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Die drei Musketiere

Электронная книга - «Die drei Musketiere». Краткое содержание книги:

Der junge, draufgängerische d’Artagnan aus der Gascogne macht sich 1625 auf den Weg nach Paris und wird zum Freund dreier Musketiere. Diese sind der prahlsüchtige, naiv-heldische Porthos, der undurchschaubare Athos, ein edler Ritter, dessen Ehe gescheitert ist, sowie Aramis, ein ehemaliger Geistlicher. Alle vier kämpfen gegen die Leibgarde des Staatsmanns und Kardinals Armand-Jean Richelieu (1585 bis 1642) und dessen Spionin Mylady de Winter.
Mylady jedoch ist Athos’ Ex-Frau, die sich zu einem intrigenreichen Kampf gegen die Musketiere rüstet: Sie soll im Auftrag Richelieus die Königin Anna von Österreich und spanische Gemahlin Ludwigs XIII. bloßstellen. Ihr wird ein Liebesverhältnis mit dem Herzog von Buckingham nachgesagt. Dieser soll auf Geheiß des eifersüchtigen Richelieu durch Mylady de Winter ermordet werden, weil er sich zuvor mit den Protestanten von La Rochelle, wo die Musketiere zu Helden aufgestiegen waren, verbündet hatte. Richelieu fädelt daraufhin weitere Intrigen ein …
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Ein Fest war etwas so Seltenes für die arme Anna von Oesterreich, daß bei dieser Ankündigung, wie es der Kardinal vorhergesehen hatte, die letzte Spur ihres Grolles, wenn nicht in ihrem Herzen, doch wenigstens auf ihrem Gesichte verschwand. Sie fragte, an welchem Tage dieses Fest statt haben sollte, aber der König antwortete, er müsse sich über diesen Punkt mit dem Kardinal verständigen.

Der König fragte den Richelieu wirklich jeden Tag, wann das Fest gegeben werden solle, und jeden Tag schob Richelieu eine bestimmte Aeußerung darüber unter irgend einem Vorwande hinaus.

Am achten Tage nach der von uns mitgetheilten Scene bekam der Kardinal einen Brief mit dem Stempel von London, der nur folgende Zeilen enthielt:

«Ich habe sie, aber ich kann London nicht verlassen, weil es mir an Geld fehlt; schickt mir fünfhundert Pistolen, und vier bis fünf Tage nach Empfang derselben bin ich in Paris.«

An demselben Tag, wo der Kardinal diesen Brief empfangen hatte, richtete der König seine gewöhnliche Frage an ihn.

Richelieu zählte an den Fingern und sagte ganz leise zu sich selbst:

«Sie wird, schreibt sie, vier bis fünf Tage nach Empfang des Geldes ankommen; das Geld braucht vier bis fünf Tage, um dort anzukommen, sie braucht vier bis fünf Tage, um hierher zu kommen: das macht zehn Tage; nun rechnen wir noch conträre Winde, etwaige Unfälle, Weiberschwäche dazu, und setzen wir zwölf Tage.«

«Nun, Herr Herzog, «sprach der König,»habt Ihr Eure Rechnung gemacht?«

«Ja, Sire, heute ist der 20. September; der Rath der Stadt Paris giebt am 3. Oktober ein Fest. Das trifft vortrefflich zusammen: dann sieht es nicht aus, als ob Ihr Euch so große Mühe gäbet, um die Königin zu versöhnen.«

«Doch, «fügte der Kardinal bei,»vergeßt nicht, Sire, am Vorabend des Festes Ihrer Majestät zu sagen, daß Ihr zu sehen wünscht, wie ihr die diamantenen Nestelstifte stehen.«

XVII. Die Haushaltung Bonacieux

Es war das zweite Mal, daß der Kardinal der diamantenen Nestelstifte gegen den König erwähnte. Ludwig XIII. war über diese Wiederholung betroffen und dachte, es müsse ein Geheimniß dahinter liegen, daß er ihm diesen Gegenstand so dringend empfahl.

Mehr als einmal hatte sich der König dadurch gedemüthigt gesehen, daß der Kardinal, der eine vortreffliche Polizei besaß, obgleich diese noch nicht die Vollendung der modernen Polizei erreicht hatte, über das, was in seinem eigenen Haushalt vorging, besser unterrichtet war, als er selbst. Er hoffte nun aus einem Gespräch mit Anna von Oesterreich einiges Licht zu gewinnen und sodann mit irgend einem Geheimniß, das der Kardinal mühte, zur Eminenz zurückzukehren, was ihn in den Augen seines Ministers unendlich erhöhen müßte.

Er suchte deßhalb die Königin auf und knüpfte seiner Gewohnheit gemäß die Unterredung mit neuen Drohungen gegen ihre Umgebung an. Anna von Oesterreich senkte den Kopf, ließ den Strom verlaufen, ohne zu antworten, und hoffte, er werde am Ende von selbst stille stehen; aber das war es nicht, was Ludwig XIII. wollte. Ludwig XIII. wollte einen Wortwechsel, aus dem irgend ein Lichtfunke hervorspringen würde, denn er war überzeugt, daß der Kardinal einen Hintergedanken habe und ihm eine von jenen furchtbaren Ueberraschungen bereite, welche Seine Eminenz herbeizuführen wußte. Er gelangte zu diesem Ziele durch seine Beharrlichkeit im Anschuldigen.

