Krieg und Frieden
- Автор: Толстой Лев Николаевич
- Язык: немецкий
- Переводчик: Hermann Roehl
- Жанр: Русская классическая проза
Электронная книга - «Krieg und Frieden». Краткое содержание книги:
Alle schwiegen eine kleine Weile.
»Das kommt gewiß von der Nahrung«, sagte der Feldwebel. »Die haben Herrenkost gefressen.«
Niemand erwiderte etwas darauf.
»Und dann erzählten mir noch diese Bauern bei Moschaisk, wo die Schlacht gewesen ist, es wären die Bauern von zehn Dörfern zusammengetrieben worden, und zwanzig Tage lang wären sie gefahren und hätten doch nicht alle Leichen zusammenbekommen. ›Na und die Wölfe!‹ sagten sie …«
»Ja, das war eine wirkliche Schlacht«, sagte der alte Soldat. »Das ist etwas, woran man lange denken kann. Aber alles, was nachher gekommen ist, war bloß unnütze Quälerei für die Mannschaften.«
»Das ist richtig, Onkelchen. Vorgestern liefen wir auf sie los. Denk mal, sie ließen uns gar nicht erst herankommen. Flink warfen sie die Gewehre weg und fielen auf die Knie. ›Pardon!‹ riefen sie. Und das ist nur so ein einzelnes Beispiel. Platow, so wird erzählt, hat den Polion selbst zweimal gefangengenommen. Aber er kannte das Zauberwort nicht. Er hatte ihn schon gefangen und hielt ihn in den Händen, da verwandelte er sich in einen Vogel und flog davon; weg war er. Und ihn zu töten ist auch keine Möglichkeit.«
»Ja, im Schwindeln bist du stark, Kiselew. Ich staune immer über dich.«
»Wieso im Schwindeln? Es ist die reine Wahrheit.«
»Wenn ich’s auf meine Art machen könnte, ich würde ihn, sowie ich ihn gefangen hätte, in die Erde eingraben, und dann an den Galgen. Was hat der für viele Menschen zugrunde gerichtet!«
»Jedenfalls werden wir ein Ende machen; er soll nicht davonkommen«, sagte der alte Soldat gähnend.
Das Gespräch verstummte; die meisten legten sich zur Ruhe.
»Nein, die Sterne, diese Unmenge! Sieh nur, die Weiber haben die Leinwand ausgelegt«, sagte ein Soldat, die Milchstraße betrachtend.
»O Gott, o Gott!«
»Das bedeutet ein fruchtbares Jahr, Kinder.«
»Wir werden noch Holz brauchen.«
»Den Rücken wärmt man sich, und der Bauch erfriert einem. Wunderlich!«
»Was stößt du denn? Ist denn das Feuer für dich allein da? Was? Seh bloß einer, wie der Mensch sich hingefläzt hat.«
Bei dem nun eingetretenen Stillschweigen hörte man das Schnarchen einiger Schläfer; die andern drehten sich so und so herum und wärmten sich, nur selten ein paar Worte miteinander wechselnd. Von einem etwa hundert Schritte entfernten Wachfeuer tönte vielstimmiges, heiteres Lachen herüber.
»Hört mal, wie fidel sie in der fünften Kompanie sind«, sagte ein Soldat. »Und was für eine Menge Menschen da ist!«
Ein Soldat stand auf und ging zur fünften Kompanie hin.
»Das gibt’s was zu lachen«, sagte er, als er zurückkam. »Es haben sich da zwei Franzosen eingefunden. Der eine ist ganz erforen; aber der andre ist ein forscher Kerl; es ist zum Erstaunen. Er singt Lieder.«
»Oh, da wollen wir hin und es uns ansehen.«
Mehrere Soldaten begaben sich zur fünften Kompanie.
IX
Die fünfte Kompanie hatte ihren Platz unmittelbar am Wald. Ein gewaltiges Wachfeuer brannte hell mitten im Schnee und beleuchtete die vom Reif beschwerten Zweige der Bäume.
Um Mitternacht hörten die Soldaten der fünften Kompanie im Wald Schritte im Schnee und das Knacken von Zweigen.
»Kinder, ein Bär«, sagte einer der Soldaten.
Alle hoben die Köpfe in die Höhe und horchten, und aus dem Wald traten in den hellen Lichtkreis des Wachfeuers zwei seltsam gekleidete menschliche Gestalten, die sich aneinander festhielten.
