In den Klauen des Winters
- Автор: Джордан Роберт
- Серия: Das Rad der Zeit #9
- Год: 2001
- Язык: немецкий
- Переводчик: Andreas Decker
- Жанр: Фэнтези
Электронная книга - «In den Klauen des Winters». Краткое содержание книги:
Perrin öffnete den Mund und schloss ihn wieder. Nachdem Masema gesagt hatte, was er gerade gesagt hatte, würde die Sonne vermutlich im Westen aufgehen. Und plötzlich kam ihm der Gedanke, dass Faile bei den Shaido möglicherweise sicherer war als er hier und jetzt.
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In den Straßen von Caemlyn
Elaynes Begleitung erregte viel Aufmerksamkeit, als sie durch die Straßen von Caemlyn ritten, die den Hügeln der Stadt folgten und hinauf- und hinabführten. Die Goldene Lilie auf der Brust ihres pelzgesäumten scharlachroten Umhangs reichte aus, damit die Bürger der Hauptstadt sie erkannten, aber sie ließ die Kapuze zurückgeschlagen, sodass die einzelne goldene Rose auf dem kleinen Diadem der Tochter-Erbin deutlich zu sehen war. Hier ritt nicht nur Elayne, die Hohe Herrin des Hauses Trakand, sondern Elayne, die Tochter-Erbin. Sollte es jedermann sehen und wissen.
Die Kuppeln der Neustadt schimmerten weiß und golden im blassen Morgenlicht, Eiszapfen funkelten an den nackten Ästen der Bäume, die in der Mitte der breiten Hauptstraßen wuchsen. Obwohl sich die Sonne dem Zenit näherte, spendete sie trotz des wolkenlosen Himmels keine Wärme. Glücklicherweise war es an diesem Tag windstill. Die Luft war kalt genug, um Elaynes Atem zu Nebel erstarren zu lassen, aber da selbst die Pflaster der schmaleren, gewundenen Gassen vom Schnee befreit worden waren, herrschte wieder Leben in der Stadt, waren die Straßen voller geschäftig umhereilender Menschen. Fuhrmänner und Kutscher zogen resigniert ihre Umhänge enger um sich, während sie sich langsam ihren Weg durch das Gewühl bahnten. Ein gewaltiger Wasserwagen, der nach den Geräuschen zu urteilen leer war, rumpelte vorbei auf dem Weg zu den Reservoires, um wieder für den Kampf gegen die viel zu häufig stattfindenden Brandstiftungen einsatzbereit zu sein. Ein paar Straßenhändler und Hausierer boten der Kälte die Stirn, um ihre Waren lautstark anzupreisen, aber die meisten Leute hatten es eilig, ihre Geschäfte zu erledigen, da sie so schnell wie möglich wieder in der Wärme ihrer Häuser sein wollten. Doch wer sich beeilte, kam deswegen noch lange nicht schnell voran. Die Stadt platzte aus allen Nähten, ihre Bevölkerung war so weit angestiegen, dass sie selbst Tar Valon übertraf. In einem solchen Gewimmel kamen selbst Berittene kaum schneller voran als ein Mann, der zu Fuß ging. Den ganzen Morgen hatte Elayne nur zwei oder drei Kutschen gesehen, die sich um jeden Fingerbreit vorankämpften. Wenn ihre Passagiere keine Invaliden waren oder noch Meilen vor sich hatten, waren sie Narren.
Jeder, der sie und ihre Gruppe sah, blieb zumindest einen Augenblick lang stehen; einige machten andere auf sie aufmerksam oder hoben Kinder hoch, damit diese dann eines Tages wiederum ihren Kinder erzählen konnten, dass sie sie gesehen hatten. Es war nur die Frage, ob sie sagen würden, sie hätten die zukünftige Königin gesehen oder bloß eine Frau, die für eine gewisse Zeit die Stadt beherrschte. Die meisten Leute starrten sie nur an, aber gelegentlich erhoben sich ein paar Stimmen, die »Trakand! Trakand!« riefen oder sogar »Elayne und Andor!« Mehr Jubel wäre besser gewesen, aber Schweigen war hämischem Gejohle vorzuziehen. Andoraner waren freimütige Menschen, erst recht die Caemlyner. Rebellionen waren ausgebrochen, und Königinnen hatten ihren Thron verloren, weil Caemlyner ihrem Unmut auf der Straße Luft machten.
Ein eisiger Gedanke ließ Elayne erzittern. Wer Caemlyn hält, hält Andor, besagte das alte Sprichwort; wie Rand bewiesen hatte, stimmte das nur bedingt, aber Caemlyn war Andors Herz. Sie hatte ihren Anspruch auf die Stadt geltend gemacht, auf den Türmen der äußeren Stadtmauer teilten sich das Löwenbanner und Trakands silberner Keilstein den stolzen Platz, aber noch hatte sie Caemlyns Herz nicht erobert, und das war viel wichtiger, als Stein und Mörtel zu besitzen.
