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Электронная книга - «Die Fünfundvierzig». Краткое содержание книги:

Die Fünfundvierzig
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Ungefähr gegen halb drei Uhr erblickten sie einen Mann, der mit einem Hunde dahinging; er war groß und hatte einen Degen an seiner Seite, doch war es nicht Chicot, obgleich er dieselben würdigen Arme und Beine hatte.

Noch ganz kotig, konnte Sainte-Maline nicht an sich halten; er sah, daß Ernauton weiter ritt und gar nicht auf diesen Mann achtgab. Der Gedanke, seinen Gefährten auf einem Fehler zu ertappen, durchzuckte wie ein boshafter Blitz den Geist des Gaskogners; er ritt auf den Unbekannten zu und redete ihn an.

»Reisender,« fragte er, »erwartet Ihr etwas?« –

Der Reisende schaute Sainte-Maline an, dessen Aussehen, es ist nicht zu leugnen, in diesem Augenblick nicht sehr lieblich war. Das zornverstörte Gesicht, die kotbedeckten Kleider, die blutigen Wangen, seine dicken zusammengezogenen Augenbrauen, eine fieberhafte, mehr drohend als fragend gegen ihn ausgestreckte Hand, dies alles kam dem Fußgänger Unheil weissagend vor.

»Erwarte ich etwas, so erwarte ich keinen Menschen,« antwortete er, »und erwarte ich einen Menschen, so seid Ihr dieser Mensch sicher nicht.«

»Ihr seid sehr unhöflich,« sagte Sainte-Maline, entzückt, endlich eine Gelegenheit zu finden, seinem Zorn die Zügel schießen lassen zu können, und zugleich wütend, daß er durch seinen Irrtum seinem Gegner einen neuen Triumph verschaffte. Und während er sprach, hob er seine mit einer Gerte bewaffnete Hand auf, um den Reisenden zu schlagen; dieser aber schwang seinen Stock, versetzte Sainte-Maline einen Schlag auf die Schulter und pfiff sodann seinem Hund, der dem Pferde an die Beine und dem Reiter an den Schenkel sprang und hier einen Fetzen Fleisch und da ein Stück Stoff abriß.

Durch den Schmerz gestachelt, lief das Pferd abermals davon, ohne daß es Sainte-Maline, der im Sattel blieb, anhalten konnte. So schoß er an Ernauton vorüber, der ihn vorbeireiten sah, ohne nur über sein Mißgeschick zu lächeln.

Als es ihm gelungen war, sein Pferd wieder zu beruhigen, und als ihn Ernauton wieder eingeholt hatte, fing sein Stolz an, nicht abzunehmen, sondern ganz zu schwinden.

»Nun, nun!« sagte er, indem er zu lächeln suchte, »ich habe heute meinen unglücklichen Tag, wie es scheint. Dieser Mensch glich doch sehr dem Porträt, das uns Seine Majestät von dem entworfen hat, den wir aufsuchen sollen.«

»Der, den uns Seine Majestät bezeichnete, hatte keinen Stock und keinen Hund.«

»Es ist wahr, wenn ich es überlegt hätte, so hätte ich eine Quetschung weniger an den Schultern und einen Biß weniger am Schenkel. Wie ich sehe, ist es besser, weise und ruhig zu sein.«

Ernauton antwortete nicht; doch er erhob sich auf den Steigbügeln, hielt die Hand über die Augen und rief: »Dort ist der, den wir suchen; er wartet auf uns.«

»Pest! mein Herr, Ihr habt ein gutes Gesicht,« sagte mit dumpfem Tone Sainte-Maline, eifersüchtig auf diesen neuen Vorzug seines Gefährten. »Ich unterscheide nur einen Punkt und dies mit Mühe.«

Ernauton ritt, ohne etwas zu erwidern, weiter; bald konnte Sainte-Maline ebenfalls den vom König bezeichneten Mann sehen und erkennen. Es ergriff ihn eine schlimme Bewegung. Er trieb sein Pferd vorwärts, um zuerst anzukommen.

Ernauton war darauf gefaßt; er schaute ihn ohne eine Drohung und ohne eine scheinbare Absicht an. Dieser Blick machte, daß Sainte-Maline in sich ging und sein Pferd wieder in Schritt setzte.

Sainte-Maline.

Ernauton hatte sich nicht getäuscht, der bezeichnete Mann war wirklich Chicot. Chicot besaß seinerseits ein gutes Gesicht und ein gutes Gehör; er hatte die Reiter von fern gesehen und gehört. Er vermutete, sie wollten etwas von ihm, und erwartete sie deshalb.

