Entscheidung in der Sechseck-Welt [Quest for the Well of Souls - de]
- Автор: Чалкер Джек Лоуренс
- Серия: Sechseck-Welt #3
- Год: 1980
- Язык: немецкий
- Год: Wilhelm Goldmann Verlag
- ISBN: 3-442-23348-8
- Переводчик: Tony Westermayr
- Жанр: Научная фантастика
Электронная книга - «Entscheidung in der Sechseck-Welt [Quest for the Well of Souls - de]». Краткое содержание книги:
Dennoch ist Mavra noch nicht bereit, sich dem Schicksal zu ergeben …
»Schenken Sie sich die Alibis, kommen wir wieder zur Sache!«sagte Renard scharf.
»Ich wurde als Frau geschaffen«, fuhr die Yaxa fort, »kam in ein Hurenhaus der Partei für Bonzen und wurde von den Männern so mißbraucht, daß ich am Ende mit ihnen überhaupt nichts mehr anfangen konnte. Für meinen Beruf war ich nicht mehr geeignet, also wurde ich einem führenden Mann im Schwamm-Syndikat übergeben, der mich als Versuchskaninchen benützte — er machte mich schwammsüchtig und verringerte die Dosis dann fortlaufend.«
Renard nickte mitfühlend.
»Ich war auch süchtig, wissen Sie — und ich habe Neu-Pompeii in seinen Glanzzeiten erlebt.«
»Nun, wir befanden uns beide auf einem Frachter, der nach Coriolanus flog«, sagte Vistaru. »Der Kapitän war ein seltsamer kleiner Mann namens Nathan Brazil.«
Renards schwarze Brauen schossen in die Höhe.
»Es ist über zwanzig Jahre her, als ich diesen Namen gehört habe. Ich weiß kaum noch, wo. Von Mavra, glaube ich. Es gibt ihn gar nicht, wenn ich mich recht erinnere. Der Ewige Jude.«
»Es gibt ihn«, versicherte Vistaru. »Er entdeckte, daß Wooly schwammsüchtig war, und beschloß, zur Schwamm-Welt zu fliegen, ohne daß wir etwas davon ahnten. Wir wurden durch ein merkwürdiges Notsignal auf einer Markovier-Welt abgelenkt, entdeckten einen Massenmord, stürzten schließlich durch ein Tor und landeten hier. Wooly wurde zuerst Dillianerin, ich kam in Czill heraus — Sie haben diese Wesen vielleicht gesehen. Intelligente Pflanzen.«
Renard nickte.
»Ich muß einmal eine Begegnung gehabt haben. Übrigens hieß sie seltsamerweise auch Vardia.«
»Das bin ebenfalls ich gewesen. Die Czillaner vermehren sich durch Ableger. Vermutlich gibt es noch einige Exemplare von mir, mit Erinnerungen, die bis zu diesem Punkt vollständig sind.«
»Augenblick!«wandte Yulin ein. »Sie sagen, sie wäre Dillianer gewesen, und Sie hätten sich in Czill wiedergefunden. Das kann nicht sein. Man geht nur einmal durch den Schacht.«
»Die meisten Leute«, verbesserte die Lata. »Bei uns war das anders. Brazils Unsterblichkeit läßt sich leicht erklären. Wir begleiteten ihn auf einer Reise zum Schacht der Seelen selbst — und er öffnete sich für ihn. Er war ein Markovier, Yulin. Vielleicht der einzige, der noch lebt.«
Yulin und Renard waren fasziniert.
»Ein lebender Markovier!«stieß der Dasheen hervor. »Unfaßbar! Wie sah er aus? Haben Sie ihn je in seiner natürlichen Gestalt gesehen?«
Wooly und Vistaru nickten.
»O ja, eine ganze Weile, als wir im Schacht waren. Er sieht aus wie ein riesiges menschliches Herz auf sechs Tentakeln. Brazil — nun, er behauptete, mehr zu sein als das.«
»Er sagte, er sei Gott«, warf Wooly ein. »Er sagte, er hätte die Markovier geschaffen und mitansehen müssen, wie sie sich verirrten, und er wolle sehen, ob wir es besser machten.«
»Glaubt ihr ihm?«fragte Renard.
»Wer weiß?«erwiderte Vistaru achselzuckend. »Eines steht fest — er ist auf jeden Fall ein Markovier, und er konnte mit dem Schacht umgehen. In der schlimmsten Phase der Reise waren wir uns auf irgendeine Weise nahegekommen — ich glaube, da lernte ich, ein richtiger Mensch zu sein. Was Wooly angeht — nun, sie liebte Nathan Brazil, aber er war zu unmenschlich, und sie haßte es außerdem, eine Frau zu sein. Nathan behob das. Wir wurden von der Sechseck-Welt auf Harvichs Welt befördert, die damals noch ein Vorposten war. Er steckte mich in den Körper einer schönen, aber selbstmörderischen Hure, und Wu — Wooly — wurde zu einem Farmer namens Kally Tonge, einem großen, gutaussehenden Mann, der gerade bei einem Unfall umgekommen war. Wir wurden zu diesen Leuten und kamen zusammen — so, wie Nathan es wohl geplant hatte.«
»Wir haben die Farm jahrelang gemeinsam betrieben«, fügte Wooly hinzu. »Es waren herrliche Jahre. Wir hatten neun Kinder und zogen sie richtig auf. Einige wurden ganz aus eigener Kraft große Leute — Politiker und Raumschiffkapitäne und Kom-Polizeichefs. Die meisten verließen Harvichs Welt, aber ein Kind blieb.«
Die Lata nickte.
