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In den Klauen des Winters

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In den Klauen des Winters
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Er hatte diese Flaggen auf die gleiche Weise bei Masema benutzen wollen, wie er nach Süden gezogen war — er wollte sich in aller Öffentlichkeit verbergen. Wenn ein Mann verrückt genug war, um den Versuch zu unternehmen, Manetherens uralte Pracht wieder auferstehen zu lassen, ließen es alle dabei bewenden und suchten nicht nach einem tieferliegenden Grund, warum er mit einem kleinen Heer durch das Land zog. Und so lange er nicht verweilte, waren sie viel zu froh darüber, den Verrückten Weiterreisen zu sehen, als dass sie den Versuch unternahmen, ihn aufzuhalten. Es gab bereits genug Probleme im Land, ohne sich noch mehr aufzuladen. Sollte jemand anders kämpfen und bluten und Männer verlieren, die man bei der kommenden Frühlingsaussaat brauchen würde. Manetherens Grenzen hatten fast bis zum heutigen Murandy gereicht, und mit etwas Glück hätte er in Andor sein können, wo Rand mit fester Hand seinen Einfluss ausübte, bevor er die Täuschung aufgeben musste. Das hatte sich jetzt geändert und er kannte den Preis für Änderungen. Es war ein sehr hoher Preis. Er war bereit, ihn zu zahlen, nur würde er es nicht sein, der ihn bezahlte. Aber er würde deswegen Albträume haben.

6

Der Gestank des Wahnsinns

Perrin suchte im fallenden Schnee nach Dannil, entdeckte ihn an einem der Lagerfeuer und schob sich an den Pferden vorbei. Die anderen Männer wichen weit genug zurück, um ihm Platz zu machen. Da sie nicht wussten, ob sie ihm ihr Mitgefühl zum Ausdruck bringen sollten, schauten sie ihn kaum an und wandten ruckartig die Blicke ab, wenn sie es taten und verbargen die Gesichter in ihren Kapuzen. »Weißt du, wo Masemas Leute sind?«, fragte er und musste dann ein Gähnen hinter der Faust verbergen. Sein Körper verlangte nach Schlaf, aber dafür war jetzt keine Zeit.

»Etwa drei Meilen nach Süden und Westen«, erwiderte Dannil in mürrischem Tonfall und zupfte gereizt an seinem Schnurrbart. Also hatten die albernen Gänse doch Recht gehabt. »Eilen herbei wie im Herbst die Enten in den Wasserwald und der Haufen sieht aus, als würden sie ihren eigenen Müttern die Haut abziehen.« Lern al'Dai mit dem Pferdegesicht spuckte angewidert durch die Zahnlücke aus, die er vor langer Zeit bei der Prügelei mit dem Leibwächter eines Wollhändlers davongetragen hatte. Lern kämpfte gern mit den Fäusten; er sah aus, als würde er gern mit einem von Masemas Anhängern Streit anfangen.

»Das würden sie auch, wenn Masema es ihnen befiehlt«, sagte Perrin leise. »Du solltest lieber dafür sorgen, dass das keiner vergisst. Ihr alle habt gehört, wie Berelains Männer gestorben sind?« Dannil nickte ruckartig, einige der anderen scharrten mit den Stiefeln und murmelten wütend vor sich hin. »Nur damit ihr Bescheid wisst. Es gibt keinen Beweis. Noch nicht.« Lern schnaubte verächtlich und die übrigen sahen so freudlos wie Dannil aus. Sie hatten die Leichen gesehen, die Masemas Anhänger zurückgelassen hatten.

Der Schnee fiel nun dichter; üppige Flocken sprenkelten die Umhänge der Männer. In wenigen Stunden würde wieder ein heftiger Schneesturm toben, wenn nicht schon früher. Kein Wetter, um die Wärme des Feuers zu verlassen. Kein Wetter, um zu reisen.

