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Электронная книга - «Die Fünfundvierzig». Краткое содержание книги:

Die Fünfundvierzig
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›Euer wohlgewogener usw. usw.‹«

Nachdem er so gelesen, legte Chicot seinen Kopf in seine Hände und sagte: »Oh! mir scheint, das ist ein böser Auftrag, eine schlimmere Gefahr als Mayenne. In der Tat, Mayenne ist mir lieber.

»Und dennoch ist der Brief, abgesehen von seinem gestickten Beutel, den ich ihm beim Teufel nicht verzeihe, das Werk eines geschickten Mannes. Angenommen, daß Henriot von dem Teig geknetet ist, aus dem man gewöhnlich Ehemänner macht, so entzweit ihn dieser Brief mit einem Schlag mit seiner Frau, mit Turenne, Anjou, Guise und sogar mit Spanien. Um im Louvre so gut von dem unterrichtet zu sein, was bei Heinrich von Navarra in Pau vorgeht, muß Heinrich von Valois einen Spion dort haben, und dieser Spion wird Henriot ungemein ärgern.

»Andererseits wird mir dieser Brief viele Unannehmlichkeiten zuziehen, wenn ich einen Spanier, einen Lothringer, einen Bearner oder einen Flamländer treffe, der neugierig genug ist, wissen zu wollen, warum man mich nach Bearn schickt.

»Oh! ich wäre sehr unvorsichtig, wenn ich mich nicht auf das Begegnen mit einem solchen Neugierigen gefaßt machte. Täusche ich mich nicht sehr, so muß besonders Herr Borromée etwas gegen mich im Schilde führen.

»Zweiter Punkt.

»Was hat Chicot gesucht, als er eine Sendung zu König Heinrich verlangte? Die Ruhe war sein Ziel.

»Nun wird Chicot den König von Navarra mit seiner Frau entzweien.

»Das ist nicht Chicots Sache, da er sich, wenn er so mächtige Personen entzweit, Todfeinde machen muß, die ihn hindern werden, das glückliche Alter von achtzig Jahren zu erreichen.

»Meiner Treu, desto besser, man lebt nur gut, solange man jung ist. Aber es wäre ebensoviel wert, den Messerstich des Herrn von Mayenne zu erwarten.

»Nein, denn es muß Gegenseitigkeit in allen Dingen stattfinden, das ist Chicots Wahlspruch.«

So weiter philosophierend, beschloß er, seine Reise fortzusetzen. Zunächst aber übersetzte er den Brief ins Lateinische und prägte ihn seinem Gedächtnisse ein, sodann zerriß er das Papier in unzählige kleine Fetzen, die er sorglich in alle Winde zerstreute. Inzwischen kam er in die Stadt Corbeil, wo er in aller Eile ein Mahl nahm und sodann dem Wirt einen Klepper abkaufte, mit dem er seine Reise fortsetzte.

Wir wollen das Mahl nicht beschreiben, das er zu sich nahm; wir werden es nicht einmal versuchen, das Pferd zu schildern, das er im Stalle des Gastwirts kaufte; das wäre eine zu harte Aufgabe für uns; wir sagen nur, daß das Mahl lange genug währte, und daß das Pferd mangelhaft genug war, um uns, wenn unser Gewissen minder groß wäre, Stoff zu beinahe einem Bande zu liefern.

Die vier Winde.

Chicot ritt auf seinem kleinen Pferde, das ein sehr starkes Pferd sein mußte, um eine so große Person zu tragen, nach Fontainebleau, wo er über Nacht blieb, und machte am anderen Morgen eine Wendung nach rechts, einem kleinen Dorfe namens Orgeval zu. Er hätte gern an diesem Tage noch einige Meilen zurückgelegt, denn es schien ihn zu drängen, sich von Paris zu entfernen, aber sein Roß fing an, so häufig zu stolpern, daß er glaubte anhalten zu müssen.

Überdies hatten seine sonst so geübten Augen den ganzen Weg entlang nichts bemerkt. Menschen, Wagen, Barrieren waren ihm völlig harmlos vorgekommen.

Doch obgleich scheinbar sicher, lebte Chicot nicht in Sicherheit; niemand, unsere Leser müssen dies wissen, glaubte und traute weniger dem Anschein als Chicot.

Ehe er sich niederlegte und sein Pferd rasten ließ, untersuchte er mit der größten Sorgfalt das ganze Haus. Man zeigte ihm sehr hübsche Zimmer mit drei oder vier Eingängen, doch nach Chicots Ansicht hatten diese Zimmer nicht nur zu viele Türen, sondern die Türen schlossen auch nicht gut genug.

Der Wirt hatte ein großes Kabinett ausbessern lassen, mit einer einzigen Tür, die auf die Treppe ging und im Innern mit furchtbaren Riegeln versehen war.

