Die Fünfundvierzig
- Автор: Дюма Александр
- Язык: немецкий
- Жанр: Исторические приключения
Электронная книга - «Die Fünfundvierzig». Краткое содержание книги:
»Die Stadt wird jedoch überdies vom Hauptmann von der Scharwache mit seinen Bogenschützen verteidigt. Wir haben nun folgendes ersonnen:
»Wir nehmen den Hauptmann von der Scharwache in seiner Wohnung fest. Der Handstreich läßt sich ohne Lärm ausführen, da der Ort öde und abgelegen ist.«
Mayenne schüttelte den Kopf und erwiderte: »So öde und abgelegen er sein mag, so sprengt man doch nicht ein gutes Tor und tut nicht etliche und zwanzig Büchsenschüsse ohne Lärm.«
»Wir haben diesen Einwurf vorhergesehen, gnädigster Herr; einer von den Bogenschützen des Hauptmanns von der Scharwache ist uns ergeben. Mitten in der Nacht klopfen wir nun an das Tor; der Bogenschütze öffnet uns und meldet dem Hauptmann, Seine Majestät wolle ihn sprechen. Das ist nichts Auffallendes. Ungefähr einmal im Monat wird dieser Offizier zum König berufen, um Meldungen zu machen und Aufträge in Empfang zu nehmen. Ist das Tor offen, so lassen wir zehn Mann von den Schiffsleuten eintreten und den Hauptmann von der Scharwache expedieren.« – »Das heißt erwürgen.« »Ja, gnädigster Herr. So sind die ersten Befehle zur Verteidigung abgeschnitten. Es ist wahr, es können andere Beamte von den zitternden Bürgern oder den Politikern vorgeschoben werden; da ist der Herr Präsident, sodann der Chevalier d'O., Herr von Chiverney, der Herr Staatsanwalt Laguesle; nun wohl! Man wird sich ihrer Häuser zu gleicher Zeit bemächtigen; die Bartholomäusnacht hat uns gelehrt, wie man das macht, und man wird sie behandeln, wie man den Herrn Hauptmann von der Scharwache behandelt hat.«
»Ah! ah!« rief der Herzog, der die Sache ernst fand.
»Das wird eine vortreffliche Gelegenheit sein, gnädigster Herr, über die Politiker herzufallen, die sämtlich in unseren Quartieren bezeichnet sind, um den religiösen wie den politischen Ketzern den Garaus zu machen.«
»Dies alles ist herrlich,« sagte Mayenne, »doch ihr habt mir nicht erklärt, ob ihr auch in einem Augenblick den Louvre, ein wahres befestigtes Schloß, nehmen werdet, wo beständig Garden und Edelleute wachen. Der König, so furchtsam er auch sein mag, wird sich nicht erwürgen lassen, wie der Hauptmann von der Scharwache; er wird das Schwert ergreifen, und, bedenkt Wohl, er ist der König; seine Gegenwart wird eine große Wirkung auf die Bürger hervorbringen, und man wird euch schlagen.«
»Wir haben viertausend Mann zur Expedition nach dem Louvre ausgewählt, und viertausend Mann lieben den Valois nicht hinreichend, daß seine Gegenwart die von Euch bezeichnete Wirkung hervorbringen dürfte.«
»Ihr glaubt, das werde genügen?« – »Gewiß, wir sind zehn gegen einen,« sagte Bussy-Leclerc.
