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Электронная книга - «Die Fünfundvierzig». Краткое содержание книги:

Die Fünfundvierzig
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Die Szene, auf der es gespielt hatte, bot einen kläglichen Anblick und glich sehr einem Schlachtfelde. Der große Schrank entblößte, auf den zermalmten Tisch gestürzt, die angellose Tür, die, nur noch von einem Riegel gehalten, hin und her schwankte wie das Segel eines Schiffes; die drei oder vier Stühle des Kabinetts hatten den Rücken umgedreht und die Füße in der Luft. Das Geschirr, das auf dem Tisch gestanden hatte, lag, in tausend Stücke zerbrochen, auf dem Boden.

»Ist denn hier die Hölle los!« rief Chicot, als er den Wirt beim Scheine der Laterne erkannte.

»Ah! mein Herr,« rief der Wirt, da er den furchtbaren Schaden bemerkte, der angerichtet war; »oh! mein Herr, was ist denn geschehen?«

Und er hob die Hände und folglich auch seine Laterne zum Himmel.

»Sprecht, mein Freund, wieviel Teufel wohnen bei Euch?« brüllte Chicot.

»Oh! Jesus! Welch ein Wetter!« erwiderte der Wirt mit derselben pathetischen Gebärde.

»Eure Riegel halten also nicht?« fuhr Chicot fort, »Euer Haus ist ein Kartenhaus? Ich will lieber von hier weggehen, ich ziehe das freie Feld vor.«

Und Chicot erhob sich aus seinem Bettgange und erschien, das Schwert in der Hand, in dem Raum, der zwischen dem Fuße des Bettes und der Wand freigeblieben war.

»Oh! Meine armen Möbel!« seufzte der Wirt.

»Und meine Kleider!« rief Chicot. »Wo sind sie, meine Kleider, die auf diesem Stuhle lagen?« – »Eure Kleider,« erwiderte der Wirt mit großer Naivität, »wenn sie hier waren, so müssen sie noch hier sein.«

»Wie... wenn sie hier waren, glaubt Ihr denn etwa, ich sei gestern in dem Kostüm gekommen, in dem Ihr mich jetzt seht?« Hierbei suchte sich Chicot vergebens in sein leichtes Hemd zu hüllen. – »Mein Gott!« sagte der Wirt, verlegen, was er auf ein solches Argument antworten sollte, »ich weiß wohl, daß Ihr angekleidet wart.«

»Es ist ein Glück, daß Ihr dies zugesteht.« – »Aber ...«

»Was aber?« – »Der Wind hat alles geöffnet, alles zerstreut.«

»Ah! das ist ein Grund.« – »Ihr seht wohl,« rief der Wirt lebhaft.

»Wenn der Wind irgendwo hereinkommt, so kommt er doch aber von außen.« – »Ganz gewiß.«

»Wohl! der Wind mußte also, da er hier hereinkam, die Kleider von anderen in mein Zimmer bringen, statt die meinigen, ich weiß nicht wohin, fortzutragen.« – »Oh! bei Gott, ja, das scheint mir so. Indessen ist der Beweis vom Gegenteil vorhanden, oder er scheint vorhanden zu sein.«

»Gevatter,« sagte Chicot, der mit seinem forschenden Auge den Boden untersucht hatte, »Gevatter, welchen Weg hat der Wind genommen, um mich hier aufzufinden?« – »Wie beliebt?«

»Ich frage, woher der Wind komme.« – »Von Norden, mein Herr, von Norden.«

»Er ist im Kot marschiert, denn hier sind Eindrücke seiner Schuh« auf dem Boden.« Chicot bezeichnete wirklich auf den Platten die frische Spur einer kotigen Fußbekleidung. – Der Wirt erbleichte.

»Soll ich Euch nun einen guten Rat geben,« sagte Chicot, »so ist es der, daß Ihr solche Winde gut bewacht, die in die Wirtshäuser kommen, die Türen sprengen, in die Zimmer eindringen und, wenn sie sich entfernen, die Kleider der Reisenden stehlen.«

Der Wirt wich zwei Schritte zurück, um sich von all dem umgeworfenen Gerät freizumachen und dem Hausflur nahezukommen. Dann sagte er: »Warum nennt Ihr mich einen Dieb?«

»Ei! was habt Ihr denn mit Eurem ehrlichen, gutmütigen Gesicht gemacht?« fragte Chicot; »ich finde Euch ganz verändert.« – »Ich verändere mich, weil Ihr mich beleidigt.«

»Ich?« – »Allerdings,« versetzte der Wirt mit einem noch stärkeren Tone, der beinahe einer Drohung glich.

»Ich nenne Euch einen Dieb, weil Ihr für meine Sachen verantwortlich seid, wie mir scheint, und weil man mir meine Sachen gestohlen hat; Ihr werdet das nicht leugnen?« Und nun war es Chicot, der eine Gebärde der Drohung machte.