Eines Tages werden sie mir alle zujubeln, versprach sie sich. Ich werde mir ihren Beifall verdienen. Doch an diesem Tag fühlten sich die dicht bevölkerten Straßen einsam an, da nur vereinzelte Rufe ertönten. Sie wünschte sich, Aviendha wäre bei ihr gewesen, nur um ihr Gesellschaft zu leisten, aber Aviendha sah keinen Sinn darin, auf ein Pferd zu steigen, bloß um durch die Stadt zu reiten. Davon abgesehen konnte Elayne sie spüren. Es fühlte sich anders an als der Bund mit Birgitte, doch sie konnte die Anwesenheit ihrer Schwester in der Stadt spüren, so wie man eine ungesehene Person fühlte, die sich im selben Raum aufhielt, und es war ein tröstendes Gefühl.
Ihre Begleitung rief ihren eigenen Teil an Aufmerksamkeit hervor. Nach vier Jahren als Aes Sedai hatte Sareithas dunkles, breites Gesicht noch nicht die Alterslosigkeit erreicht, und in ihrem kostbaren bronzefarbenen Wollgewand und mit der großen Brosche aus mit Saphiren besetztem Silber, die ihren Umhang zusammenhielt, sah sie aus wie eine erfolgreiche Kauffrau. Ihr Behüter Ned Yarman ritt direkt hinter ihr und er erregte auf jeden Fall Aufsehen. Er war ein hoch gewachsener, breitschultriger junger Mann mit hellblauen Augen und korngelbem Haar, das in Locken bis auf die Schultern fiel; der schimmernde Behüterumhang, den er trug, ließ ihn wie ein körperloser Kopf aussehen, der über einem großen grauen Wallach schwebte. Teile des Pferdes waren dort, wo der Umhang über die Flanken fiel, ebenfalls nicht zu sehen. Es gab keinen Zweifel an seiner Identität oder dass seine Anwesenheit eine Aes Sedai ankündigte. Jedoch zogen die anderen, die um
Elayne einen Kreis aufrechterhielten, während sie sich einen Weg durch die Menge bahnte, ebenfalls viele Blicke auf sich. Acht Frauen in den roten Waffenröcken und glänzenden Helmen und Harnischen der Königlichen Garde waren nichts, was man jeden Tag zu sehen bekam. Oder früher, was das anging. Aus diesem Grund hatte Elayne sie persönlich aus den neuen Rekruten ausgewählt.
Caseille Raskovni, ihr Unterleutnant, so schlank und hart wie eine Aieltochter, war eine echte Rarität, die Leibwächterin einer Kauffrau, die seit fast zwanzig Jahren in ihrem Handwerk arbeitete, wie sie es nannte. Die Silberglöckchen in der Mähne ihres stämmigen gescheckten Wallachs wiesen sie als Arafelianerin aus, obwohl sie nur ausweichend von ihrer Vergangenheit sprach. Die einzige Andoranerin unter den acht war eine allmählich grau werdende Frau mit sanften Zügen und breiten Schultern; Deni Colford hatte in einer Taverne für Wagenkutscher in Nieder-Caemyln außerhalb der Stadtmauern für Ordnung gesorgt, ebenfalls eine raue und seltene Beschäftigung für eine Frau. Deni konnte mit dem Schwert an ihrer Hüfte noch nicht umgehen, aber Birgitte zufolge hatte sie sehr schnelle Hände und einen noch schnelleren Blick, und sie konnte ziemlich gut mit der schrittlangen Keule umgehen, die gegenüber dem Schwert hing. Die übrigen waren Jägerinnen des Horns, grundverschiedene Frauen, groß und klein, schlank und breit, deren Herkunft genauso verschieden war, obwohl einige von ihnen so zurückhaltend wie Caseille waren, während andere ihre vorherige Stellung im Leben offensichtlich übertrieben darstellten. Keines von beiden war unter Jägern ungewöhnlich. Allerdings hatten sie sich alle auf die Gelegenheit gestürzt, in die Königliche Garde aufgenommen zu werden. Und, was noch wichtiger war, sie alle hatten Birgittes sorgfältige Inspektion bestanden.
»Die Straßen sind nicht sicher für Euch«, sagte Sareitha plötzlich und lenkte ihren braunen Fuchs neben Elaynes schwarzen Wallach. Feuerherz gelang es beinahe, die schlanke Stute zu beißen, bevor Elayne seinen Kopf mit dem Zügel zurückriss. Die Straße war an dieser Stelle sehr schmal, wodurch die Menschenmenge dicht zusammengedrängt stand und die Gardistinnen näher herankamen. Das Gesicht der Braunen war ein Abbild von Aes Sedai-Gelassenheit, aber offensichtliche Besorgnis verlieh ihrer Stimme einen scharfen Beiklang. »In einer solchen Enge könnte alles passieren. Denkt daran, wer keine zwei Meilen von hier entfernt im Silbernen Schwan abgestiegen ist. Zehn Schwestern kommen in einem Gasthaus nicht einfach nur zusammen, weil sie die Gesellschaft von ihresgleichen suchen. Es könnte gut sein, dass Elaida sie geschickt hat.«