Es waren zwei Franzosen, die sich im Wald versteckt gehalten hatten. Sie traten an das Wachfeuer heran und sagten mit heiserer Stimme etwas in einer den Soldaten unverständlichen Sprache. Der eine war von hohem Wuchs, trug eine Offiziersmütze und schien ganz entkräftet zu sein. Als er an das Wachfeuer herangekommen war, wollte er sich hinsetzen, fiel aber auf die Erde. Der andere, ein kleiner, stämmiger Gemeiner, der sich ein Tuch um die Backen gebunden hatte, war kräftiger. Er hob seinen Kameraden auf, zeigte auf seinen eigenen Mund und sagte etwas dabei. Die Soldaten umringten die Franzosen, legten dem Kranken einen Mantel unter und brachten beiden Grütze und Schnaps.
Der entkräftete französische Offizier war Ramballe, der andre mit dem Tuch um den Kopf sein Bursche Morel.
Als Morel Schnaps getrunken und einen Kessel voll Grütze gegessen hatte, wurde er plötzlich von einer krankhaften Lustigkeit ergriffen und begann zu den Soldaten, die ihn nicht verstanden, ohne Unterbrechung zu reden. Ramballe lehnte das Essen ab, lag schweigend auf den Ellbogen gestützt am Feuer und blickte ohne jedes Zeichen von Teilnahme mit seinen geröteten Augen auf die russischen Soldaten. Ab und zu ließ er ein gedehntes Stöhnen vernehmen und schwieg dann wieder. Morel zeigte auf die Schultern seines Gefährten und suchte den Soldaten deutlich zu machen, daß das ein Offizier sei und daß er der Erwärmung bedürfe. Ein russischer Offizier, der zu dem Wachfeuer trat, schickte zu dem Obersten und ließ fragen, ob er vielleicht einen französischen Offizier zu sich ins Haus nehmen wolle, damit dieser sich erwärme; und als der Abgeschickte zurückkehrte und meldete, der Oberst habe befohlen, den Offizier hinzubringen, forderte der russische Offizier den kranken Ramballe auf, hinzugehen. Dieser stand auf und wollte gehen; aber er schwankte und wäre gefallen, wenn ihn nicht ein danebenstehender Soldat gestützt hätte.
»Nun? Du tust es wohl auch nicht wieder?« sagte ein Soldat zu Ramballe mit spöttischem Augenzwinkern.
»Ach, du Schafskopf! Was redest du da für unpassendes Zeug! So ein Bauer, der richtige Bauer!« so erschollen von vielen Seiten die Vorwürfe gegen den Soldaten, der sich die Spöttelei erlaubt hatte.
Die Soldaten umringten Ramballe; zwei von ihnen bildeten aus ihren Armen einen Sitz, auf den er gehoben wurde, und trugen ihn nach dem Bauernhaus. Ramballe schlang seine Arme um die Hälse der Soldaten und sagte, während sie ihn trugen, in kläglichem Ton auf französisch:
»Oh ihr tapferen Soldaten, o meine guten, guten Freunde! Ihr seid noch Menschen! O ihr tapferen Soldaten, ihr meine guten Freunde!« Und er lehnte sich wie ein Kind gegen die Schulter des einen Soldaten.
Unterdessen saß Morel, von den Soldaten umringt, auf dem besten Platz.
Morel, der kleine, stämmige Franzose mit entzündeten, tränenden Augen, hatte sich nicht nur nach Weiberart ein Tuch über die Uniformmütze gebunden, sondern trug auch einen schlechten Weiberpelz. Er war augenscheinlich etwas betrunken, umarmte den neben ihm sitzenden Soldaten und sang mit heiserer, abgebrochener Stimme ein französisches Lied. Die Soldaten sahen ihn an und hielten sich die Seiten vor Lachen.
»Na zu, na zu, bring es mir auch bei, ja? Ich werde es schnell lernen. Ja?« sagte der spaßlustige Sänger, welchen Morel umarmte.
»Vive Henri quatre. Vive ce roi vaillant!« sang Morel und zwinkerte mit dem einen Auge. »Ce diable à quatre …«
»Wiwarikà! Wif ceruwaru! cidjablakà …«, wiederholte der Soldat, den Arm schwenkend, und hatte wirklich die Melodie erfaßt.
»Sieh mal, wie geschickt! Ho-ho-ho-ho-ho!« erscholl von vielen Seiten ein derbes, fröhliches Lachen.
Morel runzelte zwar die Stirn, lachte aber gleichfalls.
»Na, vorwärts, noch mehr, noch mehr!«
»Qui eut le triple talent
De boire, de battre
Et d’être un vert galant.«