»Holt alle vom Hügel runter und bewegt euch auf den Ort des Hinterhalts zu«, befahl er. Das war eine der Entscheidungen, die er auf dem Rückweg getroffen hatte. Er hatte bereits zu lange gezögert, ganz egal, was dort draußen lauerte. Die abtrünnigen Aiel hatten bereits einen viel zu großen Vorsprang, und wären sie in eine andere Richtung als nach Süden oder Osten gereist, hätte ihm in der Zwischenzeit jemand darüber Bericht erstattet. Mittlerweile würden sie von ihm erwarten, dass er ihnen folgte. »Wir reiten, bis ich eine bessere Idee haben, wo es überhaupt hingehen soll, dann werden uns Grady und Neald durch ein Wegetor dorthin bringen. Schickt Männer zu Berelain und Arganda. Ich will, dass die Mayener und Ghealdaner ebenfalls aufbrechen. Man soll Späher aussenden und Männer, die die Flanken begleiten, und sagt ihnen, sie sollen nicht so verbissen nach den Aiel Ausschau halten, dass sie vergessen, dass es auch noch andere gibt, die uns möglicherweise umbringen wollen. Ich will in nichts hineinrennen, von dem ich vorher nichts gewusst habe. Und bittet die Weisen Frauen, in unserer Nähe zu bleiben.« Er traute es Arganda durchaus zu, trotz seiner Befehle zu versuchen, sie unter der Folter zu befragen. Wenn die Weisen Frauen zur Selbstverteidigung einige Ghealdaner töteten, würde der Kerl womöglich trotz des Treueides die Gruppe verlassen und allein weiterreiten. Und Perrin hatte das Gefühl, dass er jeden Kämpfer brauchen würde, den er bekommen konnte. »Sei so energisch, wie du es wagst.«

Dannil nahm die Befehlsflut unbewegt zur Kenntnis, aber bei der letzten Anweisung verzog sich sein Gesicht zu einer wenig erfreuten Grimasse. Er wäre eher dem Frauenzirkel in der Heimat energisch gegenübergetreten. »Wie Ihr befehlt, Lord Perrin«, sagte er steif und führte die Faust an die Stirn, bevor er sich in seinen Sattel schwang und anfing, lautstark Befehle zu geben.

Von Männern umgeben, die zu ihren Pferden eilten, schnappte sich Perrin Kenly Maerins Ärmel, solange der junge Mann erst einen Fuß im Steigbügel hatte, und bat ihn, Traber satteln und bringen zu lassen. Kenly legte mit einem breiten Grinsen die Faust an die Stirn. »Wie Ihr befehlt, Lord Perrin!«

Perrin knurrte innerlich, während Kenly seinen braunen Wallach in Richtung der angeseilten Pferde hinter sich herführte. Der junge Welpe sollte sich keinen Bart wachsen lassen, wenn er sich dauernd dort kratzte. Davon abgesehen sah das Ding sowieso ziemlich kümmerlich aus.

Er ging näher an das lodernde Feuer heran. Faile hatte gesagt, er müsste mit dem ständigen Lord Perrin hier und da und den Verbeugungen und Kratzfüßen leben, und zumeist gelang es ihm auch, es zu ignorieren, aber heute war es nur ein weiterer Tropfen Galle. Er konnte die Kluft spüren, die sich zwischen ihm und den Männern aus der Heimat immer weiter auftat, und er schien der Einzige zu sein, der sie überbrücken wollte. Gill fand ihn, wie er vor sich hinmurmelte, während er die Hände über die Flammen hielt.

»Vergebt mir die Störung, mein Lord«, sagte Gill, verbeugte sich und riss sich für einen Augenblick den Schlapphut herunter, um den mit spärlichem Bewuchs versehenen Kopf zu entblößen. Der Hut wurde sofort wieder auf den Kopf gestülpt, um den Schnee abzuhalten. In der Stadt aufgewachsen litt Gill schlimm unter der Kälte. Der stämmige Mann war keinesfalls unterwürfig — das waren nur wenige Schankwirte aus Caemlyn —, aber er schien ein gewisses Maß an Förmlichkeit zu mögen. Auf jeden Fall hatte er sich gut genug in seine neue Stellung eingearbeitet, um Falle zufrieden zu stellen. »Es ist der junge Tallanvor. Er hat beim ersten Tageslicht sein Pferd gesattelt und ist aufgebrochen. Er sagte, Ihr hättet ihm dazu die Erlaubnis gegeben, falls... falls bis dahin die ersten Suchmannschaften nicht zurück seien, aber ich habe mir meine Gedanken gemacht, weil Ihr sonst keinen gehen lassen wolltet.«

Dieser Narr. Obwohl Tallanvor nie besonders viel über seine Herkunft enthüllt hatte, zeichnete ihn alles als erfahrenen Soldaten aus, aber allein gegen die Aiel war er der Hase, der die Wiesel jagte. Licht, ich will mit ihm reiten! Ich hätte nicht aufBerelain hören sollen mit ihren Hinterhalten! Aber es hatte einen weiteren Hinterhalt gegeben. Argandas Späher würden womöglich auf die gleiche Weise enden. Aber er musste aufbrechen. Er musste es einfach.

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