Die drei Musketiere
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Переводчик: Zoller
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Die drei Musketiere». Краткое содержание книги:
Mylady jedoch ist Athos’ Ex-Frau, die sich zu einem intrigenreichen Kampf gegen die Musketiere rüstet: Sie soll im Auftrag Richelieus die Königin Anna von Österreich und spanische Gemahlin Ludwigs XIII. bloßstellen. Ihr wird ein Liebesverhältnis mit dem Herzog von Buckingham nachgesagt. Dieser soll auf Geheiß des eifersüchtigen Richelieu durch Mylady de Winter ermordet werden, weil er sich zuvor mit den Protestanten von La Rochelle, wo die Musketiere zu Helden aufgestiegen waren, verbündet hatte. Richelieu fädelt daraufhin weitere Intrigen ein …
Die zwei Gatten trafen also, obgleich sie sich seit mehr als acht Tagen nicht gesehen hatten, obgleich im Verlauf dieser Woche wichtige Ereignisse unter ihnen vorgefallen waren, nicht ohne allen Zwang wieder zusammen; dessenungeachtet gab Herr Bonacieux eine wahre Freude kund und ging mit offenen Armen auf seine Frau zu.
Frau Bonacieux bot ihm die Stirne.
«Sprechen wir ein wenig, «sagte sie.
«Wie?«fragte Bonacieux erstaunt.
«Ja, allerdings; ich habe Dir eine Sache von der größten Wichtigkeit mitzutheilen.«
«In der That, ich habe ebenfalls einige sehr ernsthafte Fragen an Dich zu richten. Ich bitte Dich, erkläre mir ein wenig Deine Entführung.«
«Es handelt sich in diesem Augenblicke nicht hievon, «sagte Frau Bonacieux.
«Und wovon handelt es sich denn? von meiner Gefangenschaft?«
«Ich habe sie an demselben Tage erfahren; aber da Du keines Verbrechens, keiner Intriguen schuldig warst, da Du nichts wußtest, was Dich oder sonst Jemand hätte gefährden können, so legte ich nicht mehr Gewicht auf dieses Ereigniß, als es verdiente.«
«Ihr sprecht freundlich, Madame!«versetzte Bonacieux verletzt durch die geringe Theilnahme, welche seine Frau für ihn an den Tag legte.»Wißt Ihr, daß ich einen Tag und eine Nacht in einem Kerker der Bastille saß!«
«Ein Tag und eine Nacht sind bald vorüber. Lassen wir Deine Gefangenschaft und kommen wir auf das, was mich hieher führt.«
«Wie? was Dich hieher führt! Also nicht das Verlangen, einen Gatten wiederzusehen, von dem Du seit acht Tagen getrennt bist?«fragte der Krämer in äußerst gereiztem Tone.
«Zuerst dies und dann etwas Anderes.«
«Sprich!«
«Eine Sache von dem größten Interesse, wovon vielleicht unser zukünftiges Glück abhängt.«
«Unser zukünftiges Glück hat sich bedeutend verändert, seitdem ich Dich nicht mehr gesehen habe, und es sollte mich nicht wundern, wenn uns in einigen Monaten gar viele Leute darum beneiden würden.«
«Ja, besonders wenn Du die Anweisungen befolgen willst, die ich Dir geben werde.«
«Mir?«
«Ja, Dir! Es ist eine gute und heilige Handlung zu vollbringen, mein Freund, und vielleicht viel Geld dabei zu gewinnen.«
Frau Bonacieux wußte, daß sie ihren Mann bei der schwachen Seite faßte, wenn sie von Geld sprach.
Aber ein Mensch, und wäre es auch ein Krämer, ist, wenn er zehn Minuten mit dem Kardinal von Richelieu gesprochen hat, nicht mehr derselbe Mensch.
«Viel Geld zu gewinnen!«— sagte Bonacieux. — »Ja, viel!«
«Wie viel ungefähr?«—»Etwa tausend Pistolen.«—»Was Du von mir zu verlangen hast, ist also sehr wichtig?«—»Ja!«
«Was ist zu thun?«—»Du reisest sogleich ab, ich gebe Dir ein Papier, das Du unter keinem Vorwand aus Deinen Händen lassest, und nur an seine Adresse abgibst.«—»Und wohin soll ich reisen?«—»Nach London.«—»Ich nach London! Geh, Du scherzest; ich habe nichts in London zu thun!«—»Aber für Andere ist es nothwendig, daß Du dahin gehst.«—»Wer sind die Anderen? Ich sage Dir, daß ich nichts mehr blindlings thue, und will nicht nur wissen, welchen Gefahren ich mich aussetze, sondern für wen ich mich aussetze.«—»Eine vornehme Person schickt Dich, eine vornehme Person erwartet Dich. Die Belohnung wird Deine Wünsche übertreffen. Das ist Alles, was ich Dir versprechen kann.«—»Abermals Intriguen! immer Intriguen! ich danke, ich traue jetzt nicht mehr, und der Herr Kardinal hat mich hierüber aufgeklärt.«—»Der Kardinal?«rief Frau Bonacieux,»hast Du den Kardinal gesehen?«—»Er hat mich rufen lassen, «antwortete der Krämer stolz. — »Und Du hast seiner Einladung Folge geleistet, unkluger Mann?