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Im Auftrag Seiner Majestät

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Im Auftrag Seiner Majestät
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Sonderbar! Gerade vor ihm, zwanzig Schritte von ihm entfernt, erhob sich eine hohe, dunkle Masse, so kompakt und lückenlos, daß sie nicht durch Bäume gebildet sein konnte. Er ging darauf zu und tastete vorsichtig. Es war eine steinerne Mauer, welche er fühlte. Er blickte an ihr empor gegen den Sternenhimmel und gewahrte da, daß ihre obere Linie höchst unregelmäßig lief. Hier und dort hoch auf der Erde liegendes Geröll belehrte ihn, daß er wahrscheinlich vor einer Ruine stehe. Die Ruine des Turms aber war es nicht; das wußte er gewiß.

Das Gemäuer war sehr hoch und schien sich auch nach rechts und links weit hinzuziehen, er vermutete, daß es die hintere Wand eines einst sehr ausgedehnten Bauwerks sei. Er wendete sich zur Seite und schritt an der Mauer hin. Der umherliegende Schutt machte ihm das Gehen schwer, und er erreichte die Ecke, ohne einen Eingang oder eine sonstige Öffnung bemerkt zu haben. Jetzt bog er nach der anderen Seite ein. Ein Blick gegen den Himmel belehrte den Forschenden, daß das Gebäude hier eine größere Höhe habe. Es zeigte mehrere übereinander liegende Fensterreihen, welche aber kein einziges Glas mehr zu enthalten schienen.

Hier auf dieser Seite schien das Mauerwerk besser erhalten zu sein, denn auf dem Boden lagen keine Trümmer, und nur zuweilen stieß der Fuß an einen herabgefallenen Steinbrocken, sonst aber fühlte Fritz nichts als weiches Gras, welches seine Schritte fast unhörbar machte. So war er eine bedeutende Strecke diesseits der Mauer hingegangen, als es ihm war, als ob er nahende Schritte hörte. Sofort sprang er von der Mauer fort und hinüber hinter die Bäume, wo er nicht mehr bemerkt werden konnte.

Sehr bald sah er, daß er sich nicht getäuscht habe, denn kaum hatte er sich unter die Bäume niedergeduckt, als er drei Gestalten bemerkte, welche näher kamen, gerade aus der Richtung, aus der auch er gekommen war. Vorher hatte er nur den Schall ihrer Schritte gehört, jetzt aber vernahm er auch ihre Stimmen, denn sie sprachen miteinander.

„Heute hätte ich nicht erwartet, das Zeichen auf der Linde zu sehen“, sagte der eine.

„Es muß eine außerordentliche Veranlassung sein, welche den Alten treibt, uns zusammenkommen zu lassen“, bemerkte der andere.

„Ich vermute diese Veranlassung“, meinte der dritte.

„Nun, was mag es sein?“

„Der Alte hat vornehmen Besuch bekommen. Ich war in Thionville und sah, daß er Besuch abgeholt hatte. Er saß mit zwei Herren im Wagen, und mehrere Diener folgten in der zweiten Kutsche. Das steht jedenfalls in Beziehung zu unserer Versammlung.“

Damit waren jene vorübergeschritten, und Fritz konnte nichts weiter verstehen. Aber er hatte doch gehört, daß hier eine geheime Zusammenkunft abgehalten werden solle, und hielt es für wichtig, mehr über dieselbe zu erfahren. Darum versteckte er seinen Sack unter einer jungen Buche, deren niedere Äste sich fast bis zum Boden erstreckten, so daß man ihn, zumal jetzt bei Nacht, nicht entdecken konnte. Sodann fühlte er in die Taschen, um sich zu überzeugen, daß er seine Waffen noch bei sich habe, trat unter den Bäumen hervor und folgte den drei Männern, natürlich sehr leise und vorsichtig, um nicht bemerkt zu werden.

Es gelang ihm, den Voranschreitenden so nahe zu kommen, daß das Geräusch ihrer Schritte an sein Ohr drang; sich noch weiter zu nähern, hielt er nicht für ratsam.

Der Diener war ihnen nur eine kleine Strecke gefolgt, als er einen Anruf hörte, auf welche drei Stimmen ganz dieselbe Antwort zu geben schienen. Im nächsten Augenblick waren die Schritte verklungen; er konnte sie trotz allen Lauschens nicht mehr vernehmen.

Was war das? Stand hier ein Posten, eine Schildwache?

