Бесплатная библиотека
Читайте книгу на сайте или телефоне
Mord im Garten des Sokrates - Читать Любимую Русскую Полную Книгу 👉 Read-E-Book.com

Mord im Garten des Sokrates

Электронная книга - «Mord im Garten des Sokrates». Краткое содержание книги:

Mord im Garten des Sokrates
1 ... 43 44 45 46 47 48 49 50 51 ... 88
Перейти на страницу:

Alkibiades? Nur ein Jahr konnte er sich als Hegemon au-tokratos halten, dann jagten ihn die Athener davon. Schon für das große Gewitter bei der Prozession gaben sie ihm die Schuld, eine verlorene Seeschlacht genügte dann, um ihn abzuwählen ... Die Liebe des Volkes ist wankelmütiger als die Liebe einer Hetäre. Alkibiades wusste das und verließ Athen auf schnellstem Weg. Ob er etwas mit dem Anschlag auf meinen Vater und mich zu tun hatte, habe ich letztlich nie in Erfahrung gebracht. Einmal habe ich mit Sokrates über die Rolle gesprochen, die Alkibiades bei diesem nächtlichen Überfall gespielt haben mochte, aber Sokrates trat für ihn ein und gab mir sein Wort, dass sein ehemaliger Schüler von Anaxos' Machenschaften nichts gewusst habe. Ich wunderte mich, wie sicher Sokrates war, dem sonst so wenig sicher schien, aber ich vertraute seinem Urteil. Überhaupt Sokrates: Er war sofort bei mir, nachdem er von der feigen Tat gehört hatte, und versuchte mich zu trösten. Mit ihm und seinen Vertrauten besuchte ich auch die Agora wieder. Zunächst nur bei Tage und mit größter Angst, dann zunehmend beruhigter und sicherer, aber es dauerte ein ganzes Jahr, bevor ich es wagte, ihn und seine Freunde auch bei Dunkelheit hierher zu begleiten - selbst bei Tag sah ich mich von Zeit zu Zeit misstrauisch um. Durch Sokrates schloss ich mit beinahe all seinen Schülern Freundschaft. Aber eben nur beinahe, denn einer mied mich, so gut er konnte: Platon. Und je mehr ich mich ihm zu nähern und je mehr ich ihn zu verstehen versuchte, desto mehr entzog er sich.

Mein Vater fehlte mir sehr, aber Aspasia und die Kinder waren bei mir und gesund. Ihnen gehörte meine größte Sorge, und ihnen verdankte ich den größten Trost. Daher richtete Thrasybulos in den Zeiten, zu denen ich nicht zu Hause sein konnte, eine Wache für sie ein, die das Haus bei Tag und Nacht beschützte.

Anaxos und den Soldaten mit der Narbe habe ich in den ganzen Jahren nicht mehr gesehen, obwohl ich oft genug beim Strategion auf sie lauerte, Pfeil und Bogen in der Wurzel des Baumes versteckt, hinter dem ich mich verbarg. Es war, als hätten sie sich in den Kellern des Strategenpalastes, in den Archiven von Anaxos' Wissen um alles und jeden, verkrochen, aber irgendwann würden sie auftauchen müssen. Auch die Würmer konnten sich nicht immer in der Erde verbergen.

Chilon, dem ich nähergekommen war in den letzten Jahren, fragte mich einmal, wieso ich Athen und seine Gefahren nicht verließ. Ich konnte ihm die Frage nicht beantworten, bis ich wieder einmal hinter jenem Baumstamm kauerte und einen ganzen Nachmittag und halben Abend lang zum Hauptportal des Palastes hinübersah. Es war ein bitterer Wintertag. Der Nordwind fegte schneidend über das Land und ließ das Wasser in den Pfützen gefrieren. Während ich fast blau gefroren in der Kälte kauerte, erstand die Erinnerung an Sokrates in mir, wie ich ihn einmal mitten im Winter barfuß stundenlang in einer Pfütze hatte stehen sehen. Da erkannte ich, was mich hier hielt und mich gegen den Frost dieses Tages beinahe unempfindlich machte. Es war der Wille. War Sokrates' Wille aber auf Erkenntnis, so war mein Wille auf Vergeltung gerichtet, wie ich bekenne. Er war darum sicher weniger edelmütig, aber doch nicht minder mächtig ... Als ich mich Chilon offenbarte, nahm er mich nachsichtig in den Arm und schwieg, wie nur gute Freunde schweigen können.

Unsere Stimmung war heiter und gelassen. Sokrates und Aris-tippos lachten über irgendeinen kleinen Scherz, als uns drei bildhübsche Hetären entgegenkamen. Eine von ihnen war Lais, die begehrteste, teuerste Kurtisane der Stadt. Sie sah Sokrates, Xenophon und auch mich mit einem schmeichlerischen Lächeln an, Aristippos aber zwinkerte sie vielsagend zu.

«Wie kann man sich nur Philosoph nennen und gleichzeitig so dem Fleisch ergeben sein!», murrte Xenophon mit einem Seitenblick auf ihn, als die drei Frauen an uns vorüber gegangen waren. Aristippos' Lebenslust stand seinem soldatischen Herz fern, und er ließ keine Gelegenheit aus, dies auch zu zeigen. Wobei - ganz aus Marmor war auch Xenophon nicht, gab es da doch einen Jungen mit Namen Kleinas, der das Herz des Soldaten höherschlagen ließ ...