«Aber, «rief Anna von Oesterreich, dieser unbestimmten, schwankenden Angriffe müde,»aber, Sire, Ihr sagt mir nicht Alles, was Ihr auf dem Herzen habt; was habe ich denn gethan? Sprecht, welches Verbrechen habe ich begangen? Es ist nicht möglich, daß Ew. Majestät all diesen Lärmen wegen eines Briefes machen, den ich an meinen Bruder geschrieben.«

Seinerseits so direct angegriffen, wußte der König nicht, was er antworten sollte. Er dachte, dies sei der geeignete Augenblick, die Aufforderung anzubringen, die er erst am Vorabend des Festes machen sollte.

«Madame, «sprach er mit Hoheit,»es wird alsbald ein Ball im Rathhaus stattfinden. Ich erwarte, daß Ihr unsern braven Rathsherrn die Ehre anthun werdet, daselbst in Ceremonienkleidern und besonders mit den diamantenen Nestelstiften, die ich Euch an Euerem Namensfest gegeben habe, zu erscheinen. Das ist meine Antwort.«

Die Antwort war furchtbar; Anna von Oesterreich glaubte, Ludwig XIII. wisse Alles, und der Kardinal habe ihn zu dieser sechs- bis siebentägigen Verstellung bestimmt, die übrigens in seinem Charakter lag. Sie wurde todesblaß, stützte ihre bewunderungswürdig schöne Hand, welche jetzt von Wachs zu sein schien, auf eine Console, schaute den König mit erschrockenen Augen an und antwortete keine Sylbe.

«Ihr versteht, Madame, «sagte der König, der sich an dieser Verlegenheit in seiner ganzen Ausdehnung ergötzte, aber ohne die Ursache zu errathen,»Ihr versteht?«

«Ja, Sire, ich verstehe, «stammelte die Königin.

«Ihr werdet auf diesem Balle erscheinen?«

«Ja!«

«Mit Euren Nestelstiften?«

«Ja!«

Die Blässe der Königin nahm wo möglich noch zu, der König bemerkte es und waidete sich daran mit jener kalten Grausamkeit, welche eine der schlimmsten Seiten seines Charakters bildete.

«Dann ist die Sache abgemacht, «sprach der König,»und das ist Alles, was ich Euch zu sagen hatte.«

«Aber an welchem Tage soll der Ball stattfinden?«fragte Anna von Oesterreich.

Ludwig XIII. fühlte instinktmäßig, daß er auf diese Frage, welche die Königin mit beinahe ersterbender Stimme gethan hatte, nicht antworten durfte.

«Sehr bald, Madame, «sagte er,»aber ich erinnere mich nicht mehr genau des Datums und werde den Kardinal fragen.«

«Also hat Euch der Kardinal dieses Fest angekündigt!«rief die Königin. — »Ja, Madame, «erwiederte der König erstaunt.»Aber warum dies?«—»Er hat Euch gesagt, Ihr sollet mich auffordern, dabei mit diesen Nestelstiften zu erscheinen.«—»Das heißt, Madame…«—»Er, Sire!«—»Was liegt daran, ob er oder ich? Ist diese Aufforderung etwa ein Verbrechen?«—»Nein, Sire!«—»So werdet Ihr also erscheinen?«—»Ja, Sire!«—»Gut, «sprach der König sich entfernend,»ich zähle darauf.«

Die Königin machte eine Verbeugung, weniger aus Etikette, als weil ihre Kniee unter ihr brachen.

Der König schien entzückt.

«Ich bin verloren, «murmelte die Königin,»verloren, denn der Kardinal weiß Alles. Und er ist es, der den König antreibt, welcher nichts weiß, aber bald Alles erfahren wird. Ich bin verloren! Mein Gott! mein Gott! mein Gott!«

Sie knieete auf ein Kissen nieder und betete, den Kopf zwischen die zitternden Arme gesenkt.

Ihre Lage war in der That furchtbar. Buckingham war nach London zurückgekehrt. Frau von Chevreuse befand sich in Tours. Strenger als je überwacht, hatte die Königin eine geheime Ahnung, daß sie von einer ihrer Frauen verrathen wurde, ohne sich sagen zu können, von welcher. La Porte konnte den Louvre nicht verlassen. Sie hatte nicht eine Seele auf der Welt, der sie sich anvertrauen durfte.

Bei dem Unglück, das sie bedrohte, und bei der Verlassenheit, der sie preisgegeben war, brach sie in heftiges Schluchzen aus.

«Kann ich Ew. Majestät nichts nützen?«sprach plötzlich eine Stimme voll Sanftmuth und Mitleid.

Die Königin wandte sich lebhaft um, denn man konnte sich im Ausdruck dieser Stimme nicht täuschen: es war eine Freundin, welche so sprach.

An einer der Thüren, welche in das Gemach der Königin führten, erschien wirklich die hübsche Frau Bonacieux; sie war, als der König eintrat, damit beschäftigt gewesen, Kleider und Weißzeug in einem Kabinet zu ordnen. Sie konnte sich nicht entfernen und hatte Alles gehört. Die Königin stieß einen durchdringenden Schrei aus, als sie sich überrascht sah; denn in ihrer Angst erkannte sie anfangs die junge Frau nicht, die ihr La Porte gegeben hatte.

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