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Der Medicus von Saragossa

Электронная книга - «Der Medicus von Saragossa». Краткое содержание книги:

Titel der Originalausgabe: The Last Jew
Der Abdruck von Passagen aus Dantes Göttlicher Komödie (übers. v. Karl Vossler, Piper Verlag GmbH, München 1969) erfolgt mit freundlicher Genehmigung des Verlages.
Die Stadt Saragossa findet sich auf der Landkarte im Vorsatz unter ihrem lateinischen Namen Cesaraugusta.
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»Manuel Fierro legt Wert darauf, daß seine Rüstungen mehrfach ausprobiert werden«, sagte Paco Parmiento eines Morgens zu Jona. »Deshalb veranstalten wir von Zeit zu Zeit ein Turnier. Der Meister läßt dann seine Arbeiter Ritter spielen, damit er feststellen kann, welche Veränderungen an seinen Entwürfen nötig sind. Er will, daß du daran teilnimmst.«

Zum ersten Mal ergaben nun Angel Costas Fragen einen, wenn auch beunruhigenden Sinn. »Natürlich, Senor«, sagte Jona.

So geschah es, daß er sich am nächsten Morgen auf einem großen, runden Turnierplatz wiederfand, angetan mit Unterwäsche aus gepolstertem Gewebe und ängstlich die zerlegte, angerostete und schlecht gepflegte Rüstung betrachtend, die Paco Parmiento ihm umschnallte. Auf der gegenüberliegenden Seite des Platzes wurde Angel Costa von seinem Freund Luis angezogen, während die anderen Arbeiter sich am Rand des Turnierplatzes drängten wie Zuschauer bei einem Hahnenkampf.

»Vicente, geh in die Hütte und richte dem Jungen sein Lager her, denn er wird es bald nötig haben!« rief Luis, und die Umstehenden lachten und johlten.

»Hör nicht auf den«, sagte Paco. Schweiß tropfte ihm vom kahlen Schädel.

Der Küraß wurde Jona über den Kopf geschoben und so befestigt, daß er Brust und Rücken bedeckte. Kettenpanzer schützten Arme und Beine, Diechlinge bedeckten die Oberschenkel. Man schnallte ihm Stahlschützer um Schultern, Ellbogen, Unterarme und Knie, Beinröhren bedeckten seine Schienbeine. Die Füße steckten in Schuhen aus Schichtstahl. Als der Helm auf Jonas Kopf saß, klappte Paco das Visier herunter.

»Ich kriege keine Luft, und ich kann nichts sehen«, sagte Jona mit bemüht ruhiger Stimme.

»Durch das Lochblech kannst du atmen«, sagte Parmiento.

»Kann ich nicht.«

Unwirsch klappte Paco das Visier wieder hoch. »Dann laß es offen«, sagte er. »Das machen alle so.« Jona verstand sehr gut, warum.

Er erhielt lederne Handschuhe mit Stahlverstärkungen an den Fingern und einen runden Schild. Das alles kam noch zu dem großen Gewicht hinzu, das er bereits am Körper trug.

»Zu deiner Sicherheit wurde die Spitze des Schwerts abgerundet, und die Schneiden wurden stumpf geschliffen, so daß es eher ein Knüppel ist als ein Schwert«, sagte Parmiento und gab ihm die Waffe. Das Schwert fühlte sich merkwürdig in Jonas Hand an, denn er konnte sie in dem steifen Handschuh nur wenig bewegen.

Angel Costa war ähnlich ausgerüstet, und nun war es soweit, daß sie aufeinander losgingen. Jona überlegte sich noch, wie er am besten zuschlagen sollte, als Costas Schwert bereits auf seinen Helm niedersauste und er gerade noch den Arm mit dem Schild hochreißen konnte.

Der Arm wurde ihm bald bleischwer, während Costa immer und immer wieder zuschlug, mit einer solchen Schnelligkeit und unverminderter Kraft, daß Jona sich nicht mehr schützen konnte, als das Schwert plötzlich in Brusthöhe auf ihn zukam. Costa versetzte ihm einen Schlag in die Rippen, der seinen Körper gespalten hätte, wenn die Klinge scharf und die Rüstung weniger widerstandsfähig gewesen wäre. Doch auch so spürte er, trotz gepolsterter Unterwäsche und wohlgeschmiedetem Stahl, den Aufprall des Schwertes bis in die Knochen, und das war nur der Auftakt für eine Vielzahl von Angriffen, denn Costa ließ einen schrecklichen Schlag nach dem nächsten auf ihn herniederprasseln.

