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Der Erbe des Radscha

Электронная книга - «Der Erbe des Radscha». Краткое содержание книги:

Indien heißt das neue Ziel der Abenteurer. Hier treten sie in die Dienste der berüchtigten Ostindien-Kompanie und geraten mitten in die politischen Wirren des hart heimgesuchten Landes. Tscham, ein junger Eingeborener, will den unterdrückten Bauern helfen: sein Mordpfeil gilt dem reichen Radscha von Bihar. Doch dann erfährt er am eigenen Leibe, wer die eigentlichen Unterdrücker im Lande sind und daß es gegen sie kein Aufkommen gibt. Zusammen mit seinem Freund, dem Pfeifer, flieht er aus dem brennenden Palast, mit dem die Freiheit Bihars in Schutt und Asche versinkt.
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»Ein Deutscher, der aus seinem Land fliehen mußte, weil die Fürsten dort und die Herrscher es nicht zulassen, daß der einfache Mensch frei ist.« »Oh, ich dachte, das gäbe es nur in Indien.«

»Das ist überall auf der Welt so. Nur in einem Land kämpfen zur Zeit die Bürger um ihre Unabhängigkeit. Und sie sind siegreich. Auch dort waren bisher die Engländer die Herren.«

»Wo ist das?« fragte Tscham mit glänzenden Augen.

»Das ist weit, sehr weit, auf der anderen Seite der Erde.«

»Wie kann man dorthin kommen?«

»Das muß man wahrscheinlich dem Zufall überlassen.

Ich jedenfalls bemühe mich schon seit drei Jahren, dorthin zu gelangen. Bisher ist es mir noch nicht geglückt. — Aber nun etwas anderes. Was gedenkst du jetzt zu tun?« Tscham blickte hinüber, dorthin, wo sich die verwundeten Thags stöhnend am Boden wälzten. »Wir werden jetzt hingehen und ihnen den Garaus machen. Ihr habt nicht alle getroffen.« »Den Garaus machen? Du willst sie doch nicht etwa ermorden?«

»Sie sind doch Mörder. Wenn Ihr richtig getroffen hättet, dann wären ihre Seelen längst in den Körper einer Schlange gefahren.«

»Ich habe richtig getroffen, genau dahin, wo ich wollte. Sieh dir die Beine an. Dort wirst du die Löcher meiner Kugeln finden. Ich töte nie. Es sei denn, mein eigenes Leben hinge davon ab.« Tscham sah den Fremden verwundert an.

»Was seid Ihr für ein sonderbarer Mensch. Ich kenne viele Weiße; aber einen wie Euch habe ich noch nie getroffen.«

»Leider«, seufzte Michel. »Wenn du der Sohn des Radscha bist, so befiehl den Bauern dort, die Verwundeten in ein Krankenhaus zu schaffen.«

»In ein Krankenhaus? Ihr scheint noch nicht lange in Indien zu sein. Solche Einrichtungen gibt es hier nicht.«

»Dann befiehl ihnen, sie in die Stadt zu bringen. Ich wohne dort in einem Zelt. Ich werde ihnen ärztliche Hilfe gewähren.«

Tscham gab es auf, noch weiter in die Seele des Fremden vorzudringen.

31

In Bihar blieben die Leute auf der Straße stehen, als sie den schweigenden Zug der Bauern sahen, die auf schnell gefertigten Knüppelbahren Verwundete trugen. Der Zug, an dessen Spitze Michel und Ojo ritten und dessen Beschluß Tscham mit dem umgehängten Bogen bildete, nahm Richtung auf den Bungalow, in dem Fox wohnte.

Fox stand auf der Veranda, rasiert und einigermaßen sauber bekleidet, als die ersten in seinen Garten einrückten. Er erkannte Michel und Ojo. Als die Bahren vor dem Zelt der beiden niedergesetzt wurden, explodierte er fast. Mit einem Sprung setzte er über das Geländer hinweg und stürmte auf die Ankömmlinge zu. Wut stand in seinem Gesicht.