»Holla!« rief der Wirt, »holla! herbei, ihr Leute!«

Auf diesen Ruf erschienen vier mit Stöcken bewaffnete Männer auf der Treppe.

»Alle Wetter! Hier kommen Eurus, Notus, Aquilo und Boreas!« rief Chicot. »Da sich die Gelegenheit bietet, so will ich die Erde des Nordwinds berauben; ich leiste der Menschheit dadurch einen Dienst; es wird ein ewiger Frühling sein.«

Und er führte einen so gewaltigen Streich in der Richtung des nächsten Angreifers, daß dieser, hätte er nicht mit der Leichtigkeit eines wahren Windgottes einen Sprung rückwärts gemacht, tot niedergestreckt worden wäre.

Da er jedoch dabei Chicot anschaute und folglich nicht rückwärts sehen könnte, so fiel er auf den Rand der letzten Stufe der Treppe, die er, unfähig, seinen Schwerpunkt zu behaupten, hinunterrollte. Das war ein Signal für die drei anderen, welche durch die vor ihnen oder vielmehr hinter ihnen geöffnete Mündung mit der Geschwindigkeit von Gespenstern verschwanden, die sich in eine Falltür stürzen.

Der letzte, der verschwand, fand indessen, während seine Gefährten hinabeilten, Zeit, dem Wirte einige Worte ins Ohr zu sagen.

»Es ist gut, es ist gut!« brummte dieser, »man wird Eure Kleider wiederfinden.«

»Das ist alles, was ich verlange.« – »Und man wird sie Euch bringen.«

»Gut, gut! nicht nackt zu gehen, ist, wie mir scheint, ein billiger Wunsch.«

Man brachte wirklich die Kleider.

»Oh! oh!« rief Chicot. »Ich muß Euch eine Ehrenklärung geben! Wie konnte ich Euch im Verdacht haben! Ihr seht so ehrlich aus!«

Der Wirt lächelte gar lieblich und erwiderte: »Und nun werdet Ihr wohl wieder schlafen, denke ich?« – »Nein, ich danke, ich habe genug geschlafen.«

»Was wollt Ihr denn tun?« – »Ihr leiht mir Eure Laterne, wenn's beliebt, und ich lese,« antwortete Chicot mit derselben Freundlichkeit.

Der Wirt sagte nichts, er reichte nur Chicot die Laterne und entfernte sich. Chicot richtete den Schrank wieder an der Tür auf und steckte sich in sein Bett.

Die Nacht war ruhig; der Wind hatte sich gelegt, als wäre Chicots Schwert in den Schlauch gedrungen, der ihn enthielt.

Bei Tagesanbruch verlangte der Gesandte sein Pferd, bezahlte seine Rechnung und sagte, als er wegritt: »Wir werden heute abend sehen.«

Wie Chicot seine Reise fortsetzte, und was ihm dabei begegnete.

Chicot brachte den ganzen Morgen damit zu, daß er sich Beifall zu der Kaltblütigkeit und Geduld spendete, die er in der Nacht erprobt hatte.

»Aber,« dachte er, »man fängt einen alten Wolf nicht zweimal in derselben Falle; es ist also beinahe gewiß, daß man heute eine neue Teufelei gegen mich ersinnen wird; wir wollen daher auf unserer Hut sein.«

Die Folge dieses äußerst klugen Schlusses war, daß Chicot diesen ganzen Tag einen Marsch machte, den Xenophon in seinem Rückzug der Zehntausend zu verewigen nicht für unwürdig gehalten haben würde.

Jeder Baum, jede Veränderung des Terrains, jede Mauer, diente ihm als Beobachtungspunkt oder als natürliches Festungswerk. Sogar Bündnisse schloß er unterwegs.

Vier dicke Pariser Krämer, die in Orleans ihre Konfitüren und in Limoges ihre getrockneten Früchte bestellen wollten, ließen sich herbei, Chicot, der sich für einen Strumpfwirker ausgab, in ihre Gesellschaft aufzunehmen. Der Bund bestand also aus fünf Herren und vier Kommis. Wir wollen nicht behaupten, daß Chicot große Achtung vor der Tapferkeit seiner Gefährten hegte, aber jedenfalls ist das Sprichwort wahr, das sagt, drei Feige haben beisammen weniger Furcht, als ein Braver ganz allein. Chicot hielt es nun nicht mehr für nötig, sich umzudrehen.

So erreichte man, viel politisierend und viel prahlend, die zum Abendessen und Nachtlager gewählte Stadt. Man speiste zu Nacht, man trank tüchtig, und jeder ging in sein Zimmer.

Chicot hatte während des Mahles weder seine spöttische Redseligkeit, die seine Gefährten ergötzte, noch den Muskat und den Burgunder geschont, die ihn in der Begeisterung erhielten. Man hatte unter Handelsleuten, das heißt unter freien Männern, wenig Umstände mit Seiner Majestät dem König von Frankreich und allen übrigen Majestäten gemacht, mochten sie nun von Lothringen, von Navarra, von Flandern oder von anderen Ländern sein.

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