Jona gelang es nur zweimal, Costa einen Schlag zu versetzen, bis der Meister mit einem Stab, den er zwischen sie senkte, den Kampf beendete, aber allen Zuschauern war klar, daß Angel Jona in einem richtigen Gefecht sofort getötet hätte. Er hätte ihm zu jedem Zeitpunkt den golpe de gracia, den Gnadenstoß, versetzen können.

Keuchend und mit schmerzverzerrtem Gesicht saß Jona auf einer Bank und ließ sich von Paco aus seiner schweren Rüstung schälen.

Der Meister kam zu ihm und stellte ihm viele Fragen. Hatte die Rüstung ihn behindert? Hatte ein Scharnier sich verklemmt? Hatte Jona irgendwelche Vorschläge, wie man die Rüstung noch schützender und weniger einschränkend machen könnte? Jona antwor-tete ihm wahrheitsgemäß, die Erfahrung sei für ihn so fremd gewesen, daß er auf solche Dinge kaum hatte achten können.

Der Meister brauchte Jona nur ins Gesicht zu sehen, um zu erkennen, wie gedemütigt er war.

»Du darfst nicht hoffen, Angel Costa in so einem Wettstreit zu besiegen«, sagte der Waffenschmied. »Das gelingt hier keinem Mann. Costa hat achtzehn Jahre lang Blut geschmeckt als Feldwebel im beständigen und erbitterten Kampf gegen die Sarazenen, und wenn wir jetzt bei diesen Spielen unseren Stahl ausprobieren, tut er noch immer gern so, als würde er auf Leben und Tod kämpfen.«

Jona hatte eine große und dunkel verfärbte Prellung auf der linken Seite seines Brustkorbs und so starke Schmerzen, daß er sich fragte, ob seine Rippen nicht einen dauerhaften Schaden davongetragen hatten. Einige Nächte lang konnte er nur auf dem Rücken liegen, und als er in einer davon vor Schmerzen nicht schlafen konnte, drang von der anderen Seite der Hütte kummervolles Jammern an sein Ohr.

Als er sich, nun selber unterdrückt aufstöhnend, erhob, merkte er, daß die heiseren Geräusche von Vicente Deza kamen. Er ging im Dunkeln zu dem alten Mann und kniete sich an sein Lager.

»Vioente?«

»Peregrino... Santo Peregrino...«

Vicente schluchzte abgehackt. »El Compasivo! Santo Peregrino El Compasivo!«

Heiliger Pilger der Barmherzige. Was hatte das zu bedeuten?

»Vicente«, sagte Jona noch einmal, aber der alte Mann hörte ihn nicht und plapperte unaufhörlich Gebete, in denen er Gott und diesen Pilgerheiligen anrief. Jona legte ihm die Hand auf die Stirn und seufzte, als er die Hitze in Vicentes Gesicht spürte.

Beim Aufstehen stieß er Vicentes Wasserflasche um, die mit einem Klirren zu Boden fiel.

»Was zum Teufel?« rief von seiner Ecke her Luis Planas, der aufgewacht war und nun auch Paco Parmiento aufweckte.

»Was ist?« fragte Paco.

»Es ist Vicente. Er liegt im Fieber.«

»Sieh zu, daß er still ist, oder bring ihn zum Sterben nach draußen«, sagte Luis.

Zuerst wußte Jona nicht, was er tun sollte. Aber dann fiel ihm ein, was Abba getan hatte, wenn er und Meir Fieber hatten. Er verließ die Hütte und stolperte durch die Nacht zur Schmiede, in der ein mit Asche belegtes Feuer flackerte wie eine Drachenzunge und einen roten Schein auf Tische und Werkzeuge warf. Er hielt eine Kerze an die Kohlen und zündete damit eine Öllampe an, in deren Licht er eine Schüssel suchte und mit Wasser aus einem Krug füllte. Dann nahm er sich einige von den Lumpen, die fürs Metallpolieren zurechtgeschnitten worden waren.

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