»Und die Schweizer? Es sind ihrer viertausend, meine Herren!« – »Ja, aber sie stehen in Lagny, und Lagny ist acht Meilen von Paris; nehme ich nun an, der König könne ihnen Nachricht senden, so brauchen die Boten zwei Stunden zu dem Ritt, die Schweizer acht Stunden, um den Weg zu Fuß zurückzulegen, das macht zehn Stunden, und sie werden gerade zu rechter Zeit kommen, um an den Barrieren festgenommen zu werden, denn in zehn Stunden sind wir Herren der ganzen Stadt.«
»Wohl! es sei, ich gebe dies alles zu; der Hauptmann von der Scharwache ist erwürgt; die Politiker sind umgebracht, die Behörden der Stadt sind verschwunden; alle diese Hindernisse sind überwunden; ohne Zweifel habt ihr euch entschieden, was ihr dann tun werdet?« – »Wir machen eine Regierung als ehrliche Leute, wie wir sind,« sagte Brigard, »und wenn wir nur in unserem kleinen Gewerbe mit Vorteil arbeiten, wenn uns das Brot für unsere Frauen und Kinder gesichert ist, verlangen wir nicht mehr. Der Ehrgeiz des einen oder des andern von uns wird ihn vielleicht wünschen lassen, Zehner oder Viertelsmeister oder Kommandant einer Kompagnie zu werden; aber höher streben unsere Wünsche nicht; Ihr seht, daß wir nicht anspruchsvoll sind.«
»Herr Brigard, Ihr sprecht goldene Worte,« sagte der Herzog; »ja, ihr seid ehrlich, ich weiß es wohl, und ihr werdet in euren Reihen keine fremde Mischung dulden.«
»Oh! nein, nein,« riefen mehrere Stimmen, »keine Hefe bei dem guten Wein!«
»Vortrefflich!« rief der Herzog, »das heiße ich sprechen. Laßt nun hören, Herr Leutnant von der Prevoté, sagt, gibt es viele Taugenichtse und schlimmes Voll im Bezirk der Hauptstadt?«
Nicolas Poulain, der sich nicht ein einziges Mal vorangestellt hatte, trat nun gleichsam wider seinen Willen vor und antwortete: »Ja, gnädigster Herr; es gibt nur zu viel.«
»Könnt Ihr uns ungefähr die Zahl dieses Pöbels nennen?« – »Ja, ungefähr.«
»Schätzt ihn also, Meister Poulain.«
Poulain rechnete an den Fingern. »Diebe, drei- bis viertausend. Müßiggänger und Bettler, zweitausend bis zweitausendfünfhundert. Gelegentliche Diebe, fünfzehnhundert bis zweitausend. Mörder, vier- bis fünfhundert.« »Gut, gering gerechnet sind dies sechstausend oder sechstausendfünfhundert Galgenvögel. Welcher Religion gehören diese Leute an?« »Wie beliebt, gnädigster Herr?«
»Sind es Hugenotten oder Katholiken?« – Lachend erwiderte Poulain: »Sie sind von allen Religionen, Monseigneur, oder vielmehr von einer einzigen; ihr Gott ist das Geld, und das Blut ist ihr Prophet.«
Gut, und was ist ihr politisches Glaubensbekenntnis? Sind sie Anhänger von Valois, sind sie Ligisten, eifrige Politiker oder Navarresen?« – »Sie sind Räuber und Diebe.«
»Gnädigster Herr,« sagte Crucé, »glaubt nicht, daß wir diese Menschen je zu Verbündeten nehmen werden!«
»Nein, ich denke das nicht, und das ist es gerade, was mich ärgert.«
»Und warum ärgert Euch das?« fragten erstaunt einige Mitglieder der Deputation. – »Ah! begreift Wohl, meine Herren, diese, Leute, die keine Religion, keine Meinung haben, und die also nichts mit euch verbindet, werden, wenn sie sehen, daß es in Paris keine Behörden, keine öffentliche Macht, kein Königtum mehr gibt, eure Buden plündern, während ihr Krieg führt, und eure Häuser ausleeren, indes ihr den Louvre besetzt; bald werden sie sich an die Schweizer gegen euch, bald an euch gegen die Schweizer anschließen, so daß sie stets die Stärkeren sind.«
»Teufel!« riefen die Deputierten, indem sie einander anschauten.
»Ich denke, das ist ernst genug, um es in Erwägung zu ziehen, nicht wahr, meine Herren?« sagte der Herzog. »Ich meinesteils beschäftige mich sehr viel hiermit und werde ein Mittel suchen, diesem Übel zu begegnen; denn vor allem euer Interesse, das ist der Wahlspruch meines Bruders und der meinige.«
Die Deputierten ließen ein Gemurmel des Beifalls vernehmen.
»Meine Herren, erlaubt einem Mann, der vierundzwanzig Meilen Tag und Nacht zu Pferd zurückgelegt hat, einige Stunden zu schlafen; es ist keine Gefahr im Verzug, wenigstens jetzt nicht, während, wenn ihr handeln würdet, Gefahr vorhanden wäre; das ist vielleicht nicht eure Ansicht?« – »Doch, Herr Herzog,« sagte Brigard.
»Sehr gut.« – »Wir nehmen also untertänigst Abschied von Euch, gnädigster Herr,« fuhr Brigard fort, »und wenn Ihr uns eine neue Zusammenkunft bestimmen wolltet ...«
»Seid unbesorgt, so bald als möglich, meine Herren,« sagte Mayenne; »morgen vielleicht, spätestens übermorgen,« Und er entließ sie, während sie noch ganz betäubt über diese weise Vorsicht waren, die eine Gefahr entdeckt hatte, die ihnen nicht entfernt eingefallen war.
Doch kaum war er verschwunden, als sich eine in der Tapete verborgene Tür öffnete und eine Frau hastig in den Saal trat.
»Die Herzogin!« riefen die Abgeordneten.
»Ja, meine Herren, und sie wird euch der Verlegenheit entziehen,« rief die Herzogin.
Die Abgeordneten, die ihre Entschlossenheit kannten, aber auch ihren Enthusiasmus fürchteten, drängten sich um sie.