»Seid ihr verrückt, ihr dreckigen Hindus? Wer hat euch gesagt, daß ihr die Kranken hier in mein Haus bringen sollt, verdammtes Gesindel!«

»Augenblick«, sagte Michel, trat von hinten an ihn heran, legte ihm seine rechte Hand auf die Schulter und riß ihn mit einem Ruck zu sich herum. »Weshalb beschimpft Ihr Leute, die Samariterdienste tun?«

»Samariterdienste? Ihr seid wohl nicht ganz klar bei Verstand? Mein Haus ist kein Asyl für abgeschossene Schweine.« Er wandte sich an die Bauern. »Tragt sofort die Burschen hier raus.« Die Bauern standen unschlüssig. Ihre Blicke gingen zwischen Michel und Fox hin und her. Dann bückte sich der erste, um dem Befehl des sattsam bekannten Herrn Fox nachzukommen. »Halt«, donnerte Michels Stimme, »die Verwundeten bleiben hier!« Er wandte sich an Ojo und sagte auf spanisch: »Gib den Trägern je einen Piaster aus unserem Beutel, Diaz. Sie werden es wohl in Rupien umwechseln können.«

Ojo nickte, löste den Beutel von seinem Gürtel und warf jedem der Raijaten ein kleines Goldstück zu.

»Das ist euer Lohn«, sagte Michel. »Nun geht wieder an eure Arbeit. Ich danke euch im Namen der Kompanie für eure Dienste.«

Die Bauern rissen Mund und Nase auf. Was war hier geschehen? Sie vermochten es nicht zu fassen. Ein Angehöriger der Kompanie gab Geld, statt welches zu fordern. Das war neu in Indien.

Fox war sprachlos.

»Seid Ihr denn ganz von Gott verlassen? Wie könnt Ihr diesen Burschen im Namen der Kompanie Geld geben! Ihr verderbt sie damit! Sie sind für unsere Ziele nicht mehr zu gebrauchen! Ich werde das sofort General Hawbury melden.«

»Nicht nötig«, winkte Michel ab, »meine Berichte pflege ich selbst zu geben. Wenn ich von einem Menschen eine Arbeit verlange, so muß ich sie auch bezahlen. Das ist doch klar, oder nicht?«

Fox tippte sich an die Stirn.

»Menschen? Ihr seid doch nicht recht bei Trost, diese Hindus Menschen zu nennen.«

»Ich will mit Euch nicht über Begriffe streiten, die Ihr nicht versteht. Ihr seid mir dazu zu dumm, zu arrogant, zu schmutzig und vor allem — zu unmenschlich.«

»Mensch!« Fox sprang mit wutverzerrtem Gesicht gegen ihn an. Aber Michel hatte keine Lust, den Mann zu verprügeln. Er gab Ojo nur einen kleinen Wink und sagte:»Hau ihn durch, Diaz. Ich muß zum General.«

Ojo fing den rasenden Fox mit seinen Riesenpratzen auf. Seine Zähne blitzten. Ein breites Lachen stieg aus seiner Kehle auf und rollte über den Garten hinweg. »Ihr sollt zufrieden sein mit mir, Senor Doktor.«

Michel ging auf das Haus zu und hörte in seinem Rücken Wehgeschrei und das Geräusch klatschender Maulschellen.

Er klopfte an die Zimmertür Lord Hawburys.

Ein tiefes »Herein« scholl ihm entgegen.

»Ah, Mr. Baum« — der General sah von seiner Arbeit auf — »habt Ihr Euch gut amüsiert?« »Wenn Ihr das Abschießen einer Thagbande Amüsement nennt, so habe ich mich glänzend amüsiert.«

»Was? Ihr seid mit den Thags in Berührung gekommen, mit den gefährlichsten Mördern Indiens?« Er sprang auf.

Michel wies mit dem Daumen über seine Schulter.

»Ja, Sir, draußen im Garten liegen die Verwundeten. Ich habe sie kampfunfähig geschossen und möchte Euch jetzt um die Freigabe von Medikamenten und Scharpie bitten, damit ich sie verbinden kann.«

In Hawburys Gesicht spiegelte sich Überraschung und Verständnislosigkeit.

»Ja doch — natürlich — aber erklärt doch — ich verstehe überhaupt nichts.«

Michel erstattete in kurzen, knappen Worten seinen Bericht.

»So habt Ihr also Tscham gerettet, den Jungen, den der Radscha adoptieren will?«

»Das glaube ich nicht. Der Bursche hätte sich selbst gerettet. Er ist auf meine Hilfe nicht angewiesen.«

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