart auf dem Weg zu mir?«, sagte Masema abrupt. Sogar die Stimme des Mannes brodelte vor Intensität. Nichts aus seinem Mund war jemals bedeutungslos. Alles, was er zu sagen hatte, war wichtig. Die blasse dreieckige Narbe auf seiner Wange ließ sein plötzliches Lächeln verzerrt erscheinen. Aber darin hatte sowieso keine Wärme gelegen. »Egal. Ich bin jetzt hier. Wie Ihr mittlerweile zweifellos wisst, weigern sich jene, die dem Lord Drachen folgen — möge das Licht seinen Namen erleuchten! —, zurückgelassen zu werden. Ich kann es nicht von ihnen verlangen. Sie dienen ihm genauso, wie ich es tue.«

Perrin sah eine Feuersbrunst, die aus Amadicia nach Altara und vielleicht sogar noch weiter hinübersprang und Tod und Verderben mit sich brachte. Er holte tief Luft und sog die Kälte in seine Lungen. Falle war wichtiger als alles andere. Alles! Wenn er dafür zu Asche verbrennen sollte, dann sollte es eben so sein. »Führt Eure Männer nach Osten.« Er war erstaunt, wie beherrscht seine Stimme klang. »Ich werde Euch einholen, sobald ich kann. Meine Frau wurde von Aiel entführt, und ich reise nach Süden, um sie zurückzuholen.« Zum ersten Mal sah er einen überraschten Masema.

»Aiel? Also ist das mehr als ein Gerücht?« Er betrachtete die Weisen Frauen, die sich auf der anderen Seite der Kolonne befanden, mit einem Stirnrunzeln. »Nach Süden, sagt Ihr?« Er faltete die behandschuhten Hände auf dem Sattelknauf und wandte seine ungeteilte Aufmerksamkeit Perrin zu. Der Mann stank nach Wahnsinn; Perrin konnte in seinem Geruch nichts anderes als Wahnsinn entdecken. »Ich werde Euch begleiten«, sagte Masema schließlich, als hätte er eine Entscheidung getroffen. Seltsam, er hatte es so eilig gehabt, ohne Verzögerung zu Rand zu stoßen; zumindest solange er nicht mit der Macht in Berührung kommen musste, um dieses Ziel zu erreichen. »Alle, die dem Wiedergeborenen Drachen folgen — möge das Licht seinen Namen erleuchten! —, werden mitkommen. Die Aiel-Wilden zu töten ist das Werk des Lichts.« Sein flackernder Blick huschte wieder zu den Weisen Frauen herüber und sein Lächeln war noch kälter als zuvor.

»Ich weiß die Hilfe zu schätzen«, log Perrin. Dieser Abschaum würde nutzlos gegen Aiel sein. Aber sie zählten Tausende. Und sie hatten ganze Armeen aufgehalten, wenn auch keine Armeen der Aiel. Ein Stück von dem Puzzlespiel in seinem Kopf fügte sich an seine Stelle. Er war müde genug, um auf der Stelle umzukippen, daher konnte er nicht genau sagen, wie er darauf kam, nur dass dieses Teil plötzlich passte. Und auf keinen Fall würde es sich so abspielen. »Sie haben einen großen Vorsprung. Ich werde ein Wegetor erschaffen, die Eine Macht benutzen, um sie einzuholen. Ich weiß, wie Ihr darüber denkt.«

Die Männer hinter Masema fingen an, unbehaglich zu murmeln; sie betrachteten einander und fingerten an den Waffen herum. Perrin schnappte gemurmelte Verwünschungen auf, Worte wie »Gelbauge« und »Schattengezücht«. Der zweite kahl geschorene Mann starrte Perrin an, als hätte er gerade eine blasphemische Bemerkung gemacht, und versuchte ihn mit Blicken zu durchdringen.

»Er würde trauern, wenn Eurer Frau ein Leid geschähe«, sagte der Wahnsinnige schließlich. Die Betonung benannte Rand so klar, als wäre der Name selbst gefallen, da Masema nicht erlaubte, dass er ausgesprochen wurde. »Es wird eine Ausnahme erfolgen... in diesem ganz besonderen Fall. Nur damit Ihr Eure Frau findet, weil Ihr sein Freund seid. Nur darum.« Er sprach ganz ruhig — für seine Verhältnisse —, aber in seinen tiefliegenden Augen schienen dunkle Flammen zu lodern und sein Gesicht war vor unerklärlicher Wut verzerrt.

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