In diesem Kabinett ließ er sich ein Bett aufschlagen. Er ließ die Riegel in ihren Schließkappen spielen, bestellte das Abendessen in sein Kabinett, speiste, verbot den Tisch wegzunehmen unter dem Vorwand, es befalle ihn oft in der Nacht ein Heißhunger, entkleidete sich sodann, legte seine Kleider auf einen Stuhl und ging zu Bette.

Doch ehe er zu Bette ging, zog er zu größerer Sicherheit seine Börse oder vielmehr den Sack mit Talern aus seinen Kleidern und legte ihn mit seinem guten Schwerte unter sein Kopfkissen. Dann wiederholte er dreimal in seinem Geiste den Brief.

Der Tisch bildete für ihn ein zweites Fort, und dennoch dünkte ihm dieser Wall nicht stark genug; er stand auf, nahm einen Schrank in seine Arme und stellte ihn vor den Ausgang, den er dadurch hermetisch verschloß. Er hatte also zwischen sich und jedem möglichen Angriffe eine Tür, einen Schrank und einen Tisch.

Das Wirtshaus hatte Chicot beinahe unbewohnt geschienen. Der Wirt hatte ein ehrliches Gesicht; es ging an diesem Abend ein Wind, um den Ochsen die Hörner auszureißen, und man hörte in den benachbarten Bäumen das furchtbare Krachen, das ein so süßes, so gastliches Geräusch für den wohlbewahrten, in einem guten Bett ausgestreckten Reisenden ist.

Nachdem Chicot alle seine Verteidigungsanstalten getroffen hatte, versenkte er sich behaglich in sein Lager. Es ist nicht zu leugnen, das Bett war weich und so eingerichtet, daß es einen Mann vor jeder Beunruhigung bewahrte, käme sie von Menschen oder Dingen.

Als Mann von Geist nahm Chicot noch ein neu erschienenes Buch eines Maire von Bordeaux, den man Montagne oder Montaigne, nannte, vor. Es geschah indessen, daß er, während er sein achtes Kapitel las, entschlief. Die Lampe brannte noch; die Tür war, durch den Schrank und den Tisch befestigt, geschlossen; das Schwert lag mit den Talern unter dem Kopfkissen. Der Erzengel Michael würde geschlafen haben wie Chicot, ohne an Satan zu denken, selbst wenn er den brüllenden Löwen jenseits der Tür gehabt hätte...

Während er jedoch schlief, kam es Chicot vor, als ob der Sturm heftiger würde, und besonders, als ob er auf eine ungewöhnliche Weise näherkäme. Plötzlich erschüttert ein Windstoß von unbesiegbarer Kraft die Tür, sprengt Schließkappen und Riegel und schlägt an den Schrank, der sein Gleichgewicht verliert, auf die Lampe fällt, die erlischt, und den Tisch umstürzt.

Es war Chicot gegeben, während er gut schlief, leicht und rasch und mit aller Geistesgegenwart zu erwachen; diese Geistesgegenwart deutete ihm an, lieber in den Gang hinter dem Bett zu schlüpfen, als vorn hinauszusteigen. Während er nun in den Bettgang schlüpfte, fuhren seine raschen, geübten Hände links nach dem Geldsack und rechts nach dem Griffe des Schwertes.

Chicot riß die Augen weit auf. Es war tiefe Nacht. Chicot öffnete die Ohren, und es schien ihm, als ob diese Nacht buchstäblich durch den Kampf der vier Winde zerrissen würde, die sich das ganze Zimmer streitig machten... von dem Schrank, den der Tisch immer mehr zerdrückte, bis zu den Stühlen, die rollten und sich stießen, während sie sich an die anderen Gerätschaften anhingen.

Bei diesem ganzen Lärm kam es Chicot vor, als wären die vier Windgötter in Fleisch und Knochen bei ihm eingetreten, und als hätte er es mit Eurus, Notus, Aquilo und Boreas mit ihren dicken Backen und besonders mit ihren dicken Füßen zu tun.

Chicot fügte sich, weil er begriff, daß er gegen diese Götter nichts zu tun vermochte, und kauerte sich in die Ecke seines Bettganges. Nur hielt er die Spitze seines Schwertes vorgestreckt gegen den Wind oder vielmehr gegen die Winde. Nach einigen Minuten des abscheulichsten Gepolters, das je ein menschliches Ohr zerrissen, benutzte Chicot jedoch einen Augenblick der Rast und schrie: »Zu Hilfe!«

Kurz, Chicot machte ganz allein so viel Lärm, daß die Elemente sich besänftigten, und nach sechs oder acht Minuten, während deren Eurus, Notus, Boreas und Aquilo sich fechtend zurückzugehen schienen, kam der Wirt mit einer Laterne und beleuchtete das Drama.

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