«Aber mein lieber Xenophon», entgegnete Aristippos mit gekünstelter Empörung, «ich ergebe mich doch nicht dem Fleisch! Ich verstehe gar nicht, wie du mir dergleichen vorwerfen kannst. Bei mir ist es umgekehrt: Es ist das Fleisch, das sich mir ergibt!» Aristippos hatte die Lacher auf seiner Seite - nicht zum ersten Mal, wie ich erwähnen muss -, und Xenophon schwieg beleidigt.

Alles schien mild und friedlich. Eine warme Abendbrise umgab uns wie ein seidenes Laken, der Duft von Oleander und Thymian würzte die Luft. Und doch änderte sich mit einem Mal die Stimmung. Ich fühlte eine merkwürdige Unruhe um mich herum. Ein Raunen ging über die Agora, beinahe greifbar setzte es sich vom einen zum anderen fort, so wie ein Feuer sich ausbreitet und sich von einem Haus dem nächsten mitteilt. Ich sah, wie sich die Gesichter der Menschen um uns veränderten. Passanten, die gerade noch ausgelassen gescherzt hatten, blieben stehen, sprachen, fragten, hörten etwas, schüttelten ungläubig den Kopf, fragten wieder, diesmal mit ernsterem Gesicht, weiteten die Augen und schlugen die Hände vor den Mund. Auch die Bewegungen der Menschen veränderten sich: Waren sie eben noch fließend und frei, brachen sie von einem Moment auf den anderen ab. Die Flaneure hielten in-ne und formierten sich zu aufgeregten Gruppen. Die Leute blieben beunruhigt stehen und fragten sich, was hier vorging. Irgendeine schreckliche Neuigkeit verbreitete sich und sprang wie ein Funke vom einen auf den anderen über. Xenophon, der dem Gespräch zwischen Sokrates und Aristippos seit dessen geistreicher Parade nicht mehr gefolgt war, bemerkte es ebenso wie ich und sah mich fragend an. Ohne uns abzusprechen, verließen wir die anderen, um uns zu der nächsten Gruppe zu stellen. Sokrates und Aristippos sahen uns erstaunt nach, aber auch in ihren Gesichtern stand zu lesen, dass sie die Unruhe des Marktplatzes fühlten.

Ich drückte mich in einen Menschenknäuel.

«Was, was ist passiert, sag das noch mal!», schrie jemand neben mir einem armen Kerl in der Mitte zu, der versuchte, sich die Menge vom Leib zu halten.

«Die Paralos», rief er zurück, «die Paralos ist allein zurückgekehrt! Es heißt, die Flotte ist zerstört!»

«Unsere Flotte?», schrie mein Nachbar.

«Unsere gesamte Flotte!», bekam er zur Antwort.

Nun schüttelte auch ich ungläubig den Kopf. Die Athener Flotte? Wer hätte eine Streitmacht, die gesamte Athener Flotte aufzureiben? Das war ausgeschlossen. Athen war die Herrin der Ägäis, unsere Schiffe hatten die persischen Galeeren bezwungen. Und doch: Während sich mein Verstand noch widersetzte, fühlte mein Herz doch schon die Wahrheit.

Mühselig löste ich mich aus der Menschentraube und rannten zu Sokrates und Aristippos zurück, die mich sofort fragten, was geschehen sei. War Aristippos erst einmal nur der Schalk aus den Augen gewichen, so war Sokrates' Ausdruck geradezu finster. Ganz deutlich fühlte er die Erschütterung um uns herum. Ich erkannte es an seinen von Furcht geweiteten Augen.

«Sag schon, was ist geschehen?», wiederholte er mit leichenblasser Miene.

«Ich weiß es nicht! Sie sagen, die Athener Flotte sei zerstört. Die gesamte Athener Flotte! Nur die Paralos ist zurückgekehrt», stammelte ich.

«Nur die Paralos?», sagte er wie zu sich selbst und schloss die Augen. «Das ist eine Katastrophe!»

«Glaubst du, es ist wahr?», fragte Aristippos unseren Lehrer, unsicher, wie ich ihn noch nie gesehen hatte.

«Gewiss», antwortete Sokrates dunkel.

«Habt ihr schon gehört?», rief Xenophon, der gerade atemlos zurückkam. Er sah Sokrates' Gesicht und verstummte.

«Wir müssen es genauer wissen», hörte ich mich selbst sagen. «Aber wie?», fragte Sokrates. Da fiel mir etwas ein, das lange in mir geruht hatte. «Lysias' Bruder! Ich weiß nicht mehr, wie er heißt. Aber er war auf der Paralos - zumindest vor vier Jahren. Vielleicht weiß er mehr.»

1 ... 43 44 45 46 47 48 49 50 51 ... 88
Перейти на страницу:
0
Сюжет
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Атмосфера
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Главный герой
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
0
Общее впечатление
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
  • 7
  • 8
  • 9
  • 10
Итоговая оценка: 0.0 из 10 (голосов: 0 / История оценок)