«—»Ich muß gestehen, daß es nicht in meiner Wahl stand, mich zu ihm zu begeben oder nicht; denn ich befand mich zwischen zwei Wachen. Ich kann nicht läugnen, daß ich, da ich damals Seine Eminenz nicht kannte, sehr entzückt gewesen wäre, mich von diesem Besuche frei machen zu können.«—»Er hat Dich also mißhandelt? er hat Dich bedroht?«—»Er hat mir die Hand gereicht und mich seinen Freund genannt — seinen Freund! hörst Du wohl? Ich bin der Freund des großen Kardinals!«—»Des großen Kardinals!«—»Wollt Ihr ihm vielleicht diesen Titel streitig machen, Madame?«—»Ich bestreite nichts, ich sage nur, daß die Gunst eines Ministers eine Eintagsfliege ist, und daß man ein Thor sein muß, um sich an einen Minister zu hängen. Es gibt Gewalten, die über den seinigen stehen, und nicht auf der Laune eines Menschen oder dem Ausgang eines Ereignisses beruhen; mit diesen Gewalten muß man sich verbinden.«—»Es thut mir leid, Madame, aber ich kenne keine andere Gewalt, als die des großen Mannes, dem ich zu dienen die Ehre habe.«—»Du dienst also dem Kardinal?«—»Ja, Madame, und als sein Diener werde ich nicht zugeben, daß Ihr Euch in Komplotte gegen die Sicherheit des Staates einlasset, und eine Frau, die keine Französin ist und ein spanisches Herz hat, in ihren Intriguen unterstützt. Zum Glück ist der große Kardinal da. Sein wachendes Auge dringt bis in die Tiefe des Herzens.«
Bonacieux wiederholte Wort für Wort eine Phrase, die er vom Grafen von Rochefort gehört hatte. Aber die arme Frau, die auf ihren Gatten gerechnet und sich in dieser Hoffnung bei der Königin für ihn verantwortlich gemacht hatte, zitterte darum nicht minder über die Gefahr, in die sie sich beinahe gestürzt, so wie über die Ohnmacht, in welche sie sich versetzt sah. Da sie jedoch die Schwäche und besonders die Habgier ihres Mannes kannte, so verzweifelte sie noch nicht daran, ihn zu ihrem Ziele zu lenken.
«Ah, Ihr seid ein Kardinalist, mein Herr, «rief sie,»ah! Ihr dient der Partei derjenigen, welche Eure Frau mißhandeln und Eure Königin beleidigen!«—»Die Privatinteressen sind nichts den allgemeinen Interessen gegenüber. Ich bin für diejenigen, welche den Staat retten, «sagte Bonacieux mit Pathos.
Das war abermals eine Phrase des Grafen von Rochefort, die er im Kopfe behalten hatte und hier gut angebracht glaubte.
«Und wißt Ihr, was der Staat ist, von dem Ihr sprecht?«sagte Frau Bonacieux die Achseln zuckend.»Begnügt Euch, ein Bürger ohne alle seine Unterscheidungen zu sein, und haltet Euch auf die Seite, welche Euch am meisten Vortheil bietet.«—»Ei, ei!«erwiederte Bonacieux, und schlug auf einen Sack mit gerundetem Wanste, der einen silbernen Ton von sich gab.»Was sagt Ihr hievon, Frau Predigerin?«—»Woher kommt dieses Geld?«—»Ihr errathet es nicht?«—»Vom Kardinal?«—»Von ihm und von meinem Freunde, dem Grafen von Rochefort.«—»Von dem Grafen von Rochefort! Aber das ist ja derjenige, welcher mich weggeschleppt hat.«—»Das kann sein, Madame.«—»Und Ihr nehmt Geld von diesem Menschen an?«—»Habt Ihr mir nicht gesagt, diese Entführung sei ganz politischer Natur gewesen?«—»Ja, aber der Zweck dabei war, mich zu einem Verrath an meiner Gebieterin zu veranlassen, mir durch Foltern Geständnisse zu erpressen, welche die Ehre und vielleicht das Leben der erhabenen Fürstin bloßstellen sollten.«—»Madame, «entgegnete Bonacieux,»Eure erhabene Fürstin ist eine treulose Spanierin, und was der große Kardinal thut, ist wohlgethan.«—»Mein Herr, «sprach die junge Frau,»ich kannte Euch als feig, geizig und einfältig, aber ich wußte nicht, daß Ihr ehrlos seid!«—»Madame, «sagte Bonacieux, der seine Frau nie zornig gesehen hatte und vor dem ehelichen Grimme zurückwich;»Madame, was sagt Ihr da?«—»Ich sage, daß Ihr ein Elender seid!«fuhr Madame Bonacieux fort, der es nicht entging, daß sie wieder einigen Einfluß auf ihren Gatten gewann.»Ah! Ihr treibt Politik, Ihr! und zwar kardinalistische Politik! Ah! Ihr verkauft um schnödes Gold Leib und Seele an den Teufel!«—»Nein, aber an den Kardinal.«—»Das ist ganz dasselbe. Wer Richelieu sagt, sagt Satan.«—»Schweigt, Madame, schweigt, man könnte Euch hören!«—»Ihr habt Recht, und ich würde mich Eurer Feigheit schämen.«—»Aber was verlangt Ihr denn von mir? laßt hören!«—»Ich habe Euch gesagt, mein Herr, daß Ihr stehenden Fußes abreisen und den Auftrag, dessen ich Euch würdige, sogleich vollziehen sollt, unter dieser Bedingung vergebe ich Alles, vergesse ich Alles; mehr noch«— sie reichte ihm die Hand —»ich schenke Euch wieder meine Freundschaft.«