Der Horcher glitt ganz leise vorwärts. Da vernahm er vor sich ein leises Räuspern und hielt an. Eine breite, dunkle Stelle in der Mauer des Gebäudes ließ ihn vermuten, daß sich hier ein Torweg befinde. Unter diesem stand jedenfalls der Mann, welcher soeben einen Hustenreiz unterdrückt hatte. Fritz trat wieder hinüber unter die Bäume und glitt vorwärts, bis er sich dem Tor gegenüber befand.

Hier sah er eine tiefe, breite Durchfahrt, in deren hinterem Teil das Licht einer Blendlaterne einen Lichtkreis erzeugte, welcher eher imstande war, die Finsternis noch dichter erscheinen zu lassen, als sie zu erhellen. Diese Durchfahrt war mit keinem Tor versehen, und gegen den Schein der Blendlaterne zeichnete sich daher die Gestalt eines Mannes ab, welcher im Eingang stand und mit einem Gewehr bewaffnet war.

Fritz hatte die Beobachtung kaum gemacht, als er wieder Schritte hörte. Sie kamen von der anderen Seite her. Ein Mann näherte sich. Als er das Tor erreichte, fragte die Wache:

„Qui vive – Wer da?“

„Un défenseur de la France – ein Verteidiger Frankreichs“, lautete die Antwort.

„Il passe – er kann passieren.“

Auf diesen Bescheid des Postens trat der Mann ein, durchschritt die Durchfahrt und verschwand dann im Dunkel des hinter ihr liegenden Raums.

Fritz fragte sich, was nun zu tun sei. Er war sehr mit sich im Zweifel darüber.

„Das Beste ist, zu fragen, was mein Rittmeister oder vielmehr mein Doktor Müller jetzt an meiner Stelle tun würde“, sagte er zu sich. „Es handelt sich um eine geheime Zusammenkunft, welche jedenfalls hochpolitischer Natur ist. Um etwas Näheres zu erfahren, muß man die Leute belauschen, und um sie zu belauschen, muß man eintreten. Das ist zwar unter allen Umständen verteufelt gefährlich, aber ich bin überzeugt, daß der Herr Rittmeister es wagen würde. Warum du nicht also auch, Fritz? Erwischen Sie mich, nun, so hatte ich mich verirrt und war vor Ermüdung in dieser Ruine eingeschlafen. Die Hauptsache ist, zu erfahren, ob die Parole, welche ich soeben gehört habe, für alle gilt. Ich werde dies also abwarten.“

Der Lauscher setzte sich nieder und wartete. Es kamen in kurzer Zeit von rechts und links mehrere Leute, welche alle in der Weise angerufen wurden und auch genauso antworteten, wie er vorhin gehört hatte. Da trat er also, kurz entschlossen, unter den Bäumen hervor und schritt auf den Eingang zu, als ob er die Lokalitäten ganz genau kenne.

„Qui vive – Wer da?“ fragte der Posten.

„Un défenseur de la France – ein Verteidiger Frankreichs“, antwortete er.

„Il passe – er kann passieren!“ lautete der Bescheid.

Fritz trat ein, schritt durch den Gang, bei der Laterne vorbei und befand sich nun, wie er bemerkte, in einem großen viereckigen Hof, der rings von hohen Gebäuden umgeben zu sein schien. Geschlossene Mauern konnten es nicht sein, welche das Viereck bildeten, denn diese wären nicht so hoch gewesen, und zudem war es dem Deutschen ganz so, als ob er zahlreiche dunkle Fensteröffnungen erkenne. Und bei weiterer Aufmerksamkeit bemerkte er, daß an den vier Ecken das dunkle Mauerwerk höher emporragte, als es an den Seiten der Fall war.

Er beschloß daher, zunächst den Hof zu umschleichen, um sich zu orientieren. Während er dies tat, überzeugte er sich, daß an jeder Ecke einst ein Turm gestanden hatte. Alle vier waren mit einem schmalen Eingang versehen. So groß das Viereck aber auch war, und so viele Fenster es auch hatte, keines derselben war erleuchtet.

Wohin gingen alle die Leute, welcher er auch jetzt noch kommen hörte? Er beobachtete sie und bemerkte, daß sie im Eingang eines dieser Türme verschwanden. Ganz tief unten in diesem Eingang sah er ein Licht glänzen.

Gab es da unten auch eine Parole, eine Losung? Das mußte er erfahren. Fritz legte sich hart am Eingange, dicht an der Mauer, auf den Boden und wartete. Nach einer Weile kam einer dahergeschritten. Während er eintrat, fiel der Lichtschein auf sein Gesicht, und da bemerkte Fritz, daß der Mann eine schwarze Maske trug.

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