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Der Medicus von Saragossa

Электронная книга - «Der Medicus von Saragossa». Краткое содержание книги:

Titel der Originalausgabe: The Last Jew
Der Abdruck von Passagen aus Dantes Göttlicher Komödie (übers. v. Karl Vossler, Piper Verlag GmbH, München 1969) erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verlages.
Die Stadt Saragossa findet sich auf der Landkarte im Vorsatz unter ihrem lateinischen Namen Cesaraugusta.
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Er kehrte in die Hütte zurück und stellte die Lampe auf den Boden.

»Vicente«, sagte er.

Der alte Mann hatte sich voll bekleidet ins Bett gelegt, und nun zog Jona ihn aus. Vielleicht machte er mehr Lärm als nötig, oder vielleicht riß das flackernde Licht der Lampe Luis Planas wieder aus dem Schlaf.

»Der Teufel soll dich holen!« Luis setzte sich auf. »Hab ich dir nicht gesagt, du sollst ihn fortschaffen?«

Herzloser Mistkerl. Jona spürte Empörung in sich aufsteigen.

»Hör mal...«, sagte Luis.

Jona drehte sich um und machte einen Schritt auf ihn zu. »Leg dich schlafen.« Er gab sich Mühe, nicht respektlos zu klingen, aber die Wut machte seine Stimme heiser.

Einige Augenblicke lang verharrte Luis in halb sitzender Haltung und starrte quer durch den Raum böse diesen Lehrling an, der es wagte, so mit ihm zu sprechen. Schließlich legte er sich wieder hin und drehte das Gesicht zur Wand.

Paco war ebenfalls aufgewacht. Er hatte den Wortwechsel zwischen Luis und Jona gehört und lachte nun auf seinem Lager in sich hinein.

Vicentes Körper schien nur aus schmutziger Haut und Knochen zu bestehen, und seine Füße waren dreckverkrustet, aber Jona zwang sich, ihn sorgfältig zu waschen. Zweimal wechselte er das Wasser und rieb ihn danach mit trockenen Lumpen ab, damit er sich nicht erkältete.

Am nächsten Morgen war das Fieber gesunken. Jona ging in die Küche und bat den anderen Manuel, die Frühstücksgrütze mit heißem Wasser zu verdünnen. Dann trug er eine Schüssel in die Hütte und fütterte den alten Mann, ohne sich darum zu kümmern, daß er dabei sein eigenes Frühstück verpaßte. Als er anschließend in Luis' Hütte eilte, um sich zur Arbeit zu melden, fing der Meister ihn ab.

Jona wußte, daß Luis sich höchstwahrscheinlich bei Fierro über seine Unverschämtheit beschwert hatte, und machte sich auf eine Rüge gefaßt, aber der Meister fragte ihn nur mit ruhiger Stimme: »Wie geht es Vicente?«

»Ich glaube, er wird wieder gesund. Das Fieber ist verschwunden.«

»Das ist gut. Ich weiß, daß es manchmal schwierig ist, ein Lehrling zu sein. Ich erinnere mich noch gut an die Zeit, als ich Lehrling von Abu Adal Khira in Velez Malaga war. Er war einer der besten muslimischen Rüstungsschmiede. Inzwischen ist er tot, und seine Rüstungen gibt es nicht mehr.

Luis war mit mir Lehrling, und als ich nach Gibraltar ging, um meine eigene Schmiede zu eröffnen, nahm ich ihn mit. Luis ist ein sehr schwieriger Mensch, aber ein ausgezeichneter Rüstungsschmied. Ich brauche ihn in meiner Werkstatt. Verstehst du, was ich damit sagen will?«

»Ja, Meister.«

Fierro nickte. »Es war ein Fehler von mir, Vicente und Luis Pla-nas in derselben Hütte unterzubringen. Kennst du die kleine Hütte hinter der Schmiede?«

Jona nickte.

»Sie ist gut gebaut. Es sind nur ein paar Werkzeuge drin. Bring die Werkzeuge woandershin, und dann kannst du mit Vicente in dieser Hütte wohnen. Vicente hatte großes Glück, daß du ihm gestern nacht geholfen hast, Ramon Callico. Das hast du gut gemacht. Aber ein Lehrling sollte auch so klug sein zu bedenken, daß eine grobe Unverschämtheit gegenüber einem Handwerksmeister in dieser Werkstatt kein zweites Mal geduldet wird. Haben wir uns verstanden?«

»Ja, Senor«, sagte Jona.