Als ihm in dieser Hinsicht kein Zweifel mehr blieb und er gesehen hatte, daß die Reiter ihre Richtung gegen ihn nahmen, legte er seine Hand an den Griff seines Degens, um eine edle Haltung anzunehmen. Ernauton und Sainte-Maline schauten sich eine Minute lang, beide stumm, an.

»An Euch ist es,« sagte Ernauton, sich vor seinem Gegner verbeugend.

Sainte-Maline erstickte beinahe; die Überraschung durch diese Höflichkeit schnürte ihm die Gurgel zusammen; er antwortete nur, indem er den Kopf neigte.

Als Ernauton sah, daß er schwieg, nahm er das Wort und sagte zu Chicot: »Mein Herr, wir, dieser Herr und ich, sind Eure Diener.«

Chicot verbeugte sich mit seinem anmutigsten Lächeln.

»Wäre es unbescheiden, Euch um Euren Namen zu fragen?« fuhr der junge Mann fort. – »Ich heiße der Schatten, mein Herr.« »Ihr erwartet etwas?« – »Ja.«

»Nicht wahr, Ihr werdet so gut sein, uns zu sagen, was Ihr erwartet?« – »Ich erwarte einen Brief.«

»Ihr begreift unsere Neugierde, mein Herr, sie hat nichts Beleidigendes für Euch.«

Chicot verbeugte sich beständig und zwar mit einem immer freundlicheren Lächeln.

»Woher erwartet Ihr diesen Brief?« – »Vom Louvre.«

»Mit welchem Siegel?« – »Mit dem königlichen Siegel.«

Ernauton legte die Hand an die Brust und fragte: »Ihr würdet diesen Brief erkennen?« – »Ja, wenn ich ihn sehen würde.«

Ernauton zog den Brief aus der Brust.

»Das ist er,« sagte Chicot, »und nicht wahr, Ihr wißt, daß ich Euch etwas dafür geben muß?« – »Einen Empfangschein.«

»Mein Herr,« sagte Ernauton, »ich war vom König bestellt, Euch diesen Brief zu tragen, doch dieser Herr ist beauftragt, ihn Euch zu übergeben.« Und er reichte den Brief Sainte-Maline, der ihn nahm und Chicot in die Hände legte.

Um jede Eifersucht zu ersticken, schrieb Chicot auf Ernautons Rat für jeden der beiden Boten folgenden Empfangschein:

»Aus den Händen des Herrn René von Sainte-Maline den von Herrn Ernauton von Carmainges getragenen Brief empfangen zu haben, bescheinigt

»Der Schatten.«

»Gott befohlen, mein Herr,« sagte Sainte-Maline, der sich seines Scheins bemächtigte.

»Gott befohlen und glückliche Reise,« fügte Ernauton hinzu; »habt Ihr noch etwas anderes im Louvre zu bestellen?« – »Durchaus nichts, meine Herren, großen Dank.«

Ernauton und Sainte-Maline wandten ihre Pferde Paris zu, und Chicot entfernte sich mit einem Schritt, um den ihn das beste Maultier beneidet hätte.

Als Chicot verschwunden war, hielt Ernauton, der kaum hundert Schritte zurückgelegt hatte, sein Pferd kurz an und sagte zu Sainte-Maline: »Nun, mein Herr, steigt ab, wenn Ihr wollt!«

»Und warum?« fragte Sainte-Maline erstaunt.

»Unsere Aufgabe ist vollbracht, und wir können nun ein Wort miteinander reden. Der Ort scheint mir vortrefflich dafür geeignet.«

»Nach Eurem Belieben,« erwiderte Sainte-Maline, indem er vom Pferde stieg, wie es sein Gefährte schon getan hatte.

Als er auf der Erde war, näherte sich ihm Ernauton und sagte: »Ihr wißt, mein Herr, daß Ihr mich ohne Veranlassung und ohne allen Grund auf dem ganzen Wege schwer beleidigt habt. Mehr noch: Ihr wolltet mich bewegen, in einem ungeeigneten Augenblick den Degen in die Hand zu nehmen, und ich weigerte mich. Doch jetzt ist der Augenblick da, und ich bin Euer Mann.«

Sainte-Maline hörte diese Worte mit düsterer Miene und gefalteter Stirn; aber da er nicht mehr in dem Strome des Zornes war, der ihn über alle Grenzen fortgerissen hatte, wollte er sich seltsamerweise nicht mehr schlagen. Die Überlegung hatte ihm seinen gesunden Verstand wiedergegeben.

»Mein Herr,« antwortete er, nachdem er einen Augenblick geschwiegen hatte, »Ihr habt mir meine Beleidigungen durch Dienste erwidert; ich vermöchte daher nicht mehr die Sprache gegen Euch zu führen, die ich vorhin führte.«

Ernauton faltete die Stirn und entgegnete: »Nein, doch Ihr denkt noch, was Ihr vorhin ausspracht.«

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