»Unsere Tochter Vashura. Sie war enorm begabt und sehr schön. Wurde Senatorin für den Distrikt und wäre in den Rat aufgestiegen, wenn sie genug Zeit gehabt hätte. Kally und ich ließen uns einmal verjüngen, und das klappte sehr gut. Wir arbeiteten außerhalb des Systems mit der Kom-Polizei gegen das Schwamm-Syndikat zusammen. Interessante Tätigkeit, aber, als wir älter wurden, eine immer enttäuschendere. Schließlich standen wir erneut vor einer Verjüngung und einem gewissen Verlust an Erinnerung oder Fähigkeiten. Wir verzichteten darauf. Wir waren eigentlich nur geblieben, um Vashura gegen die Kom-Bedrohung für Harvichs Welt zu helfen. Ein örtlicher Parteiapparat hatte sich entwickelt, und er schien schwach zu sein, bis plötzlich entscheidende Stimmen umschwenkten. Wir wußten, daß Schwamm dahinterstand, konnten es aber nicht beweisen. Schließlich wurde uns die Anstrengung zu groß. Wir beschlossen aufzuhören. Keiner von uns konnte es ertragen, mitzuerleben, wie die Welt, an der wir hingen, zu einem Ameisenstaat umfunktioniert wurde.«
»Und Ihre Tochter?«fragte Renard.
»Wir versuchten sie davon zu überzeugen, daß sie mit ihrer Familie fortgehen sollte«, sagte die Yaxa. »Sie war aber störrisch, das hatte sie wohl von uns. Sie glaubte, sich wehren zu können. Bis sich herausstellte, daß das nicht ging, war es zu spät. Wir kamen selbst gerade noch davon. Wir wußten nicht, was wir tun sollten. Vashura wollte bis zum Tod kämpfen, aber man mußte an die Enkel denken. Bevor wir ein Schacht-Tor fanden, setzten wir alle Hebel in Bewegung, um Nathan Brazil zu finden.«
»Und ist es Ihnen gelungen?«fragte der Agitar. »Ist er in unseren Teil des Universums zurückgekehrt?«
Vistaru nickte.
»Ja. Er versprach, wenn es ging, die Kinder herauszuholen. Retten konnte er dann nur Mavra.«
»Wie sah Brazil aus, als Sie ihn zweihundert Jahre später wiederfanden?«fragte Yulin.
»Genau wie vorher«, erwiderte die Yaxa. »Kein Haar verändert, kein Anzeichen von Altern. Ich glaube, er sieht so aus, seit es die Menschheit gibt.«
»Ich möchte wissen, warum er gerade unter uns lebt«, sagte Renard nachdenklich. »Unsere Schönheit kann doch wohl nicht der Grund sein.«
»Als Markovier hatte er geholfen, das erste Glathriel aufzubauen«, erklärte Wooly. »Es war zwar nicht sein Projekt, aber er — nun, er war der Mann, der es beaufsichtigte. Er sorgte für die Verbringung zur alten Erde. Doch im Gegensatz zu den anderen hat er sich nie ganz und unwiderruflich verwandelt. Er blieb Markovier.«
Yulin nickte.
»Als wir Obie bauten, erfuhren wir davon. Das ganze Universum besteht nur aus stabilisierten Energiefeldern. Man kann eine dauerhafte Veränderung hervorbringen, buchstäblich eine Gleichung schreiben, um die Elemente so gründlich zusammenzuhalten, daß diese Schöpfung zur normalen Wirklichkeit und von allen als solche empfunden wird. Mit Obie haben wir eine Frau in einen Zentauren verwandelt, lange bevor wir etwas von Dillia wußten, und tatsächlich erinnerten sich alle von Anfang an daran, daß sie ein Zentaur gewesen war. Es gab sogar einen logischen Grund dafür, der bis zu ihrer Geburt zurückreichte. Auf diese Weise haben die Markovier das Universum neu erschaffen.«
»Klar wie Tinte«, sagte Renard.
Yulin hob die Schultern.
»Auf Treligs Veranlassung ließen wir die Leute durch Obie laufen und verschafften ihnen allen Pferdeschwänze — das sollte als Beispiel dienen. Alle mußten deshalb wissen, daß sie die Pferdeschwänze nicht haben sollten, die sie hatten. Wir brachten eine vorübergehend gleichgültige Gleichung hervor, eine lokalisierte sozusagen. Ihre Schwänze, die nicht als normal angesehen wurden, sind wie Brazils Menschlichkeit. Er ist ein Markovier und wird wieder zu einem, wenn er sich im Schacht befindet. Ich frage mich, ob er der einzige von ihnen ist, der das getan hat.«