Luis war erbost darüber, daß Fierro den Lehrling nicht verprügelt und fortgejagt hatte. Ein paar Tage lang war er Jona gegenüber streng und kalt, und Jona bemühte sich, ihm keinen Grund mehr zur Klage zu geben, während er endlos Rüstungsteile polierte. Das Stahlkleid für den Grafen von Tembleque stand kurz vor der Vollendung, und Jona bearbeitete Stück um Stück, bis sie in einem weichen Glanz erstrahlten, den sogar Luis als unübertrefflich anerkennen mußte.

Es war eine Erleichterung für Jona, als man ihn wieder ausschickte, um bei den Händlern des Dorfes Vorräte zu besorgen.

Während er im Kramladen darauf wartete, daß Tadeo Deza Fierros Bestellungen zusammensuchte, erzählte er dem betagten Gehilfen, daß sein Vetter Vicente mit heftigem Fieber darniedergelegen habe.

Tadeo hielt inne. »Geht's aufs Ende zu?«

»Nein. Das Fieber ist gefallen und gestiegen, gefallen und gestiegen, aber jetzt scheint er sich wieder zu erholen.«

Tadeo Deza schnaubte. »Der ist zu blöd zum Sterben«, sagte

er.

Jona hatte sich mit seinem vollen Sack bereits zum Gehen gewandt, als ihm plötzlich etwas einfiel und er sich noch einmal umdrehte.

»Tadeo, wißt Ihr etwas über einen Santo Peregrino El Com-pasivo?«

»Ja, das ist ein örtlicher Heiliger.«

»Heiliger Pilger der Barmherzige. Ein merkwürdiger Name.«

»Er hat vor mehreren hundert Jahren in dieser Gegend gelebt. Angeblich war er ein Fremder, vielleicht aus Frankreich oder Deutschland. Auf jeden Fall war er in Santiago de Compostela gewesen, um vor den Reliquien des heiligen Jakobus zu beten. Hast du vielleicht selbst schon die Wallfahrt nach Santiago de Compo-stela gemacht?«

»Nein, Senor.«

»Eines Tages mußt du das tun. Jakobus war der dritte Apostel, den unser Herr erwählt hat. Er war Zeuge der Verklärung Christi und ist so heilig, daß Kaiser Karl der Große seinen Untertanen befahl, alle Pilger, die die Reliquien dieses Heiligen besuchten, mit Wasser, Obdach und Feuer zu versorgen.

Auf jeden Fall wurde der fremde Pilger, von dem wir sprechen, nach Tagen des Gebets vor den Reliquien des Apostels selbst verwandelt. Anstatt zu dem Leben zurückzukehren, das er vor seiner Pilgerschaft geführt hatte, wanderte er nach Süden und landete schließlich in dieser Gegend. Hier verbrachte er den Rest seiner Tage und kümmerte sich um die Kranken und die Bedürftigen.«

»Wie lautete sein Taufname?«

Tadeo zuckte die Achseln. »Das ist nicht bekannt. Deshalb nennt man ihn >Heiliger Pilger der Barmherzigem Wir wissen auch nicht, wo er beerdigt liegt. Einige sagen, daß er als sehr alter Mann einfach wieder von hier fortging, so wie er gekommen war. Aber andere sagen, daß er allein lebte und allein starb, an einem Ort irgendwo hier in der Gegend, und in jeder Generation haben Männer es sich zum Anliegen gemacht, sein Grab zu finden, aber ohne Erfolg. Wo hast du denn von diesem örtlichen Heiligen erfahren?« fragte Tadeo.

Jona wollte Vicente nicht erwähnen, um dessen Vetter nicht noch mehr Grund zum Spotten zu geben. »Ich habe jemanden über ihn reden hören, und das hat mich neugierig gemacht.«

Tadeo grinste. »Wahrscheinlich jemand in einer Schenke, denn oft führt der Wein einem Mann seine Sündhaftigkeit vor Augen und weckt die Sehnsucht nach der selig machenden Gnade der Engel.«

Jona war froh, als Fierro ihn in Paco Parmientos Werkstatt schickte, um dem Schwertmacher zur Hand zu gehen. Paco setzte Jona sofort an die Arbeit und gab ihm verschiedene Waffen, die er schärfen und polieren sollte, kurze Kavalleriedegen und die wunderschönen, doppelschneidigen und vom Heft zur Spitze sich verjüngenden Langschwerter, wie Edelmänner und Ritter sie führten. Dreimal gab Paco ihm das erste Schwert zurück, das er geschärft hatte. »Zwar ist es der Arm des Kämpfers, der die Arbeit tut, aber das Schwert muß ihm dabei helfen. Jede Schneide muß so scharf geschliffen sein, wie der Stahl es zuläßt.«

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